XVIII. Jahrgang
Marburg, Sonntag, 10. Juni 1883.
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iperfloi auch daS Verleben der einzelnen Titel erspart wurde.
Demnächst werden die Kapitel 14—25 (Titel 1 7)
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t, GLw her Ausgaben debattelos genehmigt. In Titel 4 Kap. 25
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(Brot- und Fourageverpflegung) werden die in der Vorlage aesorderten Mehrsorderungen (3195945 Mk. im preußischen, 252 743 Mk. im sächsischen und 129 309 Mk. im württem- beraischen Etat) auS den schon gestern debattierten Gründen ohne weitere Diskussion abgelchnt. Kap. 25-44 werden darauf unverändert bewilligt.
ES kamen dann die einmaligen Ausgaben des Ordi- nariumS zur Verhandlung (Kapitel 5). Tit. 1 5 werden
sächlichen Verhältnissen Rechnung. Daß die Konservativen nicht mit dem Ministerium ihre Ansichten wechseln, würde Herr Rickert sicher an der Opposition erfahren, welche die Konservativen machen werden, wenn wir einmal — waS übrigens Gott verhüten möge — ein Ministerium Rickert erhalten sollten.
Abg. Richter (Hagen) hält den vom Abg. Freiherrn zu Franckenstein aufgestellten Grundsatz, daß der Ankauf des Bauplatzes die Bewilligung des Baues in sich schließe, für sehr bedenklich. Mit Rücksicht auf diesen Grundsatz sowohl, als auch darauf, daß die Konservativen beim vorigen Etat zu dieser Position die namentliche Abstimmung beantragt hätten, beantrage er seinerseits jetzt die namentliche Abstimmung. Was der Abg. Rickert über die konservative Partei gesagt, sei dnrchauS zutreffend. Unsere Konservativen bilden keine selbständige parlamentarische Partei. (Widerspruch rechts.) Der Reichskanzler halte ihnen alle Tage vor, daß sie ohne die Regierung nichts seien. Ohne die Unterstützung der Regierung würde die konservative Partei bis auf wenige Reste auS Hinterpommern auS dem Haufe verschwinden. Die konservative Partei wiffe das auch selbst sehr gut, deshalb eben nütze sie jetzt die Zeit aus.
Kriegsminister Bronsart v. Schellendorsf weist mit kurzen Worten das Bedürfnis deS qu. Baues nach und bittet um Genehmigung dieser Position, die zugleich eine Konsequenz der früheren Bewilligung der resp. Bau- platzkostcn sei.
Abg. Freiherr zu Frankenstein betont, daß der Reichstag bet feiner Bewilligung der Bauplatzkosten s. Z. sicher auch das Bedürfnis des Baues felbst geprüft habe, deshalb ziehe jene Genehmigung, die derselbe Reichstag be- schloffen, der heute verhandele, auch die Bewilligung der weiteren Bauarten als Konsequenz nach sich. Der Bau deS Ersatzschiffes, auf den hier wiederholt bezug genommen, sei vom Zentrum gestern nur deshalb abgelehnt, weil ein dringendes Bedürfnis für die Herstellung dieser Korvette nicht nachgewiesen sei.
Das Resultat der namentlichen Abstimmung war die Genehmigung der 150000 Mk. für die Artilleriekaserne zu Sagan mit 115 gegen 106 Stimmen. (3 Mitglieder enthielten sich der Abstimmung.)
Im außerordentlichen Etat (Kapitel VI. Titel 1 bis 35) enthält der Titel 13 die Forderung von 4 969 846 Mk. zur Neuerwerbung von Artillerie-Schießplätzen. Von der Erweiterung des Schießplatzes Tegel ist jetzt Abstand genommen. Die Kommission schlägt vor, die Summe um 1388014 Mk. zu kürzen, mithin nur 3 581823 Mk. zu bewilligen, d. h. die gleiche Summe, welche für den laufenden Etat bewilligt ist. Das Haus tritt dem Anträge ohne Debatte bei.
Titel 22 enthält die bei der engeren Etatsberatung abgelehnte Forderung von 200000 Mk. einer ersten Rate,
unverändert angenommen.
In Tit. 6 wird für die Garde-Schützenkaserne in Lichterfelde eine 6. Rate von 415000 Mk gefordert und die Forderung einer Summe von 77 725 Mk. Vorbehalten. Tie Kommifston will die geforderte Summe jedoch nur als letzte Rate bewilligen und dies in das Dispositiv deS Titels aufnehmen. DaS HauS stimmt dem zu.
Tit. 7 wird bewilligt; in Tit. 8 werden für die Erweiterung deS Baracken - Kafernementö auf dem Artillerie-
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(Sine Skizze aus dem Leben von Ludwig Wrietzner.
Serr Walport, eS mag ein Verbrechen sein, wenigstens in ihren Augen, daß ich Ihre Tochter liebe und von ihr wiedergeliebt werde, aber es ist daS uralte, ewig wicder- kehrende Verbrechen der Liebe, die zwei Herzen aneincinr er kettet, ohne Rücksicht auf den Stand, ohne Rücksicht auf die Verhältnisse.* ,
Sie hätten sich dieser Rücksichten erinnern sollen; Sie haben mein Vertrauen zertreten, Sie haben sich eingeschltchen in die Liebe meines Kindes wie ein Dieb, Sie haben mir mein Kind gestohlen!"
Vater, ich liebe ihn." Sie war aufgestanden und neben Leo getreten. Sie sagte es ruhig, gelassen, al« ver stünde es sich von selbst, und doch lag in dem Tone ein gewiffeS Etwas, als gäbe es dagegen keinen Widerspruch. Hoch aufgerichtet, stolz und starr stand sie da, die eine Hand erhoben, wie beschwörend; sie war in diesem Augenblicke wunderschön in ihrer plastischen Ruhe.
Der alte Mann starrte das Mädchen wie ein ihm fremdes neues Wesen an. Das war nicht mehr seine Tochter' das war nicht sein Goldkind in seiner ganz naiven, ruhigen, frommen Einfachheit, das war ein gereifte« selbstbewußtes Weib, das er nicht mehr zu verstehen mochte. Es war eine lange, endlose Minute für die drei Menschen, von Denen jede» fühlte, daß der nächste Augmbl ck ent. scheidend sür ihr ferneres Leben sein mußte. Jetzt zuckte es «ar seltsam über deS Alten bleiches Angesicht, ein entsetzlicher, tätlicher Schreck malte sich in seinen Zügen, stöhnend rang eS sich von seinen Lippen:
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Berlin, den 8. Juni.
In der heutigen (99.) Plenarsitzung deS Reichstags rerselbe bei Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats jn die Beratung des Militäretats ein.
Zunächst brachte Abg. vr. LingenS zur Sprache, daß Mitärhandwerker im Alexanderregiment an Sonn- und Festtagen hätten arbeiten müffen.
KriegSminister Bronsart von Schellendorff erklärte, daß, wenn die näheren Ermittelungen die Angaben des Herrn Vorredners bestätigen, eine von der vorgesetzten Behörde nicht zu billigende Anordnung vorliege. Er könne deshalb event. Abhilfe der gerügten Uebelstände zusagen. (Bravo!)
Abg. Richter (Hagen) sieht sich zu einer allgemeinen Erklärung dieser Etatsberatung gegenüber veranlaßt. Nach der Haltung der Mehrheitsparteien scheine das HauS entschlossen, den Etat mindestens in den Sätzen zu genehmigen, welche in dem letzten Etat angenommen seien. Bei dieser Sachlage werde er keine aussichtslosen Anträge auf Streichung stellen und die Opposition lediglich auf denjenigen Punkt beschränken, in welchem die Kommission in Widerspruch mit den Ablehnungen im laufenden Etat jetzt die Genehmigung beantragt habe. Er werde die Monotonie dieser Etatsberatung auch deshalb nicht unterbrechen, weil n nicht Den Schein erwecken wolle, daß er mit dieser Art der Etatsberatung, die er für eine normale nicht halten könne, einverstanden sei. Auch auf allgemeine Fragen wolle er nicht eingehen, nachdem das HauS gestern beim Etat deS Eisenbahnamts die Debatte über Die wichtige Tariffrage abgeschnitten habe. Im Interesse DeS Präsidenten würde er sogar nichts dagegen einzuwenden haben, wenn demselben
die Ferne, daS lockende, goldig leuchtende, schöne Ziel. Sie vergaß alles um sich her, den Vater, den Geliebten, die Familie, ihr Auge blickte in die Weite, Die sich endlos vor ihr ausdehnte, und am Ende stand sie selbst, eine Priesterin, eine Königin der Kunst — ihre Bestimmung.
„Versprich mir, daß Du nur das nicht thun wirst, meine Goldtocher," wimmerte der alte Mann zu den Füßen Des Tochter. Sie hielt seine Hände gefaßt und tonlos kam es von ihren Lippen: „Ich kann nicht anders, Vater, ich muß, es ist meine Bestimmung."
Er hatte die Augen angstvoll, bittend, flehend zu den ihren erhoben, auS denen ein seltsames, heißes Feuer strahlte. Jetzt erhob er sich taumelnd, und schon sprang Leo auf ihn zu, ihn zu stützen, da hatte er sich gefaßt und vor der Berührung des Schauspielers zurückweichend, maß er diesen mit einem Blicke, der halb Haß, halb verachtende Kälte ausdrückte.
„Vater, machen Sie uns, machen Sie Ihr Kind nicht unglücklich. Vergeben Sie und werden Sie mit uns glücklich." Es war ein voller warmer Ton, der aus der Brust Leos heraufdrang und er hatte die Hand des Alten ergriffen.
„Niemals, niemals!" Der Alte entriß ihm die Hand ungestüm. „Werdet glücklich, wenn Ihr e« könnt. Geht ohne meine Segen, ich will Euch nicht fluchen. Vergeßt meiner, wie ich vergessen werde, daß ich einstmals noch eine Tochter gehabt habe. Sie sei für mich tot für immer, ste ist für mich verloren für ewig."
Er sprach es gesenkreu Haupte«, mit eisiger Kälte; er warf keinen Blick auf die beiden, er wandte da« Haupt nicht zurück nach Dem geliebten Kinde, nach seiner Goldtochter; geräuschlos war er verschwunden. (Fortsetzung folgt-!
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Berlin; SB. Thiene« in Elberfeld: C Schlotte in
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Schießplatz bei Jüterbogk (erste Rate) 200000 Mk. gefordert. Die Kommission beantragt die Ablehnung.
Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff bittet dem gegenüber um Bewilligung dieser Position. Der qu. Schießplatz werde von Mai bis September von mindestens einer Feld-Artilleriebrigade benutzt, und deshalb sei die Erweiterung dieses Baracken-KasernementS ein dringendes Bedürfnis.
Abg. v. Wedell-Malchow empfiehlt gleichfalls die Bewilligung. Wenn die Mannschaften in der Umgebung von Jüterbogk elnquartlert werden müßten, sei daS eine unerträgliche Last für die Anwohner.
Abg. Frhr. zu Franckenstein wiederholt, daß das Zentrum eine erste Rote nur beim Nachweise absoluter Notwendigkeit und Dringlichkeit bewilligen würde. Demnächst Dotierte für den Titel 8 nur die Rechte; derselbe wurde daher abgelehnt.
In Tit. 10 werden 150000 Mk. für den Neubau einer Kaserne für die reitende Artillerie in Sagan als zweite Rate gefordert. Bei Der Beratung des laufenden Etats wurde diese Forderung abgelehnt, die Kommission schlägt jetzt die Genehmigung vor. Abg. Rickert beantragt die Ablehnung, als eine einfache Konsequenz der Haltung, welche gestern daS Haus dem Etat der Marineverwaltung gegenüber eingenommen. Die Finanzlage sei eben nicht übersichtig genna, um solche Bewilligungen votieren zu können.
Abg. Fchr. zu Franckenstein betonte dem gegenüber, daß eS sich hier nicht um eine erste, sondern um eine zweite Rate handle und der Reichstag die Bedürfnisfrage selbst schon früher entschieden habe. Abg. Richter (Hagen) hält die Ablehnung dieser Position, die bei der vorigen Etatsberatung zu längeren Debatten geführt habe, heute noch mehr geboten, als damals. Der Ankauf eines Bauplatzes, der hier als Grund der Bewilligung angegeben, schließe noch keineswegs die Notwendigkeit In sich, die weiteren Bausummen zu gewähren. Der Bauplatz ließe sich auch wohl wieder verkaufen.
Abg. v. Kardorff empfiehlt die Genehmigung und geht dabei auf die Vorteile zweijähriger Etatsperioden ein.
Abg. v. Wedell-Malchow verwahrt die konservative Partei, den Vorwürfen des Abg Rickert gegenüber, dagegen, daß sie nicht die verfassungsmäßigen Rechte des Landes überall achte und schütze. (Zustimmung rechts.)
Abg. Rickert erwidert, diesem Proteste ständen die Thatsachen gegenüber; daS Urteil könne er übrigens dem Lande überlassen. Die konservative Partei sei bä uns keine selbständige, sondern folge nur den Intentionen deS jeweiligen Ministeriums.
Abg. Freiherr v. Maltzahn-Gültz will daS Urteil des Landes und der Wähler über die konservative Partei ruhig abwarten. Allerdings nehme die konservative Partei nicht, wie die des Herrn Rickert, konstitutionelle Doktrinen zur Richtschnur ihres Verhaltens, sondern trage den that-
„Du willst — Schauspielerin — werden!"
„Ja Vater, ich muß. es ist meine Bestimmung."
Es war heraus, daS tötende Wort, das Jahre von Liebe und Glück auslöschen mußte, das da« Band zwischen Vater und Tochter entzwei riß für immer. Sie sagte eS ruhig, bestimmt, sie sah in diesem Augenblick nur ein Ziel vor ihren Augen, das sie erreichen mußte, um jeden Preis.
Geisterbleich, faffungslo«, starrte der alte Mann seine Tochter an, dann stürzte er, willenlos, gebrochen zu ihren Füßen nieder unD flehend, die alten, knöchernen Hände erhebend, stammelte er schluchzend:
Ri» daS nicht, Cäcilie, meine Goldtochter, nur das nicht"« Und ihre Knie umfassend, ihre Hände streichelnd, liebkosend, murmelte er immer wieder „nur das nicht, mein Goldkind, nur das nicht."
Eisige Kälte durchschauerte Die Dasitzende, es rieselte durch ihr Mark wie tätlicher Frost, wie gelähmt, unfähig sich zu rühren, zu bewegen, saß sie da, und heiß, trocken sahen Die Augen herab auf Den vor ihr knieenden Mann, Der ihr Vater war. Jetzt war alles vorbei, sie wußte es. Sie hatte eS kommen sehen, als ste Den alten Mann, Der ihr Vater war, dort am Baume erblickte.
Cäcilie wußte cs, daß sie ihm keinen Trost geben könne, sie wußte es, Daß er in Der nächsten Minute von ihr gehen müsse für immer, daß ste aufhören mußte, einen Vater zu besitzen, da alle Famllienbanke für sie zerriffen waren. Und in ihrem Herzen erwachte gerade in diesem Moment, da sich der eigene Vater bettelnd um sein verlorenes Kind, zu ihren Füßen krümmte, da sie ein ewiges Dunkel um sich her, nichts als Finsternis vor sich erblickte, jetzt gerade erwachte wieder der heiße, durstige Trieb in