XVIH. Jahrgang.
Marburg, Sonnabend, 9. Juni 1883.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen Buchdrucker»^ *“—*“ ei/
dagegen. Der Antrag wird hierauf abgelehnt und Kapitel 52 bewilligt.
Der Reichstag erledigt alsdann den Rest des Marine- Etats durchweg nach den Anträgen der Budgetkommtsston. Morgen steht der Militäretat auf der Tagesordnung.
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vom Landtag.
Berlin, den 7. Juni.
In der heutigen (76.) Plenarsitzung des Abgeord- netenhaufeS teilte der Präsident v. Köller mit, daß die vom Herrenhause abgeänderten Verwaltungsorganisationsgesetze eingegangen seien.
Der Gesetzentwurf, betr. die Landesbank in Wiesbaden, ward mit einigen von der Regierung genehmigten Amendements des Abg. v. Rauchhaupt ohne Debatte in dritter Lesung definitiv angenommen. Ebenso wurde der Gesetzentwurf, betr. das Staatsschuldbuch, und der Entwurf einer Landgüterordnung für die Provinz Brandenburg in dritter Lesung genehmigt.
Es folgte die zweite Beratung deS Gesetzentwurfs, betr. die Ktrchenverfassung der evangelisch-reformierten Kirche der Provinz Hannover. Die betreffende Kommission hat den Entwurf unverändert gelaffen und nur zu § 21 einen Zusatz beschlossen, wonach Bewilligungen aus der Kirchenkaffe an andere Gemeinden rc., sofern dieselben einzeln 2 Prozent und im Gesamtbeträge eines Etatsjahres 5 Prozent der Solleinnahmen nicht übersteigen, der Genehmigung der Staatsbehörde nicht bedürfen.
Abg. Dr. Brüel erklärt sich gegen das Gesetz; ebenso namens des Zentrums Abg. Freiherr v. Schorlemer- A lst. Der Entwurf wurde demnächst in seinen einzelnen Paragraphen unverändert angenommen.
Schließlich wurden Rechnungen der Kaffe der Oberrechnungskammer vom 1. April 1881/82, sowie der vier- unddreißigste Bericht der Staatsschuldenkommisston über dir Verwaltung des Staatsschuldenwesens erledigt und Decharge erteilt.
Schluß 3/41 Uhr. Nächste Sitzung morgen 9 Uhr (Petitionen und Anträge)
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Juni. Der Kaiser begab sich heute früh, wie alljährlich am Sterbetage seines Vaters zu einer stillen Gedächtnisfeier nach dem Mausoleum in Charlotten- bürg, wo auch der Kronprinz, von Potsdam kommend, eingetroffen war. Vom Mausoleum begaben sich der Kaiser und der Kronprinz durch den Tiergarten nach den Stand- bilscrn Friedrich Wilhelms des Dritten und der Königin Luise, die reich mit Blumen geschmückt waren, verließen dort den Wagen und besuchten beide Standbilder. Rach der Rückkehr nahm der Kaiser Vorträge entgegen und verbringt den übrigen Teil deö Tages zurückgezogen in seinem
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6ine Skizze au« dem Leben von Ludwig Wrietzner.
Er chatte die Knieende emporgezogen an seine Brust und preßte sie zärtlich an sich, zärtlich, wie der Vater sem ftinb wie der Geliebte die Braut. Hier gelobte sich der Mann, treu und innig sein Weib zu lieben und sie mit sicherer Hand zu führen durch das Leben, dem sie mit ihm entgegen ging; er wollte ihr den Vater ersetzen durch doppelte Liebe und er hat seinen still geleisteten Schwur $ h Und nun fingen die beiden an, in halblautem Tone jene wichtigen Dinge zu plaudern, die jedem anderen ,uninteressant, dem Liebespaar von unschätzbarem Werte sind. Sie erzählte ihm, von ihrer ersten Begegnung, anfangend, alles, was das junge Gemüt bedrückte, fie verschwieg nicht«, auch nicht ihre bangen Zweifel, ihr zuerst unverstandenes, dann bewußtes Ringen nach Wahrheit; so lernte er immer mehr den Schatz erkennen, den er in seinen Armen hielt- Sie svrach von den schönen Stunden, da sie einen Blick gethan in die Geistesschätze und schüchtern setzte sie hinzu: »Leo, glaubst Du, daß ich ein wenig Talent habe, ob ich es wohl jemals zu etwas auf dem Theater bringen würde? Er antwortete nicht sogleich. Er hatte im StUIen den Gedanken gehegt, sein Kleinod zu verbergen, es nicht den Blicken der schaulustigen Menge auszusetzen, nun trat die Entscheidung, rurch sie selbst hervorgerufen, an ihn heran. Einen Moment zauderte er, dann regte sich »in ihm das Künstlerblut, dann sagte er sich, daß es ein Verbrechen an der Kunst, unwürdig eines wahren Künstlers wäre, ein solches Talent verkümmern zu laffen. „Mein Lieb , ant-
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube u. Co. in
Reichstag.
Berlin, den 7. Juni.
c?n der heutigen (98.) Plenarsitzung des Reichstags zunächst der Gesetzentwurf, betreffend die Steuerver- Mna für Zucker, in dritter Beratung zur Verhandlung. § Aba Dr. Meyer (Halle) erklärte, daß seine Freunde, nicht hoffen könnten, den Antrag Stengel durchzu- IjMit, von dessen Einbringung jetzt abstehen, aber, vor dü Alternative gestellt, daö Gesetz abzulehnen oder so, wie ijeat, anzunehmen, müßten sie sich für die Annahme »Meiden, da immerhin, wenn auch quantitativ wenig, doch 2 erreicht werde. Die neulichen Vorwürfe der Abgg. staubt) und v.SkarzynSki gegen seine Freunde, daß sie der landwirtschaftlichen Industrie nicht da« gebührende Jntereffe Endeten, seien unbegründet. Im Grunde träfe der gleiche Boiwurf die Regierung, welche, allerdings etwas befremdlich diesen Vorwurf nicht zurückgewiesen habe. Und doch b-be sie mit der Vorlage nur den Wünschen deS Vereins der deutschen Zuckerfabrikanten entsprochen. Die Anträge, welche seine Freunde gestellt — und sie ständen der Zucker- jndustrie nicht fern, denn so wie er den SaalekreiS vertrete, «zre der Abg. Schrader Vertreter Braunschweigs und Abg. Büchtemann der Magdeburgs-, hielten sie für die Zuckerindustrie nicht bloß für schädlich, sondern in deren wahrem ^Abg. Uh den bemerkte, daß, wenn die Zuckerindustrie in der Magdeburger und Braunschweiger Gegend auch die weitere Ermäßigung der Exportbonifikation vertragen könne, das nicht auch für andere Landesteile zutreffe.
Abg. Staudy entgegnet dem Abg. Dr. Meyer, daß er am Montag, wie immer, nicht daö Jntereffe der Groß- arundbesitzer allein, sondern das Jntereffe der Landwirtschaft im allgemeinen vertreten habe. Dabei habe er aber weder einer P-r on, noch einer Partei eine direkte Feindseligkeit gegen die Landwirtschaft zum Vorwurfe gemacht. Der Redner ging dann noch auf eine Kritik der neulich vom Abg. Sonnemann vorgeführten statistischen Daten ein.
Abg. Dirichlet nimmt für die linke Seite und d e Freihändler deS Hauses die gleiche Freundschaft für die Landwirtschaft und die gleiche Kenntnis derselben in Anspruch, wie sie die Rechte sich vindiziert. Sicher wären auch die konservativen Freunde des Abg. Staudy, welche noch heute auf freihändlerischem Standpunkte stehen— wie die Herren Flügge und Frhr. v. Maltzahn-Gultz —, keine Feinde der Landwirtschaft.
In der Spezialriskusston nahm zu 8 1 Abg. Sonne- mann das Wort, um die Entgegnung des Herrn Re- aierungskommtffars bei der zweiten Lesung, daß er (Redner) einen unberechtigten Vorwurf gegen die Regierung wegen des Widerspruches ihrer Erklärungen erhoben habe, als unbegründet darzuthun. Wer bet dem § 1 des Gesetzes ben richtigen Standpunkt innegenommen habe, werde sich bald zeigen.
Buchhandlung daselbst;
Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendankin
Berlin; W. Thiene« in Elberfeld; S. Schlotte in Bremen.
loten," grinste eS ihm aus allen Zweigen entgegen, „verloren", flüsterte das im Winde bewegte Laub, „verloren für immer, für immer," wirbelte es um ihn her im Kreise, tönte es auS allen Winkeln, aus allen Richtungen, aus der Nähe und der Ferne. Er lehnte an einem Baume, so müde, zerschmettert, niedergeworfen von dem Unmöglichen, das vor seinen Augen zur Wirklichkeit geworden. Alö der Mond jetzt sein bleiches Licht auf ihn herabgoß und die fahlen, eingefallenen Züge des ManneS beleuchtete, erschien dieser schier greisenhaft; die Augen starrten wie geistesabwesend auf das Bild, das sich jetzt von dem Dunkel deS Platzes abhob.
Cäcilie wandte das Haupt: „Vater, lieber Vater!" Mit emporgehobenen Händen, mit dem flehenden Ausdruck einer Verurteilten, die da weiß, daß sie nichts mehr zu hoffen hat, stand sie vor ihm. Er trat zurück, und als fürchte er ihre Berührung, wehrte er heftig ihre Annäherung ab. Sie zuckte zusammen im stechenden Schmerze und sank in die Knie in da« Gras, da wo der Vater am Baume gelehnt hatte. Leo war aufgesprungen; er umfaßte die Geliebte und trug sie zu der Bank, wo er sie sanft niedersetzte, dann wandte er sich zu dem Vater. Die beiden Männer standen sich einander gegenüber, Auge in Auge.
„Herr Walport, ich —w Der Alte unterbrach ihn.
„Herr von Tüngen," kam eS mühsam von seinen Lippen, „warum haben Sie mir daS gethan l" Einen Augenblick stand der Schauspieler betroffen; er war auf Vorwürfe, auf einen furchtbaren ZorneSauSbmch gefaßt gewesen, aber nicht auf diese resignierte Ruhe.
(Fortsetzung folgt.)
Regierungskommissar Geh. Rat R e u m a n n betont, wie neulich, daß durchaus keine sachlichen Widerspruche vorhanden gewesen in den Zahlenangaben des Ministers Lucius und denen der Kommiffarien der Ftnanzverwaltung m der Kommission, denn beide Zahlen wären auf ganz verschie- denen Grundlagen gefunden. § 1 wurde darauf angenommen; 8 2 desgleichen ohne Diskussion und demnächst der, Gesetzentwurf im ganzen mit Majorität, auch die bezüglichen Petitionen erledigt.
Bei der Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats kam zunächst der Etat des ReichSeisenbahnamtS zur Verhandlung, wobei dieAbgg. Schrader und Büchtemann die Frage deS direkten Eisenbahnverkehrs, den die preußische Staatsbahnverwaltung, dem Interesse des allgemeinen Verkehrs entgegen, in neuester Zeit vielfach gekündigt habe, zur Sprache brachten. Das Reichs - Eisenbahnamt müsse eine vollständig unparteiische Stellung einnehmen; thatsächlich sei aber der Einfluß des preußischen Ministers in diesen Dingen zu bedeutend. Andererseits wurde vom Abg. Lingens die Sonntagsruhe der Eisenbahnbeamten berührt und von ihm, sowie von dem Abg. Frhrn. v. Minnigerode anerkannt, daß diesbezüglich wesentliche Besserung eingetreten. Regierungskommissar Geh. Ober-Regierungsrat Körte wies den Vorwurf der Parteilichkeit, deren sich das Reichseisenbahnamt gegen die preußische Staatsbahnverwaltung schuldig mache, alö eine unbegründete Insinuation zurück und bezeichnete dabei die Grundsätze im allgemeinen, an welche sich daö Reichs-Eisenbahnamt bei diesen Fragen verfaffungö- mäßig gebunden halte.
Die Etats des Eisenbahnamtes, des Rechnungshofs, de« Auswärtigen Amtes und des ReichSamtes des Innern werden unverändert genehmigt.
Eine Reihe von Kapiteln des Marineetats wird genehmigt. DaS Kapitel 52, die Naturalverpflegung betr. beantragt Abg. Richter von der Tagesordnung abzusttzen und dasselbe bis nach Bekanntwerden der Ernteresultate überhaupt nicht zu beraten. Jede Mark, um die der Preis deS Doppelzentners Getreide variiere, bedeute eine Million für den Etat. In diesen wichtigen Teilen beruhe die vorzeitige Etatsberatung aus ganz unsicheren Grundlagen.
Abg. v. Kar dorff bezeichnet ein solches Verfahren als verfassungswidrig. Die Regierung habe daS Recht, die Durchberatung des Etats zu verlangen. Auch der BundeSbevollmächtigte Aschenborn bittet daS HauS, dem Anträge Richter nicht Folge zu geben.
Abg. v. Bennigsen bittet ebenfalls um Ablehnung desselben. Die Budgetkommisston habe allerdings bei so unsicherer Grundlage der Beratung sich in einer üblen Lag- befunden, sich aber schließlich durch Einstellung der im Vorjahre bewilligten Summe geholfen.
Abgg. Richter tritt nochmals für seinen Antrag ein. I Die Abgg. Windthorst und v. Kardorff wenden sich wortete er, „ich weiß eS längst, baß Du ein großes Talent bist und einstmals eine gottbegnadete Künstlerin werden wirst, die vielleicht auf mich später von ihrer Höhe herabblicken wird." Sie starrte ihn verwundert an; er sprach zu ernst, als daß er gegen seine Ucberzeugung sprechen konnte. Sie wurde feuerrot, ob des Lobes, das cr ihr spendete und das gar so süß von seinen Lippen klang. „Möchtest Du gern Schauspielerin werden, mein Lieb? fuhr er fort, „daS Zeug hast Du dazu."
„Mit Dir, Leo, ach so gern, ich will mir auch redliche Mühe geben und Du sollst zufrieden sein."
„DaS wird sehr bald der Fall sein, aber Du wirst mancherlei Böses erfahren, manchen harten Kampf durchzukämpfen haben und wirst Du das auch vermögen?
„Wenn Du bet mir bist, vermag ich alles." Und sie schmiegte sich wieder dicht an ihn und liebkoste schmeichelnd seine Hände, sein Haar, dessen dunkle Locken über die hohe Stirn herabfielen. x .
Der Mond war aus den Wolken herausgetreten und beleuchtete mit seinem vollen Lichte den Mann, der plötzlich wie auS der Erde hervorgewachsen vor den Liebenden stand. Papa Walport, verwundert über das lange Ausbleiben der beiden, nachdem die Kinder bereits längst ins Haus zurück- gekehrt waren, war in den Garten und bis an den freien Rasenplatz gekommen; seine Schritte hatte der Grasteppich bis zur Unhörbarkeit gedämpft. Als er sein Kind, seine Goldtochter in den Armen de« Schauspielers erblickte, da zuckte es wie ein Blitz durch sein Hirn, in einem Augenblick hatte cr die Sachlage und die Größe seines Unglücks begriffe!!. „Verloren," gurgelte e8 aus seinem Halse herauf, der ihm wie mit eisernen Banden zugeschnürt war; „ver-
_ „ton nimmt entgegen: Äbition d. Blattes. *! ,/Annoncen-Bureauk ^Dietrich u. So. in und Hannover; Th. EchinFransiurta-M.; ^lenstein u. Vogler in rturt a. M., Berlin. Effi*«" Rudolf - ÖL in Berlin, Frank. _ 1 furt