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Marburg, Dienstag, 12. Juni 1883.

xvm. Jahrgang.

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lltfA Session (Heiterkeit 99. Sitzung liegt

auf dem Bureau des Hauses zur Ein-

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tAt M «mtsgebäude nicht erbaut werden. Di- kolossalen Dimen- I 8 R Ikonen des Parlaments würden dasselbe nie zur Geltung cn 0 [ lammen lassen. Die Detülansführung will er der Paria-

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mntsbaukommission überlassen. Der Nachtragsetat wird

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s re »erilosen Schmucksachen, die Spitzen und Bänder verdient, M. •>* «te sie in der Fremde gewesen. Nun ging es zum zweiten- Rovt» mgic in die Fremde. Damals, als sie zum erstenmale von

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Reichstag.

Berlin, den 9. Juni.

Der Präsident v. Levetzow eröffnete die Sitzung des Reichstages um Vz2 Uhr mit folgenden Worten:

»Ich eröffne unter Hinweis auf die äußeren Merkmale, Me auf meinem Tische liegen (zw-i prachtvolle Blumen- Mketts, von denen das eine die in roten Blumen auS- Mrtc Ziffer 100 trägt), die hundertste Sitzung dieser -und Beifall). DaS Protokoll der

Antrag Dirichlet wird darauf abgelehnt und unverändert angenommen.

Die Akademie habe in dem Projekte eine befriedigende Lö- |#nß, welche bei der Ausführung des Baues als Grundlage dienen könne, nicht gefunden und empfehle deshalb, den Architekten Wallot mit Aufstellung eines neuen Projektes, unter Zugrundelegung des ursprünglichen, zu betrauen. Die Parlaments - Baukommtsston habe sich inzwischen in ihrer heutigen Sitzung den Bedenken der Akademie des Bauwesens nicht anschließen können, vielmehr einstimmig beschlossen, dem Hause den vorliegenden Wallotschen Plan als Grund­lage deS Reichstagsbaues zu empfehlen. Demgemäß könne tr auch nur bitten, den Nachtrazsetat zu genehmigen.

dem Prinzipe selbst festgehalten werde, obwohl die vom Abgeordnetenhause früher angenommene Faffung von ihm selbst herrühre. Abg. Dirichlet beantrag.dagegen, an den bisherigen Beschlüssen festzuhalten; dieser' Antrag wird abgelehnt und § 61 mit dem Amendement deS Abg. Dr. Brüel angenommen.

Zu 8 152 bat das Herrenhaus den Zusatz beschlosien, wonach cs den Verwaltungsdirektoren gestattet sein soll, die bis dahin verwalteten nichtrichterlichen Nebenämter bei« zubehalten. Dieser Zusatz wird genehmigt. Mit der ein­zigen, zu 8 61 beschlossenen Aenderung wird demnächst da« ganze Gesetz angenommen.

ES folgte die Beratung des ZuständigkcitSgesetzeS. Bei 8 7, der vom Herrenhause unverändert angenommen ist, wiederholt Abg. Dirichlet den früheren Antrag, wonach die Staatsaufsicht über die Verwaltung der städtischen Ge­meindeangelegenheiten in erster Instanz nicht vom Re­gierungspräsidenten, sondern vom Bezirksausschuß und in zweiter Instanz nicht vom Oberprästdenten, sondern vom Provinzialrat geübt werden soll.

RegierungSkommiffariuS Geh. Rat Haase bittet den Antrag abzulehnen. Näher auf denselben einzugehen, er­scheine nicht nötig, nachdem der Antrag sowohl in der Kommission wie in den früheren Beratungen des Plenums bereits abgelehnt worden.

«.«eigen nimmt entgegen: P^j-pebition d. Blattes,

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Die Bestätigung kann nur unter Zustimmung deS Be- zirkSansschuffeS versagt werden. Lehnt der Bezirksausschuß die Zustimmung ab, so kann dieselbe auf den Antrag deS Regierungspräsidenten durch den Minister deS Innern er­gänzt werden.

Wird die Bestätigung vom Regierungspräsidenten unter Zustimmung des Bezirksausschusses verfügt, so kann die­selbe auf Antrag des GemcindevorstandeS oder der Gemeinde­vertretung von dem Minister deS Innern erteilt werden."

Abg. Dr. v. Heydebrand erklärt, daß seine Freunde für den Antrag Brüel, zumeist au« taktischen Gründen, stimmen werden. Man könne die Bedenken, die im anderen Hause gegen den 8 13 geltend gemacht seien, allerdings

8 13 (Bestätigung von Gemeindebeamten) ist Herrenhause gestrichen. Abg. Dr. Brüel beantragt 8 13 in folgender Fassung herzustellen.

„Soweit die Bestätigung der Wahlen von Gemeinde­beamten nach Maßgabe der Gemeindeverfassungsgesetze den Aufsichtsbehörden zusteht, erfolgt dieselbe durch den Re­gierungspräsidenten.

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Abg. Zelle bemerkt, der Zweck der Wiederetnbringung des Antrages sei der, der Mehrheit nochmals Gelegenheit zu geben, sich zu überzeugen, daß es mißlich sei, Präfektursystem mit dem Kvllegialsystem so leicht zu tauschen.

ihr ganzes bisheriges Leben vorüber in flüchtigen Bildern, und am Ende thot sich ein weites, gähnendes Feld auf, ihre Zukunft. Dann ging sie ins Haus zurück, und an der Treppe traf sie einen Mann, der auf sie zu warten schien. Er belud sich mit der nicht eben schweren Last de« Koffers und sagte beim Fortgehen: „er wartet".

„Leb wohl," flüsterte sie, als sie über die Schwelle ihres kleinen Zimmerchens trat, dann stieg sie die Treppe hinab und öffnete eine Thür. Die Geschwister schliefen bereits, als die Schwester leise eintretend, an dem Bettchen des Kleinsten niederkniete. Cäcilie war kein Freigeist ge­worden, sie betete still, in Andacht versunken, wie ehemals in der kleinen Kirche. Noch einen Blick warf sie auf die Kinder, noch einmal winkte sie ihnen zu, dann schloß fit die Thüre hinter sich.

Zur rechten Seite, bevor man zur Treppe und in« Freie gelangte, befand sich eine Thür. Dorthin wandte sich Cäcilie und drückte auf das Schloß; eS gab nach, aber die Thür öffnete sich nicht. Cäcilie klopfte. „Wer ist da?" klang drinnen eine tiefe Stimme. „Papa, Deine Gold­tochter." Sie sagte es mit der ganzen Verzweiflung der Verurteilten, die zum voraus weiß, daß cs für sie keine Hoffnung giebt, mit dem ganzen Weh, das ihr junges Herz erfüllte, mit dem ganzen unsäglichen Schmerze der Scheide« stunde. „Ich habe keine Goldtochter mehr, geh." ES klang rauh, ^art, unbeugsam, doch wie ein letzter liebessehnsüch­tiger Schcidegruß. Sie breitete die Arme aus, dann sank sie auf die Knie und herzbrechendes Weinen erschütterte den zarten Körper. Unaufhaltsam strömten die Thränen, sie weinte um die verlorene Heimat, den Vater, der seine Goldtochter verloren hatte sür immer.

(Fortsetzung folgt.)

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„ Wenige Tage später saß ein Mädchen über ein Köffer­chen gebeugt, das gerade groß genug war, um die wenigen Habseligkeiten zu bergen, die bestimmt waren, den kühnen 1 8lug in die Welt mitzumachen. Schwere, heiße Thränen perlten aus Cäciliens Augen, als sie ein Stück nach dem «Ubern in den Koffer legte. Es war alles ihr rechtmäßiges, i erworbenes Eigentum, sie hatte die einfachen Kleider, die v* fotrtfnfon hi« Khiu-N itttb Ränder verdient.

BesM hierauf in erster und zweiter Lesung angenommen und die «uSbti Parlamentskommission mit den weiteren Arbeiten betraut. In der fortgesetzten Etatsberatung führt beim Postetat die vom Abg. Lingens beantragte Resolution, welche wci- lete Beschränkungen des PostvcrkehrS an Sonntagen herbei- sLhrcn will, zu einer längeren Debatte. Staatssekretär

Abg.Dr. Schwarzenberg wünscht, daß bei der Aus Mrung deS Baues besonders auf die Größe des SitzungS- fe'hr VA Mes und namentlich auf die Akustik besonders Bedacht -■ - • genommen werde.

- Abg. Reichensperger findet die Resultate der Kom- Nisstonsberatungen seinen Wünschen nicht entsprechend und * **“, bittet, durch einen bestimmten Beschluß auszusprechen, welche -----~ Räume und Dispositionen nötig und erwünscht seien. Abg. \ äu m Herwig bitttt, auf dem betretenen Wege weiterzugehen, w die« jjg RittingShausen hält die räumlichen Verhältnisse der Sitzungssaales für unzulänglich und wünscht eine recht sorgfältige Berücksichtigung der Akustik. Abg. Bamberger meint, am Königsplatze könne ein wirkungsvolles Parla-

Lnzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; Jäaerfche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. LhieneS in Slberfeld' L Schlotte in Bremen-

Stephan erklärt sich gegen die Resolution. Die Ab­stimmung darüber erfolgt erst in der dritten Lesung.

Der Etat der Postvet waltung wird nur bis zum Kap. 3 erledigt. Eine längere Debatte rief der vom Abg. Richter zur Sprache gebrachte, in den letzten Tagen von den Zei­tungen erwähnte Fall eines Hilfspostboten in Swincmünde hervor, sür welchen wegen ungenügender Unterstützung durch die Post die öffentliche Mildthätigkeit in Anspruch genommen wurde.

ReichSpostamtSdirektor Fischer legt den Angaben der Blätter gegenüber dar, daß die Postverwaltung jenem Hilfs­boten gegenüber durchaus keine Verpflichtung habe und daß die ihm gewährten sechs Mark monatliche Unterstützung eine freiwillige, durch keinen Rechtsanspruch begründete Zu­wendungen seien.

Abg. Richter beantragt, den Reichskanzler um Vorlage eines Gesetzes zu ersuchen, welches alle für das Reich dienst­lich beschäftigten Arbeiter unter daS Unfallverstcherungsgesetz stellt. Der Antrag geht zur Berichterstattung an die Unfall- verstcherungSgesetz-Kommission. Fortsetzung der Beratung Montag, 1 Uhr.

vom Landtag.

Berlin, den 9. Juni.

In der heutigen (78.) Plenarsitzung deS Abgeord­netenhauses kam zunächst die von dem Herrenhause in veränderter Faffung zurückgelangten Verwaltungsgesetze zur Verhandlung.

Der Gesetzentwurf über die allgemeine Landesverwaltung ist in den 88 1—27 unverändert geblieben. 8 28 hat nach den Beschlüssen deS Herrenhauses insofern eine Aenderung erfahren, alS auch außer bei der Stellvertretung deS Re­gierungspräsidenten im Vorsitze deS Bezirksausschusses für die sonstige Stellvertretung desselben im Bezirksausschüsse vom Könige ein Stellvertreter ernannt wird.

Abg. Dirichlet beantragte Wiederherstellung der Be- schlüffe dieses Hauses. Abg. Dr. Brüel erkennt dagegen in den Beschlüffen des Herrenhauses eine Verbesserung. Der 8 28 wird nach den Beschlüffen desselben angenommen.

8 61 lautet im zweiten Absatz nach den Beschlüffen des andern Hauses: „AuS der amtlichen Thätigkeit des Land­rats bezw. deS Regierungspräsidenten darf kein Grund zur Ablehnung desselben wegen Besorgnis der Befangenheit ent­nommen werden", während die Fassung deS Abgeordneten­hauses folgende war: „Die Thatsache, daß der Landrat bezw. Regierungspräsident in der Sache amtlich thätig ge­wesen, bildet keinen Grund zur Ablehnung derselben wegen Besorgnis der Befangenheit".

Abg. Dr. Brüel beantragt, im Beschlüsse des anderen Hauses hinter den Worten „AuS der" einzuschalten: „inner­halb seiner Zuständigkeit geübte". Der Antragsteller will den Wünschen deS anderen Hauses entgegenkommen, da an nicht alles beim Alten sei, weinend und bittend sich an die Schwester gehängt hatten, „sei gut, Cäcilie, der Vater ist krank", waren sie verschüchtert davongegangen, und nun herrschte in dem Hause eine beängstigende, drückende Schwüle, die das Lachen verstummen ließ und das Sprechen zu halb­lautem Geflüster dämpfte.

Das Köfferchen war voll, cS hatte nichts mehr Platz darin, cs gab auch nichts mehr zum Eirpacken. Cäcilie setzte sich an den kleinen Tisch, an dem sie so oft gesessen und die Blätter mit flüchtigen Zeilen bedeckt hatte. Da überwältigte das Mädchen die Erinnerung, und immer reicher und reicher flössen die Thränen. Sie barg den Kopf in die Hände, und die heißen Tropfen benetzten die zier­lichen Finger. Sie merkte cS nicht, wie ihre Wange von etwas Hartem, Metallenem wundgedrückt wurde, das in ihrer linken Hand verborgen war. Als sie endlich die thränenumflorten Augen erhob, da fiel ihr Blick auf den goldenen einfachen Reif, der am Finger der linken Hand blitzte. „Wenn Du auch nicht als mein Weib aus dem väterlichen Hause gehen kannst, so sollst Du eS wenigstens als meine verlobte Braut verlassen," hatte er zu ihr ge­sagt, als er ihr den Ring überreichte, der sie unn an ihn band für daS ganze Leben. Und ein dankbares Lächeln spielte jetzt um ihren Mund und sie murmelte: „er ist so gut, so lieb, ich will ihn so glücklich machen, wie er mich glücklich gemacht hat." Dann erhob sie sich und ging durch daS HauS in den Garten. Und sie besuchte noch einmal alle die Wege und Stege, die Plätzchen, au die sich eine liebe Erinncrung knüpfte, die glücklichen Stätten der Kind­heit und den freien Platz mit den dunkelnden Bäumen, wo sich ihr Schicksal enlschieden. Hier saß sie, in Gedanken verloren, bis es Abend wurde, und vor ihren Augen flog

grfcheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SomrtagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 21/» Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet-

M offen. (Heiterkeit.)"

, Auf der Tagesordnung steht in erster Reihe der Nach- :aße82j ßagsetat für 1883/84 (daS Reichstagsgebäude betreffend), f T" Staatssekretär des Innern v. Bötticher machte Mit- lttgek$ Mngen über das bisherige Ergebnis der gestern abgehal- 9 t tttKn Beratungen der Akademie deS Bauwesens betreffs deS

i*t Heimat Abschied nahm, da dünkte ihr der Schmerz Ito groß und kaum erträglich, aber so bitter war der Ab- Hied nicht gewesen, wie heute. Damals gab es doch eine Öffnung der Wiederkehr, liebende Herzen folgten ihr mit wen Grüßen in die Ferne, aber heute war allcs tot und J um sie her. Nachdem die Geschwister, die in ihren «vderseelen wohl ahnten, daß zwischen Vater und Tochter

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u Papas Goldtochter.

Eine Skizze aus dem Leben von Ludwig Wrietzner- kr aus Schweigend standen die beiden da, dann warf sich das Mädchen an die Brust des ManncS, der ihr nun alles ersetzen mußte. Sie weinte nicht, fie sprach kein Wort, sie , barg die fiebernde Stirn an seine Brust und stumm saßen

| fl|| j dir beiden, deren übervolle Herzen vergebens nach Worten rangen und düse doch nicht finden konnten, im Ernste der Stunde. Jetzt ließ sich fern ein dnmfes Grollen vernehmen, «in Gewitter war im Anzuge. Arm in Arm wandelten sie beide bis zu dem nahen Hanse, dann berührten sich die Appen zu einem langen Kuffe und sie stieg die kleine kreppe hinauf, während er langsam der Stadt zuging.