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Marburg, Donnerstag, 21. Juni 1883.

XVm. Jahrgang.

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Ostprovinzen den Apothekenbesttzern trotz Angebots eines hohen GehaltS schwer, zumal geprüfte Gehilfen zu erhalten.

Dienstag erschien auch Oberstaats- in der Villa Kraszewskis, die über- poltzeilich bewacht worden war. Ztg." feststellt, besteht zur Zeit in ein nicht unerheblicher Mangel an

zewskis mitnahmen, anwalt Roßtäuscher dies mehrere Tage Wie diePharm.

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in Dokumenten. Dazu tritt daS Vermögen der Elberfelder Stiftung mit 42000 Mk. Mittwoch Mittag wird der Bericht der kirchenpolitischen Kommission über die neueste Vorlage verlesen. Derselbe wird, wie jetzt angenommen wird, wohl erst am Freitag zur Verteilung und am Montag zur zweiten Plenarbcratung gelangen. Vermutlich deshalb sind anderweite Dispositionen über die Beratungen deS Herrenhauses getroffen worden. Ursprünglich sollte dort bereits am 25. die Arbeit wieder ausgenommen werden, es wird dies nicht vor dem 28. er. geschehen. Die schon erwähnte Verhaftung des polnischen Dichters KraSzewSkt fand in Berlin im Hotel Kaiserhof statt und wurde der Dichter dann nach Dresden, wo er sein Domizil hat, über­geführt. Er kam aus Pau, wo er etwa 5 Wochen im Bare gewesen war; er war über Paris zurückgereist. Seine Verhaftung geschah auf Requisition der Dresdener Gerichte. Schon seit längerer Zeit liefen bei den preußischen Behörden Denunziationen, die immer von derselben Seite herrührten, ein, worin Kraszewski hochverräterischer Handlungen (Aus­kundschaftung deutscher Militärangelegenheiten) zu gunsten Frankreichs beschuldigt wurde. Seine Freunde behaupten, die Denunziationen seien ein Akt persönlicher Gehässigkeit, verübt von einem Individuum, welches mehrere vergebliche Erpreffungen bet demselben versucht habe. Gleichzeitig wurde übrigens hier, wie berichtet wird, ein höherer Telegraphen- Beamter, der durch die bei der Haussuchung in der Dres­dener Wohnung des Kraszewski gefundenen Papiere kom­promittiert sein soll, verhaftet. Außer ihm sind noch drei ihm nahe stehende Polen in Dresden verhaftet worden, von denen aber einer bereits wieder entlassen worden ist. Die hiesige politische Polizei, welche nach Festnahme der Ver­dächtigen die Haussuchungen hier und in Dresden leitete, soll die Akten bereits der Staatsanwaltschaft übergeben haben. Von einer Freilassung des Dichters verlautet hier noch nichts. Zu den mit Beschlag belegten Gegenständen soll auch eine Sammlung von Plänen aus der Zeit des deutsch - fran­zösischen Krieges gehören. Während Kraszewski hier ver­haftet wurde, fand in Dresden Haussuchung statt, über welche folgendes aus Dresden berichtet wird: Hier erschienen vorigen Montag plötzlich ein hiesiger Kriminalkommiffär, ein Berliner Staatsanwalt und mehrere Gendarmen, die das HauS in allen Räumen durchsuchten und dann eine Menge Schriftstücke, auch Familienbriefe und daö Porträt KraS-

gcworden, während ich die Marzinna ins Gebet nahm, die mein Gatte nicht mehr vor den Augen sehen mochte, so daß ich ihr den Dienst aufsagte.

In diesem Augenblick trat daS Mädchen ins Zimmer, eine hohe schlanke Gestalt, mit einem hübschen, frische« Gesicht, über dem eS aber jetzt wie ein leichter Hauch von Schwermut lag, den guten, ehrlichen Augen, die sich bei der Frage, ob sie die Kinder ein wenig zu der Mutter bringen dürfe, klar auf ihre Herrin richteten. AIS sie wieder hinausging, folgten ihr die Blicke der kleinen Frau, und schon wollte diese abermals etwas zu ihren Gunsten hervorbringen, als Frau Weiß, auf das frühere Thema zurückkommend, endgültig bemerkte: Seinen Prinzipien muß man stets getreu bleiben, liebe Frundin, selbst dann, wenn sie uns zu Entschlüffen zwingen, die uns nicht angenehm sind, deshalb geht auch Marzinna am dritten Weihnachts­feiertage nach Polnisch-Krone auf den Dienstbotenmarkt und mag sehen, ob sie mit einer anderen Herrschaft handel» eins über sich wird.

Während sich die Damen in der Stube über den weib­lichen dienstbaren Geist des HauscS unterhielten, spielte sich auf dem Hofe eine kleine Szene ab, die in ihren Grundzügen viel Sehnlichkeit mit dem zeigte, waS das Gespräch der Frauen enthalten. An den schlanken Stangen, durch die man den großen freien Platz begrenzt hatte, der zum Ein­reiten der Pferde diente, lehnte Herr Weiß und blickte mit sichtlichem Wohlgefallen auf den jungen Burschen, deflm kraftvolle Gestalt wie zusammengeschmiedet mit dem schwarzen, feurigen Tiere war, auf dem er saß, und der daS Roß, das niemand sonst so leicht zu bändigen vermochte, durch leisen Schenkeldruck nötigte, ihm ganz zu Willen zu sein.

(Fortsetzung folgt.)

Von A. G.

Und Marzinna soll wirklich gehen? fragte eine kleine -arte Frauengcstalt, die bei der Frau des Gutsbesitzers Weiß in der Nähe von Polnisch-Krone zum Besuch war, und ihre Augen, die sich wie in maßlosem Erstaunen auf die Freundin hefteten, schienen stumm zu fragen: Aber, wie ist es denn nur möglich, daß ein solches Ereignis so ohne alle Vorbereitung, ohne viele Worte geschehen kann?

Frau Weiß zuckte die vollen Schultern, blickte tiefsinnig in das Glas, das mit goldbraunem Thee vor ihr stand und brach endlich in die Worte aus: Ja die Liebe, meine Veste wenn die Liebe nicht wäre, würden wir unsere Dienstboten, mit denen wir sonst zufrieden sind, auch länger behalten, so aber macht sie uns einen Querstrich, untergräbt bie Sitte, die Ordnung eines Hauses und mein Mann und ich huldigtm von jeher der Ansicht: entspinnt stch ein Ver­hältnis unter den Leuten, so mögen sie gehen und sich nach ^uer anderen Herrschaft umsehen, die vielleicht toleranter in bkzug auf zarte Neigungen ist.

Aber Sie hattm Ihre Marzinna schon so lange, fiel kleine Frau wieder ein, fast sechs Jahre, wenn ich nicht »rr, und es war mir immer eine rechte Freude, wenn ich « Mädchen bei Ihnen sah, flink wie eine Biene, gesund und rotbackig wie ein BorSdorfer und mit so Hellen Augen, ul< lache allezeit Gottes Sonne aus ihnen.

Ja, fliuk ist sie, bestätigte die Frau des Gutsbesitzers Sedankenvoll, immer mit den Hühnern zugleich auf, und «u Kuhstall, beim Federvieh, bei den Schweinen so auf tw Platze, daß ich schon seit Jahr und Tag die Mamsell und mit ihr allein meine Wirtschaft besorgte.

Und so verläßlich, schaltete wieder die Freundin ein, die wie der beste Rechtsanwalt für Marzinna plaidierte und ihre guten Eigenschaften in das hellste Licht zu stellen versuchte.

Ja, auch verläßlich, gab Frau Weiß zu, ich kann sicher sein, daß sie nicht fortgeht, wenn mein Mann und ich einmal ausfahren, nnd es kommt oft vor, daß ich die Kinder unter ihrer Obhut zurücklasse, weil ich gewiß bin, daß sie von ihr gut behütet werden.

Und lieben die Kinder sie? fragte die kleine Frau und rührte mit ihrem Löffelchen die letzten Krümel des Zuckers entzwei, die noch auf dem Grunde des Glases lagen.

Ob sie sie lieben! rief Frau Weiß, die ganz warm wurde und sich an ihren eigenen Worten so begeisterte, daß sie da einen wahren Lobgesang anstimmte, wo sie ursprüng­lich verdammen gewollt. Franz ist ganz närrisch hinter ihr her, weil sie ihm in ihrer wunderlichen Sprache, halb deutsch, halb polnisch, die schönsten Geschichten erzählt, und Lenchen weint, wenn daS Mädchen durch die Stube geht und nicht zu ihr hcranttttt, um sie wenigstens einen Augen­blick auf den Armen zu schaukeln und zu wiegen.

Dann werden Sie sie auch noch behalten, liebe Frau Weiß, meinte die Freundin prophetisch, wurde aber fast heftig von der Herrin MarzinnaS unterbrochen: Nimmer­mehr, meine Liebe, ich kam zuerst dahinter, daß das Mäd­chen mit dem Jasch im Einverständnisse war, daß sie sich zublinzelten, in jeder freien Minute zusammenzukommen versuchten und erschreckt von einander gingen, wenn man unvermutet zu ihnen trat, und durch mich ist die Sache an die Oeffentlichkeit gelangt. Wie gesagt, haben mein Mann und ich uns von Anfang an darAer verständigt, daß wir derartiges im Hause nicht leiden, und er kündigte dem Jasch, der mir mtt seinen Liebesgeschichten unausstehüch

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Diese Thatsache steht zu den Verhältnissen früherer Jahre in starkem Widerspruche. Nach den 1877 von dem Bundes­räte angeordneten statistischen Ermittelungen befanden sich damals 3301 Gehilfen und 1369 Lehrlinge in 4465 Apo­theken. Die Zahl der im letzten Jahrzehnt im deutschen Reiche approbierten Apotheker betrug 3560, und da jähr­lich etwa 250 zur Selbständigkeit im Apothekerberufr ge­langen, so muffen etwa 1000 approbierte Apotheker im Gehilfenstande verbleiben, eine Zahl, die den Bedarf aller­dings wohl nicht ganz deckt. Dazu mag in neuerer Zett rin bedeutender Abfluß nach der Droguisten-Laufbahn kommen.

Hannover, 18. Juni. Die Antwort Bennigsen» auf die Resolution, mit der die hiesigen Nationalliberalen den welthistorischen" Akt seines Abgangs von der parlamen­tarischen Bühne begleitet haben, lautet demHann. Cur." zufolge also: Wenn er bei dem ernsten Entschluffe, den er gefaßt, und der doch immer einen Abschnitt in dem Leben eines Mannes bedeute, eine Besorgnis gehegt habe, so sei diejenige gewesen, daß er dadurch Verbitterung und Vorwürfe bei seinen Freunden erregen würde. Statt dessen habe er mündlich und schriftlich nur Wohlwollen und Freundschaft gefunden. ES sei dieses für ihn eine große Freude und geradezu ein Glück. ES sei indeffen richtig, daß, wenn auch derartige Entschlüffe immer nnr aus der Natur und dem eigenen Wesen des Mannes her­vorgingen, doch vor allem die unbefriedigten Zustände un­seres öffentlichen Lebens und unserer Parlamente, die steigende Verbitterung der Parteien untereinander, die Be­ziehungen zu der Regierung, die zunehmende Spaltung auch unter den Liberalen ihn zu der Ueberzeugung gebracht hätten, gerade für die von ihm für richtig gehaltene und befolgte Art der Politik mit ihrer versöhnlichen Richtung sei jetzt kein Raum zu einer erfolgreichen Beteiligung. Die Hoffnung indessen sei festzuhalten, daß bald wieder besser und anders werde, denn sehr häufig finde je nach einem großartigen Aufschwünge ein derartiger Rückschlag mit seinen unbefriedigenden Folgen statt. Seine politische Muße werde in dankbarer Weise ausgefüllt werden durch seine äußerst befriedigende, unter den angenehmsten Verhältniffen stch entwickelnde Thätigkeit an der Spitze der provinzial« ständischen Verwaltung. Indessen könne er versichern, daß er auch während dieser Zeit freundschaftlich und politisch mit seinen politischen Freunden stets eng verbunden bleiben werde, und zwar gerade mit denen hier in Hannover, wo ja die Wurzeln seiner Thätigkeit und seiner in Gemeinschaft mit seinen Freunden erlangten Erfolge sich befinden. Er danke den Herren, welche ihm die Gesinnungen der hiesigen Parteifteunde überbracht, und bitte sie auch, jenen in seinem Namen seinen Dank auszusprechen. Er wiederhole noch­mals die Versicherung fortdauernder enger Gemeinschaft mit ihnen.

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Apothekergehilfen, namentlich fällt eS in den preußischen

die Expedition d. Matte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. tto. in Frsickfurt a. M; Jägerfch« Buchhandlung dasewst; Hennanschr Buchhandlung daselbst; Jnvalidendant in

Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: S. Schlotte in

Bremen.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Botttttagiblatt durch bU Expedition (K och'fche Buchdruckerei) bezogen 2A Mart, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,.

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»«teigen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blattes. JJiie d.Annoncen-Bureaux j* =5>. Dietrich u. Co. in ,.«>( und Hannover; Th. Wrich in Frankfurt a M-; ftiasenstein u. Bögler in Autfurt a. M., Berlin, äjyiig, Köln ic.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank- furt a. M. ic.

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Deutsches Reich.

Berlin, 19. Juni. Nach der uns vorliegenden 83er« waltungLübersicht über das Vermögen der Kronprinz-Stif- tung (und der Elberfelder Stiftung) zur Unterstützung der Invaliden aus dem Feldzuge von 1864 und der Hinter­bliebenen der in demselben Gefallenen bestand daS Vermögen der Kronprinz-Stiftung Ende März 1882 aus 2076 Mk. 48 Pf. bar und 1120850 Mk. in Dokumenten. Dazu kamen an Einnahmen vom 1. April 1882 bis Ende März 1883: a) Beiträge aus patriotischen Gaben 545 Mk. 95 Pf. bar und 150 Mk. in Dokumenten; d) Zinsen von Dokumenten 48497 Mk. 63 Pf.; c) Erlös für ausgeloste Wertpapiere 10500 Mk.; d) Erlös für verkaufte Wert­papiere 1083 Mk. 20 Pf.; e) Betrag zweier gekündigten und zurückgezahlten Hypotheken 60000 Mk.; f) durch An­kauf von Wertpapieren 69500 Mk.; g) aus dem Vermögen der Elberfelder Stiftung (42000 Mk.) hierher übertragene, zur Verwendung als Unterstützungen bestimmte Zinsen 2070 Mk. Die Ausgaben im gedachten Zeiträume be­tragen : a) zur Disposition Sr. kaiferl. und köntgl. Hoheit des Kronprinzen: Zinsen pro 1883/84 von dem reservierten Kapital von 75000 Mk. mit 3375 Mk. (bar), b) Aus­losung von Wertpapieren 10500 Mk., c) Verkauf von Wertpapieren 1050 Mk., d) Kündigung unv Zurückzahlung zweier Hypotheken 60000 Mk. (b, c und d Dokumente), e) Ankauf von Wertpapieren 70379 Mk. 20 Pf., f) Renten und Unterstützungen: aa) Renten 37 068 Mk., bb) Unter­stützungen 7355 Mk., cc) Badeunterstützungen 1580 Mk. ---- zusammen 46003 Mk., g) Remunerationen 1200 Mk, n) Kopialien rc. 85 Mk. ES betrugen demnach im Laufe de» Rechnungsjahres die Einnahmen der Kronprinz-Sttftung im ganzen 124773 Mk. 26 Pf. bar und 1190500 Mk. in Dokumenten; dagegen die Ausgaben 121042 Mk. 20 Pf. bar und 71550 Mk. in Dokumenten, so daß Ende März 1883 ein Bestand bleibt von 3731 Mk. 6 Pf. bar und 1118 950 Mk.

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