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Marburg, Freitag, 8. Juni 1883

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Reichstag.

Berlin, den 6- Juni.

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« Fassung wieder.

Zuerst unsicher, halb verschleiert, spricht sie die ewig hSne» Verse teS Dichters, doch bald reißt sie die Dichtung ilt sich fort. Die Bewegungen werden größer, formvoller Malischer, die Stimme hat einen vollen, klangreichen <n, da« Feuer der Begeisterung strahlt und blitzt au» Htn Augen, hebt die schöne Gestalt und läßt ste größer, Etlicher erscheinen. DaS ist nicht mehr da» kleine, Nüchterne Mädchen, die «heilige Cäcilie", daS ist die Kvrene Künstlerin, die von Begeisterung getragen in da» ilobte Land der Kunst ihre ersten Schritte macht, das ist »8 gereifte liebende Weib, das alle ihre unverstandenen, 1 tiefstem Herzen schlummernden Gefühle für den Geliebten l des Dichters Worten ouslöien läßt. Cäcilie deklamiert cht mehr, sie spielt mit dem Feuer cet Begeisterung, der hgenv und ihrer Liebe. Und der Schauspieler, der an- «lg« seine Rolle nur markiert hat, wird ergriffen von der ^reißenden Gewalt deS Spiele» und der in rätselhaftem

Impfzwanges untersuchen soll. Gegenüber den vielen beim Impfen vorgekommenen Infizierungen der Impflinge kann Redner fich nicht den unbedingten Lobrednern deS Impf­zwanges anschließen. Die Debatte wird hierauf geschlofien und dann der KommisfionSantrag unter Verwerfung deS Antrages Reiniger angenommen. Morgen: Zuckersteuer und Etat.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. So. in Frankfurt a. M; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin

Berlin; W. LdieneS in Elberfeld; S- Schlotte in

Bremen.

Regierungskommissar Geheimer Ober-Baurat Wiebe bittet, diesen Antrag abzulehnen. Ganz abgesehen von dem Schicksal der Kanalvorlage werde die Regierung ihr Augen« merk auf eine Verbesserung der Wasserstraßen zwischen Oberschlesten und Berlin fortgesetzt richten; sie wisse jedoch zur Zeit noch nicht, in welcher Richtung eine solche Ver­bindung am zweckmäßigsten herzustellen sein werde. E» wäre der Vorschlag gemacht worden, die Spree mit der Oder in der Gegend der Reissemündung zu verbinden; die Regierung habe die Sache auch in Erwägung genommen und erwarte die Gutachten der Provinzialbehörden über dieses Projekt. Der Minister der öffentlichen Arbeiten sei auch bereits mit dem Finanzminister in Verbindung ge­treten, um im nächsten Etat die Kosten für die Vorarbeitm ausgenommen zu sehen.

Abg. L e t o ch a empfiehlt darauf seinen Antraa, der die Interessen der schlesischen Montanindustrie zu fördern be­stimmt sei, welche die gleiche Fürsorge, wie die westfälische verdiene, während die Regierung eine solche vorzugsweise der letzteren zuwende; er führt eine Reihe von Detail» vor, welche zu gunsten seine« Antrages sprechen.

Staatsminister v. Bötticher erklärt dem Vorredner, daß derselbe an der Regierung einen Verbündeten für seine Wünsche habe (Bravo!). Es sei bereits von dem Herrn RegierungskommissariuS erwähnt, daß die Vorarbeiten de» gewünschten Projekts im Gange und nur durch Ratur- ereigniffe unterbrochen worden seien. Jndeß werde dem Landtage schon bald eine entsprechende Vorlage gemacht werden können. Doch hege er die Befürchtung, daß, wenn auch die Herren auS Schlesien der gegenwärtigen Vorlage Opposition machen (Aha, Heiterkeit!), die Regierung nicht mit allem Vertrauen an die Vorlegung eines solchen Ent­wurfs gehen könne, der die Verbindung zwischen Ober- fchlesien und Berlin enthält. Aus allen Reden habe er den Eindruck gewonnen, daß in der Opposition vieler Mit­glieder ein starkes Stück PartikulariSmus enthalten sei. (Sehr richtig!) Das erinnere lebhaft an die Verhand­lungen am Ende der 60er Jahre, als der Provinztalfond» für Hannover geschaffen wurde. Auch damals hörte man die Vertreter der anderen Provinzen sagen: Wo bleiben wir? Die Regierung habe damals die anderen Provinzm auf spätere Jahre vertröstet, und fie habe ihr Wort redlich gehalten. Und so würden auch jetzt, wo bei den man­gelnden Vorarbeiten es noch nicht möglich sei, ein volle» Netz vorzulegen, auch die anderen Wünsche Erfüllung finden. Gegen den Antrag des Abg. Büchtemann aber müffe er sich positiv erklären; durch dessen Annahme werde man daö ganze Gesetz gefährden. Man habe gestern gesagt, daß in der Annahme des Antrages Büchtemann für die Re­gierung tein_ zwingendes Engagement liege. Er, der Minister, müffe aber bemerken, daß die Regierung den

Lange saßen die Liebenden auf der Bank, der Mit­wisserin des süßen Geheimnisses; das süße Liebesgeflüster, dessen zärtliches Gekose in unzähligen Variationen über die Lippen quellen wird, so lange es Menschenlust und Menfchm- leid geben wird, ward von keinem indiskreten Lauscher gestört.

Mein Lieb, was wird aber Dein Vater sagen?" hob Leo an, er denkt gar streng über meinen Stand und er wird seine Goldtochter kaum dem Schauspieler zu eigen geben."

Cäcilie war auS seinen Armen hcrabgeglitten auf den Rasen, auf dem duftenden Rasen knieend hatte fie ihr Haupt in seine Hände gelegt. So blieb sie lange. Er wagte nicht, ste zu stören, die zarte Gestalt zu feinen Füßen, die im gewaltigem Kampfe, der ihr Innere» durch­wühlte, erschauerte. Es war der Kampf der Liebe, der Liebe zu dem alternden Vater und der Liebe zu dem Ein­zigen, an den sie geleitet war mit allen Fasern ihres jungen, liebenden Herzens. Es waren bange, schwere Momente, und dem Manne, der auf daö Mädchen, daS er nun sein nennen durste, hinabschaute, deuchte es eine Ewigkeit bi» Cäcilie das schöne Haupt ihm zuwendete.

Verzeih' mir. Leo, eS ist schon vorbei, ich habe de» Vaters unv der Mutter gedacht. Von nun an bin ich Dein, Dein für dieses Leben. Ich kann nicht anders und will nicht anders. Ich werde Dich lieben, so lange noch ein Atemzug in diesem Herzen, ich werde Dir folgen, wohin Du mich führen wirst, ich will mit Dir teilen, Schmerz und Freude, 9tot und Elend, und ich werde dankbar sein für alles, dankbar mit meiner unendlichen, grenzenlosen Liebe. Aber Du darfst niemals von mir gehen, hörst Du, niemals; ich lebe nur für Dich, mein Geliebter, mein ganze- Sein geht ans in dem Gedanken an Dich und ich bin elend und toi, wenn ich jemals T eine Liebe nicht mehr besitze.

(Fortsetzung folgt.)

»rscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen BeilageJllustrtrtes SonntagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 2 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

Bom Landtag.

Berlin, den 6. Juni.

DaS Herrenhaus trat in seiner heutigen (14.)Ple­narsitzung nach Vereidigung der neu eingetretenen Mitglieder in die Beratung des Gesetzentwurfs, bctr. die Zuständigkeit der BerwallungS- und VerwaltungSgerichls-Behörden. Eine Generaldebatte wird nicht beliebt; in der Spezialdiökussion werden die §§ 1 bis 12 unverändert genehmigt. § 13 handelt von der Bestätigung der Wahl von Gemeindebeamten und bestimmt, daß die Bestätigung nur unter der Zu­stimmung des BezirkSausschuffes versagt werden könne und daß die Zustimmung, falls sie versagt wird, auf den An­trag deS Regierungspräsidenten durch den Minister ergänzt werden kann. Ein unter der Zustimmung deS Bezirks­ausschusses gefaßter Beschluß deS Regierungs-Präsidenten ist endgültig. Die Kommifston beantragt Streichung des Paragraphen. Graf Udo zu Stolberg beantragt, gegen den Beschluß auf Versagung der Bestätigung die Berufung an den Minister zu gestatten und die Bürger­meister überall von den Bestimmungen des Paragraphen auszunehmen. Der Minister des Innern bittet, den Paragraphen zu streichen, selbst auf die Gefahr hin, daß das Gesetz nicht zu stände komme; er könne sich aber auch nicht für den Antrag deS Grafen Stolberg erklären, weil nicht abzusehen sei, ob das Abgeordnetenhaus denselben annehme, obschon er eine Annäherung an besten Beschlüste darstelle. Später bemerkte der Minister, die Konservativen des Abgeordnetenhauses hätten sich wohl aus taktischen Gründen dem Kompromiß, da« der § 13 dar­stelle, angeschlosten, würden sich aber gewiß zur Annahme des Beschlusses deS Herrenhauses bereit finden lasten. Graf Stolberg zieht hierauf feinen Antrag zurück und der § 13 wird mit allen gegen' 7 Stimmen gestrichen. Der Rest der Vorlage wird ohne Debatte nach den Anträgen der Kommission, sodann daS ganze Gesetz angenommen. Freitag Beratung der Subhastalionsordnung.

In der heutigen (75.) Plenarsitzung des Abgeord­netenhauses wurde die zweite Beratung der Kanal­vorlage fortgesetzt. Die Diskussion war gestern bis zu dem Anträge Lelocha, betreffend die Herstellung einer leistungsfähigen Wasserstraße zwischen den Montandistrikten OberschlesienS und Berlin, gelangt.

Feuer leuchtenden Augen, auch er fängt an, in seiner Rolle warm zu werden, auch vergißt den Ort, wo er sich befindet, er steht, er hört nichts mehr, auch er geht auf in der Schönheit der Dichtung, in dem Zauber, den die Augen ihm gegenüber ausstrahlen.

So muß ich Dich verlasten, von Dir scheiden." Er hat gor oft auf der Bühne den VerS gesprochen, als er noch die Liebhaber gespielt, nicht die Charakterrollen, aber niemals hat er mit gleicher Wahrheit die Worte gesprochen. Sie starrt ihn einen Moment an, sprachlos, vergessen ist ihre Rolle, vergessen alles um sie her, nut der eine ent­setzliche Gedai ke wirbelt durch ihr Hirn, Scheiden:Leo!" Es war der Aufschrei eines gequälten Herzens, der Ausdruck namenlosen Elendes, der Jubelton eine« liebenden Weibes, da« sich dem Geliebten zu eigen giebt, für ewig, bedingungs­los. Sie hing an feinem Halse, weinend, lachend im seligen Glück, zitternd in seinen Armen, die er um die Geliebte geschlungen.Mein Lieb, mein süßes Lieb," es war alles, was der vielgewandte, lebenskluge Mann her­vorbrachte; so ging der schönste Traum seines LedcnS in Erfüllung, so fiel ihm daS Glück in den Schoß, daS nie erhoffte, und doch heimlich erwünschte Glück. Schweigend saßen sie da, sie in seinen Armen rudend, sich dicht an ihn schmiegend und den schönen Kopf an seine Brust gelehnt.

Sie lächelte ihn unter Thränen an und er ward nicht müde, den süßen, rosigen Mund mit seinen Küsten zu be­decken; und sie erschauerte unter der Glut seiner Küsse, ste erzitterte unter seiner Umarmung. Langsam flieg der Mond herauf und hüte durch die Zw.ige auf zwei Menschen­kinder, deren Herzen sich gesunder in heißer, verzehrender Liebe, einer Liebe, die alle Hinderniste nieeerwarf und alle Fesseln abftreifte, die sich ihr entgegenstellten in dem, was die Menschen Verhältnisse nennen.

Zn der heutigen (97.)Plenarsitzung deS Reichstags zunächst der Gesetzentwurf, betreffend die Abwehr und Erdrückung der Reblauskrankheit, in dritter Beratung Erledigung.

^Eine Generaldebatte wurde nicht beliebt. §§ 1 bis 9 mtben in der Spezialdebatte debattelvS genehmigt. Zu 10, in welchem bestimmt wird» daß die Inhaber von ^Pflanzungen befugt fein sollen, den Ersatz des Werts 81) - auf obrigkeitliche Anordnung vernichteten und des Miuder- 7U ~ Ktt8 der bei der Untersuchung beschädigten gesunden Reben 'JT verlangen, beantragt Abg. Frhr. v. Göler die Ein- ÄfMltung eines Zusatzes, nach welchem auch die Besitzer

"Wollen Sie mir nicht heute etwas deklamieren?" Er I fate" eS, um etwas zu sagen, sie starrt ihn an mit heißen, 3n S ikockenen Augen, hinter denen Thränen stehen, die sich nicht - Saft macken können. Sie steht mechanisch auf und geht - ins Haus: nach wenigen Minuten kehrt ste mit einem Me zurück. Er schlägt eS auf: Wallenstein.Sie Sterben kaum noch die Schrift lesen können, es ist nicht ».) - »ehr hell genug," sagte er.Ich kann die Szenen auS- - »endig, wie die meisten, die wir durchgegangen sind," klingt 1.nt - He gepreßte Antwort. Noch ein Wort mehr und ihre '* _ ' Selbstbeherrschung wird zu Ende sein, doch ein klanaloses, MstsBitte beginnen Sie" von seinen Lippen giebt ihr

6j größeren Rebschulen einen Ersatz des ihnen durch die oßnahmen der Behörden erwachsenden Minderwerts ihrer Mulen verlangen können. Der Antrag wurde indes mückgezogen, nachdem der Bunde« - Kommissar Geh. Rat geymann erklärt hatte, daß die Annahme diese«Antrages igi ganze Gesetz gefährden werde. Abg. Frhr. zuFrancken- tin nahm den Antrag wieder auf; doch wurde derselbe Beßlich vom Hause mit großer Majorität abgelehnt. Die kigen Paragraphen führten keine Debatte herbei; dem- - M wurde der Gesetzentwurf definitiv angenommen. Es folgte die Beratung von Petitionen.

~ Zur Petition der Firma Ott und Conradi (Kempten) ~ im Ersatz ihrer auf der Ausstellung in Melbourne erlittenen - Wusle beantragt die Kommission einstimmig deren Ueber-

to Pgpa» (Soldtochter.

. Sine Skizze aus dem Leben von Ludwig Wrietzner.

roF Mng an die Regierung zur Berücksichtigung. Es handelt v,t ch dabei um die Nachteile, die den Petenten angeblich auS ' 75Z tt außeramllichen Thäligkeil des ReichSkommiffar« Reuleaux ' 65 «wachsen sind. Abg. v. Miunigerove beantragt den , 19-i Htbcrgang zur Tagesordnung. Staatssekretär v. B ö t t i ch e r 'on'i-äfcii) BundeSkommiffar Weymann treten für den Antrag

2 i Minnigerode ein, weil rechtliche oder moralische Ent- - ichädigungs«Verpflichtungen nickt vorliegen und die Be- - Mgung einer Entschädigung höchst bedenkliche Präjudize - shaffen könne. Das Haus nimmt den Antrag seiner Kom- Z elffion an.

_ Zu den Petitionen gegen den Impfzwang beantragt die - Kommission deren U-berweisung an den Reichskanzler mit - km Ersuchen, eine physiologische und pathologische Unter« z kMng der Jmpfeinrichtung, sowie eine Jrnpfstatistik herbei- Z psühren, ein Seuchengeirtz und die obligatorische Leichenschau - «ijutegen. Abg. v. Möller ist mit den Vorschlägen der - ttommisston ganz einverstanden, spricht sich im Übrigen aber -leit größter Entschiedenheit für die unbedingte Aufrecht- "Wllung de« Impfzwanges aus. Abg. Reiniger befür« Z hortet feinen Antrag, eine zu gleichen Teilen aus Impf« -Mnern und Jmp'anbängern bestehende Kommission ein-- -- psetzen, welche den Nutzen, beziehungsweise Schaden des

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