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Marburg, Freitag, 22. Juni 1883.

XVm. Jahrgang.

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gewesen. Man hätte dann wiederum Gelegenheit gehabt,

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mit wichtigen Gegenständen beschäftigten Landtage die Zeit eiöig frei zu lassen. Gleichwohl gelang eS nicht, ein Neben« iinandertagen der parlamentarischen Körperschaften zu ver­meiden, und nur mittelst desselben haben die Arbeiten auf den Punkt gefördert werden können, auf dem schließlich die LandtagSsesston, wie schon die deS Reichstages, eine Zahl erheblicher, für Reich und Staat wohlthätiger Resultate auf- zeigcn wird.

Die ReichStagSsesston zeigt auf: daS Gesetz über die

das UnfallverstcherungSgesetz als die Maßregel, in der sich ein eingreifender Akt positiver Fürsorge zur Linderung unver­schuldeter Not der arbeitenden Klassen darstellcn wird, auf unbestimmte Zeit hinauSzuschieben. Man hätte Gelegenheit gehabt, in möglichst ausgedehnten Budgetdebatten die ge­samte Verwaltung, namentlich die Militärverwaltung anzu­greifen und mittelst dieser Angriffe die Regierung in das Licht zu bringen, daß sie nur Lasten auflege, aber für die Not des Volkes nirgends ein Auge habe; und so diejenige Wahlstimmung vorzubereiten, wie sie die Fortschrittspartei gebrauchen könnte.

Alle diese Pläne sind ins Waffer gefallen, sind es haupt­sächlich durch die Standhaftigkeit der Negierung, welche sich durch nichts zu einem vorzeitigen Abschluß der ReichStags- sesston drängen ließ. Gegen alle Behauptungen, daß ein Nebeneinandertagen der Parlamente unmöglich sei, gegen alle Klagen, daß damit den Mitgliedern Gewalt angethan werde, blieb die Regierung fest und steht jetzt ihre Festigkeit durch ein Resultat belohnt, über welches im Stillen selbst diejenigen Kreise deS Volkes Befriedigung empfinden, welche für nötig halten, sich äußerlich dem Gebühren der Oppo­sition anzuschließen.

Diese Opposition freilich darf ein Gefühl der Befrie­digung nicht aufkommen lassen und, wenn e« aufkommen will, um keinen Preis zugeben. So wird denn alles auf­geboten, die Resultate der Reichstagsarbeiten teils als gering­fügig, teils als schädlich hinzustellen. Daß diese Resultate nicht noch umfassender und gewichtiger find, daß unter ihnen z.B. der Abschluß deS Unfallversicherungsgesetzes, sowie der beiden PenstonSgesetze fehlen, gereicht den verbündeten Re­gierungen zum großen Bedauern. Auf wen aber fällt die Verantwortung, daß mit so großer Mühe ein zwar nicht geringes, aber doch nicht so umfangreiches Resultat gewonnen werden konnte, wie es den dringenden Ansprüchen der inneren Lage gegenüber ins Auge gefaßt war?

Die Opposition ist natürlich nicht im Zweifel, alle Schuld auf die Reichsregierung zu werfen. Einen geradezu gehässigen Ausdruck haben diese Anklagen in einem Blatte gefunden, daS in gewiffen liberalen Kreisen als tonan­gebend gilt, und dem in früheren Zeiten da« Bestreben nachgerühmt wurde, die Pflicht der Wahrheit auch in der Kritik und Opposition nicht zu vernachlässigen. Wenn dieser Ruf jemals verdient gewesen ist, so muß er durch Artikel, wie den derNat-Ztg." vom 14. Juni zerstört werden. ES ist tief zu bedauern, wenn die Uebung jener Pflicht aus dem Parteistreit ganz verschwindet. Gegen dieses Bedauern gewährt selbst die Thatsache nur wenig Trost, daß eine Opposition desto unschädlicher wird, je mehr sie in Uebertreibung und Unwahrheit verfällt. Ein sehr bezeichnendes Beispiel solcher Uebertreibung gewährt die Behandlung deS Umstandes, daß nach der Gewerbe- novtlle der Kolportagehandel mit Druckschriften fortan einer

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konvention mit Frankreich und die beiden Gesetze über den Reichshaushalt für die Jahre 1883/84 und 1884/85. Ist dieses Resultat so gering? Wenn unbefangene Stimmen aus verschiedenen Parteilagern sich äußern, noch mehr, wenn man auf die Aeußerungen der öffentlichen Meinung außer­halb der Preffe achtet, wird ein Gefühl der Befriedigung und Anerkennung laut, daß unter den schwierigen Um­ständen so viel erreicht worden. Wäre eS nach gewiffen

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etwas strengeren Beaufsichtigung unterliegen wird. Da« wird eine teilweise Wiedereinführung der Zensur genannt, daß ein gewissenloser Gewerbebetrieb unerfahrenen Leuten das Gift sittenverderblicher Schriften nicht mehr auf Hinter« treppen soll ungestraft in die Hände spielen dürfen! Die Verlegenheit um Beweise der immerfort an dir Wand ge­malten Reaktion muß doch recht groß sein, wenn die Ein« schränkung eines bei anständigen Personen aller Parteien als tief schädlich erkannten Gewerbebetriebe« den Haupt­beweis für die Reaktion liefern muß.

In diesem Geschmack sind die Mittel, die gesetzgeberischen Früchte der vergangenen ReichStagSsesston als schädlich hin« zustellen. Nun bleibt aber eine andere Aufgabe: die­jenigen Früchte, über deren Wohlthätigkeit eine Stimme ist, dürfen um keinen Preis der Regierung zum Verdienst angerechnet werden, so namentlich daS KrankenverstcherungS- Gefttz. DieNat.-Ztg." schreibt daher:DaS Kranken« verstcherungSgesetz ist in keinem Betracht eine Leistung der Regierung. Bon derselben ward ein Entwurf Angebracht aber so mangelhaft ausgearbeitet, daß eine ReichStagS- kommission ihn in 50 Sitzungen mühevoll umgestalten mußte." Ueber den Regierungsentwurf schrieb bet seiner Einbringungung der angesehene liberale Jurist O. Bähr: Der neue Entwurf eines Gesetzes über Unfallversicherung, tn Verbindung mit dem gleichzeitig vorgelegten Entwurf eines Gesetzes über Krankenversicherung eine Verbin­dung, die wir nur als einen durchaus glücklichen Gedankea bezeichnen können ist an Arbeit ein Riesenwerk. E« ist darin eine Fülle des Stoffes bewältigt, wie kaum in einem anderen Gesetz; und diese Arbeit war um so schwie­riger, als man völlig neu aufzubauen hatte."

Der resultatlose Verlauf der Kommtssionsberatungen über daS UnfallverstcherungSgesetz wird natürlich von der Nat.-Ztg." allein dem Verschulden der Regierung beige- meffen.Dieselbe habe nämlich die auf Grundlage der Haftpflicht leicht und rasch zu lösende Aufgabe der Unfall­entschädigung mit dem durchaus fremdartigen Bestreben einer Einschränkung deS privaten Versicherungsbetriebe« bepackt; dadurch ausschließlich sei die in der Kaiserlichen Botschaft feierlich verkündigte Aufgabe ungelöst geblieben."

Nun ist aber nach der tief begründeten und insbeson­dere auch durch die Berichte der Fabrikinspektoren belegten Ueberzeugung der Regierung, sowie fast aller Persönlich- ketten, welche diesem Gegenstand ein ernstes Studium zu- gewendet haben, die Sachlage diese, daß daS bisherige System der Versicherung durch Privatgesellschaften sich vielfach al« wirkungslos erwiesen und dem Versicherten die davon er» hofften Vorteile nicht gewährt hat, indem dasselbe immer wieder zu Prozessen führt, deren AuSgang für den ver­unglückten Arbeiter häufig ungünstig ist. Man mag diesen Gegensatz der Ansichten als eine Meinungsverschiedenheit auffaffen, aber eine Ansicht, welche auf den sprechendsten

Den Jasch? wiederholte Herr Weiß gedehnt und über sein gebräuntes Gesicht flog eine dunkle Röte. I, da soll doch gleich dieser und jener aber geben Sie Acht, In­spektor, dann sticht mich der Ronninsky im nächsten Jahre auch mit seinen Pferden au«, und kommt die Remonte, dann wird er »och einmal so viele Tiere los als ich, der ich bisher doch den besten Stall auf Meilen in der Runde gehabt.

Kann wohl geschehen, bestätigte der alte Mann, denn der Jasch versteht dos Futtern, Striegeln und Bürsten au» dem Grunde und sucht eine Ehre darin, daS ihm anver­traute Vieh hübsch blank zu haben. Ob er nach Dembufko geht, ist übrigen« noch die Frage; er verspürt nicht allzu große Lust, sich so unter der Hand zu vermieten, die Leute sind« eben zu gewohnt, sich auf dem Markte in Polnisch- Krone zu präsentieren, und verdenken kann man« ihnen auch kaum, da Man ja weiß, wie sich die Herrschaften überbieten, wenn sie ihr Auge auf jemanden geworfen und wie viel höher dadurch der Lohn für manchen Dienstboten wird, als unter andern, normalen Verhälniffen.

Die Herren trennten sich, der Gutsbesitzer ging ge­senkten Haupte« dem Hause zu und war für den Rest de« Tage« die Beute einer wenig guten Laune. Am Abend aber, al« die Gatten das Schlafzimmer aufsuchten, räusperte er sich einigem ik verlegen und fing dann an: Es ist eine Freude, in unsere Wirtschaft hinein zu gucken, Minnachen, Scheuern und Ställe sind proper und nett, Kühe und Pferde gut gepflegt, unser alter Inspektor müßte in Gold gefaßt werden und der Jasch unterstützt ihn kräftig, wie er mir heute noch versicherte, al« ich gemeinsam mit ihm den Hof inspizierte.

Minnachen rümpfte ein wenig die Nase. Daß Du den

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Krankenversicherung der Arbeiter, die Novelle zur Gewerbe« 1 orbnung, die Anbahnung einer Reform der Zuckersteuer, ti dm erneuerten Handelsvertrag mit Italien, die Litterar-

- Organen der liberalen Opposition gegangen, so hätte der 1 Reichstag nach Erledigung des Haushaltsgesetzes für daS Z Jahr 1883/84 geschloffen werden müssen. Weder die _ Krankenversicherung, noch die Verbefferung der Gewerbe­ordnung und vor allem nicht der Haushalt für 1884/85 hätten jetzt schon zu stände kommen dürfen. Dies alles leiten Arbeiten für die im Herbst d. I. anzusetzende Session

Hierher, Jasch 1 kommandierte Herr Weiß mit Stentor­stimme, und als der junge Mensch den Rappen mit kurzer Wendung auf seinen Herrn zuhielt, gebot dieser schon Bieber: Linksum, nimm den kleinen Graben, dann über die Hecke und genug für heute; Ihr habt Euch beide brav gehalten, und ich denke, der Soliman verliert nun bald seine Mucken und läßt auch einen anderen seinen Rücken besteigen.

Besteigen wohl, meinte lächelnd der alte Inspektor, der zu dem Gutsbesitzer getreten war, aber lange darauf be­halten, das möchte ich bezweifeln. Ein anderer al« der Jasch machte, glaube ich, eher mit dem sandigen Erdboden Bekanntschaft, als ihm lieb ist, denn es hat eben nicht jeder bk ruhige Faust und da« Verständnis, um e« mit einem 1° störrischen Gaule aufzunehmen, wie e« unser Soliman ist.

Haben Recht, Inspektor, haben Recht, brummte Herr ^eiß in seinen Bart, werde deshalb auch gut Umschau dem Markte halten müffen, um einen Burschen mit i® geschmeidigen Gliedern wieder zu bekommen, wie sie der J®!ch hat. Gewandtheit und Elasticltit thun viel im Dienst W den Pferden, ganz abgesehen davon, daß man leinen Hehlsack auf feinen Tieren hocken haben mag, wie--

Wie man sie in Scharen in Dembufko in Stulpstiefeln ledernen Hosen umherlaufen sicht, lachte der Inspektor. In der That hat e» der Herr von Ronninöky sein Lebtag Mt verstanden, sich eine hübsche Couleur von Leuten zu en, und wenn sie den Jasch jetzt dorthin bekommen, jt N>« fein, als wenn sich ein Schwan unter eine Schar | K'tyen verirrt hat.

alten Baumann so hoch stellst, wundert mich nicht, meinte sie kühl, etwas anderes ist eS aber doch mit dem Jasch, in dem wir uns getäuscht sehen, trotzdem wir ihn nun schon vier Jahre haben, und für ihn müßte fich doch an jedem Tage ein paffender Ersatz finden laffen.

Durchaus nicht, Frau, durchaus nicht, fiel Herr Weiß hitzig ein, die zuverlässigen treuen Menschen wachsen nicht nur so auf den Bäumen und fallen un« al« reife Früchte in den Schoß; es ist eine tolle Geschichte, daß die Marzinna den Burschen so verlockt hat, und von Rechtswegen müßte man nur die Dirn

Entlassen unterbrach ihn seine Frau rasch, ich bitte Dich, Friederich, wie kannst Du nur überhaupt in vor­liegendem Falle auf eine solche Idee geraten ? Marzinna, die tausendmal mehr wert ist als der Jasch, ohne die ich noch nicht einmal weiß, wie ich fertig werden soll, und entlaffen, als wir nicht überhaupt das Prinzip hätten

I-, daS Prinzip, damit wurde die etwas stürmische Debatte der Gatten, die sich immer aufs neue entspann, denn auch endlich niedergeschlagen, und nach einer unruhigen Nacht, in der Frau Minna träumte, daß Franz vom Baume gefallen und Lenchen sich die Finger an Schwefclhölzchen verbrannt, weil da« neue Mädchen nicht Acht auf die Kleinen gegeben, und In der Herr Weiß mißmuttg neben Herm von Ronninsky die Ställe Dembufkos durchwandert und widerwillig da« prächtige Vieh de« Nachbar« bewun­dert hatte, da« der Jasch herangepflegt, schien der Friede unter den Ehegatten wieder hergestellt, wenn da« Baro­meter auch noch immer aufVeränderlich" stand und die Sonne nicht ungetrübt scheinen wollte.

(Fortsetzung felgt)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie b.Annoncen-Bureaux von 8. Daube u. So. in Frankfurt a. M; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin: W. Thiene« in Elberfelds S- Schlotte in Bremen.

jffnet am 27. April 1882, hat sich beinahe über vierzehn Monate erstreckt. Bekanntlich haben aber die ReichStagS-

arbeiten nicht kontinuierlich sein können, sondern die Session hat mehr als einmal durch längere Pausen unterbrochen »erben müssen, namentlich auch zu dem Zweck, um dem

Erscheint täglich außer an den Werttaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirte« «otmtag-blatt" durch di« Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (epi. Bestellgebühr) Jnsertionsgebühr für die gespalten» Zeile 10 Bf«.

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Die Beurteilung der Reichstagssesstou.

Die am 12. d. M. geschlossene ReichStagSsesston, er«

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