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DßnHcheK Reich.

Berlin, 23. Juni. Die von hiesigenZeitung« per« breiteten Nachrichten über da» Befinden de« Reichskanzler« sind insofern unrichtig, als dieselben von einem leichten Unwohlsein sprechen. Fürst Bismarck ist vor 8 Tagen an einem heftigen Magcnkatarrh, verbunden mit Geleucht, erkrankt und hat sich infolge desien von allen Geschäften zurückziehen müssen. Seit gestern ist eine Wendung zum Bessern eingetreten. Der Fürst ist aber noch immer au da« Krankenzimmer gefesielt. An den Vorstand der nationalliberalen Fraktion hat Herr v. Bennigsen nunmehr auf die ihm überreichte Adresie eine Antwort erlassen, die stch indessen darauf beschränkt, seinen Dank und hie Brr« stcherung fernerer Freundschaft auszusprechen, auf die Motive seines Rücktritts vom parlamentarischen Schauplatz aber nicht näher eingeht. Es ist schon seit einiger Zeit zu bemerken gewesen, daß in der freikonservativen Fraktion über die ksrchenpolitischen Fragen Meinungsverschiedenheiten bestehen. Auch bei den Abstimmungen in der heutigen Sitzung kam das zu Tage. DieNordd. Allg. Ztg.' bringt nun eine längere Mitteilung, wonach die Difirrrnzeu in der Fraktion über die kirchenpolitische Vorlage ernster Natur sind. In der FraktionSsttzung stellten die älteren Mitglieder, welche durch ihre hervorragende Thätigkrit bei der Maigesetzgebung und im Kulturkampf bekannt sind, die Forderung, daß die Fraktion in zweiter Lesung geschlossen für jeden Artikel deS Gesetzes, dann aber in dritter Lesung gegen daS ganze Gesetz stimmen soll, falls das Hau« den von Freiherrn v. Zedlitz wiedereingebrachten Artikel 4 der Regierungsvorlage ablehnen sollte. Diesem Verlangen widersetzten stch aber ein Teil der Gemäßigten, nameullich der neu eingetretenen Fraktionsgenossen, welche dem Kultur» kamps fern stehen und ihren katholischen Wählern da» Versprechen gegeben haben, alle« zu thun, um eine ge­ordnete Seelsorge zu ermöglichen. Nahezu rin Fünftel her gestern unwesenden Mitglieder hielt sich moralisch für ver« pflichtet, sofort aus der Fraktion auszutreten, wenn, die Fortsetzung des Kulturkampfes zum Programm der Frei« konfervativen erhoben würde. Wenn wir richtig berichtet sind, soll dies in der gestrigen Abendsttzung von mehreren Herren ausdrücklich erklärt worden sein. DaS Rrsuttat war denn auch, daß eine namhafte Majorität für,,hie Wiedererlangung deS kirchlichen Friedens rttnb hie Unter­stützung der Regierungspolitikin dieser Frage' eintrat und der obige Antrag abgeleht wurde. Der Vorstand der freikonservativen Partei (Stengel, Freiherr v, Zedlitz und v. DziembowSki) erklärt nun in derPost', daß -die

und nach eine große Anzahl Bewerber einstellte, von denen .jedoch keiner den Mut hatte, sich einer beseligenden Hoffnung hinzugeben, da der Vater.einst geäußert, daß keine seiner Töchter vor dem erreichten neunzehnten Jahre stch die Myrthe in daS Haar flechten dürfe. Was.tzas mutwillige Klärchen anbelangt, machten ihr die zahllosen Huldigung« «in sichtliches Vergnügen, doch in ihrem Herzen-tobt« nur ihr Vater, der Kanachvpogel und vor allem ihre Schwester; da gab eS noch keinen Raum für.eia-Gefühl, das stch unauslöschlich einprägt, daö daS Seelenleben in andere schönere Bahnen leitet. Der geistreiche und weg« seiner Schönheit bei der Dam.nwelt de» Städtchen« wohl­bekannte Studiosus Adolf Reinwald war auch eiuer der gern gesehenen Gäste. Er war infolge feine« leidend« Zustandes nach Schönberg gekommen, um hier, in der frischen Luft der Berge und Wälder, seine anMriffeue Gesundheit zu restaurieren, und oblag, hier seinem Studium der Rechte. Der Jüngling ließ keine Gelegenheit vorüber­gehen, die Abendunterhaltung im Hause der Zwilling«, schwestern zu besuchen, und Albina merkte gar bald, daß durch seine Anwesenheit die Stunden ungleich angmehmer verflossen; ste lauschte seinen Worten mit regster Teilnahme, und wenn stch sein dunkles Auge iu das. ihre versenkte, al» wollte eS darin die Seligkeiten eines süßm Glücke» erwecken und emporziehen durch magnetischen Zauber, dann beganu Ihr so sanftes Herz gewaltig zu pochen, uud wo« da» er­regte Herz sagen wollte, erstarb wohl auf den Lippen, doch eS lebte in glühender Sprache auf den Wang« de» Mädchens.

(Fortsetzung felgt.)

Marburg, Dienstag, 26. Juni 1883.

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einsehen, daß eS notwendig sei, jetzt neue positive Bestim­mungen zu treffen. WaS not thuc, sei vielmehr, die große Mißstimmung zwischen einer großen Minorität (den Katho­liken) und der Majorität der Bevölkerung zu beseitigen. Und wenn die Konservativen an sich auch gegen den Art. 4 - nichts hätten, so wäre er doch nicht so viel wert, um seinet­wegen das ganze Gesetz zu Falle zu bringen. DaS würde ein durchaus unpraktisches Vorgehen sein. Wer ernstlich die Erleichterungen des Art. 1 wolle, müsse das Gesetz auch ohne den Artikel 4 annehmen.

Abg. Büchte mann erklärt, daß seine Freunde sich nicht entschließen könnten) das diskretionäre Ermessen deS Ministers durch Uebertragung der Funktionen deS kirch­lichen Gerichtshofes den sie übrigens durch daS Ober- VerwaltungSgericht zu ersetzen wünschen noch zu ver­mehren. DaS ganze Gesetz sei verfehlt und führe zu unannehmbaren Konsequenzen.

Kultusminister v. Goßler hält den Antrag v. Bitter für besser als die KommisstonSbcschlüffe und wohl an­nehmbar, indes würde die Regierung aus der Ablehnung desselben und dem Festhalten an den Kommissionsbeschlüffen keinen Grund herletten, den Kommissionsbeschlüffen über­haupt nicht zuzustimmen. Der Schwerpunkt der Vorlage liege übrigens in Art. 1.

Abg. Windthorst wendet sich gegen den Antrag von Bitter. Die Katholiken hätten nicht nötig, ihre Rechte, die ihnen zudem durch Fürstenwort garantiert seien, zu er­betteln. Jeder, der es gut mit dem Vaterlande meine und den Frieden wolle, müsse dem Kommissionsbcschlusse zu­stimmen.

Der Antrag v.Bitter wird darauf abgelehnt und die Art. 3, 5, 5a. und 6 der Kommissionsbeschlüsse unverändert angenommen.

Ohne jede Debatte wurde darauf der Gesetzentwurf, betreffend die Ausübung des dem Staate zustehendrn Stimm­rechts bei dem Anträge auf Ausdehnung des Unternehmens der Westholsteinischen Eisenbahngesellschaft auf den Bau und Betrieb einer Eisenbahn von Wesselburen nach Büsum, in erster und zweiter Beratung erledigt.

Bei Fortsetzung der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Behandlung der Schulversäumnisse, werden darauf die §§ 4 bis 8 inkl. debatteloö genehmigt. Bei § 9, welcher bestimmt, daß die Geldstrafen denjenigen Ver­bänden zufließen, welchen die Unterhaltung der Schule ob­liegt, hat daS Herrenhaus beschlossen, daß von diesen Ver­bänden die nicht einziehbaren Kosten des Zwangsverfahrens zu bestreiten sein sollen. Die Kommission dieses Hauses hat diesen Zusatz gestrichen. Abg. Drawe beantragt die Wiederherstellung der HerrenhauSbeschlüffe; das HauS lehnt indes diesen Antrag ab. Der Rest des Entwurfs veranlaßt keine Debatte; die Beschlüsse der Kommission werden ge­nehmigt.

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Trotz der allgemein ausgesprochenen Gleichheit der beiden Wunderblumen Schönbergs, trotzdem sie beide ein Leib, eine Seele schienen, gab es doch einen bedeutenden Unterschied. Albina hatte ein blaues, seelenvolles Auge, der holde Wie­derschein eines sanften, zartfühlenden Herzens. Bei Unter­haltungen, die in dem Hause ihres reichen Vaters sehr häufig vorkamen, pflegte ste zumeist schweigsam zu sein, nur hier und da einige Worte zu sprechen, die, immer gehalt­voll, auf ein reges Geistesleben schließen ließen und wie Goldkörner in eine Wüste leeren Salongeplauders fielen, indes Klärchen stets die Hauptrolle spielte, mit ihrer Heiter­keit oft sogar in das Bereich des Mutwillens geriet und mit den schwarzen Augen/ die lebhaft unter der zarten Hülle seidener Wimpern ihr Feuer sprühten, alle Herzen im Sturm zu erobern wußte. Trotz dieser Verschiedenheit, oder vielleicht infolge derselben, waren sich die beiden Schwestern mit wahrer idealer Schwesterliebe zugcthan. So waren dieRosen von Schönberg' sechszehn Jahre alt gewordm. Welch glückliche, poesievolle Zeit! Albina war eine holde, ernste Jungfrau geworden, Klärchen blieb ein Kind. Sie hüpfte wie ehedem, einem muntern Rehe gleich, im Haufe umher und sang um die Wette mit dem kleinen Kanarienvogel, der im vergoldeten Bauer stch deS Lebens freute. Daß stch nun immer mehr Besucher ein­stellten, ist um so leichter begreiflch, da die ZwillingS- fchwestern nicht nur schön, anmutig und liebenswürdig, sondern auch sehr reich waren. Ihr Vater, der seine Kinder von ganzer Seele liebte, wollte ihnen kein Ver­gnügen versagen, und so kam cs, daß öfter denn je HauS- Unterhaltungen gegeben wurden, zu denen nicht nur die nächsten Verwandten, sondern überhaupt die Intelligenz Schönbergs Zutritt hatte. Kein Wunder, daß sich «ach

vom Laudtag.

Berlin, den 23. Juni.

In der heutigen (83.) Plenarsitzung des Abgeord­netenhauses wurde nach einigen geschäftlichen Mit­teilungen die zweite Beratung der kirchenpolitischen Vorlage fortgesetzt.

Abg. v. Bitter und Genossen beantragen, den Art. 4 der Regierungsvorlage, den die Kommission bekanntlich ge­strichen hat, als Art. 2 wieder herzustellen. Für diesen Antrag spricht zunächst Abg. F r a n ck e (Nationalb.), während Abg. von Wedell-PieSdorf die Beschlüsse der Kom­mission als zweckmäßig charakterisiert. Der Art. 4 habe mit Rücksicht auf das Bestehenbleiben deS Gesetzes vom 11. Mat 1873 durchaus keinen erheblichen materiellen Wert und sei gestern vom Abg. v. Zedlitz in seiner Be­deutung sehr überschätzt. Die formelle Bestimmung deS Art. 4 aber, daß die Berufung an den kirchlichen Gerichts­hof in Fortfall kommen soll, werde durch den Zusatz zum Art. 3 erreicht. Vor allem falle aber ins Gewicht, daß die Annahme des Art. 4 daS Zustandekommen deS Gesetzes gefährden würde. Die Freikonfervativen bittet er, ihre Ab­stimmung übcr daS ganze Gesetz nicht von der Ablehnung ihres Antrages abhängig zu machen.

Abg. Frhr. v. Zedlitz und Neukirch (Mülhausen) erkennt dagegen in dem Herausreißen des Art. 4 das Be­streben, das Vetorecht deS Staates ganz zu beseitigen. Achnlich liege eS mit dem Rechte des Staates betreffend die Vorbildung der Geistlichen. Und gerade dem Wider­streben gegenüber, den Art. 4 zu acceptieren, verdiene der­selbe vollste Beachtung. Die Gefahr klerikaler Hochflut sei nicht zu verkennen, und darum sei eS geboten, einen festen Damm zu errichten, der bei solchem Andrängen Widerstand zu leisten vermöge.

Abg. Graf zu Limburg-Stirum kann seinerseits nicht die Gefahr einer klerikalen Hochflut erblicken und nicht

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Das Fraueuherz. (Nachdruck verb.j

Von Karl Schrattenthal.

I.

Sie verdienten mit vollem Recht den Namen:Die Rosen von Schönberg'. Man sah ste nie eine allein gehen; stets schwebten sie beide Arm in Arm durch die Straßen des lieblichen Städtchens; auf Bällen, in Konzerten oder wo sie sonst erschienen, waren ste stets gleich gekleidet, gleich geschmackvoll, gleich einfach, trotzdem ste den reichsten Mann Schönbergs zum Vater hatten. Jedermann liebte das Zwillingspaar, und wenn von ihnen gesprochen wurde, was sehr häufig geschah, pflegte man nurdie Rosen« zu sagen. ES hielt schwer, die Mädchen zu unterscheiden. Beide blond, beide gleich groß und gleich schön; daS gestanden selbst die ein zahlreiches Kontingent bildmden alten Jungfern deS Städtchens, waS gewiß sehr viel sagen will, und wenn ich mich auf das Urteil dieser nur in der Erinnerung an längst verfloffene Zeiten voll Liebesschmerz und Sehnsucht lebenden Damen berufe, so wird man mir gewiß aufs Won glauben, daß die Zwillingsschwestern reizende Geschöpfe waren; denn ein solches Urteil auS diesem Munde gilt gewiß mehr, al« daS streng unparteiische eines rechtlichen Schiedsrichters, da eS gewiffermaßen erzwungen, mit einem sichtbaren Gefühle de« Grolles ausgesprochen wird. Eine alte Jungfer ist sozusagen die natürliche Feindin jedes jungen, liebenden und von der Männerwelt verehrten Mädchen«, denn dieses lebt im süßen Frühling der Jugend und der allein seligmachendm Liebe eine arme, altge- wordcne Jungfer kann nur mit vergilbten Liebesbriefen prahlen wie daS Stadtthor mit eingemauerten Kanonen­kugeln. Doch zur Sache.

Schluß der Sitzung Vz2 Uhr. Nächste Sitzung Montag vormittag 9 Uhr. (3. Lesung de« kircheupolitischen Gesetze», sowie des Gesetzentwurfs, betreffend die Schulversäummffe, Petitionen.)

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füt das mit dem 1. Juli beginnende III. Quartal werden von der Expedition, sowie von allen Postanstalten und deren Landpostboten angenommen. Damit in der Uebcrsendung keine Unterbrechung stattfindet und um das nach dem 28. cintretenee Zuschlagporto zu vermeiden, ersuchen wir, die Bestellungen recht baldigst zu machen. Neu eintrctende hiesige Abonnenten erhalten das Blatt bis zum Schluffe

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