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XVm. Jahrgang.

Marburg, Mittwoch, 6. Juni 1883.

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Abg. Dirichlet bemerkt, daß die sachliche Seite der Ihltl Frage genügend erörtert und eine kommissarische Beratung « . überflüssig sei. Wozu sei denn die Gotthardtbahn mit so , bedeutenden materiellen Unterstützungen Deutschlands erbaut, _ V hwnn mnn hl» ü»ihpn SRaHnnptr bpreit Nerbinduna fle dar-

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1888.

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Reichstag.

Berlin, den 4. Juni.

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nicht kommen.

Abg. Dr. v. Bunsen findet, daß die Petition wegen des Gemüse-Schutzzolls mit Recht als eine Absurdität be-

nehmigt. Der von dem Abg. Büchtemann beantragte Zu­satz wird abgelehnt und hierauf die Debatte vertagt. Nächste Sitzung Dienstag, 2 Uhr.

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nachgegeben.

Abg. Dr. Buhl meint, daß die Weinzollermäßigung sich vollständig dadurch rechtfertige, daß die einzuführenden xrauben in Fässern verpackt werden und so einem besonders hohen Zoll unterliegen. Vom Standpunkte des letzten Vor­redners würden wir zu einem Handelsverträge überhaupt

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Der Abg. Dr. Moufang zieht seinen Antrag auf kommissarische Beratung zurück.

In der Spezialdiskusston führte Abg. Dr. Bamberger äuS, daß seine Andeutungen vom Sonnabend sich über­raschend schnell bewahrheitet hätten. Schon heute hätten Mitglieder der großen Partei, unter deren Mithilfe die Zollgesetzgebung zu stände gekommen, sich gegen den Ver­trag erklärt.

Der Vertrag wurde nach kurzer weiterer Debatte dem­nächst definitiv genehmigt.

Nachdem darauf die Litterarkonvention mit Frankreich in dritter Beratung debattelos genehmigt war, ging das HauS an die zweite Beratung der Vorlage, betreffend die Steuervergütung für Zucker. Die Kommission ist den Sätzen, welche die Regierungsvorlage vorschlägt, unverändert beigetreten.

Abg. Stengel beantragt dagegen den Satz a) für Rohzucker von mindestens 88 Prozent Polarisation von 9 Mk. auf 8,80 Mk. herabzusetzen. Dieser niedrigere Satz sei auch thatsächltch von der Mehrheit der Kommissions- Mitglieder gebilligt, durch Zufälligkeiten aber bei der Ab­stimmung nicht zum Ausdruck gelangt.

Schatzsekretär Burchard widerspricht dem Anträge Stengel; die Regierung müsse entschieden an den Sätzen der Vorlage festhalten. Einer definitiven Regelung der Sache und dem Ergebnisse der Erhebungen dürfe nicht vorgegriffen werden. Ebenso erklärt sich der Schatzsekretär gegen den Antrag der Abgg. Büchtemann u. Gen., welcher dem § 1 deS Zuckerstcuergesetzes vom 26. Juni 1869 die Bestimmung hinzufügen will:

Außerdem ist vom 1. September 1883 ab von jedem Zollzentner dcö aus Rüben, Melasse oder Füllmaffe ge­wonnenen Zuckers eine Kontrollgebühr von 10 Pfennigen zu erheben. Die Fabrikanten sind verpflichtet, der Steuer­behörde auf Erfordern die Quantität des gewonnenen Roh­zuckers anzugeben. Im Fall einer unrichtigen Angabe ist eine Ordnungsstrafe bis 500 Mk. verwirkt."

Abg. Sonnemann hält den unzuläßltchen Anträgen der Kommission gegenüber an dem Anträge Stengel im Interesse der Reichsfinanzen fest. Die Zuckerfabrikation werde durch denselben nicht benachteiligt.

Bundeskommissar Neumann und der Abg.Staudy wenden sich entschieden gegen die Ausführungen Sonne- mannS und den über den Kommissionsvorschlag hinaus- gehenden Antrag Stengel.

Abg. Büchtemann befürwortet den Antrag, vom 1. Dezember 1883 ab von jedem Zentner aus Rüben, Melasse oder Füllmasse gewonnenen ZuckerS eine Kontroll- Gebühr von 10 Pfennigen zu erheben.

Abg. v. SkarzynSki plädiert für die Vorschläge der Kommission. Der Antrag Stengel wird hierauf abge­lehnt und § 1 der Kommissionsverlage unverändert ge-

genug der Energie, des MuteS, vor aller Welt und unter den widrigsten Umständen ihre Liebe zu vertreten.

Papa Walport war blind. Er sah nichts, er hörte nicht, was um ihn vorging. Wie war eS denn auch mög­lich, daß sich seine Goldtochter, die in fast starrer Frömmig­keit erzogen worden, an einenSchauspieler" wegwersen konnte? Nein, das war ja gar nicht zu denken, seine Gold­tochter und ein Schauspieler. Er hatte die öfteren Besuche Leos nicht besonders gerne gesehen und hegte gegen den jungen Mann, der so gut zu erzählen und zu unterhalten wußte, eine instinktive Abneigung, aber sein Kind war nicht verpflichtet, diese Abneigung zu teilen. Dem alten Lehrer gefiel der Wissensdrang seiner Tochter sehr wohl, sah er doch d rin das Streben seiner eigenen Jugend zum zweiten male verkörpert.Der Mensch kann nie genug lernen", damit beschwichtigte er jede etwaige leise aufsteigende Be­sorgnis.

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Gewaltig mehrten sich die Blätter, die Cäcilie jetzt fast täglich in ihrem stillen Zimmerchen mit flüchtigen Zeilen beschrieb; aber aus dem Niedergeschriebenen sprach ebenso­sehr das Ringen nach Selbsterkenntnis, wie ein eifriger WiffenSdurst. So lautete eines dieser Blätter:

Am Freitag nachts-

Er ist nicht fromm. Ich hatte eS längst gefürchtet, ich habe ihn vor mir selbst entschuldigt, als ich merkte, daß er nie die Kirche besuchte, er hat ja so selten die Zeit uud Gelegenheit dazu. Ich fürchte, er ist ein Freigeist, einer von den Leuten, die an nichts Göttliches glauben, und ich habe immer gehört, diese Menschen könnten nicht gut sein, sie wtffen nichts von der Liebe zu Gott, sie könnten auch nichts von der Menschenliebe wissen. Mer er ist doch so

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gut, eie Herzensgute sieht ihm auS den Augen wenn er doch fromm wäre! Ich will einmal ernstlich mit ihm über diesen Punkt reden, ich will ihm ins Gewissen reden; wenn er mich nur nicht auSlacht I

Sonnabend.

Er hat mich nicht auSgelacht, im Gegenteil, er wurde so ernst, als ich das Thema berührte, wie ich ihn noch nie gesehen habe.Ich brauche keinen Glauben an einen Gott," sagte er,denn ich glaube an die Menschen. Wmn doch alle, die da vorgeben, an ihn zu glauben, mehr sein Ebenbild, den Menschen, ehren, schätzen und lieben würden, bann würde gar manches besser in der Welt bestellt sein. Je weniger die Menschen sich einbilden, eS gäbe ein Wesen, daS in seiner Hand ihr Schicksal hält, je weniger sie ihr Thun und Lassm und ganz besonders ihr böseS Thun von dem Glaubm an die Macht dieses Wesens abhängig machen, desto mehr wird der Wert deS Menschen und die Achtung vor dem Göttlichen in der Menschenseelr steigen. Ich brauche keine Kirche, weil ich daS nach ewigen Gesetzen sich vollziehende Walten der Natur in dieser selbst verehren kann. Nicht die Ausübung althergebrachter und von Men­schen festgesetzter Zeremonien veredelt, erhebt, erbaut; die wahre Frömmigkeit beruht auf der Ausübung der Gesetze der allgemeinen Menschenliebe." ES überlief mich heiß und kalt, als ich ihn so reden hörte und noch viele-, manches, was ich nicht verstanden habe, sagte er; es klang aber alle« so gütig, so lieb und überzeugend, daß ich ihm nicht zürnen konnte. Ich hoffe, eS gelingt mir noch, ihn zu bekehren. Etwas muß der Mensch doch haben, worin er in trüben Tagen seine Seele aufrichtet, dem er in glück­lichen Stunden seinen Dank entgegenjubelt.

(gottfe<pme folgt.)

vom Landtag.

Berlin, den 4. Juni.

In der (73.) Plenarsitzung des Abgeordneten- h a u s e S kam zunächst die Interpellation der Abgeordneten Dr. v. StablewSki und Kantak, betreffend die Anwen­dung der deutschen, bezw. der polnischen Sprache bei dem Religionsunterricht in den Volksschulen im Regierungsbezirk Posen, zur Verhandlung.

Die Interpellation wurde eingehend vom Abg. Dr. v. StablewSki begründet. Er bittet den Herrn Minister, die qu. Verfügung der Königlichen Regierung zu Posm pure aufzuheben.

Kultusminister v. G o ß l e r erklärt bezüglich der ersten Frage:Sind der Königlichen Staatsregierung die qu. Umstände bekannt?" daß die Verfügung der Regierung zu Posen vom 7. April der Staatsregierung zunächst auS dm öffentlichen Blättern bekannt geworden sei (hört!), ebenso daß darauf Beschwerden in der Presse und in Volksver­sammlungen erhoben worden seien. Auf die zweite Frage: Ist die Staatsregierung gewillt, dafür Remedur zu be­schaffen, und eventuell in welcher Weise? antwortete er, daß im wesentlichen die Remedur bereits eingetreten sei. Die Grundlage für die in der Interpellation behandelte Materie befinde sich in der allgemeinen Verordnung von 1873, nach welcher der Unterricht in der Religion und im Kirchengesange den polnischen Kindern in der polnischen Sprache erteilt werden, daneben aber auch die deuffche Sprache gefördert werden soll. Diese Verordnung sei für die Königliche Regierung zu Posen bindend, und auch er, der Minister, sei nicht in der Lage, daran irgend etwas zu ändern. Für die Staatsregierung sei es nun nicht zweifelhaft, daß der erste Teil der Verfügung der Posener Regierung vom 7. April berechtigt sei, daß jedoch der zweite Teil derselben der mißdeutlichen Auffaffung unter­liege, als ob er die Grenzen der Verordnung vom Jahre 1873 überschreite. Deshalb sei die weitere Verfügung vom 27. April erlassen, worin die Regierung erklärt, daß sie mit der Verfügung vom 7. April nichts weiter beab­sichtigt habe, als die Ausführung der Verordnung von 1873. ES sei übrigens Vorsorge getroffen, daß neue Fälle nicht mehr vorkommen, und die noch nicht entschiedenen Fälle würden, wie er kaum hinzuzufügen brauche, ganz im Sinne der Verordnung von 1873 entschieden werden.

Es wurde in die Besprechung der Interpellation rin« getreten.

Abg. Freiherr v. Hammerstein hält die letztere für berechtigt. Er ist der Ueberzeugung, daß Preußen als

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d-Annoncen-Bureanx von L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

chlende des Gemüse-Schutzzolls mit Recht als eine Absurdität be- t auch 5 zeichnet sei. Dem ersten wichtigen Schritte einer politischen I, PfH Annäherung Deutschlands und Italiens dürften wir keine

Zwar durchdringen, durchkämpfen mußte sich ja daS Barch entschiedene Talent deS Mädchens, daS war sicher, und 1 fallen konnte sie gewiß nicht und in ein verfehltes, unnützes Leben versinken wenn sie eine starke Stütze hatte. DaS toat es, wenn sie eine starke Stütze im Leben hatte. Er »agte den Gedanken nicht auszudenken, mit einem flüchtigen Striche über die Stirn verjagte er all die vor feinem gei­stigen Auge erscheittendm Bilder. Oftmals, wenn ihm daS latent CäcilienS in besonders hellem Lichte erschien, dann sagte er im Stillen:Du darfst nicht mehr wiederkommen, Du bist nicht im stände, auf die Dauer zu schweigen, Du i »irst ein unabsehbares Unglück heraufbeschwören über eine I friedliche Familie." Und er blieb nun wieder tagelang 1 au», nachdem er fast täglich gekommen war. Wenn dann aber CäcilienS glänzende Augen so bittend zu ihm auf die Sühne htnaufflogen besuchte sie doch jetzt gar oft daS kleine Theater dann konnte er nicht widerstehen, und tt lauschte immer wieder der süßen Melodie ihrer Stimme. ! So waren einige Wochen vergangen. Noch war zwi- 1 schm den beiden jungen Mmschenkindern kein Wort von mbe gewechselt worden, und doch hatte die Liebe mit ihrer iauberischen Gewalt die Herzen der Beiden zu unlöslichem 5 Bande verknüpft: wa» fragt die Liebe, ob das Herz dem j »ändernden Schauspieler oder der heiligm Cäcilie gehört? I Aur ein Funke fehlt noch, um da» schlummernde Feuer in \ der Brust der $ eiben zu hellen Flammen anzufachm, zu 1 einem Brande, den diese beiden Charaktere weder ersticken , konnten, noch wollten. Denn das war gewiß, hatten sich «inmal diese beiden Herzen gefunden, dann besaßm sie beide

r, - ml zuzuwenden; eS liege da noch manches im argen.

L"' Abg. Dr Moufang beantragt, da die Jntereffen der dmtschen Weinbauer durch den Vertrag in bedenklicher Weise ^schädigt würden, die Vorlage in eine Kommission zur Borberatung zu verweisen.

Schatzsekretär Burchard bemerkt, daß durch den Ver« jrenb ä|mg eine Schädigung der deutschen Weinbauer nicht zu er­nt betzii matten sei. Die Kommissionsberatung würde eine unnötige ' '".j Verzögerung in der Erledigung der Vorlage herbeiführen, einen tit Abg. Dr. Majunke erklärt sich für den Antrag Moufang; diesseits sei dem Andrängen Italiens zu weit

In der heutigen (95.) Plenarsitzung des Reichstags [ggt zunächst in dritter Beratung der Handelsvertrag mit «allen zur Verhandlung.

ad)langd In bet Generaldisknsston wünscht Abg. v. PapinS em Hkli Zentrum) einen höheren Zoll für frisches Gemüse, das in» Italien kommt.

Schatzsekretär Burchard wies dem gegenüber darauf hin, daß der Zweck solcher Verträge nicht der sein kann, IlielttälN6 Mischen den vertragenden Staaten zu erhöhen, sondern «i ermäßigen.

Abg.Dr.Hammacher bittet, denVeikehrSverhältniffen i und Deutschland eine größere Aufmerksam-

Schwierigkeiten entgegenbringen. Bedenklich sei nur der euftaitjj Vorbehalt Italiens, Streitfälle aus diesem Vertrage einem

Schiedsgerichte zu unterwerfen; solche Schiedsgerichte führten krfahrungsrnäßig viele Schwierigkeiten mit sich

Abg. Frhr. v. Minnigerode hält eine KomrnifstonS-

13.

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8 Papas Goldtochter.

Eine Skizze au» dem Leben von Ludwig Wriehner.

qfgtoenn man die beiden Nationen, deren Verbindung sie bar» BaiK djjMe, durch hohe Zölle trennen wolle? Blos für die Ver- SnügungSreisenden habe man doch die Bahn nicht gebaut. . Abg. Dr. Majunke findet, daß die Zollerrnäßigungen zu Ro|beg Vertrages prinzipiell nur den Wohlhabenden zu gute kommen werden, welche Südfrüchte kaufen.

Lntfurt a. M., Berlii Lyta, Köln «; Rudo., Me in Berlin, Frank- furl a. M. re-

Erscheint täglich außer an den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen BeilageJüustrtrteS SoMttagSblatt" durch die Expeditton (R o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 21/« Mart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.

Für in der Expeditton zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

««»eigen nimmt entgegen: _ Jrgjpebition d. Blatte», Franl Seit d.ilnnoncen-Bureau - Dietrich u. Co. i

und Hannover; Tk betrieb in Frankfurt a M Lgfenftein u. Bögler i