XVm. JahrgMg.
JTlaröurg, Sonnabend, 16. Juni 1883.
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Der größere Teil der deutschen Presse ist bei der Be-
1883.
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offen
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Endlich, endlich nach langen Jahren des Wartens und
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SA.„f6: »rrenS war der Tag gekommen, an welchem Cäcilie das Her erreichte, in welchem sie selbständig über ihre Hand
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1888.
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ihlich durch oaS Fieber hingerafft wurdm. Noch jetzt klaftet Cochinchina nach fünfundzwanzigjährigem Besitz das
Die Politik der Reizmittel zum Kriege.
(Korrespondenz aus Paris.)
PapaS Goldtochter.
Eine Skizze aus dem Leben von Ludwig Wrietzner.
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Buchhandlung daselbst;
Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; gnvallbenbanlin
Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: E. Schlotte in Bremen.
»gestellt wird, ist das französische Kabinett aber sicher cht. Im Ministerrate wurde hervorgehoben, daß die Okku- l,cvtnM itton Cochinchinas, welche unter den denkbar günstigsten , lmständen ausgeführt wurde, über zweihundert Millionen gshandli tQnfg und 25000 Mann kostete, welche letzteren Haupt«
ikrfügen durfte, ohne von des Vaters Einwilligung ab- singig zu sein. Es war an CäcilienS Geburtstag und ihrer Zurückgezogmheit, in der sie außerhalb der rburg, bühne lebte, waren ihr doch mancherlei kleine Beweise der 44. 8rbe und Verehrung in ihrem kleinen, einfachen Zimmer- fcn, das sich wenig von dem ihres Vaterhauses unterschied,
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentlichen Beilage „JlbrftrirteS SormtagSblatt" durch die Expedition (K o ch'fche Buchdruckerei) bezogen SV. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pf«. (erd. Bestellgebühr) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
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- *n Odern zukommt, mit Bambuslanzen bewaffnet, darstellen, __y ihrend nach offiziellen Berichten alle bis jetzt mit den feumSW «»'zofen in Kampf gekommenen Gegner Hinterlader und ir Re» wolver nach den neuesten Systemen führten. Ebenso ver- ign. ö.f iltm die Karten, welche bet der ersten Tonkingdebatte in fcht tootl1 Kammer verteilt wurden, eine Oberflächlichkeit, die an
16 Komische grenzte. Das ganze Innere war darauf als Saldi«! »»bekanntes Land" verzeichnet, trotzdem aber ein Goldfeld
«d Erzlager neben dem anderen eingetragen. Nach der - «glücklichen Affaire von Han - No! erwachte plötzlich die | lidenschaftliche Erregung. Man erwärmte sich für Hinter- ™ Pen, und während die Optimisten sich fester um die Re- tiliefcittun9 scharten und auf dem Grabe RivisreS ein fron« rett r^6 Paradies ausbauen wollen, sehen die Pessimisten *tt Opposition in der ganzen Sache lauter Fallstricke, den über, der Frankreich noch fester in die Netze des cäsarl- ischen Opportunismus locken soll.
Ganz so unwissend über die Lage und so unvorbereitet r noch ernstere Ereigniffe, wie eS vielfach in der Preffe
Anzeigen nimmt entgegen: die Erpedition b. BlatteS, sowie b.Annoncen-Bureaur von ®. 8. Daube u. Co. in
, »gebracht worden. Nur Leo war noch nicht dagewesen, - gleich eS bereits am späten Nachmittage war, der Zeit, । der die alte Dame ihr Schläfchen zu machen pflegte j »b während besten Leo niemals erschien. Schon fing icilie an unruhig zu werden, als sie Schritte vernahm
11 »b ihr heute so sonderbar klopfendes Herz die Nähe des * ^liebten anzeigte. Er trat ein, und die beiden standen gegenüber; er hielt in der Hand einen prachtvollen Ellmenstrauß, aber sie achtete besten nicht mehr, als er ibst. Freudig war er an dem heutigen Tage, nachdem m seine Berufspflichten länger als gewöhnlich und ge- ^nscht zurückgehalten, zu ihr geeilt, um ste nun in seine ittne zu schließen und unter seinen Küssen die Pläne für sich ihnen nun endlich eröffnende rosige Zukunft auSzu- •olett. Und nun standen sich die beiden gegenüber, stumm, 'Mngslos, und nur die Augen senkten sich lief ineinander, h wollten sie in des andern Herzen lesen. So sehr tactt die beiden Menschen eins geworden, so genau tunten fie einander, so sicher lat das Mädchen in des
französische Budget alljährlich mit zwei Millionen, während der jährliche Verlust der BesatzungStrnppeu auf fünfhundert Mann angeschlagen wird. Daß man in Tonking mit ganz andern Ziffern zu rechnen haben wird, liegt auf der Hand, und eS gehört wahrhaft französische Leichtgläubigkeit dazu, daß die Kammer fünf Millionen und 1500 Mann für vorläufig hinreichend hielt, um eine Aufgabe zu vollbringen, welche jedenfalls das zwanzigfache an Geld und Mannschaften erfordert.
Wenn trotzdem Ferry und Challemel-Lacour vor einem Unternehmen, das so großartige Dimensionen annehmen muß, nicht zurückschrecken, so ist das ein Zeichen, daß tiefer liegende Ziele mit dem Rachezuge nach Tonking verfolgt werden. Er ist sicher der erste Schritt zur Ausführung des gambettisttschen Programms, das durch die Machtverschiebungen der letzten Jahre und durch die veränderte Zeitlage eine Modifizierung erlitten hat. Der Krieg in Europa wäre für den Augenblick nicht opportun. Das Entscheidungsfeld der orientalischen Frage wird binnen kurzem vom goloenen Horn nach Zentralasien verlegt sein. England zieht seine Agenten aus Armenien und Anatolien zurück und verwendet seine ganze Kraft aus Befestigung seiner Etappenstraße nach Bombay. Rußland hat nahezu die seinige nach dem Thale des JnduS fertiggestellt. Als Ausgangspunkt bet letzteren kann Odessa betrachtet werden, von wo eine Dampferltnie nach Batum führt. Von hier aus ist soeben daS letzte Stück einer Eisenbahn eröffnet, welche daS Schwarze Meer mit dem Kaspi - See verbindet und quer durch Georgien über Tiflis nach Baku läuft. Dampferlinien stellen die weitere Verbindung mit den unterworfenen Turkmenen her und von hier aus führen vorzügliche Militär- und Handelsstraßen (.Eisenbahnen sind im Bau begriffen) östlich nach der Bucharet und südlich von Merv aus nach Herat in das befreundete Afghanistan bis unmittelbar zu den ersten britischen Vorposten.
Hier ist daher das Kriegstheater der Zukunft zu suchen. Von einem Krieg mit dem „faulen Westen" und speziell mH Deutschland will weder Rußland noch sein Zar etwas wissen. Der Dreibund repräsentiert eine kompakte Macht und bietet keine Handhabe zu chauvinistischen Jntriguen. Gelänge eS aber jetzt Frankreich, im äußersten Orient eine feste Position zu fassen, so daß eS in der Lage wäre, sowohl der englischen als der chinesischen Machtstellung ein Gegengewicht zu bieten, dann würde eS durch die Natur der Thatsachen der unentbehrliche Bundesgenoffe Rußlands sein. Nach alter Ueberlieferung soll die orientalische Frage einmal vom fernen Osten her gewissermaßen ansgerollt werden. Jetzt ist das Rätsel gelöst und daS frankorusstsche Bündnis erhält durch Anams Eroberung die erste Gewähr. DaS Schicksal der Balkanländer und demnächst der Mittelmächte wird auf den Schlachtfeldern in Asien entschieden werden und die Parole der Zukunft wird lauten: Asien für Rußland und Europa der französischen Präponderanz Geliebten Seele, was sein Herz bewegte, so sicher erkundete sein in tiefer Bewegung auf ihr ruhender Blick, was in ihrem Innern vorging, daß sie sich nichts zu sagen brauchten und doch verstanden. Plötzlich, wie der gereiste Mann die holde, liebliche Erscheinung vor sich sah, daS bekannte, liebe Gesicht mit den Kinderaugen, da erschien ste ihm fast wie eine neue, weit von ihm entfernte Persönlichkeit, von der er nicht mehr wußte, ob er ihr nahen dürfe. In einem Moment flog vor seinen Augen der lange Zeitraum vorüber, da er sie errungen und fein genannt; und nun war fie die große anerkannte Künstlerin geworden, — er war geblieben, was er war, der Schauspieler, der etwas mehr als mittelmäßiges leistete. Und blitzschnell stieg in seinem Hirn der fürchterliche Gedanke auf, der ein fieberhaftes Feuer durch seine Adern jagte: die Entscheioung ist da, ob fie dich Hetzt noch wollen wird? Und wie ste seine Blicke so sonderbar auf sich geheftet sah und die im rätselhaftem Feuer strahlenden Augen, da durchzuckte es auch fie wie ein Blitz und schmerzend, in wahnsinniger Angst, in der unmdlichen Qual der Ungewißheit, stieg es herauf vom Herzen und umtönte eS ihre Sinne: O Gott, wenn er dich jetzt verlaffen könnte, wenn er dir nicht mehr ange- hören wollte l
Und stammelnd, wie vom Munde eines kleinen Kindes, rang eS sich von den Lihpen des vielerfahrenen Mannes, der doch nur ein Kind war im Banne der Liebe:
„Willst Du mich noch, Cäcilie?"
Die Worte waren nicht die eines feingebildeten Mannes, der gewohnt ist, seinen Empfindungen in schönen, eleganten Worten Ausdruck zu geben, aber ste waren die eines zum Ueberquellen vollen Herzens, das in sehnsüchtiger Liebe für
»litik finde. Nun wird allerdings In Frankreich viel ge- Mietzert, und gewiß mehr als in irgend einem anderen jbe politisiert, aber nirgendwo anders findet man im ‘yjfum und in der TageSpreffe eine solche Unkenntnis 1» 4^7 ü allen Zuständen und Vorgängen außerhalb der LandeS- 1. inzen. Die souveräne Verachtung für alles Nichtfran- 10 1 He geht so weit, daß man die Geschichte des eigenen Mission M sobald ste auswärtige Länder berührt, rasch vergißt. J: jistr Unwissenheit, welche dem Mangel an Jntereffe für t eine WjMves Studium entspringt, folgt dann nach einem ein» s im P, «enden eklatanten Vorfälle eine fieberhafte Neugier. Man postlag, n nun mit einem Schlage eine Situation überblicken, 12 Entwickelung man bisher kaum beachtet hatte. Noch it wenigen Wochen betrachtete man den Fall Tonking mit km m > größten Geringschätzung, stellte ihn auf eine Stufe mit ’ . «egal, Congo ober Madagaskar. Wie wenig man von v?“ (dinge Lage, Grenzen, Verhältnissen unterrichtet war, c beweisen jetzt noch alle illustrierten Zeitschriften, welche 0 ^ont «Anamiten in einer Ausrüstung, wie sie etwa den geuer» 0fn *n nhrrn »„kommt mit Rambuslamen bewaffnet, darstellen.
gehalten Der größere Teil der deutschen Presse tst bet der Be- ö. $ta[ Hung der tonkingnesischen Verwickelungen dem Fahr- jie bitri iiler der hiesigen Oppositionsblätter gefolgt. Man erblickt ir te An ttM Vorgehen der Regierung einen kopflosen, tollkühnen
1 M, der seine eigentliche Begründung in der inneren
wozu allerdings die französische Niederlage in Anam ein nicht gerade hoffnungsvoller Anfang tst.
Die bekannten Denkschriften des deutschen Philosophen Leibnitz, die den Gang der politischen und kulturellen Entwicklung Europas von der Einführung des Orients in die Zivilffation und in die abendländische Staatengesellschaft abhängig machen, hatten schon den Heroen der ersten Revolution und dem General Bonaparte den Kopf verwirrt. Letzteren haben die darin enthaltenen Ideen niemals verlassen; sie sanden erst in den Memoiren von St. Helena ihre Ruhestätte. Auch in den Köpfen der jetzigen Regierer Frankreichs scheinen sie in bedenklicher Weise ihr Unwesen zu treiben. Man würde die Rüstungen zur Teilung der Erde noch viel offener betreiben, wenn man nicht von allen Seiten und auch von so kompetenter Stellung aus, wie sie z. B. der General Wimpfen einnimmt, täglich an den neuen KriegSplan des bösen Generas de Moltke erinnert würde, der nun durchaus einmal Frankreich zerstückeln will. Daher setzt man im Stillen die Vorbereitungen zum Feldzuge fort; würde es bekannt werden, daß ein Teil der Landarmee eingeschifft worden wäre, so könnte eS sich sehr leicht ereignen, daß bei der unsinnigsten Nachricht von irgend einer Bewegung jenseits der Vogesen eine wahre Panik in Paris entstände.
Ferry zieht es vor, ohne Genehmigung und ohne vorherige Kreditbewilligung des Parlaments zu agieren; er weiß voraus, daß sowohl Erfolge wie Verluste der französischen Truppen nur neue Reizmittel sein werden, um Kammer und öffentliche Meinung auf dem betretenen Wege der auswärtigen Aktion sortzureißen. (R.-B.)
Deutsche- Reich.
Berlin, 14. Juni. Der Kaiser reist am 15. Juni, abends um 103/4 Uhr, via Magdeburg, Boersum, Kreiensen, Göttingen, Gießen und Wiesbaden, wo der Kaiser von 10V, uhr vormittag« bis 2 Uhr nachmittags bleibt, nach EmS, wo die Ankunft am 16. Juni, nachmittags um 4Vr Uhr, erfolgt. In seiner Begleitung befinden sich unter anderen der Hofmarschall Graf Perponcher, Graf Lehndorf, der Generalstabsarzt Dr. v. Lauer, die Flügeladjutanten v. Brösigke und v. Plessen, der Generalarzt Dr. Leuthold, die Geheimen Hofräte Bork und v. WilmowSki, General V.Albedyll und der Wirkliche Geheime LegationSrat v. Bülow. — Die Kommission für die kirchenpolitische Vorlage hat Artikel 1 der Regierungsvorlage mit 17 Stimmen, Artikel 2 mit 15 Stimmen und Artikel 3 nach dem Anträge de» Abg. Brüel, wonach bet Oberpräsident anstatt der Staatsregierung den Einspruch erhebt, angenommen. Artikel 4 wurde gegen die 8 Stimmen der Nationalliberalen, Freikonservativen und Sezessionisten abgelehnt. — Der Vernehmen nach wird der Minister v. Bötticher sich zum Kur- gebrauche nach Karlsbad begeben. — Der „ReichS-Anz." teilt die Anerbietungen der StaatSregierung au mehrere
das schöne Weib da schlug, und dies hatte den Ton der Liebe verstanden.
„Leo, mein Geliebter, mein alles!"
Und wieder hing sie an seinem Halse, wieder jubelnd, wie damals, als er sich das schöne Weib errungen für da» ganze Leben. Wieder ruhte sie an seinem Herzen, in jungfräulicher Scham erglühend, erzitternd unter seinen Küssen wie damals, im Vaterhause. Und wie diese beiden Herzen in unendlicher, unabänderlicher, verzehrender Sehnsucht, in Liebe sich gefunden hatten, so hatten fie die ganze lange Zeit In derselben Liebe sich erhalten, so mußte diese Liebe hindurch dauern, dieses verschönend, erhaltend, beglückend.
Lange, lange saßen sie da, erzählend, plaudernd, vergangener Zelt gedenkend. Sie wurden nicht müde zu erzählen und ihre Erinnerungen gegenseitig zu ergänzen, und als die alte Beschützerin endlich in der Thür erschien und die beiden im Lichte der Abendsonne dasitzen sah, alles um sich her vergessens und nur in ihrer Welt der Liebe und des Glückes lebenb, da schloß sie leise die Thür, und sich langsam entfernend, seufzte ste: „ich bin nun hier überflüssig geworden."
Einige Wochen später aber rollte ein Wagen von der Rampe eines hell erleuchteten Hauses, in dem Gläser klangen und Trinksprüche das junge Paar feierten, die ihrem neuen Heim entgegenfuhren. Da drin im Wagen hielt ein glücklicher Gatte sein junges Weib in seinen Armen, das In unendlicher Liebe zu ihm aufsah und sich dicht an den Gatten schmiegend, die Hände faltete und murmelte: „ich bin so glücklich".
(Fortsetzung folgt.)