xvm. Jahrgang.
Marburg, Donnerstag, 7. Juni 1883
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weichen könne und so haben wir denn lange Zeit mit einander geredet und wenn mir auch nicht alles klar geworden, so sehe ich doch jetzt den Weg, den ich gehen muß und der Weg ist hell und sonnig und nicht dunkel, wie ihn die Gegner deS Denkens und des freien Willens ausmalen.
Er glaubt nichts und Ist doch so gut; er geht nicht in die Kirche und kann doch keiner Fliege wehe thun, er betet nicht und haßt doch daS Unrecht, das .r als das erste oller Uebel bezeichnet. Gerecht gegen jedermann, gerecht gegen sich selbst sein, daS ist Menschenwürde.
Enquete ernst gemeint sei und bald beendigt sein werde, sowie daß sie zu einer gründlichen Revision der Zuckersteuer
Reichstag.
Berlin, den 5. Juni.
Der Reichstag setzte in seiner heutigen (96.)Plenar- Mng die zweite Beratung deS Gesetzentwurfs, betreffend $ Sleuervergütung für Zucker fort.
ES handelt sich nur noch um den von der Kommission
Mitglieder (Graf BorrieS, Landrat v. Salisch, und Generallandschaftsdirektor v. Köller). Das Haus ehrt daS Andenken derselben durch Erheben von den Plätzen. Laut schriftlicher Mitteilung deS Ministers des Innern sind zu Mitgliedern des Hauses neu ernannt: Graf Pückler - Oberweistritz und Stadtsyndikus Ostermeyer in Hannover. Außerdem sind in das Haus neu eingetreten: Die Herren v. ZychlinSki, v. Sperber und v. Neumann. Der Präsident begrüßt diese Herren als Mitarbeiter an der gemeinsamen Arbeit. Auf der Tagesordnung steht der Bericht der XI. Kommission über die Gesetzentwürfe: 1. über die allgemeine LandeS- verwaltung, 2. über die Zuständigkeit der Verwaltungsund VerwaltungsgerichtSbchörden vor. Der Berichterstatter, Herr v. Winterfcld-Menktn, leitetete die Debatte mit einem kurzen Referat ein, in welchem er auf den erstatteten umfangreichen Bericht verwies. Die Kommission habe nur in den 88 28 , 61, 68, 122 und 152 Veränderungen vorgenommen und empfehle im übrigen die unveränderte Annahme der Vorlage. In der Generaldebatte nahm zunächst daS Wort:
Graf Udo zu Stolberg-Wernigerode. Derselbe verwies zunächst auf die Notwendigkeit, daß endlich diese neue Gesetzgebung zu stände komme. Er habe nur deshalb daS Wort genommen, um den Einwand der Gegner des Gesetzes, daß man sich mit dem Gesetze von dem Boden der Selbstverwaltung entferne, zu widerlegen. Die Institution deS Kreisausschusses habe sich unbestritten bewährt, und wenn man diese Institution auch in die zweite Instanz einführen wolle, so entferne man sich doch nicht von dem Prinzip der Selbstverwaltung, kehre vielmehr zu demselben wieder zurück. Ebenso sei es geboten, daß der Regieruntzs- prästdent Vorsitzender des Bezirksausschusses sei. Dies sei so selbstverständlich, daß es keiner weiteren Motivierung bedürfe. Redner bittet, die Vorlagen nach den Beschlüssen der Kommission anzunehmen, und behält sich nur für 8 61 eine redaktionelle Aenderung vor.
Minister deS Innern v. Puttkamer spricht seine Befriedigung darüber aus, daß die Grundgedanken deS Gesetzes in dem Abgeordnetenhause eine ganz überwältigende Majorität gefunden haben. Die Staatöregicrung könne im großen und ganzen mit Befriedigung auf die Beratungen des Abgeordnetenhauses blicken und erkenne dankend daS Entgegenkommen an, welches daS Herrenhaus der Vorlage und den Beschlüssen deS anderen Hauses erwiesen habe. Ob die Beschlüsse der Kommission vom anderen Hause angenommen würden, lasse sich jetzt noch nicht Voraussagen, die Regierung werde sich allerdings bemühen, eine Einigung herbeizuführen, und bitte er deshalb, die Kommissionsbeschlüsse anzunehmen.
Hiermit wurde die GeneraldiSkussion geschlossen und die 88 1—27 dcbattelos nach den Beschlüssen des Abgeordneten
So war es gekommen, daß allmälig von der „heiligen Cäcilie" auch nicht die geringste Spur mehr übrig geblieben war. Wie sich das Mädchen auch äußerlich zu einer plastischen Schönheit entwickelt hatte, so war auch die geistige Elllwickelung, da erst einmal die angeborenen Fähigkeiten geweckt waren, rapide fortgeschritten.
Es war an einem Sonnabend, in den Tagen des Rosenduftes; die Luft war mild, und schattig und kühl die lauschigen Gänge in dem Garten, der an das Haus stieß, in dem Papa Walport wohnte. Gegen abend war Leo gekommen, man hatte, wie gewöhnlich, den Thce im Garten eingenommen; darauf hatte sich Papa Walport, der sich zuweilen mit kleinen schriftstellerischen Arbeiten beschäftigte, um einen kleinen Nebenverdienst zu haben, ins HauS zurückgezogen.
Die Kinder spielten im Garten und Leo ging mit Cäcilie aus und ab, bis sie, sich bis ans Ende des Gartens entfernend, auf den freien Platz gelangten, der den Schluß des Gartens bildete und rings von Bäumen umgeben war. Es war ein stilles, schönes Plätzchen, rechts und links stand eine Bank, der Boden war mit üppigem grünen Rasen bedeckt. Schweigend gingen die beiden nebeneinander her,
Berlin, den 5. Juni.
In der heutigen Sitzung des Herrenhauses, welche btt Präsident Herzog v. Ratibor um 11 Vi Uhr mit derschiedenen geschäftlichen Mitteilungen eröffnete, gedachte derselbe zunächst der seit der letzten Sitzung verstorbenen
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Papas Goldtochter.
Eine Skizze aus dem Leben von Ludwig Wriehner.
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Hause« angenommen. In 8 28 hat die Kommission eine dahin gehende Aenderung vorgenommen, daß der Beschluß des Abgeordnetenhauses, nach welchem der König für jedes derjenigen Mitglieder des Bezirksausschusies, welche Beamte sind und auf Lebenszeit ernannt werden, Stellvertreter ernennt, dahin umgeändert wird, daß sie empfiehlt zu sagen: „zur sonstigen Stellvertretung des Regierungspräsidenten im Bezirksausschuß und zur Stellvertretung jedes der beiden auf Lebenszeit ernannten Mitglieder ernennt der König ferner aus der Zahl der am Sitze des Bezirksausschusses ein richterliches oder ein höheres Verwaltungsamt bekleidenden Beamten einen Stellvertreter."
Der Referent Herr v. Winterfeld empfahl die Annahme dieses KommisstonSbeschlufseö, Herr Brüning bat, den Beschluß deS Abgeordnetenhauses anzunehmen. Der Minister des Innern v. Puttkamer bat, den Kommis- stonsantrag anzunehmen, welcher eine wesentliche Verbesserung des Gesetzes enthalte. Bereits bei der Beratung des Abgeordnetenhauses sei von einem hervorragenden und einflußreichen Mitgliede ein gleicher Vorschlag gemacht und stehe zu hoffen, daß das Abgeordnetenhaus demselben zustimme. Nachdem noch die Herren Graf Brühl und v. Kleist-Retzow sich für die Kommissionsvorlage ausgesprochen und Herr Brüning den Beschluß deS Abgeordnetenhauses wiederholt empfohlen, wurde der Beschluß der Kommission angenommen. — Die 88 29—35 werden debattelos genehmigt, ebenso, unter einstimmiger Ablehnung eines redaktionellen Antrages deS Dr. Franke, gegen den sich der Minister des Innern erklärte, 8 36 und debattelos die 88 37—51. Bei 8 52 beantragen die Herren Meyer (Celle) und Genossen, die beiden letzten Sätze des Absatzes 1, welche lauten: „Der Tag der Zustellung wird nicht mitgerechnet. Im übrigen sind für die Berechnung der Fristen die bürgerlichen Prozeßgesetze maßgebend;" durch bett folgenden Satz zu ersetzen: „Für die Berechnung der Fristen sind die bürgerlichen Prozeßgesetze maßgebend." Dieser Antrag wird von den Herren Meyer (Celle), Struck- mann, Adams und Dr. Dernburg befürwortet und von dem RegierungSkommiffar Geh. Rat BraunbehrenS, sowie den Herren Brüning und Graf zur Lippe bekämpft, vom Hause schließlich angenommen. — Die SS- 53—60 werden debattelos genehmigt. In 8 61 empfiehlt die Kommission, den Absatz 1 nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses anzunehmen, dagegen dem Absatz 2 folgende Fassung zu geben: „Aus der amtlichen Thätigkeit deS LanvratS, bezw. deS Regierungspräsidenten, darf kein Grund zur Ablehnung desselben wegen Besorgnis und Befangenheit entnommen werden." Graf Udo zu Stolberg beantragt diesen Absatz folgendermaßen zu fassen: „Aus der innerhalb der amtlichen Zuständigkeit geübten amtlichen Thätigkeit deS Landrats bezw. Regierungspräsidenten darf kein Grund zur
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bis sie an die eine Bank kamen, auf der sich Cäcilie niederließ; er blieb vor ihr stehen.
„Cäcilie, ich werde Sie Ende dieser Woche verlassen müssen, das Theater geht fort von hier." Das Mädchen ward totenbleich, dann schoß eine brennende Röte durch ihr Gesicht und ergoß sich auf den zarten, weißen Hals. Ihr Herz hämmerte in der Brust, als wollte eS zerspringen, ein Gedanke jagte den andern in ihrem erregten Hirn. „Cäcilie", hatte er gesagt, zum erstenmal hatte er daS „Fräulein" weggelassen. Und er geht fort, allein, er läßt sie zurück, sie, die ohne ihn ja gar nicht mehr leben kann. Das weiß sie nun gewiß; sie weiß nicht, warum eS so ist, sie weiß nicht einmal, daß daS, was sie für ihn empfindet, Liebe ist, heiße, brennende, wahnsinnige Liebe, aber sie weiß, daß sie eS nicht ertragen wird, ihn nicht mehr zu sehen, seine Stimme nicht mehr zu hören. Sie sieht eine schöne, wonnige Zeit hinter sich liegen und vor sich eine öde, tote, traurige Wüste. Sie sitzt da, gesenkten Hauptes, nervös zucken die Lippen, die kein Wort hervorbringen können, sie bleibt die Antwort schulvig. Und wie der Mann da vor ihr das Wort ausgesprochen hat, daß sie nun unwiederbringlich von ihm scheiden muß, da giebt es auch ihm einen Stich durchs Herz und vor seinem Auge steht die ganze Größe seines Glücke« und seines Unglücks. Doch besser, als alle Worte, deutet ihm ihr banges, dumpfes Schweigen den Zustand des Mädchens und jubelnd steigt es auf in seiner Seele „sie liebt michl" Er möchte eS ausrufen, ausjubeln, in alle Winde „sie liebt mich;" er möchte das scheue, verschüchterte Weib in feine Arme nehmen und forttragen, weit, weit; er möchte den zuckenden Munv mit seinen Küssen bedecken — aber noch ist eS nicht gefallen, das erlösende Wort, das zwei Menschen glücklich machen kann. (Fortsetzung folgt)
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie b.Amioncen-Bureaux von G L. Daube u. So. in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. ThieneS in
Elberfeld: 6. Schlotte to
Bremen.
Sonntag nach der Kirche.
Ich weiß nicht, wie eS kam, aber ich kann es mir selbst dicht verheimlichen, ich war heut zum erstenmale in der n' Ban Kirche nicht andächtig. Als die frommen Gesänge der Gemeinde erklangen, als die Predigt deS Herrn Pfarrers an mein Ohr tönte, wälzten sich Gedanken deS Zweifels durch mein Hirn. Die Worte Leos lassen mir keine Ruhe, ich muß immer wieder an das denken, waS er zu mir gesprochen, waS ich zu verstehen anfange, waS ich aber in Dorten kaum wiedergeben kann. Und wenn Leo Recht hätte, wenn auch meine Seele sich abwenden würde von der heiligen Kirche und ich ein Freigeist werden sollte — ich wage nicht den Gedanken auszudenken. Doch Klarheit «Mß ich haben, Klarheit um jeden Preis.
Sonntag nachts.
angenommen unter Streichung des Passus, der sich auf die veffenttichkeit der Enquete und die Zuziehung freiwillig sich meldender Personen bezieht.
Nach Ablehnung eines BettagungSantrageS begann die Mite Beratung des Etats für 1884/85. Es wurden noch die Spezialetats des Reichstages, Reichskanzlers, der Justiz- , ^.Verwaltung ohne Aenderung erledigt. Schluß 5 Uhr. ffenhast Nächste Sitzung Mittwoch: Reblausgesetze, Petitionen, lnparthei _______________
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS LomrtagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'fche Buchdruckerri) bezogen 8*/♦ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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kxh. Dietrich u. Co. in Lm und Hannover; Th. Mirich >n Frankfurt a M-; Lafenftein u. Bögler in Öfurt a. M-, Berlin, Epiig, Köln rc.; Rudolf Life in Berlin, Frank- v furk a. M. rc-
Wie merkwürdig ruhig, wie glücklich und zufrieden ich bod) bin, wie heiteren Gemütes — und doch habe ich heute »kennen gelernt, daß eS mit der Andacht in der Kirche Ächt gethan ist, daß der fleißige Kirchenbesuch schließlich nichts anderes ist, als ein buntes Kleid, mit dem wir unS ^»drapieren. Leo hat Recht: man kann ein Freigeist fein, JS) Ad dennoch mehr wert, als die Frömmler, die das Himmel- reich gepachtet zu haben glauben. Doch ein Freigeist will H auch nicht werden.
Ich brachte, als Leo kam, daS Gespräch gleich auf den Gegenstand, der mich unausgesetzt beschäftigte. Er wollte Ar zuerst auSweichen; „lassen wir das Thema ruhen, mein liebes Fräulein," sagte er, und dabei hatte er meine band ergriffen und hielt sie fest in der seinen, „eS kommt Wen etwa« Ersprießliches dabei heraus." Er sah wohl »et ein, daß e« mir ernst fei und daß er mir nicht auS
flöij ßhren werde.
w Abg. Dr. Buh 1 empfiehlt den Kommissions-Antrag (8 2). Staatssekretär Durchard erklärt, daß die Enquete-
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>. Immission schon Ende der Woche zusammenträte und die 0*1 Arbeiten ohne Zögern beendet werden würden, daß er aber ll 0M| ritten bestimmten Termin, wann auf Grund dieser Ermitte- Inttgen dir neue Vorlage eingebracht werden würde, nach Sage der Sache nicht angeben könne. DeS Druckes, den bet § 2 auf die Regierung ausüben solle, bedürfe eS in Kiner Weise; er bitte daher, dem Anträge der Kommission nicht zuzustimmen. In keinem Falle aber möge man daS „ «Amendement des Abg. Schwarzenberg annehmen, welcher illl 61 hm Termin vom 1. August 1885 auf den 1. August 1884 Ikeni jutütfDatieren will.
Die von der Kommission vorgeschlagene Resolution wurde
t schwtru tingesügten neuen 8 2, welcher lautet: „Die Bestimmungen amen- i tiefes Gesetzes treten mit dem 1. August 1885 außer Kraft, tnder ht> Wird bis zu diesem Zeitpunkte ein anderweiteS Gesetz nicht [ erlassen, so treten mit diesem Zeitpunkte die Bestimmungen
*“ dlS Gesetzes von 1869 wieder in Kraft".
Gchzjg Abg. Dr. Windthorst hält die Herabsetzung der Ver- •-‘-’^jitung um 40 Pf. für zu niedrig; da aber die Regierung Wimmt erklärt habe, daß sie gegenwärtig nicht in der jage sei, auf weitere Herabsetzung einzugehen, und deshalb ;n befürchten sei, daß beim Beharren auf weiteren Herab- schungen gar nichts zu stände kommen werde, so stehe er ton weiteren Anträgen ab. Er erwarte aber, daß die