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Marburg, Freitag, 22. Juni 1883.

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Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft

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dafür sprach, daß tr noch frei sei.

(Schluß folgt)

t *) Diese Schürzen werden allgemein von den Polinnen nie­drigen Standes in der kalten Jahreszeit al« Umhüllung bemcht.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ^Jüustrirte« CoKtttagUIfttt“ durch die ^dedition (A o chfcho 4 Buch^druckerei) bezogen 8V. Viert, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Viert 50 Pfg. («cl- Bestellgeb^r> —^JnsertwnSgebühr für du gespaltene Zeile 10 Wt.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 VfS- berechnet-

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Der dritte Weihnachtsfeiertag kam und in Scharen sah man junge, kraftvolle Burschen mit meist dunklem, etwas langem Haupthaar, den kurzen, in Stiefeln gesteckten Bein­kleidern, der roten Weste, die beinahe bis zum Knie ging, der Jacke aus selbstgemachtem Stoff mit faltig eingesetzten Aermeln und den runden, breitkrämpigen Filzhüten, dem Städtchen zuwandern, daS sich, mit den Türmen der prote­stantischen und katholischen Kirche geschmückt, scharf von der lichten, glänzenden Schneelandschaft abhob.

Unter den Wanderern befand sich auch der Jasch, der wie die übrigen Männer, die einen neuen Dienst suchten, ein breites buntes Band um den einen Arm geschlungm trug, und der sich von Zeit zu Zeit nach dem Häufllein der Frauen umsah, in dessen Mitte Marzinna einherschritt, die zum Schutz gegen die Kälte über ihre gewöhnliche Tracht den kurzen dicken Rock, das vorn geschnürte Mieder und die grüne Friesjacke, noch eine selbstgewebte, gestreifte Schürze in der Weise eines Mantels um die Schultern gebunden hatte.*)

So innig da« Einverständnis zwischen dm jungen Leuten sein mochte, heute blickte das Mädchen doch nicht einmal nach dem Jasch hin, damit die Gefährtinnen nicht Gelegenheit bekämm, es zu necken und zu verspottm, ge- trtnnt von ihm ging es auch in die Frühmesse, die der Herr Propst hielt, und stellte sich aus dem Marktplatze

Beratung de« Gesetzentwurfes, betreffend die Behandlung der Schulversäumnisse, ein, zu dessen Vertretung man am Regierungstische neben dem Kultusminister v. Goßler dessen Konuuiffarien, den Ministerialdirektor de la Croix und den RegterungSrat Dr. Kugler, sowie als Kommtflar deS Justiz- mtnisterS den Geh. Justizrat Dr. Löwe bemerkte.

Abg. Schmidt (Sagan) empfiehlt die Beschlüfie der Kommission, welche entgegen der vom Herrenhause accep- tierten Regierungsvorlage das polizeiliche Strafmandat an­statt der Verhängung der Schulstrafen durch die OrtSschul- behörden setzen wollen. Minister v. Goßler erklärt bei 8 1, daß die Negierung ihr System für praktischer halte, als das von der Kommission vorgeschlagene, daß sie aber glaube, weil an der materiellen Grundlage deö Gesetzes demnach nichts geändert sei und unter der Voraussetzung, daß im Plenum sonst nichts Wesentliches verändert werde, auch dem KommisstonSbeschlusse zustimmen zu können.

Abg. MoSler (Zentrum) beklagt das SchulaufsichtS- gesetz und die Handhabung des Schulzwanges, der weit über den auch von ihm für berechtigt anerkannten Lernzwang hinauSgeht und ganz andere Ziele verfolge; er verlangt eine Gestaltung der Schulaufsicht, welche sie dem Einflüsse der wechselnden Minister entzieht. Das jetzige StaatSschul- monopol beeinträchtige auch daS Recht der Eltern in un­erträglicher Weise. Das Zentrum werde unter diesen jetzt herrschenden Verhältnisien der Vorlage nicht zustimmen, da damit der Schulzwang gestärkt werde, und zwar um so weniger, da binnen kurzem die Uebertragung der Aggression gegen die Kirche auf das Gebiet der Schule zu erwarten stehe.

Abg. v. Wedell-PieSdorf erklärt, daß seine Freunde (die Konservativen) der Vorlage zustimmen, jedem Versuche zur Beseitigung deS Schulzwanges aber sich widersetzen würden. Nachdem noch die Abgg. Hansen und Köhler das Gesetz ebenfalls befürwortet haben, wird 81 mit einer redaktionellen Aenderung nach dem Anträge deS Abg. Sack angenommen.

8 2 (zwangsweise Zuführung der säumigen Kinder zur Schule) wird abgelehnt und der Antrag des Abg. Sack an­genommen, wonach der wesentliche Inhalt von 8 2 als 8 10 eingeschaltet wird. 8 3 bestimmt, daß die erkannte Haststrafe in Gemeinde-Arbeit umgewandelt werden könne. Abg. Zelle beantragt, diese Umwandlung von der Zu­stimmung deS Betreffenden abhängig zu machen. Der Para­graph wird in dieser Fassung angenommen; hierauf wird die Beratung abgebrochen. Nächste Sitzung morgen um 11 Uhr. Zur Beratung kommt die kirchenpolitische Vorlage.

auch ganz entfernt von ihm auf, als nicht lange nach der Kirche das Mieten und Vermieten seinen Anfang nahm.

Inzwischen hatten Herr und Frau Weiß im höchsten Grade mißgelaunt und verstimmt ihren Weg nach dem Städtchen in der bequemen Britschka, wie die kleinen Kalesch« wagen in der Provinz Posen genannt zu werden pflegen, zurückgelegt, und Herr Weiß bestellte sich, im Gasthaus angekommen, sofort heißen Kaffee, da da» Getränk zu Hauö, das die Draußenmagd an Stelle MarzinnaS gebraut, kalt und nicht herunterzubringen gewesen war. Frau Weiß konnte indes keinen Biffen essen, ihr steckte noch die Angst in dm Gliedern, die sie bei dem ungeschickten Fahren deS Knechtes auSgestanden, der heut statt des Jasch auf dem Kutscherbock gesessen, und der die feurigen Tiere nicht halb so in der Gewalt gehabt hatte, wie eS sein Vorgänger sonst gethan. Bei Leibe hätte aber die Dame nicht eingestanden, daß sie dem Jasch di« Eigenschaften eine- gutm Kutschers zugestand, denn daS wäre ja nur Wasser auf deS Eheherrn Mühle gewesen, der in all den vergangenen Tagen immer wieder aus die Tugenden des Burschen zu sprechen ge­kommen, und um seiner Gattin nicht den kleinen Finger zu reichen, drückte auch Herr Weiß sein Mißbehagen über den kalten Kaffee daheim, über da» Fehlen der belegten Brötchen, die Marzinna sonst vorsorglich in die Wagm- tasche gepackt und über daS Geschrei der Kinder, die heute durchaus mitgewollt, während ihnen dies sonst nie einge­fallen war, nicht in klaren Worten aus und brummte nur unverständlich in dm dichten Vollbart hinein, der sein Gesicht umrahmte.

Getrennt gingen die beiden Ehegatten auf den Markt, um sich je einen neuen Dienstboten zu suchen, so weit aber

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Eine nationale Schwäche.

Daß dem Deutschtum viel rühmliches innewohnt, darauf hoffen und vertrauen alle Deutschen und hierüber brauchen wir keine Lobeserhebungen anzustimmen. Wenn wir aber einmal daS Gegenteil thun und die Deutschen wegen einer nationalen Schwäche tadeln, so wollen wir uns auch gleich

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deren Gratisbeilage

Illustrierte» SonutagSblatt

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jfa daS mit dem 1. Juli beginnende III. Quartal werden mn der Expedition, sowie von. allen Postanstalten und deren Landpostboten angenommen. Damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet und um daS nach dem 28. eintretende Zuschlagporto zu vermeiden, ersuchen wir, die Bestellungen recht baldigst zu machen. Neu eintretende hiesige Abonnenten erhalten daS Blatt bis zum Schluffe dieses Monats gratis, auswärtige gegen Einsendung der Postquittung. Exped. der Oberhess. Ztg.

im Voraus gegen jene gedankenlosen Urteile verwahrens welche bei einer neulichen Klage über die deutsche Partei- Politik eine Schwächung des Deutschtums erblickten. Schatten­seiten zu rügen, zumal solche, welche auf einer Schwäche der Individuen beruhen, ist doch gewiß ein berechtigter und auf Abhülfe zielender Tadel, der Beachtung und keine Ver­achtung verdient und so sagen wir es offen heran«, daß dem deutschen Volke in mancher Beziehung noch immer der rechte Nationalstolz fehlt und daß eS geradezu aus Schwäche noch zu viel am Ausländischen, Fremden hängt

Von allen Nationen ist die Deutsche gewiß diejenige, welche immer noch große Vorliebe für alles Fremde zeigt Jedes JndustrieerzeugniS dünkt dem Deutschen dann be­sonders empfehlenswert, wenn eS ein Fabrikzeichen aus­wärtiger Völker trägt, und das Schlimmste ist, daß in vielen Fällen der Deutsche nicht einmal weiß, daß eS die Erzeugnisse seiner Fabriken sind, die er bewundert, und die unter fremden Zeichen ihm al» fremde Ware angepriesen werden. An einer anderen Thatsache zeigt sich diese Vor­liebe für alles Fremde noch deutlicher. Der Deutsche lernt mit der größten Ausdauer so viel fremde Sprachen, als er irgend bewältigen kann. Kommt aber einmal ein Fran­zose oder Engländer nach Deutschland, so wird dieser so­fort mit der größten Ruhe in seiner Muttersprache den Deutschen anreden, und der Deutsche dem Franzosen auf französich antworten. Ist in einet deutschen Gesellschaft ein Engländer, fo wird jeder der Anwesenden sich die größte Mühe geben, mit diesem auf englisch nach Kräften zu reden, indem in den meisten Fällen eS dem Engländer resp. Frän- zosen gar nicht einfallen würde, in seiner Heimat dem Deutschen die gleiche Höflichkeit zu erzeigen.

E« ist aber doch wohl ein berechtigter Nationalstolz, diktiert von der Liebe und Verehrung deS Vaterlandes, diesen Hang an und diese Nachgiebigkeit gegen das Fremde fallen zu lasten und int Handels- und Weltverkehre die eigene Nationalität hoch zu halten. Bester ist ja für Deutschland« Industrie und Handel schon Vieles geworden, aber es bleibt noch sehr viel zu thun übrig, wovon sich Jedermann im täglichen Verkehre überzeugen kann.

DaS sei aber auch noch gesagt, daß Kleider und Kleider­stoffe, Bänder, Sonnen- und Regenschirme und all der­gleichen Gram von Paris zwar teuerer, aber keine Haarweit bester als deutsche Ware sind.

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I fnieigen nimmt entgegen: ^/Expedition d. Blattes, iwoie d.Annoncen-Bureaux “ Dietrich u. Co. in Lffel und Hannover; Th. Weich in Frankfurt aM.; ftaasenstein u. Vogler in Ulfurt a. M-, Berlin. gS-dg, Köln ic.; Rudolf Me in Berlin, Frank- furt a. St. «.

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auch ihre Augen umherwanderten, immer kehrten bie Blicke der Frau wieder zu Marzinna zurück, die ihre Gefährtinnen um einen halben Kopf überragte und beten gefältelte Hals­krause weiß wie Schnee gegen die der übrigen Mädchen aussah, während Herr Weiß sich angewidert fühlte vo« dem rohen Aussehen der meisten der Burschen, die trotz der frühen Stunde schon mich Branntwein rochen und sich nach den Läden der Händler zurückzusehnen schienen, die das berauschende Getränk feilboten.

So ging eine geraume Zeit hin, ohne daß da« Ehe­paar, da« sich von Zeit zu Zeit zusammensand und sch» Mißgeschick klagte, zu einem Resultate gelangt wäre, ring« um sich sahen sie bekannte Besitzer, Leute au« der Stadt die den von ihnm gemieteten Personen das Handgeld gaben, sie sahen wie sich die Reihen der Dienstboten lichteten, wie sich die kleinen, dumpfigen Tabagieen füllten und vermieden e« angelegentlich, nach den Stellen zu blicken, wo sich, dort Marzinna, dort Jasch aufgestellt, da diese Plätze doch gewiß längst leer und ihre Inhaber in den Dienst anderer über­gegangen waren.

Seufzend endlich verließ Frau Weiß da« Gebiet der weiblichen Dienstboten und beschloß zu ihrem Mann zu gehen, um ihm den heroischen Entschluß mitzutetleu, daß sie, ohne an Marzinna« Stelle eine andere Magd zu setzen, fertig zu werden versuchen wolle, als sie, an den Reihen der Männer vorübergehend, Jasch gewahrte, Jasch, der noch immer auf dem Platze stand und der da« rote Band nach wie vor um dm linken Arm geschlungm trug, da«

vom Landtag.

Berlin, den 21. Juni,

In der heutigen um 1V, Uhr eröffneten schwach be­suchten (81.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses, in welches der Abg. Rintelen neu eingetreten ist, wurde nach anderen geschäftlichen Mitteilungen eine größere Reihe von Urlaubsgesuchen bewilligt. — Auf der Tagesordnung stand zunächst der Bericht über die Bauausführungen der Eisenbahnverwaltung während de« Zeitraums vom 1. Okt. 1881 bis dahin 1882. Derselbe veranlaßte bezüglich ver­schiedener Spezialien eine Debatte ohne allgemeines Inter­esse und wurde demnächst, dem Anträge der Budgetkom- Mission gemäß, durch die einmalige Beratung für erledigt erklärt.

Es folgte der Bericht über die Ergebnisse des Betriebes der für Rechnung deS Staates verwalteten Eisenbahnen im Jahre 1881/82. Auf Anfrage des Abg. vr. H a m m a ch e r erklärt der Ministerialdirektor Brefeld, daß die Vor­bereitungen zur Einberufung deS Landes - Eiseubahnrats ihrem Abschlüsse nahe seien, daß aber der Zeitpunkt für Einberufung desselben noch nicht bestimmt sei. Der Bericht wurde, dem Anträge der Budgetkommission gemäß, für er­ledigt erklärt.

Der Nachweis über die Verwendung des Dispositions­fonds der Eisenbahnverwaltung von 900000 Mk. veranlaßt keine Debatte und wurde nach dem Anträge der Budget- kommisston für geführt erachtet.

Ferner beschloß das HauS auf Antrag derselben Kom­mission, daß durch den vorgelegten Bericht über die bis­herige Ausführung von Bestimmungen verschiedener Gesetze über den Erwerb von Privateisenbahnen für den Staat den gesetzlichen Bestimmungen Genüge geschehen sei.

Nachdem dann noch ohne jede Debatte der Gesetzentwurf betreffend die Kirchenverfassung der evangelisch-reformierten Kirche der Provinz Hannover in 3. Beratung definitiv im ganzen angenommen war, trat das Haus in die zweite

Deutsche- Reich.

Berti«, 21. Juni. Das au« ver Anwesenheit von Aerzten im Marmorpalais zu Potsdam entstandene Gerücht von der Entbindung der Prinzessin Wilhelm ist unbegründet. Die Aerzte haben nach einer Konsultation da« Palai« wieder verlassen. — Dem Vernehmen nach beauftragte der Kaiser den Kronprinzen mit seiner Vertretung als Landes­herr und Patron des Johanniterordens bei der Herren­meisterinvestitur am 26. Juni. — Der „Reichs-Anzeiger*

Sn,eigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Starte«, sowie d.AnnonceN'Bnreanx oon S 8. Daube n. So- in Frankfurt a. M; Mgerfche Buchhandlung vaselbst; Hermansche Buchhanblrmg daselbst; JnDalibendank in Berlin; W. Thiene» in Slberftld: S- Schlotte in Bremen.

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