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Marburg, Donnerstag, 28. Juni 1883.
XVM. Jahrgang.
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na» Sonn, und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen Beilage „gtoftarttf eornttagW««" durch die Witton (Kochi»« durch die Postämter ^eS Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Vf6« lexcl- Bestellgeb^r.) —JnserNoii^gebühr für die gespaltene Zeile 10 Vf«.
Mr in der Expedition zu ertheilende AuSkunst und Annahme von Adressen werden 2K Pfg- berechnet-
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ff- M »orben ift, find die Oberschlesische und die Berlin-
Brus.- R-iKe Kkbienenweae spielen für den
»ambur'ger Bahn. Beide Schienenwege spielen für den
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- i Men deutschen und europäischen Verkehr eine maßgebende - । Rolle und haben stch außerordentlich günstiger Erträgnisse I j zu rühmen gehabt.
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' Der Gesellschaft, welche sich im Eigentum der erstgenannten Bahn befindet, ist für die Stammaktien sämtlicher Kategorien eine feste Jahreörente von IOV2 Prozent imb bare Zuzahlung von 15 Mark pro Aktie angeboten worden. Stach Ablauf der Frist für den Umtausch der Stammaktien gegen 4prozentige Konsols soll der Staat da» Recht erhalten, da» Eigentum an das Gesellschaftsvermögen gegen einen Kaufpreis von 132 364 350 Mk>, sowie gegen llebernahme sämtlicher Schulden zu erwerben und die Liquidation der Gesellschaft herbeizuführen.
Der Berlin-Hamburger Bahngefellschaft ist für ihre Stammaktien eine feste JahrcSrente von 14Vr Prozent anaeboten Der EigentumSübergang auf den Staat und die Liquidation der Gesellschaft bleibt bi» zu entsprechender Aenderung der GefellschastS-Statuten ausgesetzt, in welchen die Auflösung nur für bestimmte, hier nicht zutreffende Ulle vorgesehen ist.
An dritter Stelle steht die Altona-Kieler Bahn, welche (neben der Hamburg-Lübecker Bahn) als Vermittlerin des
Die günstige» Erfolge -es StaatSbahusYstems toben die Regierung dazu bestimmt, auf dem beschrittenen Wege weiter zu gehen und sechs Privat-Eisenbahn-Gesell- ichaftcn Anerbietungen, betreffend die Ueberlasfung ihrer Wien an den Staat, zu machen.
Die wichtigsten der Bahnlinien, deren Uebergang in daS Eigentum des preußischen Staats in Aussicht genommen o m l i tttth kl» Mort ttts
Güteraustausches zwischen dem wichtigsten Nordsee«Hafen und der Ostseeküste von hoher Bedeutung ist. Der Gesell- schaft, welche sich im Besitz dieser Linie befindet, ist für ihre Stammaktien eine feste Jahreörente von 9Vs Prozent und bare Zahlung von 13 Mark 50 Pf. pro Aktie geboten. Nach Ablauf der Umtauschfrist erhält der Staat das Recht, das Eigentum des Gesellschaftsvermögens gegen einen Kaufpreis von 27675000 Mark, sowie gegen Uebernahme sämtlicher Schulden zu erwerben, und die Liquidation der Gesellschaft herbeizuführen.
Mit der Verstaatlichung der vorstehend genannten drei Bahnen wäre die Herrschaft über alle Hauptadern des innerhalb der Grenzen des preußischen Staatsgebiets stattfindenden großen Verkehrs in die Hände der Regierung gelegt. Zum Behuf möglichster Vervollständigung des Systems find aber noch drei anderen Bahngefellfchaften Angebote zur Uebertragung ihres Eigentums an den Staat gemacht worden. Diese Bahnen gehören der östlichen Hälfte der Monarchie an, innerhalb welcher dann nur noch einige kleine, von der die großen Linien beherrschenden staatlichen Eisenbahnverwaltung materiell abhängig gewordenen Privat- bahnen von sekundärer Bedeutung übrig bleiben.
Ueber die diesen drei Linien gemachten Vorschläge berichtet der „Staatsanzeiger" das Folgende:
Der BreSlau-Schweidnitzer-Freiburger Eifenbahngesell- schast ist für ihre Stammaktien eine feste Jahreörente von 4Vz Prozent und bare Zahlung von 30 Mark pro Aktie geboten. Nach Ablauf der Umtauschfrist erhält der Staat das Recht, das Eigentum des GefellschaftSvermögenS gegen einen Kaufpreis von 36337500 Mark und Uebernahme aller Schulden zu erwerben und die Liquidation der Gesellschaft herbeizuführcn.
Der Rechten Oder-Ufer-Eifenbahngesellschaft ist sowohl für ihre Stammaktien, wie für ihre Prioritäts-Stammaktien eine feste Jahreörente von 72/5 Prozent und bare Zuzahlung von 30 Mark pro Aktie geboten. Nach Ablauf der Umtauschfrist erhält der Staat daö Recht, das Eigentum des GefellschaftSvermögenS gegen einen Kaufpreis von 67500000 Mark, sowie gegen Uebernahme aller Schulden zu erwerben und die Liquidation der Gesellschaft herbeizuführen.
Den Aktionären der Posen - Creutzburger Eisenbahn- gesellschaft ist Umtausch der Aktien gegen vierprozentige Konsols dermaßen angeboten, daß für je drei Stammaktien ä 300 Mark eine StaatSschulvverschreibung zum Nominalbeträge von 300 Maik ab 1. Juli 1884 verzinslich, für je eine Prioritäts-Stammaktie ä. 600 Mark Staatsschuldverschreibungen im Nominalbeträge von 600 Mark ab
Neujahr 1884 verzinslich, gewährt werden. Das Eigentum an der Bahn geht sofort an den Staat über. Dir Urberweisung des Kaufpreises von 9 Millionen Mark rrfolgt ein Jahr später.
Die Erhöhung der Offerten, deren Annahme durch die Generalversammlungen bis zum 15. Oktober zu erfolgen hat, wird als auSgefchloffen bezeichnet.
Es darf als ein Erfolg der von der Regierung ein- gefchlagencn Eisenbahn-Politik bezeichnet werden, daß gegen die vorstehenden namhaft gemachten Verstaatlichungs-Projekte Stimmen von Gewicht nirgend mehr erhoben worden find. Hie und da werden die früheren Bedenken gegen da« Staatsbahn-System, insbesondere die Befürchtungen vor einer „wirtschaftlichen Uebermacht" der Regierung und der „weiterer Vermehrung der Zahl durch ihre Beamtenstellung abhängiger Personen" wohl noch schüchtern wiederholt, — daß die Vorteile überwiegende find und daß ein von der Regierung geübter Einfluß auf das Verkehrs- und Wirt« fchaftsleben dem öffentlichen Nutzen ungleich mehr entspricht, als die Vorherrschaft auf ihren Sondervorteil bedachter großer Privatgefellschaften, wagt man indeffen nicht mehr mit der früheren großsprecherischen Zuversichtlichkeit zu bestreiten. Selbst dir entschiedensten prinzipiellen Gegner haben anerkennen müssen, „daß Minister Maybach manche der früher an die Verstaatlichung geknüpften Besorgnisse zu verscheuchen und die gehegten Erwartungen zu über- taffen gewußt habe", daß es kein staatliches Interesse mehr gebe, welches die Aufrechterhaltung der übrig gebliebenen Privatbahnen fordere und daß endlich die dm sechs gedachten Bahnen gemachten Anerbietungen als den bisherigen RentabilitätSverhältniffen durchaus entsprechende bezeichnet werden müßten.
So hat daö unter dem heftigsten Tadel der Oppositionsparteien begonnene Werk der preußischen Etsenbahnver- staatlichung alle Aussicht darauf, unter nahezu einstimmiger Anerkennung zum Abschluß gebracht zu werden!__________
^scheint täglich außer an den Werktagen nach Bonn« un» seien« Buchdruckerei) bezogen 21/. Mark, durch die Postämter
r Das Framuherz.
Von Karl Schrattenthal.
Klärchen war aus einem süßen wohlthuenden Schlummer erwacht. Sie eilte, nachdem sie ihre zarten Glieder in ein Morgenkleid gehüllt, zu ihrer Schwester, um ihr mit einem innigen Kusse einen guten Morgen zu wünschen, - doch Albina war nicht da. In ihrer Herzensangst eilte Klärchen hinaus in den kleinen Garten, sie hattte sich nicht getänscht - dort saß Albina in einer Laube, bleich, als hätte der Todesengel ihre Lippen berührt, und bfc "^Albina, teure Schwester! was ist Dir geschehen?" tief das Mädchen, stch neben die Trauernde niederlassend und dieselbe zärtlich umschlingend.
Frag' mich nicht, Klärchen, e« ist bester, wenn ich« schweigend mit mir trage und Dich nicht zur Mitwisserin eines kurzen Wahnes mache, besten Wonne und namer^ losen Schmerz Du doch nicht zu würdigen verständest. Doch ja, laß mich sprechen, ich habe nie in meinem Leben solch eine Sehnsucht nach Mitteilung gefühlt, als eben jetzt, wo mich ein gräßliches Leid wie aus toten Augen angrinst und mein Herz nicht im stände ist, oll die Qual allein zu tragen — als eben jetzt, da ich all die Lelden kennn lernte, die stch in einer langen, bangen Nacht nicht aus- »einen lassen. Sieh die Sonne dort, wre sie emporklimmt »n den Bergen, sie hat mit mir geweint, und fetzt steigt sie höher und höher und bringt Leben und Wonne, der versöhnende Heiland in seinem Strahlenglanze, der uns Licht und Leben bringt — doch mir bringt °r mlr die Sehnsucht nach den Stunden, da mein Adolf k^ und mich in seinen Augen lesen ließ, was er deS Nachts von Mir geträumt! — Jetzt ist er fort, der Vater hat ihn ab gewiesen, unv ich bleibe da, dem -schmerze zur Beute! O, könntest Du dies Leid nur fasten, wich verstehen \
„Nein, Albino," entgegnete Klärchen, „ich verstehe
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Dich wahrlich nicht! Du wirst Dir doch nicht die blauen Augen ausweinen, wegen einer kleinlichen Studentenliebe?"
„Schwester! Gott möge Dir diese Worte verzeihen, ich nie!"
Albina war emporgesprungen, ihr Antlitz flammte in glühender Röte — daö sonst so sanfte Auge sprühte Blitze deS beleidigten Stolzes — und hochaufgerichtet verließ sie den Garten! Sie hatte all ihre Selbstbeherrschung wiedergewonnen — sie war die ernste, gegen jeden freundliche Albina, wie sie eö immer gewesen — und Klärchen, die alles so gerne wieder gut gemacht hätte und tausendmal um Verzeihung bat, bekam stets nur die kurze Antwort: „Laß da«; quäle mich nicht mit der Erinnerung an die bitterste Stunde meines Lebens, wozu auch suchte ich Trost und Labung? Ich hätte es schweigend selbst ertragen sollen, so wie ich jetzt thue. Ich war feige — und bin bestraft dafür, daß ich mir soviel Kraft nicht zutraute. Wozu all die Worte, war eS doch nur eine Studentenliebe."
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Der unheilvolle Krieg des Jahres 1866 war vorüber. Der Friede war geschlosten. Wem es nur Halbwegs möglich war, der eilte nach den unsäglichen Mühen heim in die Arme seiner Lieben, um dort vom wllden Kriegs- und Lagerleben auSzuruhen.
Ich hatte auch Urlaub genommen, um mein geliebtes Schönberg, meine Eltern und meine Cousinen Albina und Klärchen wiederzusehen. Ich fand leider vieles verändert. Albina, der ich seit meiner Kindheit mit mehr als verwandtschaftlicher Liebe zugetban war, schien mir ernster und schweigsamer denn je; sie leitete das Hauswesen wohl mit derselben Ruhe wie immer, doch war sie unnahbarer geworden, und selbst gegen mich, dem sie sonst dar unbegrenzte Vertrauen schenkte, blieb sie verschlossen. Das war mir peinlich. Alle meine herzlich gemeinten Fragen blieben unbeantwortet. Albina war kalt geworden gegen alle, die
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Deutsches Reich.
Berlin, 26. Juni. Die „National-Ztg." brachte in ihrer Sonntagsnummer die Nachricht, daß der Reichskanzler auf den Rat des Dr. Schwenntuger eine Kur unternommen und wieder abgebrochen hätte, weil die angewandten Mittel von nachteiligem Einfluß auf sein Befinden gewesen wären. Die „Nvrdd. Allg. Ztg." bemerkt hierzu: die Mitteilung ist unwahr. Der Fürst hat weder Mittel genommen, noch stch einer Kur unterzogen, die gastrische Störungen hätte hervormfen können. Eine schablonenhafte Diät, von welcher die schlecht unterrichtete sie liebten, doch besonders gegen ihre Schwester. Ich versuchte alle Mittel, um mir Licht und Aufklärung zu verschaffen, doch vergebens!
In Schönberg garnisonierte ein Jigerbataillon, bei welchem mein guter Freund Starke diente, mit dem ich schon in der Akademie alle Leiden und Freuden einer streng militärischen Erziehung geteilt. Starke hatte jedoch bei Königgrätz eine Wunde erhalten, und obwohl schon auf dem Wege der Befferung, durfte er das Zimmer noch nicht verlassen. Ich besuchte ihn täglich, um ihm die langen, bangen Stunden, so viel in meinen Kräften stand, angenehmer zu gestalten, und al« endlich der Arzt dem Kranken die Erlaubnis zu einem Spaziergange in« Freie gestattete, da ließ ich es mir nicht nehmen, meinen guten Kameraden zu begleiten.
Wir lenkten unsere Schritte nach dem Stadtparke. Wie wohthuend wirkte die frische Luft, die von den Bergen herniederwehte, auf den Genesenden! Ein leichte- Rot verschönte seine sonst so bleichen Wangen und seine großen, braunen Augen glänzten im Hochgefühle neue» Lebenslichtes. — Als wir so langsam, Arm in Arm, dahinschritten, kamen uns die „Rosen von Schönberg" in Begleitung ihres Vaters entgegen. Ich benutzte die Gelegenheit, meinen kranken Freund vorzustellen, und die wenigm Worte, die gesprochen wurden, genügten vollkommen, um mich zu überzeugen, daß das mutwillige Klärchen mit großem Interesse dem geistreichen Starke lauschte, und al« beim AuSeinandergehen mein Onkel zu mir sagte: „Du
wirst doch hoffentlich Deinen Freund nicht immer zu Hause lassen, wenn Du zu unS kommst?" — da erhaschte ich einen Blick auS KlärchenS dunkeln Augen, der mir zur Genüge sagte, wie ste im Innern ihrem Vater für seine Liebenswürdigkeit dankte. — Wir entfernten un« mit der Versicherung, recht bald von der freundlichen Einladung Gebrauch zu machen. (Fortsetzung folgt.)
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