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xvm. Jahrgang

Marburg, Mittwoch, 30. Mai 1883.

jgr. 123.

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1.1.

Kräften der Hauptstadt nahe verbunden,

trat er in einem

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Ä ®n Jahr lang war Cäcilie in ihrer neuen Stellung rust'^Sewesen und wie ste sich geistig entwickelt hatte, so auch

^rperlich. Eine schlanke, zierliche Gestalt, schmiegsam feine

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Nichts ist so geeignet, die angeborenen Fähigkeiten zu dervollkommnen, nichts bildet mehr Herz, Geist und Gemüt, tote die Fremde. Wohl kostete es dem nun siebzehnjährigen Mädchen manch harten Kampf, manch heiße Thräne, manch stillen Seufzer, ehe eS sich den Wünschen, den Befehlen der fremden Menschen, von denen es jetzt abhängig war, iu akkomodieren wußte; aber all daS Neue, das Ungewohnte stählt auch den Willen, kräftigt die Energie. Wer kennt nicht die großen und kleinen Leiden derer, die eine Schein- Effsteuz unter der Devise „zur Stütze der Hausfrau" führen? Da erhalten die kleinen Freuden, die auch in der übhängigen Stellung nicht ganz ausbleiben, einen doppelten und dankbar nimmt das Gemüt entgegen, was sonst kaum beachtet worden. Auch Cäcilie hatte die Schule der Geduld, der Demütigung, der heimlich vergossenen Thränen '» allen ihren Phasen durchzumachen, und es war bei der Wigen Veranlagung des Mädchens kein Wunder, daß ste »iS ein Charakter voll Energie und Thatkraft aus dieser ^stcn Schule dcS Lebens hervorging. Auch die große Stabt, ihr Leben und Treiben, blieb auf die geistige Ent- ^ickeluug CäcilienS nicht ohne Einfluß; daS Denken und Fühlen ward ein reiferes, sicheres, der geistige Horziont Jta weiterer, umfassenderer. Eines aber bewahrte sich oas lange Mädchen auch in der Fremde, daS kindlich reine Gemüt und die zartsinnige, ruhige, bewußte Frömmigkeit.

lebendige AuSrufungSzeichen durch Tote aufhoben und hinwegtrugen und Weinen und Wehklagen da»

nicht, klagte nicht; die blutlosen

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morbild entgegen, durch seine Schönheit die Sehnsucht be« lohnend, welche Wilhelm von Humbold nach dem klassischen Boden Roms allezeit in seinem Herzen bewahrt hat. Ein freundlicher Stern strahlt über der heutigen Feier. Be­gehen wir doch das Gedächtnis des Tages, an welchem einst Gott dem Unvergeßlichen die geliebte Tochter geschenkt hat —, die Tochter, welche, umgeben von teuren Ver­wandten, die Gestalt des verewigten Vaters vor ihrem Blick erstehen steht, der es vergönnt war, als e» einsam um ihn wurde, sein Leben mit ihrer Liebe zu erwärmen. Wilhelm von Humboldö Namen erweckt in uns die Er­innerungen an weit zurückliegende Perioden unseres Kultur­lebens und der politischen Entwickelung unseres Volkes. Auf märkischem Boden erwachsen, mit den belebenden

Regierungs-Kommissar Bö diker sprach sich gegen alle Amendements aus. Von den Unterabteilungen des Baum- bachschen Antrags werden drei weniger erhebliche an- Mvmmen; die übrigen werden abgelehnt. Die Ablehnung der achten Unterabteilung, welche bei der Konzesstonierung den Theatern die Vorfrage der Prüfung des Bedürfnisses ansfchließen will, erfolgte in namentlicher Abstimmung mit 142 gegen 137 Stimmen. Der so abgeänderte § 33 a wird genehmigt.

Zu § 33b (Konzession für Musikaufführungen von Haus zu HauS, aus Straßen und Plätzen) beantragt der Abg. Ackermann, auch die Darstellungen in öfsentlichen Lokalen unter den Konzessionszwang zu fassen. Der Antrag wird mit 153 gegen 129 Stimmen abgelehnt. § 33 b selbst wird nach dem Beschlüsse der zweiten Lesung angenommen. Fortsetzung der Beratung morgen um 12 Uhr.

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Reichstag.

Berlin, den 28. Mai.

Tie heutige (88.) Plenarsitzung des Reichstages, welcher am Bundesratstische auch der Staatssekretär des Innern v. Bötticher beiwohnte, wurde vom Präsidenten v, L e v e tz o w um xl& Uhr eröffnet. Es wurden wiederum mehrere Urlaubsgesuche bewilligt. Vom Präsidenten des Reichsgerichts Dr. Simson ist ein Dankschreiben an den Präsidenten v. Levetzow auf die Glückwunschadresse ein­gegangen, welche bekanntlich laut Beschluß vom 9._b. M. zu dem 50jährigen Amtsjubiläum des ftüheren langjährigen Präsidenten dieses Hauses dessen derzeitiger Präsident an ihn gerichtet hatte.

Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung der Ge­werbeordnungs-Novelle. Eine General-Debatte findet nicht statt; die Artikel 1, la und 2 werden ohne erhebliche Debatte unverändert genehmigt.

Dagegen knüpft sich an Artikel 3, speziell an $ 33a (sog. Tingeltangel) eine eingehende Diskussion. Abg. B a u m- bach und Genossen wollen nämlich prinzipaliter den ganzen Paragraphen streichen, event. stellen sie verschiedene Amende­ments zu demselben, betreffs deren dann der Abg. Dr. Blum (nationalliberal) sich zu einem kleineren Teil zustimmend erklärte. Die resp. Anträge wurden von den Abgg. Baum­bach und Büchtemann in eingehender Weise empfohlen.

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und Bändern, die wie die Luft flatterten, die zur letzten Ruhestätte Haus erfüllten.

Nur Cäcilie weinte

Lippen fest aufeinander gepreßt, stand ste an dem frischen Grabe, und sah die Mutter hinabsenken in die kühle Erde. Dann ließ ste sich willenlos hinwegführen, in den Wagen heben, und wie aus weiter Ferne klangen die Tröstungen der Bekannten und Verwandten an ihr Ohr. Dann war alles vorbei. „Ein merkwürdiges Kind", sagten die Leute, „keine Thräne im Auge." Und andere sagten wieder, „aber schön ist das Mädchen geworden." DaS war daS erstemal, daß man ste schön fand. (Fortsetzung folgt.)

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Alter, in welchem nur selten die Jugend die Ziele sich zu stecken weiß, als ein fertiger Mann in das Leben und, als er nach 68jähriger Wanderung zur ewigen Ruhe ein­ging und am Fuße der Hoffnung, die Thorwaldsen» Meisterhand geschaffen, an der Seite seiner hochbegabten hochherzigen Gattin gebettet wurde, da war das Herz eines Jünglings zum Stillstand gelangt. Nicht da« Glück auf­suchend, sondern den innern Frieden bewahrend, in har­monischem Ehenmaß seiner Kräfte ausgestaltend, vollendete Wilhelm v. Humboldt sein Leben wie ein Kunstwerk. Frühzeitig ein Mitarbeiter KantS und Fichtes, als Kenner der klassischen Sprachen von Wolf als ebenbürtig aner­kannt, trat er im blühendsten ManneSalter mit Schiller und Goethe in innigste Berührung und führte beide durch eigene bedeutende Arbeiten in das dankbare Verständnis des deutschen Volkes ein. Die volle Beherrschung der hellenischen Litteratur und Kunst leitete ihn in folgerichtigem Vorwärtöschreiten zu dem, sein ganzes Leben ausfüllenden Studium der menschlichen Sprache. Auf der Grundlage physiologischer und geschichtlicher Forschung erhob er sich zu den höchsten philosophischen Problemen, und, die Sprache als eine der wichtigsten Betätigungen des menschlichen Geistes erfassend, unternahm er es, die Verschiedenheit deS Sprachbaues aufzusuchen, die scheinbar unendliche Mannig­faltigkeit nach einfachen Prinzipien zu ordnen, den Quellen der Verschiedenheit, sowie ihren Einfluß auf die Denkschrift, Empfindung und Sinnesart der Menschen durch alle Phasen ihrer Entwickelung nachzugehen. Aber so sehr ihn daS Bedürfnis seines Wesens zu stiller Arbeit und dem weihe­vollen Genüsse einsamer Studien hinzog, zögerte er doch niemals, dieselbe mit aufreibender GeschäftSarbeit zu ver­tauschen, so oft sein König ihn zum Dienst am Vaterlande berief. Während der schweren Zeit, welche unser Volk nach jahrelanger Unterdrückung zur Wiederaufrichtung führte) fiel ihm die Aufgabe zu, unter den schwierigsten VerhÄt- nisten eine den Opfern unerhörter Anstrengungen ent­sprechende Herstellung Preußens erringen zu helfen. Wenn seine Geistesschärfe und Willenskraft nicht diejenigen Früchte

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bis es im Tone hoffnungslosester FassungSlosstgkeit von seinen Lippen klang: „Komm, die Mutter erwartet Dich."

DaS waren traurige Tage, die nun folgten. Langsam, mit seiner ganzen Raffiniertheit forderte der tückische Geselle Tod sein Opfer, und thränenlos in dumpfer Betäubung kniete Cäcilie eine» Morgens am Totenbette der Mutter und hielt die erstarrte Hand. Eine dunkle Ahnung zog durch des Mädchens Seele von dem Verluste, den gerade sie vor allen anderen Familienmitgliedern erlitten. Dann kamen die Vorbereitungen zur Beerdigung und die fremden Menschen inS HauS, deren Geschäft die Seele längst ab­gestumpft hat gegen fremdes Leid, mechanisch ordnete Cäcllie dies und jenes an, mechanisch nahm ste die Kränze und Blumen in Empfang, von Bekannten und Freunden der Verstorbenen gespendet, mechanisch dankte ste sür alle die freundlichen Beweise der Liebe. Dann kam der Tag, an welchem die grausamen Männer in ihren schwarzen Talaren

Die feierliche Enthüllung der Denkmäler Wilhelm und Alexander von Humboldts

fand am 28. d. M. mittags 12 Uhr in den Gartenanlagen vor der königlichen Universität zu Berlin statt, und wohnten Se. Majestät der Kaiser und König mit den Prinzen und Prinzessinnen des königl. Hauses der festlichen Handlung bei.

Nachdem sich die geladenen Ehrengäste, unter denen man die Tochter Wilhelm von Humboldts, die Generalität, die Staatsminister und eine Anzahl von Damen und Herren von Rang bemerkte, in dem Fcstzelte versammelt hatten, traten in ihrer Amtstracht und unter Führung des Rektors die Professoren aus der Universität heraus. Ihnen schlossen sich mit ihren Fahnen die Vertreter der verschiedenen studen­tischen Korporationen an. Der Rector magnificus, Pro­fessor Dr. du Bois-Reymond, nahm mit den Dekanen der vier Fakultäten auf dem Podium gegenüber dem Pavillon Ausstellung; rechts und links gruppierten sich die Professoren.

Die Feier wurde mit Musik eröffnet; von dem Balkon der Universität schwebten langsam und feierlich die Klänge des Liedes: „DaS ist der Tag des Herrn re." zur Tiefe hernieder. Als der Trompeterchor geendet, sanken die Hüllen von den Denkmälern, während die Musik „Heil Dir im Siegcrkranz" spielte.

Nunmehr trat der Minister für geistliche rc. Angelegen­heiten v. Goßler hervor, um in nachstehender Rede Wilhelm von Humboldt zu feiern und das Denkmal desselben den Vertretern der Universität zu übergeben:

„Die Hüllen sind gefallen. In der leuchtenden Pracht deS Marmors strahlt uns das edle Bruderpaar entgegen, einst in rastlosem Wirken bahnbrechend auf weiten Gebieten der Wissenschaft, allezeit in Treue ergeben ihrem Könige und Vaterlande, lange Jahie hindurch Bürger dieser Stadt. In gemeinsamer Arbeit sür das Leben vorbereitet, um­spannte jeder in seinem geistigen Reiche den Erdkreis mit seinen Forschungen, überall in der Fülle sicher erkannter Einzelerscheinungen das einigende Band nachweifend und die Offenbarungen der Natur und des Menschengeistes zu einer höheren Einheit verschmelzend. Nach langjähriger Trennung am Abend ihres Lebens in dem warmen Familien­kreise zu Tegel wieder vereinigt, erscheinen sie heute vor uns durch die dankbare Nachwelt gleichsam zu neuem Leben erweckt und an den schönsten Ehrenplatz gestellt, welchen des Reiches Hauptstadt Geistes-Heroen bereiten kann, — als die berufensten Wächter der Universitas literarum. * Was wir feit Jahrzehnten erhofft — der heutige Tag bringt es zu reicher Erfüllung. An der Stätte, wo

Wilhelm von Humboldt in inniger Freundschaft mit Thor­waldsen und Rauch geweilt, wo er sich die Linien seines Strebens endgültig gezogen und die Bildung des eigenen Selbst vollendet, hat die Begeisterung deö Künstlers sein Denkmal geschaffen. Wie ein verklärender Gruß der Sieben- hügelstadt an die nordische Heimat winkt uns das Mar-

Formen harmonierten mit dem von blondem Haar, das in künstlichen Zöpfen über den weißen Halö herabfiel, erfüllten Köpfchen, ans dem die blauen Augen unschuldsvoll kindlich, aber nun mit einer gewissen welterfahrenen Sicherheit blickten; was der jungen Dame aber jetzt einen gewissen neuen Reiz verlieh, das war ein schalkhaftes, neckisches Läch ln, das zuweilen um die Lippen spielte und das gar nicht mehr zu dem Namen „heilige Cäcilie" passen wollte.

Mit den Eltern und Geschwistern zu Hause wurde natürlich fleißig korrespondiert; alle die kleinen und großen Sorgen, die Papas Goldtochter bedrückten, schüttete das junge Herz in langen Briefen aus. Soweit ging es also „in der Fremde" ganz gut und bester, als der Papa er­wartet hatte, — wenn nicht das traurige Lied „ES ist be­stimmt in Gottes Rat" gerade in den besten Zeiten einen grausamen Strich durch die Lebensrechnung machen würde. Die Briefe der Eltern blieben plötzlich mehrere Wochen aus und als die Unruhe Cäciliens bereits den höchsten Grad erreicht hatte, da langte eine Depesche an mit dem kurzen Inhalt: „Mutter sehr krank, komm sofort". Das war ein trauriges Wiedersehen, trauriger noch, als die Abfahrt vor einem Jahre. Mit durchwachten Augen stand der älteste Bruder auf dem Bahnhofe der kleinen Stadt, die Schwester erwartend, und als diese an ihn die Frage richtete „wie gehts der Mutier?", da war ein gedrücktes „schlecht" die ganze Antwort. Auf den Zehen kam der Papa seiner Goldtochter entgegen, und mit ungestümer Heftigkeit brach der verhaltene Schmerz des Mädchens, das ahnend deS To^eS Einkehr voraussab, aus, als es eine Thräne in des Vaters Augen blinken sah. Lange hielt der Papa sein Goldkind umschlungen, und wieder sprach keines ein Wort,

An,eigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureanx von G L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalibendank in Berlin; W. LhieneS in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

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2 PapaS Goldtochter.

Eine Skizze aus dem Leben von Ludwig Wriehner.

»rscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS Lonntagtblatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 8'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 8 Mark 60 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) — Jnsertion-gebühr für die gespaltene Zelle 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Pfg. berechnet.

Vtoil ...eigen nimmt entgegen: 7 Spedition d. Blattes, Led-Annoncen-Bureaux an F ja Dietrich u. Co- in und Hannover; Th. Kd> m Frankfurt aM.; D uftem u. Vogler in &urt M., Berlin, ffi., Köln rc.; Rudolf S in Berlin, Frank- ~ furt a. Ul- rc.

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