Marburg, Freitag, 15. Juni 1883.
XVIII. Jahrgang
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lflnu» a. M., Berlin. Lia, Köln ic.; Rudolf Se in Berlin, Frankfurt a. M- tc.
Sechs Jahre warm verfloffen und Cäcilie glänzte am Kunsthimmel als einer der leuchtendsten Sterne. Es war ein ganz merkwürdiges Verhältnis, das von der Stunde an, da das Mädchen das väterliche Haus verlassen, zwischen der jungen Schauspielerin und ihrem Verlobten bestand. Abgesehen davon, daß die Achtung vor den schauspielerischen Fähigkeiten seiner Schülerin in Leo mehr und mehr gewachsen war — wußte er doch besser als jeder andere
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16 Papas Goldtochter.
Eine Skizze aus dem Leben von Ludwig Wriehner.
„ , Cäcilie hob da« schöne Haupt, die Augen, die untrr- 1 drückten Thränrn des Zorne« und der Scham schimmertm, i» ihm fragend empor.
. »Ich weiß eS nun bestimmt," fuhr er fort, es ist eine ^tngue gegen Dich aqgtfUUt fvorden. Sie fürchten Dich wt und Dein Talent, und am meisten diejenige, die Dich ihre Rivalin betrachtet und Dich am ersten Abend zu
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Zum erstenmale in ihrer schauspielerischen Laufbahn Dar Cäcilie an diesem wichtigen Abende von jener Be- sangenheit in ihrem Wesen und Spiel, das man Lampen- fiebtr nennt. Ohne daß sich direkte Zeichen des Mißfallens :«M dem Publikum kundgaben, war der Erfolg nach dem nsten Akte für die junge Schauspieleriu ein mindestens zweifelhafter. Ihr schien es, al« wären so viele feindselige, böse Blicke auf sie gerichtet, wie gar niemals vorher; sie hielte nicht mehr mit der Begeisterung,, mit dem Feuer, da« pt sonst beseelte. Da geschah daS Unerwartete, da« Eicilien noch nie bisher begegnet. Es war gegen Schluß de« zweiten Aktes, al« sich ein schwacher, ermutigender Beifall erhob, der plötzlich, wie auf Kommando, von einem °us verschiedenen Seiten des Hauses kommendem Z scheu übertönt wurde, in daS sich ein energische«, rücksichtslose« Reifen mischte. Wie vernichtet, schwankte Cäcilie hinter die touliflen auf Leo zu.
»Mein Lieb, nur den Kopf oben behalten. Ich glaube, weine Cäcilie zu kennen und will Dir deshalb die Wahrst sagen, sie wird einen Charakter, wie Dich, nicht nieder« ichmettrrn, sondern über die Gemeinheit kleinlicher Seelen Theben."
Hause sind 7 durch bezügliche Beschlüsse des Reichstages erledigt worden, während 3 unerledigt blieben. Die eingebrachten Interpellationen sind sämtlich im Plenum zur Verhandlung gekommen und bis auf eine — teren Beantwortung bekanntlich abgelehnt wurde — von feiten der verbündeten Regierungen beantwortet worden. Die Zahl der eingegangenen Petitionen beträgt 3267, darunter 1153, welche sich auf die Abänderung der Gewerbeordnung beziehen, und 278, welche die Kranken- und Unfallversicherung der Arbeiter betreffen. Von den Petitionen wurven 58 dem Herrn Reichskanzler überwiesen, 2132 durch die bezüglichen ReichStaqSbeschlüsse für erledigt erklärt. Die Kommissionen haben 60 schriftliche und 62 mündliche Berichte erstattet. Bei den im Laufe der Session stattgehabten Wahlprüfungen wurden 29 Wahlen für gültig und 5 Wahlen für ungültig erklärt, 20 Wahlen beanstandet. Die Prüfung von 8 Wahlen bleibt rückständig. — 6 Mandate sind gegenwärtig erledigt.
— Der Bericht der Unfallkommission des Reichstags an das Plenum, bestehend in einer Aufzählung der Haupt- gestchtSpunkte, die bei der künftigen Absaffung des Ünfill- verstcherung« Gesetzentwurfes beobachtet werden sollen, lautet folgendermaßen: Die Kommission beantragt, der Reichstag wolle beschließen: ,1. den vorgelegten Gesetzentwurf in seiner jetzigen Gestalt in allen Teilen abzulehnen; II. den Kanzler zu ersuchen, bei einer Umarbeitung des Gesetzentwurfs in der erneuten Vorlage die nachstehenden Gesichtspunkte berücksichtigen zu wollen: 1) der gesetzliche Berstcherungszwang ist auszusprechen a. für die im § 1 bezeichneten Personen; b. außerdem für die Arbeiter der Land- und Forstwirtschaft und Flößerei. 2) Der Schadenersatz ist zu leisten: a. von der 14. Woche ab durch die nach dem Unfallver- stcherungsgesetz Verpflichteten; b für die ersten 4 Wochen der unter a. bezeichneten Karenzzeit durch die Krankenkassen bezw. die Gemeinde Krankenversicherung; c. für den Rest dieser Karenzzeit ist daS Krankengeld in Anrechnung zu brinren, welches dem Verletzten auf Grund des Gesetzes, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter, zusteht; falls derselbe zu den nach jenem Gesetze versicherungspflichtigen Personen gehört; für dem Krankenverstcherungszwange nicht unterliegende Personen ist der Schadenersatz von Eintritt des Unfalls an zu gewähren. 3) Der Reichszuschuß fällt fort. Ein Beitrag der Arbeiter zu den Lasten der Versicherung findet, abgesehen von dem Eintreten der Krankenkaffen, nicht statt. 5) Die Unfallversicherung bei Aktiengesellschaften gilt nicht als Erfüllung der aus diesem Gesetz folgenden Pflichten. Uebergangsbestimmungen bleiben Vorbehalten. 6) Gefahrenklassen sind beizubehalten als mitbestimmend für den Verteilungsfuß der Lasten, nicht beizubehalten als Grundlage der Verbandsorganisation. 7) Zur Ausbringung der aus dem Gesetze entspringenden Lasten sind Verbindungen der versicherungSpflichtigen Betriebe zu bilden. 8) Der Regel nach ist daS Risiko zwischen engeren stürzen hoffte für immer. Du hast allen den Feinden gegenüber, die da unten auf Dich lauern, um Dich mit allen noch so niedrigen Mitteln zu bekämpfen, nur eine Waffe — DUne Kunst. Du mußt siegen, wenn Du willst; denn Du bist eine Künstlerin."
Ihre Augen blitzten und die kleine Hand ballte sich zur Faust, als sie fist erwiderte: „Ich will siegen, und ich werde siegen. Ich will sie niederwerfen, alle."
Es war eine neue Erscheinung, die im nächsten Akt die Bühne betrat und mit ihrem fortreißenden Feuer die Zuhörer zuerst aufmerksam machte, dann packte und endlich mit atemloser Spannung dem Weibe da oben lauschen ließ, das in den herrlichsten Versen Göthescher Muse lebte. Der Vorhang fiel, und zu gleicher Zeit erhob sich ein Sturm des Beifalls und ein anhaltendes Zischen und Pfeiff. Doch nur einen Moment, verblüfft ob des in diesen Räumen ungewohnten Wesen« bezahlter, bestochener Zuhörer, erschollen int nächsten Augenblicke die Rufe „Ruhe" und immer und immer wieder von dem Publikum gerufen, das sich seine freie, gerechte, unbeeinflußt Kritik niemals nehmen ließ, war der Erfolg Cäciliens gesichert. Sie war mit diesem Abend in die Reihsq der ersten schauspielerischen Kunstgrößea getreten.
und weiteren Verbänden zu teilen. 9) In räumlich begrenzten Gebieten werden sämtliche verflcherungSpflichtige Betriebe zu einem Betriebsverband vereinigt. 10) Die dem weiteren Verbände Nr. 8 obliegende Quote des Risiko fällt auf: a. die Gesamtheit aller BetriebSverbände oder b. die BerufSgenoffenschaften gleichartiger Betriebe, die räumlich Über den Bezirk des BetriebSverbandeS der. Regel nach htnauSgehen. 11) Unter den durch daS Gesetz festzustellenden Normativbestimmungen ist zulässig: a. freiwillige Bildung von Genossenschaften zur selbständigen Uebernahme deS gesamten Risiko; b. desgleichen zur Uebernahme der einen Quote Nr. 8 des Risiko; c. freiwilliges Ausscheiden einzelner Betriebe. 12) Die Aufbringung der Lasten hat zu erfolgen: a wenn die gesamte Verbandsbil'ung in Form von Zwangsgenossenschaften erfolgt, durch Umlage de« Jahresbedarfs; b. wenn freiwillige Bildungen erfolgen, durch Aufbringung der EntschädigungSkapttalien."
— Ucber Herrn v. Beitnigsens Rücktritt sagt die „Boss. Zeitung": „Welche aber auch die Motive des Herrn von Bennigsen sein mögen, sein Ausscheiden auS den parlamentarischen Versammlungen und aus dem aktiven politischen Leben ist und bleibt ein Ereignis von weittragender und für unsere innere Lage höchst charakteristischer Bedeutung. DaS Parlament und darin werden alle Parteien einig sein — verliert in Herrn v. Bennigsen eine schwer zu ersetzende Kraft; es hat gerade keinen Ueberfluß an Talenten ersten Ranges, und namentlich an solchen Rednern und Parteiführern, welche es verstehen, eine zerfahrene und heruntergekommene Diskussion mietet auf die Höhe der Situation zu erheben. Der Verlust wird allseitig schwer empfunden werden." Die „National-Zeitung" schreibt: „Wer den Führer der national-liberalen Partei während der letzten Wochen über die politischen Angelegenheiten gesprochen, wird sich ungca chtct der Ueberraschung, welche dieser Schritt trotz Allem Hervorrufen muß, d nselbrn zu erklären vermögen. Als vor einiger Zeit Auflösungsgerüchte verbreitet waren, bemerkte Herr v. Bennigsen in einer Privat-Unterhaltung über bief-Iben, daß er im Falle von Neuwahlen nicht wiederkommen werde. Der Gang der parlamentarischen Arbeiten der letzten Jahre hatte ihn, der bekanntlich schon 1879 sich von der parlamentarischen Thätigkeit zurückziehen wollte und der damals diesen Entschluß nur a,f dringende Vorstellungen seiner hannoverschen Freunde aufgegeben hatte, von neuem tief verstimmt; e« ist ja auch begreiflich, daß für eine vornehme Natur die Mitwirkung an parlamentarischen Verhandlungen, wie die gegenwärtigen, in hohem Grade widerwärtig ist." Eine Andeutung, wer eS denn sei, der vornehmen Naturen die Teilnahme an unseren parlamentarischen Verhandlungen verleite, hätte an dieser Stelle gewiß erwartet werden dürfen, doch fehlt dieselbe. Daö Blatt fährt dann später fort: „Wie sehr wir den Rücktritt beklagen, darüber bedarf es nicht vieler Worte. Wir sind
diese Fähigkeiten, dieses ernste Wollen zu schätzen —, abgesehen davon, daß er in Cäcilien die ewig junge, göttliche Kunst verehrte, war das Verhältnis der beiden Verlobten ein merkwürdiges, vielen auffällig s, sogar unerklärliches. Dem flüchtigen Beobachter mußte eS scheinen, als sei die Liebe der beiden, wenn nicht ganz erkaltet, so doch eine verminderte, kühlere. Wer aber dann in stillen (gtunben' gesehen hätte, wie sie in seinen Armen ruhend, ganz daS kleine, unbedeutende Mädchen mit dem heißen, für den Einzigen pochenden Herzu, glückselig zu ihm aufsah, wer gesehen hätte, wie er nicht müde wurde, die rosigen Lippen mit seinen Küssen zu bedecken, der hätte ander« geurteilt. Diese Stunden, die heimlichen, glücklichen Stunden, sie kamen nicht so oft, und es vergingen wohl Monate, ehe Leo mit feiner Braut auf kurze Zeit allein war. Der Mann, der fein Liebstes als fein eigen in fein Hau« führen wollte, wenn die Zeit gekommen, Cäcilie fein liebe« Weib nennen zu dürfen, er hütete mit der Aengstlichkeit eine« sorgenden Vater« sein Kleinod, damit nicht der Schatten eine« unehrenhaften Verdachtes auf feine Braut falle. Er hatte Cäcilie ein- für allemale unter die Obhut einer alten Dame gestellt, einer Schauspielerin, die ihr Organ verloren hatte und deshalb der Bühne entsagen mußte. ES war keine der gewöhnlichen Theatermütter, die sich der schönen jungen Schauspielerin mütterlich annahm. Die alte D .me besaß genug Vermögen, auch ohne Leo und seine Unterstützung leben zu können, aber sie hatte Cäcilie bald lieb gewonnen und beschlossen, sich der Armen, die keine Heimat mehr hatte, zu widmen, — bis sie eben Überflüssig wurde, bis Leo seine Braut als sein Weib heim« führen konnte. (Fortsetzung folgt.)
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~ « Deutsches Reich.
— !( ©erlitt, 13. Juni. Am Schluffe jeder parlamentarischen - j Asston pflegt der Präsident eine Ueberstcht über die Ge- — I Msthätigkeit des Hauses zu verlesen. Sie wird regel- - 1 Mig ohne besondere Spannung ausgenommen, denn den _ j ftjtern bringt sie nichts Neues. Und doch sind diese stati- - i Men Mitteilungen, wenn sie an sich auch zur Beurteilung - s materiellen Ergebnisses einer Session keinen Anhalt ~ bitten können, nichts Geringeres als die zuverlässige Ge- MSbilanz der Session und deshalb von zweifellosem Ateresse. Indem wir au- dieser Bilanz im nachstehenden Mge Daten hervorheben, glauben wir damit zugleich den bcsern ein Orientierungsmittel für etwaige spätere AuS- Bnes'^sthmngen über die politischen Resultate der gestern ge- - - ^[offenen zweiten Session der V. Legislaturperiode des - li Reichstags zu bieten. Derselbe war vom 27. April bi« - 11 i8. Juni 1882 und darauf wiederum vom 30. Nov. 1882 _ }' bis 16. Februar 1883 und vom 3. April bis gestern — - ü zusammen 203 Tage — in dieser Session versammelt. - n Während dieser Zeit haben: 102 Plenarsitzungen, 109 — 11 Sitzungen der Abteilungen, 327 Sitzungen der verschiedenen p_ ’* Kommissionen stattgefunden. Es gelangten in der Session । zwei kaiserliche Botschaften an den Reichstag, darunter die- 2< jtnlge vorn 14. April, welche dem Reichstage ans Herz 11 legte, alsbald in die Beratung des Etats pro 1884/85 ein- 8] zutreten. Unter den Vorlagen der verbündeten Regierungen « befinden sich 21 Gesetzentwürfe einschließlich der Reichs- haushaltS-EtatS für die Etatsjahre 1883/84 und 1884/85. Davon haben 14 die Zustimmung deS Reichstages erhalten. Unter denselben befinden sich außer den beiden ReichshanS- WS Etats die Novelle zur Gewerbeordnung, das Kranken- tasiengesetz und der Entwurf, betr. die Steuervergütung für Zucker. Die dem Reichstage vorgelegten (7) Verträge wurden fämmtlich genehmigt Der Gesetzentwurf, betr. die Abänderung de« Reichsbeamtengesetzes wurde mit Rückficht auf das Nichtzustandekommen der Novelle zum Militär- jmsionSgefetz von den verbündeten Regierungen zurückgezogen. — Zwei Gesetzentwürfe (TabckSmonopol- und Holzzollvorlage) wurden abgelehnt. Unerledigt sind vier Gesetzentwürfe geblieben (Unfallversicherung der Arbeiter, MitärpensionSgefctz, Reliktengefch, Schutz nützlicher Vögel). Bon den Mitgliedern de« Reichstags wurden 21 Gesetzentwürfe, 10 Anträge und 11 Interpellationen eingebracht. Aon ersteren haben nur 2 die Zustimmung des Reichstags _ »erhalten, während 5 (darunter der Antrag Germain, be- - 1 treffenb vte Geschäftssprache deS elsaß-lothringischen LandeS- - wsschufses) abgelehnt wurden. WaS die übrigen 14 von “ Mitgliedern eingebrachten Entwürfe betrifft, so liegen über _ 2 derselben schriftliche Kommissionsberichte vor, 3 befanden - I fich noch in den betreffenden Kommissionen und 9 konnten - * wegen Schluffe« der Session überhaupt nicht zur Verhand- — lang kommen. — Von den anderen Anträgen aus dem
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