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xvm. Jahrgang

Marburg, Donnerstag, 14. Juni 1883.

r. 136.

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Reichstag.

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.Kölnischen Ztg." er Veranlassung

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dirkusston.

Abg. Mayer (Württemberg) motivierte die Ablehnung des Etats seitens der Volkspartei. Abg. Hasen clever Märte, daß die Sozialdemokraten wie früher den Etat «blehnen, weil sie kein Vertrauen zur Regierung haben; das Unfallgesctz sei in den Graben gefallen und der Reichs­kanzler brauche bis 1885 den Reichstag nicht, wenn nicht die Verlängerung des Sozialistengesetzes ihn dazu nötige,

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s Nach dem Theater versammelte ein Souper, der Sitte gemäß, zu Ehren der Debütantin gegeben, die Schauspieler Im traulichen Kreise. Cäcilie wäre lieber zu Hause * in ihrem kleinen Stübchen geblieben, allein mit ihrem Glücke _ , und ihren Gedanken. Doch sie mußte, um nicht zu be- 1 leidigen, der so freundlich gestellten Einladung Folge leisten, - 1 und der gemütvolle Ton, der in der kleinen Gesellschaft herrschte, die ihr entgegengebrachte Freundlichkeit, stimmte sie recht heiter und bald befand sie sich wohl unter den

t Cäcilie vorüber, diese keines Worte« würdigend, die bestürzt ob der unverdienten Kränkung dastand. Eine peinliche Stille entstand, Leos Augen schossen ^Blitze und schon öffnete er den Mund, den unverdienten schimpf zu rächen, _ J ba traf ihn ein bittender Blick Cäcilie»- und er schwieg. * Dem gesprächigen ersten Liebhaber gelang cs, über die Unerquicklichkeit der Situation hinwegzuhelfen, und bald

15 Papas Goldtochter.

Eine Skizze au- dem Leben von Ludwig Wriehner.

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Kollegen und Kollegium n.

Die Darstellerin der Adrienne hatte sich entschuldigen j lassen, war aber doch schließlich auf daö Zureden einiger Freundinnen gekommen. Freudig erhob sich Cäcilie und ging der jungen Dame entgegen, als sie in das Zimmer trat; sie fühlte dunkel, daß sie einen Triumph auf Kosten der älteren Kollegin gefeiert und daß sie einem gekränkten, , t weun schon ohne ihre Schul» gekränkten Ehrgeiz gegen- 1 überstehe. Stolz und unnahbar stand die Schauspielerin 1 vor Cäcilie herabblickend, als wäre sie ein wesenloses Ding, * ' eine Unbekannte, die sie zum erstenmal sehe. Einen Augen- 1 blick trafen sich die Blicke der beiden, dann glitt das Auge _ 1 btt Schauspielerin herab an CäcilienS Gestalt, hohnvoll 9 kräuselten sich die Lippen und majeästisch rauschte sie an

1 <r « Brief.»

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883.

; ~ H | Berlin, den 12. Juni.

Z Zn der heutigen (102.) Plenarsitzung des Reichstags , ' -we[t vor Eintritt in die Tagesordnung daS Wort

- li Abg. v. Köller, um zu erklären, daß er, nachdem

~ li .he Versammlung von Kaufleuten in Köln auf Grund _ (ta« unrichtigen Sitzungsberichts derKölnischen Ztg." ' _ 11 .«en ihn eine Resolution beschlossen habe, er Veranlassung 103 |( Kommen habe, an die genannte Zeitung eine Berichtigung

~ - Lufenben. Aus derKölnischen Zeitung" sei jene seine Z ] ,ngebliche Aeußerung auch in andere Blätter übergegangen; _ j (, konstatiere jedoch, daß diese Aeußerung nur dem Bericht- ii Mtter der genannten Zeitung zur Last falle. Von ihm - l Md der rechten Seite deö HaufeS wären beleidigende Aeuße- 2 j jungen gegen den Kaufmannsstand in keiner Weise gefallen. _ Auf der Tagesordnung steht in erster Reihe der Gesctz- wtwurf, betreffend die Konsulargerichtsbarkett in Tunis, - i Mer in erster und zweiter Beratung erledigt wurde. ~ ! Demnächst wurde ohne Debatte beschlossen, dem Anträge Z j itt Wahlprüfungskommtssion entsprechend, die Wahl des - ij flbg. TäglichSbeck zu beanstanden.

Nachdem der Nachtragsetat (ReichStagsgebäude) in dritter Seratung definitiv genehmigt, knüpfte sich an die dritte Beratung des Etats pro 1884/85 eine längere General-

msammenbeiufen.

Staatssekretär v. Bötticher erklärt, daß die Regierung bedauere, daß in der Kommission eine Verständigung über d»S Unfallverstcherungsgesetz nicht erreicht sei. Der Aller- 3I höchsten Botschaft entsprechend werde ste aber die gesetzliche 8 Regelung dieses wichtigen Gegenstandes nicht außer acht l lasten, denselben vielmehr in jeder Weise fördern und dabei die in der Kommission gegebenen Winke bei der demnächstigen Feststellung des neuen Entwurfs benutzen.

Abg. Rickert führte aus, wie diese Etatsberatung evident nachgewiesen habe, daß die zweijährigen Budgct- ferioden nur auf Kosten der Steuerzahler möglich sei. Die traurige Natur der politischen Gesamtlage werde durch die ' _ MandatSniederlcgung deS Abg. v. Bennigsen, eines um daS _ k Vaterland hochverdienten Patrioten, am besten charakterisiert. - Dieser Vorgang müsse alle Liberalen dazu bestimmen, einiger - < zusammenzuhalten und von der Abwehr zur entschiedenen Z i Opposition überzugehen. Schließlich sprach der Redner sein _ l Mißfallen über daS Verfahren der UnfallversicherungS-

kommisston aus und kritisierte die von derselben beschlossene Resolution.

Staatssekretär v. Bötticher bemerkte darauf, daß er durchaus nicht gesagt habe, daß die, ihm übrigens noch unbekannte, Resolution der Unfallskommission der Regierung zur Richtschnur dienen werde; er habe nur die Berück­sichtigung der von der Kommission gegebenen Winke zugesagt.

Direktor im Reichsschatzamt Aschenborn weist die vom Abg. Rickert gegen die gegenwärtige Etatsberatung vorgebrachten Argumente als unzutreffend zurück.

Abg. Dr. Windthorst hob hervor, daß der Bericht der Unfallversicherungs-Kommission, den der Abg. Rickert kritisiert, doch eigentlich dessen Werk sei. Die gegenwärtige Etatsberatung habe er wiederholt als eine Ausnahme be­zeichnet. Die Gründe, die Abg. Rickert für den Rücktritt v. Bennigsens angegeben, könne er nicht als richtig an­erkennen; ein Patriot, wie v. Bennigsen, resigniere nicht, wenn daS Vaterland in Gefahr.

Abg. v. Benda dankte dem Abg. Rickert für die dem Hrn. v. Bennigsen gewidmeten anerkennenden Worte. Wegen der Motive dieses Rücktrittes solle man nicht nach ober­flächlichen Erscheinungen aburteilen. Er könne übrigens versichern, daß die nationalliberale Partei fortfahren werde, im Geiste Bennigsens zu wirken.

Abg. Richter (Hagen) kann mit dem Abg. Rickert in der Resolution der Unfallverstcherungskommission nicht den Ausdruck der Majorität des Hauses erkennen. Den Rück­tritt v. Bennigsens könne er nicht so tragisch nehmen. Der­selbe habe offenbar klug gehandelt. Die Zeit des Kom­promittierens sei eben vorüber. Herrn v. Benda möchte er doch warnen, im Sinne v. Bennigsens weiter zu wirken, andernfalls möchte von der nationalliberalen Partei gar nichts mehr übrig bleiben!

Abg. Frhr. zu Franckenstetn (Vorsitzender der Un- sallverstcherungSkommisston) nahm dieselbe gegen die der­selben gemachten Vorwürfe in Schutz.

Darauf wurde die GeneraldiSkusston geschlossen und in die Spezialberatung eingetreten.

In der Spezialdebatte wird der Etat nach unerheblicher Diskussion unverändert nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen und dann der ganze Etat vorbehalt­lich der Feststellung der Ziffern definitiv in der Schluß­abstimmung genehmigt. Die auf die Sonntagsheiligung im Postr stört bezügliche Resolution des Abgeordneten Lingens wird mit 127 gegen 82 Stimmen angenommen. Die Resolution, daß an Sonntagen ein Telcgrammauf- schlag von 20 Pfg. erhoben werden soll, wird mit 111 gegen 101 Stimmen abgelehnt. Die zum Etat einge­gangenen Petitionen werden für erledigt erklärt. Die Vorlage über die KonsulargerichtSbarkeit in Tunis wird in dritter Lesung angenommen. Präsident v. Levetzow war der kleine Zwischenfall in dem Raketenfeuer der mehr oder minder guten Witze vergessen.

Cäcilie aber hatte ihre erste Erfahrung im Leben hinter den Koulissen gemacht und nun wußte sie, daß sie eine Totfeindin habe, die den Kampf mit ihr suchen werde. Doch ste ließ sich nicht niedeiwerfen, ruhig und kalt hielt ste den stechenden Blick der Gegnerin auS; sie wußte, Leo würde ste nie verlassen.

* * *

Wochen und Monate vergingen, und die junge Schau­spielerin lernte mehr und mehr das Theaterleben kennen, mit allen seinen Freuden und allen seinen Bitternissen. Sie mußte durch manche harte Lehre erfahren, daß ein grau­sames Gespenst, Künstlerneid genannt, hinter den Koulissen lauert, das sich unvermutet auf den Nichtsahnenden stürzt, ihn zu zermalmen. Doch Cäcile war nicht die Natur, sich zermalmen zu lasten, alle die Nadelstiche, die ste erleiden mußte, und die schon gar manches große Künstlerherz nieder- geworfen für immer, dienten nur dazu, ihren Mut, ihre Charakterstärke zu erhöhen. Sie dachte zu groß, zu edel, zu erhaben von der Kunst, der sie ihr Leben geweiht, als daß die Kleinlichkeiten, denen ste ausgesetzt war, ihr Streben zu entwürdigen, das hohe Ziel, das sie erreichen wollte, zu verwischen, zu entfernen vermochten. Und immer näher und näher kam ste dem ersehnten Ziele, als der Größten eine, unter den besten Namen genannt zu werden. Mit wachsender Bewunderung sab Leo die Fortschritte der Schülerin, die ihren Lehrer fast schon übeiflügelt hatte, und mit gerechtem Stolze erfüllte es daS Herz des Schau- spielkrs, wenn daS Publikum Cäcilien entgegenjubelte. War doch in gewissem Sinne dieSchauspielerin" Cäcilie sein eigenstes Werk.

giebt hierauf die übliche Geschäftsüberstcht. v. Bockum- Dolffs dankt dem Präsidium für die umsichtige Ge­schäftsführung. Staatssekretär v. Bötticher verliest so­dann eine kaiserliche Botschaft, welche die laufende Session des Reichstages schließt. Das HauS hört die Botschaft stehend an und geht mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser auseinander.

vom Landtag.

Berlin, den 12. Juni.

In der heutigen (80) Plenarsitzung deS Abgeord­netenhauses erfolgte die offizielle Mitteilung von der MandatSniederlcgung des Abg. v. Bennigsen.

Bei der Fortsetzung der ersten Beratung der kirchen­politischen Vorlage erhielt heute zuerst der Abg. Winvt- horst das Wort. Derselbe griff auf die gestrige Debatte zurück, um zunächst den Ausführungen des Abg. v. Zedlitz gegenüber auf die hohen Aufgaben der Kirche, als der Stütze jedes geordneten Staatswesens, hinzuweisen. Den von diesem Herrn angekündigten Represstv-Kodex werde er mit Ruhe erwarten; man werde sich gegen Repressiv- wie Präventivmaßregeln zu wahren wissen. Wenn das Zentrum die Vorlage ohne Amcndierung annehme, würde man schließen können, daß dasselbe den kirchlichen Gerichtshof als Institution anerkenne. Daß Graf Limburg - Stimm den Frieden aufrichtig wolle, davon sei er überzeugt, aber wenn die Konservativen nur innerhalb des Rahmens der Vorlage und dieselbe nur als Ganzes annehmcn wollen, dann würden wir bald festliegen. Er nehme indes an, daß man sich nicht so strikte an die Wortfastung halten dürfe. Der Abg. Richter habe sich auch gestern wieder mit der Haltung der Zentrumsfraktion beschäftigt. Dieselbe werde aber stets nur aus sachlichen Gründen handeln und eigentliche Volksrechte nie preisgeben; aber ste wisse ebenso, daß die Beschränkung des Einzelnen im Interesse veS Ganzen nötig sei, und zwar nicht gegen die Freiheit, son­dern für die Freiheit. In der vorliegenden Frage habe allerdings der Abg. Richter den Weg der Freiheit mehr wie andere erkannt. Er wolle nur hoffen, daß eS ihm nicht gehe, wie einem anderen Führer dieses Hauses, daß ihm im gegebenen Momente die Truppen den Dienst ver­sagen. An der Rede des Herrn Ministers habe ihn ge­freut, daß auch er die Hoffnung habe, daß die Kommis­sionsberatungen einen gedeihlichen AuSgang nehmen werden. Hoffentlich werde der Minister dem entgegenkommenden Worte mit der That folgen. Daß er (Redner) sich mit seiner Stellung vom 28. April im Widerspruch befinde, könne er nicht zugeben, besonders habe er in den Aus­führungen des Herrn Ministers eine Auskunft über die Endziele der Regierung in dieser Frage vermißt. Aller­dings möge cs zur Zeit der Regierung inopportun er-

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Zwei Jahre waren vergangen, seitdem Cäcilie daS väterliche Haus verlassen. Sie hatte zwar zu wiederholten Malen an den Vater geschrieben und, von der Zeit Milde­rung erhoffend, das Gemüt des alten ManneS umzustimmen gesucht; alle Briefe aber waren uneröffnet an sie zurück­gekehrt.

Es war am Todestage der Mutter, als Cäcilie da­ersehnte Glück haben sollte, am Hoftheater zu B......

der erwünschten und selten genug erreichten Station aller Schauspieler, auftreten zu dürfen. Gelang der gewagte Schritt, wußte sie das verwöhnte Publikum der Riesenstadt zu erwärmen, zu feffeln, so war ihre schauspielerische Be­rechtigung endgiltig anerkannt und ste trat mit einem Schlage in die Reihen der Kunstgrößen allerersten Ranges. Zwar hätte ste gern einen anderen Tag gewählt für ihr Debüt an dieser großen Bühne, allein da ihr nur die Wahl dieses Tages gegenüber der Möglichkeit, überhaupt nicht zum Auftreten zu gelangen, gclaffen war, mußte die Rücksicht auf den Todestag der Mutter schweigen.

Cäcilie hatte die Rolle der Göthefchen Iphigenie ge­wählt. Noch mehr als ste selbst war sich Leo des gewagten Schrittes bewußt, gerade diese erhabenste der Göthefchen Frauengestalten vor einem so kunstsinnigen und zu schärfster Kritik geneigten Publikum zur Darstellung zu bringen. Dennoch hatte Cäcilie auf diese Rolle bestanden, und Leo hatte ihr keinen weiteren Widerstand entgegengesetzt, als sie in richtiger Selbsterkenntnis meinte,ich wähle gerade diese schwierige Rolle, um vor der Kritik eines maßgeblichen Publikums entweder zu bestehen oder zu unterliegen; ich werde dann wenigstens wissen, ob ich das Zeug zu einer wirklichen Künstlerin habe."

<Fortsetzu»s folgt.)