xvm. JahlMg.
Marburg, Freitag, 29. Juni 1883.
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Illustriertes SouutagSblatt
vom Landtag.
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er Abgg. Straßmann-Zelle auf Erlaß eines Gesetzes wegen lbänderung der Städteordnung vom 30. Mai 1883. Straß- jtann begründet den Antrag mit dem Hinweise auf die Notwendigkeit, die Anzahl der Stadtverordneten mit der Bevölkerungszahl der Städte in Uebercinstimmung zu bringen. Der Antrag sei nicht im ausschließlichen Interesse von )erlin gestellt, sondern aus der Erwägung hervorgegangen, aß eine derartige Regelung früher oder später überhaupt eintreten müsse; der Antrag solle auch die Regierung vor einet Maßregel bewahren, die in ihrer Gesetzlichkeit sehr
Berlin, den 27. Juni.
Auf der Tagesordnung der heutigen (85.) Sitzung de«
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Qtoei Monate waren entschwunden; mein Frennd August und Cousine Klärchen lebten bereit« in einer gar wonnigen Welt, in jenem Märchenhimmel, wo sich dir Seelen harmonisch ineinander weben, um sich in einem holden Traum zu wiegen, dem das Erwachen fremd bleiben muß, soll eS zur ewigen Wonne sich gestalten. — Klärchen, das neunzehnjährige, blühende Mädchen, hatte t^tz de« Glückes einer ersten Liebe ihre Lebensfrische und Munter- keil eingebüßt, denn eS schien ihr so unendlich schwer, niemandem von dem Empfinden sagen zu können, das ihre ganze Seele erfüllte. Sollte Sie Albina nicht zur Ver- trautin ihres süßen GeheimnisieS gemacht.haben? Da« schien mir fast unglaublich, wenn auch Albina, eben o wie ich, alles aus KlärchenS Augen la«. Da Kat plötzlich ein fürchterlicher Wendepunkt ein.
Eines Abends wurde ich zu meinem Freund gerufen, der Diener, der mich abholte, konnte kaum auf meine tau» send besorgten Fragen antworten; endlich erklärte er mir, daß sein Herr heute einen heftigen Blutsturz gehabt und kaum die Nacht überleben dürfte.
Als ich zitternd und bebend in da« Zimmer Kat, lag August unbeweglich auf dem Bette sekl schöne« Gesicht so weiß wie dir Linnen, auf denen er ruhte. Der Arzt stand zu Füßen deS Bettes mit Besorgnis erregender Mime. Ich sah gleich, daß Starke infolge des Blutverlustes in einer tiefen Ohnmacht lag; endlich erhob er die Augenlider, ein mattes Lächeln der Freude glitt über di- bleichen Züge , ich erriet aus feinen Blicken, daß ich näher kommen sollte, und neigte mein Ohr ganz zu seinem Munde. .Lieber
Das Sramaherz.
Von Karl Echrattenthal.
IV.
J I», das mit dem 1. Juli beginnende III. Quartal werden ü M der Expeditton, sowie von allen Postanstalten und deren ' -zildvostboten angenommen. Damit in der Uebersendung ine Unterbrechung stattfindet, ersuchen wir, die Bestellungen baldigst zu machen. Reu eintretende hiesige Abon- enten erhalten das Blatt bis zum Schluffe diefeS Monat« »tiS, auswärtige gegen Einsendung der Postquittung.
Expedition der Oberhess. Ztg.
sicht fundamental geändert oder er sei damal« Im Kollegium in der Minorität geblieben.
Abg. Zelle sagt, daß die Regierung mit der Stadt Berlin keinen Krieg führe, erhelle ja au« der Ausführung der Maßregel. E« scheine nur, al« ob die Regiemng durch daS Wirken einer gewtsien Richtung jetzt zu der Auflösung veranlaßt worden sei.
Minister v. Puttkamer entgegnet, die künftige Zu» sammensetzung der Stadtverordnetenversammlung sei ihm ziemlich gleichgiltig. E« sei aber zu bestreiten, daß da« Heil der Stadt davon abhänge, daß die Verwaltung in der bisherigen Richtung der Gesinnung und von den hetreffen- den Personen weitergeführt werde.
Abg. Windthorst empfiehlt die kommiffarische Beratung des Antrags. — Der Antrag Zelle wird darauf der Gemeindekommisston überwiesen.
Da« HauS erledigte sodann Wahlprüfungen. Bei der Wahl im Kreise Angerburg-Lötzen bringt Abg. Dir ich le t ein Schreiben de« Regierungspräsidenten Steinmann zur Sprache. Derselbe habe in der Absicht konservativer Propaganda alle Rücksicht außer Augen gelaffen. Minister v. Puttkamer entgegnet, ihm sei da« Schreiben noch nicht bekannt, er könne also darüber nicht urteilen, man könne sich aber bei den maßlosen Anschuldigungen gegen Steinmann über die tiefgehende Verletztheit desselben nicht wundern. Die Wahl selbst wird nach dem Kommissions- Anträge beanstandet, die Wahlen der Abgg. Schäffer und Boyer werden gutgeheißen; die Wahl de« Abg. v. Schencken- dorff (Görlitz) wird zu nochmaliger Prüfung an die Kom« Mission zurückgewiesen, eine Reihe weiterer Wahlen für gültig erklärt. Nächste Sitzung morgen 11 Uhr. (Gesetz über die Schulversäumnifie und Petitionen.)______________
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Deutscher Reich.
Bertt«, 27. Juni. Die „Provinzial-Korrespondenz' bespricht die Ktrchenvorlage und sagt, der katholischen Bevölkerung sei ein neuer Beweis geliefert, daß die Regierung nicht nur ein Herz für die seelsorgerische Not, sondern zugleich volles Verständnis für die Auffassung der Katholiken bezüglich der kirchenpolitischen Beziehungen habe. Mit praktischem Sinn sei man dem praktischen Bedürfnis entgegengekommen/ soweit das ohne Preiögebung der Staatsrechte möglich sei. Auf den Verlauf der Sache sei e« nicht ohne Einfluß gewesen, daß die Nationalliberalen und ein Teil der Sezesstonisten den gesamten Gesetzentwurf prinzipiell bekämpft haben, wenn sie auch Artikel 4 wieder herzustellen beabsichtigten. Darum wurde die Erwägung maßgebend, daß e« auf da« Zustandekommen de« Gesetze« überhaupt ankomme und die Streichung einer nicht wesentlichen Bestimmung kein Grund zur Gefährdung de« Ganzen sein könne. — Die „Nordd. Allg. Ztg.' erklärt die Be
in dieser bangen (Situation beistehen würde, da gewahrte ich Albinen. Sie stand an die Mauer gelehnt und blickte mit glanzlosen Augen herüber, ohne sich jedoch von der Stelle zu bewegen. Ihr Antlitz war so bleich, so erschreckend bleich, die Lippen bebten, al« wollten sie einige Worte stammeln, — und doch öffnete sich dieser Mund nicht, — ein furchtbarer Kampf schien in ihrem Innern zu toben.
Klärchen öffnete die Augen, sie sah ihre Schwester, und al« hätte sie plötzlich Riesenkräfte, schnellte sie empor und stürzte sich schluchzend um den Hals Albinen«. — „Laß mich an Deinem Herzen meine Qualen, meine Leiden au«* meinen," rief sie im Tone unsäglichen Jammer«, „laß mich aus Deinen lieben Augen den Trost lesen, daß ich noch nicht ganz allein auf Erden stehe, wenn August nicht mehr lebt!'
„Ich verstehe Dich nicht, liebe Schwester», entgegnete Albina mit einem Tone, der mir alle« Blut zu Ei« verwandelte. „Du wirst mir doch nicht die Augen auSweinen um einer solchen Neigung willen, sie verursacht auch nicht mehr Schmerz al« eine Studentenliebe!'
Klärchen sank, wie von einem Dolch in« Herz gekosten, in den Stuhl. Albina lehnte fast bewußtto« an der Thür, die Hand gegen die Stirne gedrückt, sie wagte e« offenbar nicht, die Augen aufzuschlagen.
Ich war im Innersten empört, jede Fiber bebte in mit, al« ich ihr im Tone tiefster Verachtung entgegenrief:
„Albina, wa« hast Du gethan? Du hast e« vermocht, in einem Augenblicke jede edle Regung Deine« Herzen« zu verläugnen? Diesen Makel können selbst die Thränen der bittersten Reue nicht verlöschen!'
(Schluß feiet.)
Anzeigen trimmt emgeeen: die örpebitien d. Blatte«, sowie d.Amwncen-Bnre«r von 8. 8. Daube u. So. in Frankfurt a. M.; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin: W. Thiene« in Oöetfelb: 6- Schlotte in
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gewesen sei, während der Antrag Straßmann nur allmählich die« erreichen könnte, aber unzuträgliche Komplikationen Im Gefolge haben müßte. E« sei doch ein Widerspruch, daß dieselbe Maßregel, welche vor einiger Zeit al« eine unab- wrisliche, durchaus gesetzmäßige Maßregel gefordert worden fei, jetzt als ungesetzlich und versaffungöwidrig bezeichnet werde. Daß die Auslösung die kommissarische Verwaltung nach sich ziehe, sei gerade nicht notwendig, aber e« wäre durchaus gesetzlich; die Regierung habe eben auch in wohlwollender Absicht von einer kommissarischen Verwaltung abgesehen, weil da« eine Härte gewesen wäre und weil sie die Auflösung lediglich im geschäftlichen Jntereffe beantragt habe; sie habe deshalb der bisherigen Versammlung daS Kommissarium überlasten bi« zum Eintritte der Nachfolger. Sollte einmal eine neue Städteordnung beraten werden, so könnte eine Neugestaltung im Sinne des Antrages zur Erörterung kommen, jetzt sei aber dafür keinerlei Notwendigkeit vorhanden, da alle« in bester Ordnung fei.
Abg. v. Minnigerode bezeichnet ebenfalls die Auflösung der Berliner Stadtverordnetenversammlung al« eine notwendig gewordene Maßnahme; im übrigen sei seine Partei der Tendenz des Antrages nicht gerade abgeneigt, er empfehle deshalb die Beratung de« Antrag« durch die Gemeindekommifston. Abg. Ho brecht fagt, eS fei al« eine besondere Gunst zu erachten, daß der Antrag erst jetzt' zur Behandlung komme, wo die Auflösung der Berliner Stadtverordnetenversammlung eine abgethane Sache und wo der Maßregel durch die wiederholten Aeußerungen de« Monarchen, daß sie nicht au« Mißbilligung veranlaßt worden, der Stachel genommen sei. Ein praktische« Bedürfnis zu einer generellen Regelung der Angelegenheit liege allerdings vor; die rechllichen Bedenken gegen die Auflösung teile er ebenfalls. Abg. Cremer rechtfertigt die Auflösung der Berliner Stadtverordnetenversammlung; die Stadtvertretung bezeichne die Maßregel jetzt als ungesetzlich lediglich aus Opposition gegen die Staatsregierung, die Liberalen fürchteten um ihren Besitzstand und daß die inneren Vorgänge der Verwaltung bekannt werden; sie suchten deshalb die Maßregel als Strafe zu kennzeichnen; möge die Neuwahl die Strafe als eine verdiente ergeben. Wie der Abg. Straßmann die Auflösung als eine Kur ä la Doktor Eisenbart bezeichnen könne, müste der von den Liberalen stets bekannten Loyalität überlasten bleiben.
Minister v.Puttkamer erklärt, er habe diese Aeuße* rung Straßmann« überhört, er würde sonst eine deutliche Antwort darauf gegeben haben. Dem Abg. Hobrecht gegenüber verliest der Minister eine von Hobrecht als Oberbürgermeister unterzeichnete Magistrats - Entschließung von 1878, welche den Auflösungsantrag bespricht, ohne mit einer Silbe die Gesetzmäßigkeit der Auflösung anzuzweifeln; danach habe also Hobrecht mittlerweile seine An- Freund!» lispelte der Kranke, „in kurzer Zeit bin ich viel- leicht nicht mehr; nimm dort das Bild von meinem Schreib» tische und bringe dasselbe mit den innigsten Grüßen meinem Klärchen, damit sie steht, daß ich noch in den letzten Angenblickm meines Lebens an sie gedacht. Leb wohl und eile gleich zu ihr.' — Eine Thräne perlte über seine bleichen Wangen, — ich drückte ihm stumm die Hand und eilte zu Sanbau. „
Als ich ins Zimmer trat, saß Klärchen am Fenster und blickte nach dem wolkenlosen Himmel; sie war jedenfalls betrübt, daß August heute nicht zum Besuche kam. Ich blieb lange an der Thür stehen, well ich In meiner HnzeuSaugst keine Worte finden konnte. In mir selbst wühlte der Schmerz um den totkranken Freund, und dort saß träumend daS arme Mädchen und dachte an ihn, nicht ahnend, daß er in diesem Augenblicke vielleicht seine Seele au-hauchte.
Da trat ich vor; durch das Geräusch auf geschreckt, blickte sie ängstlich forschend nach mir. Meine Züge mochten wohl deuttlch genug gesprochen habm, denn Klärchm |,1 „
„Du bringst mir schlimme Post, sprich doch, ich bitte Dich.'
„August ist sehr krank,' entgegnete ich, ihr da« Bild hinreichend. , L
„Er schickt da« BUd, um das ich Bat, und ist krank? O, sag' alle«, alle«, hörst Du? O, Gott, vielleicht ist er tot und hat noch mein gedacht mit seinem letzten Hauche.
Sie sank bewußtlos in den Stuhl zurück, — ich war ratlos. Schnell benetzte ich ihre Schläfe mit frischem Wasier, das Bewußtsein kehrte zurück. Ich bemühte mich, sie aufzurichten, — und als ich meinen Blick in der Hoffnung nach der Thür richtete, daß mir doch viellecht jemand
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Minister ». Pultlamir: Die Regierung werde stet« erst nach erfolgter Prüfung der gesetzlichen Bedingungen einer Maßregel verfahren; einen derartigen bevormundenden Schutz, wie ihn der Straßmannsche Antrag enthalte, müsfe - iä sie ablehnen. Ein Bedürfnis sür eine derartige stückweise - 1« Regelung liege nicht vor, denn die Städte, für welche der — - Antrag von Bedeutung wäre, hätten sämtlich die Notwendigkeit einer derartigen ober anberen Regelung verneint. Die Erörterung deS Antrages durch eine Kommission, wie beabsichtigt scheine, würde lediglich einen akademischen Charakter erhalten, denn zur Verabschiedung könne daS Gesetz offenbar nicht mehr kommen. Die Legalität der Auflösung der Berliner Stadtverordnetenversammlung und die Abgrenzung der Kommunalwahlbezirke Berlins sei von bet Berliner Stadtverordnetenversammlung selbst niemals bestritten worden, als sie selbst die Auflösung gefordert habe. Die jetzt erfolgte Auflösung der Berliner Stadtverordneten- dersammlung habe lediglich einen geschäftlichen Charakter, um auf diese Weise die Beseitigung entstandener Uebel- stände zu erreichen. Insofern fei auch die jetzige Ordnung vorzuziehen, weil sie mit einem Schlage eine Neugestaltung
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