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XVIII. Jahrgang.

Marburg, Dienstag, 5. Juni 1883.

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<Fortsetzung folgt.)

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Reichstag.

Berlin, den 2. Juni.

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Blick aber hatte einen bestimmten, sicheren Ausdruck be­kommen, die Augen starrten nicht mehr träumerisch in die Welt, über dem ganzen Wesen des Mädchens lagerte eine Art Frühreife des Charakters, die in ihrer Herbigkeit um so anziehender wirkte.

Die Bücher des Vaters, besonders die Klassiker und unter ihnen die Dramatiker, wurden eine Quelle deS Studiums für das Mädchen, desien plötzlich erwachter Wissensdrang vorläufig noch tastend und irrend Befriedi­gung sucht und noch keinen Unterschied zwischen dem Guten und minder Guten zu machen wußte. DaS ward anders, als Leo, den auffallenden Umschwung in der Seele Cäciliens bemerkend, ein gewisses System in den Eifer des Mädchens brachte. Der Schauspieler, der das Scheinleben der Bretter, die die Welt bedeuten, nur zu genau kannte, hütete sich um so mehr, die einmal angeregte, lebhafte Phantasie Cäciliens auf diesen Punkt hinzulenken. Er begnügte sich damit, die unsterblichen Werke der dramatischen Dichter von seinem denkenden Schauspielerstandpunkte aus zu inter­pretieren und sie so dem Verständnis Cäciliens näher zu bringen. Bald jedoch mußte er zu seinem Erstaunen, das er wohlweislich zu verbergen wußte, ersehen, daß er in dem vor ihm sitzenden Mädchen, das mit anghaltenem Atem, mit blitzenden Augen, mit geröteten Wangen seinem Vortrag lauschte, mehr verborgen lag, als er geahnt hatte. Wenn Cäcilien Fragen dazwischen warf, die von merk­würdigem Verständnis für die Bühne zeigten, wenn sie, hingeriffen von der Macht einer Dichtung, einzelne Szenen derselben dem Schauspieler z! rezitieren begann, wenn dieser dabei mehr und mehr die vollendete Grazie, die Begeiste­rung der Sprechenden, die von Gefühlstiefe, von echtem Gemüt zeugenden, au« dem Herzen quellenden und zu

Herzen gehenden Töne an sein Ohr klingen hörte, dann sagte ihm sein bühnenknndiger Blick, daß hier ein Talent in der Stille verborgen liege, das nur an das Licht der Lampen gebracht zu werden brauche, um einen großen Er­folg, einen dauernden, mit Glück, Ehre und Ruhm ge­krönten Triumph zu fettnt. Es war für den Mann, der selbst aus Neigung sich der Bühne gewidmet und schwer genug sich eine über die Mittelmäßigkeit hervorragende Stellung im Bühnenleben erkämpft hatte, ein gar wohl- thuendcs Gefühl, ein Talent in so erreichbarer Nähr zu wissen, nach dem er nur die Hand auszustrecken braüchte, um e« an das Licht zu ziehen.

ES reizte den Mann und seinen nie schlummerndm Ehrgeiz, daß er gerade das Glück haben sollte, ein so be­deutendes Talent der Bühne zuzuführen. Und dennoch hatte er kein Wort gesprochen, daS dem Mädchen eine Aufmunterung hätte sein können, noch hatte er mit keinem Blicke zu verstehen gegeben, was in seiner Seele vorging, mit keiner Silbe hatte er die unbewußt nach einem Punkte drächfende und stürmende Seele des Mädchens auf den Weg gewiesen, der deffen Bestimmung nun einmal war. Leo war nicht nur Schauspieler, sondern auch ein scharf­sinniger, wenn cs nötig war, kühn berechnender und über­legender Mensch. Er kannte sehr wohl alle die großen und kleinen Enttäuschungen, die bitteren Erfahrungen, die verzweiflungsvollen, niederdrückenden Stunden der Laufbahn, selbst des größten Talentes. Noch war er sich selbst kaum klar über die Gefühle, tie er gegen Cäcilie hegte, doch bewahren wollte er sie vor dec dornenvollen Laufbahn, die des Mädchens unschuldvolles Gemüt jetzt noch gar nicht

Herr v. Tüngrn hat uns heute nicht begleitet, er Wenfalls noch in der Garderobe beschäftigt.

lieferung von Schuldverschreibungen an stelle zur Löschung gelangter Forderungen dem Antragsteller eine Benachrich­tigung zu erteilen ist. Auf Antrag des Abg. v. Rauch­haupt wird die Einfügung beschlossen, nach welcher die Be­nachrichtigung von der Hauptverwaltung der Staatsschulden ausgefertigt sein muß.

§ 21 betrifft die zu erhebenden Gebühren. Die Kom­mission beantragt folgende Fassung: An Gebühren werden erhoben: 1. für die Umwandlung von StaatSschuldver- verschreibungen in Buchschulden deS Staats, sowie für sonstige Eintragungen und Löschungen, jede Einschrist in daS Staatsschuldbuch besonders gerechnet, 25 Pfg. von je angefangenen 1000 Mk. des Betrages, über den verfügt wird, zusammen mindestens 1 Mk.; 2. für die Ausreichung von Staatsschuldverschreibungen für je angefangene 1000 Mk. Kapitalbetrag 50 Pfg., zusammen mindestens 1 Mk. Ver­merke über Bevollmächtigungen, sowie über Aenderungen in der Person oder der Wohnung des eingetragenen Be­rechtigten (8 10 Absatz 3) sind gebührenfrei. Die Ge­bühren werden von dem Antragsteller, soweit nötig, im Berwaltungszwangsverfahren eingezogen. Auch kann die Vorausbezahlung der Gebühren gefordert werden. An Gebühren für die gerichtliche oder notarielle Beglaubigung der Anträge (§ 10 Absatz 2) sind zu erheben: bei Be­trägen bis 2000 Mk.: 1 Mk. 50 Pfg., bei Beträgen über 2000 Mk.: 3 Mk.

Der Abg. Dr. Wagner begründet den schon beim Eingang der zweiten Beratung in der Debatte hervorge­tretenen Antrag, den § 21 folgendermaßen zu fassen: Die Umwandlung von Schuldverschreibungen in Buchschulden des Staats erfolgt gebührenfrei. Im übrigen werden an Gebühren erhoben: 1. für sonstige Eintragungen der Lö­schungen, jede Einschrift in das Staatsschuldbuch besonders gerechnet, 20 Pfg. von je angefangenen 1000 Mk. des Betrages, über den verfügt wird; 2. für die Ausreichung von Staatsschuldverschreibungen für je angefangene 1000 Mk. Kapitolbetrag 30 Pfg. Vermerke über Bevollmächtigungen, sowie über Aenderungen in der Person oder der Wohnung des eingetragenen Berechtigten (§ 10 Absatz 3) sind ge­bührenfrei. Die Gebühren werden von dem Antragsteller, soweit nötig, im Verwaltungszwangsverfahren eingezogen. Auch kann die Vorausbezahlung der Gebühren gefordert werden. An Gebühren für die gerichtliche oder notarielle Beglaubigung der Anträge (8 10 Absatz 5) sind zu er­heben : bei Beträgen bis 5000 M.: 1 Mk., bei höheren Beträgen: 2 Mk.

RegierungSkommtsfar Geh. Finanzrat Schmidt weist demgegenüber darauf hin, daß dem Staat durch Einrichtung des Staate schuldbuchs eine große Mühewaltung und Kosten, letztere namentlich auch für die erste Einrichtung erwachsen würden. UeberdieS seien die Kosten, auch absolut betrachtet, nicht zu hoch.

Daseins. Ich hatte mir den König Philipp als tiarn grausamen Tyrannen dargestellt, und ich. sehe, daß « ein Mensch ist, der in seinem Denken und Fühlen zwar

PapaS Goldtochter.

Eine Skizze ans dem Leben von Ludwig Wriehner.

finanziellen Opfer zu den erreichten Vorteilen im richtigen Verhältnis stehen, lasse sich schwer entscheiden. Vielfach würden finanzielle Opfer durch gewerbliche Vorteile aus­gewogen. Auch laffe sich die Handelsbilanz zwischen Italien und Deutschland schwer feststellen. Auf die Anfrage deS Abg. Sonnemann betreffs der Verhandlungen mit Spanien könne er aus dem Grunde keine Antwort geben, weil eben die Verhandlungen noch schweben: ein Umstand, den Abg. Sonnemann ja selbst als Grund der Reserve anerkannt habe. Dem Abg. Barth erwidere er, daß bet der Regierung die Absicht, die Italien gewährten Zollerleichterungen zu generalisieren, zur Zeit nicht bestehe. Praktisch würde die Frage übrigens erst nach dem Abschluß der Verhandlungen mit Spanien. Sollten diese scheitern, dann könne man doch Spanien die qu. Vorteile nicht gewähren.

Abg. von Kardorff betont den Bemerkungen deS Abg. Sonnemann gegenüber, daß der viel angegriffene Zoll­tarif von 1879 unseren Export erheblich gefördert habe. In gleichem Sinne äußerte sich Abg. Dr. Frege. Der Abg. Dr. Barth meinte, daß die Italien gewährten Er­leichterungen sich allerdings generalisieren lassen, da event. der Kainpfzollparagraph zur Anwendung gebracht werden könne. Abg. Dr. Bamberger weist, der Anerkennung deS Herrn Staatssekretärs gegenüber, daß auf der Linken der Vertrag sympathisch ausgenommen sei, darauf hin, daß ein Widerspruch, da sich hier um Erleichterungen handle, von seinen Freunden gar nicht zu erwarten gewesen; ein solcher könnte höchsten« von der anderen Seite des Hauses ausgehen. Es nehmen in der Generaldebatte dann noch die Abgg. Grad, Sonnemann und Frhr. v. Minnige­rade das Wort. Es wird hierauf in die Spezialdebatte über die einzelnen Artikel eingetreten und deren materieller Inhalt von keiner Seite beanstandet; nur bei einzelnen Fragen zolltechnischer Natur entsteht eine kürzere Debatte. "Der Vertrag wird in zweiter Lesung unverändert genehmigt. Die Litterarkonventiou mit Frankreich passiert gleichfalls unbeanstandet die erste und zweite Lesung. Das Gesetz zur Abwehr und Unterdrückung der Reblauskrankheit wird in erster und zweiter Beratung unverändert genehmigt. Eine Anzahl von Wahlprüfungen wird nach den Kommissions- anträgen erledigt. Nächste Sitzung Montag: Zuckersteuer- Gesetz. ______________

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Vom Landtag.

Berlin, den 2. Juni.

In der heutigen (72.) Sitzung des Abgeordneten­hauses wurde die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend das Staatsschulvbuch fortgesetzt.

Die §8 1014 wurden nach unerheblicher Debatte angenommen.

8 15 bestimmt, daß über die Eintragung von For­derungen und Vermerken, sowie über die verfügte Aus-

ein« « hm wirklichen Leben geschöpfte» Charakterbild, das zum >n 3 3®1 Nachdenken anregen muß über die Wechselfälle des mensch- l erst, ir ' " ' ' '

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureanx von ®. 8. Daube u. Sa. in Frankfurt a. M; Jäaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; 6. Schlotte tu Bremen.

über generalisiert.

Staatssekretär im Reichsschatzamt B u r ch a r d konstatiert . . , Wächst mit Befriedigung, daß beide Vorredner den Ver- tlUM im Prinzip sympathisch ausgenommen haben. Die * Beziehungen und der umfangreiche Verkehr beider

Staaten erfordere, daß sich beide günstig behandeln. Bei d-Seift i km Abschluß dieses Vertrages hätten wir vor der Frage 2... 2 J Wanden, ob das bisherige VertragSverhältntS fortbestehen Schmiß W oder nicht. Die Regierung habe sich für die erstere ä 25 P Alternative entschieden, selbst wenn einige Tarifkonzessionen t ä 10 1 ßimzielle Nachteile mit sich brächten. Letztere seien aber 7"'i tatsächlich nicht von besonderer Bedeutung; und ob die

In der ersten Beratung des Handelsvertrages mit Italien *zuerst der Abg. Sonnemann das Wort. Er steht . ,r /allgemeinen dem Vertrage nicht unsympathisch gegenüber, tulÖQf dauert aber, daß durch diesen Vertrag das System der ° Differenzialzölle leider eingeführt werde. Der Vertrag be- ise übrigens ebenso, wie der mit Oesterreich-Ungarn ab- -J .Dosierte, daß die bei den Zolldebatten ausgesprochene JUchharidli Öffnung, es werde ein starkes Schutzzollsystem uns günstige Handelsverträge sichern, sich nicht erfüllt haben. Von Italien len Deutschland nur wenige Konzessionen eingeräümt. «genüber einigen Zollerleichterungen für Hopfen, Zink, Mische Salze würden wir durch den Vertrag ll/2 Millionen w Zöllen verlieren. Namentlich bedauert der Redner, daß !i nicht gelungen sei, in bezug auf Baumwollenwaren Kon- jtjfioncn zu erlangen, und schließlich wünscht er vom Bundes- Msche über die Zeitungsnachricht Auskunft, wonach mm. Hantcn zur Erneuerung des Handelsvertrages neuerdings r nn Bitt der Bedingung sich bereit erkärt haben solle, daß die honsastädte von demselben ausgeschlossen werden. Der ' Lichstag werde schwerlich einem Vertrage zustimmen, der Ut wichtigen Hansastädte ausschließe.

Abg. Dr. Barth steht der Vorlage sympathisch gegen- .jider, auch er ist ein Gegner deS Systems der Differenzial- We. Er stellt die Anfrage, ob nicht ein Gesetzentwurf in iteraasic 3 Wcht genommen werde, oer die jetzt Italien gewährten Mermäßigungen allen meistbegünstigten Nation«« gegen-

»rf»eint täglich außer an den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrtrte- SoMltagsblatt durch bie Apedttwn (K o ch sche m Buchdruckerei) bezogen 2A Wart, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) - Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ertheflende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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<?n der heutigen (94) Plenarsitzung deS Reichstages zunächst über den nur handschriftlich vorgelegenen ag Richter (In geschloffenen Räumen ist zur nicht ,bsmäßigen Verteilung von Druckschriften oder anderen ' ? r t h itMjsien oder Bildwerken eine Erlaubnis nicht erforderlich.") inals abgestimmt und derselbe angenommen.

Die demnächst folgende Gesamtabstimmung über den urs der GewerbeordnungS - Novelle, wie er aus den verf^WÄHlüffen dritter Lesung hervorgegangen, war eine nament- $ 7 je und ergab die Annahme desselben mit 160 gegen

utb 11 Stimmen. (RegierungskommissariuS Ge. Rat Bödiker _ l na vielseitige Glückwünsche.)

j.fItnimmt entgegen: «Lbition d. Blattes, 17. Annoncen-Burraux K Dietrich u. Co. in A und Hannover; Th. RjA in Frankfurt a.M.;

v-*Hi |.Ä Köln ic.; Rudolf 1 Ubr, in Berlin, Frank-

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[1 Wie flüchtig, unbedeutend, unzusammenhängend, kindisch -------7 find die Zeilen, die ich bisher diesem Papiere anvertraute; zu veroit« ^an will ich mich bemühen, klar, verständlich zu schreiben . ^-daS sei die erste Frucht der Selbsterkenntnis.

tratzt n ge0 oon Tüngen spielte den König Philipp. ES war nie uni I Eine großartige Leistung eines denkenden Mannes, den ich Wendelf iiglich mehr bewundern lerne. Während die übrigen Rollen

---vchr oder minder idealisiert sind, ist der König ein aus

MitPapaS Goldtochter" war in Wirklichkeit eine Bänderung vorgegangen, und jeder andere hätte dies ' verkett müssen, nur Walport nicht. Für ihn blieb sie nach , .oz> die vor sein bevorzugtes Kind, ohne daß ihm je der Ge- >sen 4^2 ^nke kam, daß auch dieses, sein Goldkind, eines TageS »vaael < ihm gehen könnne.

b fl Von derheiligen Cäcilie" war wenig mehr zu sehen. 8 2 D 8»at schöner noch, als eS das blonde Mädchen zu werden ttrsprach, wär Cäcilie zur Jungstau herangereift. Der