Einzelbild herunterladen
 

xvm. Jahrgaug.

Marburg, Donnerstag, 24. Mai 1883.

-kr. 11®

iuer

WcrWHk ZckliW

di

'M

' ®#lj;

leim

iläflf

eunbl

i ein J ßtnlli

Ner-A Antritt i«« W i Mm Ion. !

t

zu « i 1881

Taget

neS ji

rem

>erung

lgeu, -er ic enhast parthei onsorK tter

Periode geübt werden muß, wo das Bier vom Zapfen deS Fasses bis zum Munde des Trinkers gelangt; wohl aber glaube ich zu wissen, daß über dieses Thema noch nicht zum großen Publikum gesprochen worden ist. Darum er­scheint in dieser Beziehung eine Belehrung und Warnung sehr ersprießlich und ich will, was ich in langen Trinker» jähren am eigenen Leibe als bewährt gesunden habe, den geehrten Mitbürgern im Reiche Gambrini nicht länger vor­enthalten, hoffentlich zur Abwendung von manchmaligem Kopfschmerz und etlichem Uebelbefinden.

Der Direktor einer großen Brauerei sagte mir einst: ES ist nicht allein genug, daß man gutes Bier in die Welt schickt; eS thäte auch not, daß man jedem Wirt und jedem Gast einen Sachverständigen zuordnete, der sie in der Behandlung des guten Stoffes unterweist."

Der Mann hatte sehr recht. DaS Bier wird oft in einer Weise mißhandelt, die der Zehnte nicht vertragen kann. Das Bier ist solch ein Zehnter, viel empfindlicher als der Wein, der eher einen Puff aushält.

Und doch ist die richtige Behandlung des Bieres beim Einschenken und Trinken höchst einfach und leicht. Alles waS man zu beobachten hat, ist, daß man die im Biere enthaltene Kohlensäure zu erhalten sucht bis znm Munde des Trinkenden.

Aber gegen diese schlichte Regel wird gesündigt von Memel bis Konstanz alle Tage tausend und abertausendmal.

Zunächst muß denen, die es nicht wiffen, gesagt werden, und denen, die eS wissen, inS Gedächtnis zurückgerufen werden, daß die Kohlensäure allein es ist, welche verursacht, daß das Bier gut bekommt. Ich setze dabet als selbstver­ständlich voraus, daß man eS mit einem guten aus den besten Ingredienzien hergestellten Biere zu thun hat und

Anzeige« nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Aimoncen-Bureanx Bon G L. Daube u. Co. in

Unser Stammseidel.

Alten und jungen Bierfreunden zu Nutz und Frommen aufgesetzt von einem Sachverständigen.*)

DaS Bier war vor alters, ist in der Gegenwart und wird in der Zukunft wohl noch immer mehr werden daS Hauptgetränk der Deutschen. Ob daS bedauerlich oder er­freulich, schädlich oder nützlich ist, kann man dahingestellt fein lassen, man hat mit der Thatsache zu rechnen. Ob man mit sauerer oder freundlicher Miene drein schaut in die von Jahr zu Jahr sich mehrende Leistung der Brauer und der Trinker, das ändert die Sachlage nicht.

Wollte man die Frage durch eine allgemeine Abstim­mung zur Enscheivung bringen, so würde unzweifelhaft eine gewaltige Majorität für die hohe kulturelle Aufgabe deS BtereS eintreten wenn bloß die Männer stimmten. Anders jedenfalls, wenn auch die Frauen an die Urue treten dürften. Meint ihr nicht auch, ihr Männer, die ihr zu Biere geht und eine Frau habt?

Aber was würde das eine, waS würde daS andere nützen? ES wird fortgetrunken werden fo oder so; der Paragraph elf bleibt der deutschen Männerwelt ein unan­tastbarer.

Doch wie wird getrunken l ES thut mir in der Seele weh, wenn ich die Unvernunft von Wirt und Zecher seh'. Ich behaupte, neun Zehntel der Zecher versteht das Trinken nicht; ich behaupte ferner, neun Zehn­tel der Wirte versteht daS Einschenken nicht.

Ich weiß nicht, ob die Lehrbücher der Braukunst sich auch verbreiten über die Bierpflege, wie sie in der letzten

*) Aus der unseren Lesern bestens empfohlenen Zeitschrift »Daheim.*

der preußische Minister deS Innern im Abgeordnetenhause erklärt habe, stehe vollständig unwidersprochen da. Hier handle eS sich indes um eine rein preußische Angelegenheit. UebervteS thue der Reichstag nicht gut, sich in auswärtige Angelegenheiten einzumischen.

Abg. vr. W i n d t h o r st hält eS allerdings für die pflicht­mäßige Aufgabe deS Reichs, sich auch um auswärtige An­gelegenheiten zu kümmern, die vorliegende Frage fei indes allerdings eine spezifisch preußische Angelegenheit und der Jnstanzenzug in derselben noch nicht erschöpft.

Abg. Rich ter (Hagen) wies darauf hin, daß die gegen­wärtigen Abgeordneten aus RordfchleSwig im Reichstage einen anderen Standpunkt einnehmen, als die früheren, und daß eS deshalb um fo mehr gerechtfertigt fei, begrün­deten Beschwerden abzuhelfen.

Abg. v. Kardorff konnte die qu. Angelegenheit auch nur für eine lediglich preußische halten und tritt den Aus­führungen des Abg. Frhr. v. Minnigerode im wesentlichen bei.

Nach weiteren nichts Neues enthaltenen Bemerkungen der Abgg. Richter, v. Kardorff und Lassen wird die An­gelegenheit verlassen.

ES folgt die dritte Beratung des KrankenkaffengesetzeS. Abg. Rittinghausen legt den Standpunkt der Sozial­demokratie zu den Beschlüssen der zweiten Lesung dar. Abg. Max Hirsch macht sein Bedenken gegen die Fassung der Vorlage, wie sie aus der zweiten Lesung hervorge­gangen, geltend und bittet um die Annahme der von ihm eingebrachten Anträge. Wolle man einen Verstcherungs- zwang für die Arbeiter, dann bitte er, den Zwang auf alle Arbeiierklasfen auszudehnen und bei dem Beschlusie der zweiten Lesung in dem Punkte unbedingt stehen zu bleiben, daß auch die ländlichen Arbeiter an der Versicherung par­tizipieren müffen. Finanzminister von Scholz erklärt namens des Bundesrates, die verbündeten Regierungen hiel» ten die Ausdehnung des Gesetzes auf die land- und forst­wirtschaftlichen Arbeiter für unannehmbar. Schon in der zweiten Beratung fei von dem Bundesrate davor gewarnt worden; erneute Beratungen hätten zu dem Beschluffe ge­führt, vor der Annahme der Ausdehnung auch in der dritten Lesung zu warnen, da sonst daS ganze Gesetz schei­tern werde.

Abg. Dirichlet plädiert im Sinne des Abg. Hirsch. Wenn man von den angeblichen Wohlthaten deS Gesetzes die Kategorie der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter auSschließe, werde der Zweck des Gesetzes vereitelt, daS den sozialen Frieden heben wolle; man schaffe dann neben oder unter dem vierten Stande der Arbeiter eine fünfte, noch schlechter situierte Klaffe. Abg. v. Maltzahn-Gültz erklärt sich gleichfalls prinzipiell für die Einbeziehung der landwirtschaftlichen Arbeiter in den Rahmen deS Gesetzes und spricht die Hoffnung aus, die SpezialdiSkussion bei § 1A werde eine Form der Verständigung finden lasten.

Reichstag.

Berlin, den 22. Mai.

Die heutige (84.) Plenarsitzung des Reichstages, welche um x!& Uhr vom Präsidenten v. Levetzow mit einer Reihe von geschäftlichen Mitteilungen worunter zahlreiche Urlaubsgesuche hervorzuheben sind eröffnet wurde, kam zunächst die Interpellation deS Abg. Johannsen wegen Wiederaufnahme nordschleSwtgfcher Optanten in den Staatsverband zur Verhandlung.

Auf die Frage des P r ä f i d e n t e n, ob und event. wann die Vertreter der Retchsregierung bereit feien, die Inter­pellation zu beantworten, erklärte der Stellvertreter des Reichskanzlers, preußische Finanzminister v. Scholz: Ich muß auf diese Anfrage erwidern, daß ich eine Beantwortung der Interpellation ablehne und mich an einer etwaigen Be­sprechung derselben in keinem Falle beteiligen werde.

(Der Herr Bundesbevollmächtigte verließ darauf den Saal.)

Der Interpellant fuchte demnächst, allerdings unter sehr geringer Teilnahme des überdies schwach besuchten Hauses, die Vollberechtigung seiner Interpellation durch Darlegung verschiedener Spezialfälle zu erhärten.

Nachdem dann die für die von dem Abg. Lassen beantragte Besprechung der Interpellation geschästSocdnungS- mäßig erforderliche Unterstützung vom Präsidenten konstatiert war, erhielt das Wort:

Abg. Richter (Hagen), welcher unter Bezugnahme auf die Verhandlungen deS preußischen Abgeordnetenhauses vom 7. März 1883 den Widerspruch deS preußischen Ministers des Innern mit der Haltung der Reichsregierung in grelles Licht zu stellen suchte und sich darüber beschwerte, daß die Reichsregierung die Begründung der Interpellation nicht abgewartet habe. Die Fortschrittspartei stehe in dieser Be­ziehung vollständig auf dem Boden deS preußischen Ministers des Innern. Die Ausweisung dänischer Staatsangehörigen, die sich der Militärpflicht im deutschen Heere entziehen, sei durchaus gerechtfertigt. Hier handle eS sich aber um ganz andere Dinge.

Abg. Frhr. v. Minnigerode betont, daß der Ver­treter der Reichsregierung die Begründung der Interpellation um deswillen nicht habe abwarten brauchen, weil dieselbe schon selbst in der Interpellation enthalten gewesen. WaS

mitH 5 Zi-i »dir 1, erer «

irea

M.,

cht

arbur . 44.

@<o.

1011

ar 101

102

101

102

101

671

76

97

103

SS

63i

761

74

304

ofe 97< 228.

121*

102

i|t M 73*

tjflr Für den Monat Jrmi nehmen alle Post- anstalten (auf dem Lande die Landpostboten) auf die

Oberhesfische Zeitung

Ultd deren Gratisbeilage

Illustriertes Lormtagsblatt

Bestellungen entgegen.

imtnt

e« 70

toetmii

fett 70

ntmtt

spL

8. I

Buchhandlung daselbst;

Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin

Berlin: W. ThieneS in

Elberfeld: E. Schlotte in

einen nimmt entgegen: Expedition d. BlatteS. ..Med.Annoncen-Bureaux Ifh Dietrich u. Co. in und Hannover; Th.

&<b 'N Fransturta.M.;

n ginntet in

»»scheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirt^ »«mürgsUatt* durch die Hpedition (K o ch'sche Buchdrucker ei) belegen LV. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche« 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr.) JnsertwnSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg« berechnet- _________________

v. Minnigerode spricht für die Streichung des 8 1A. Hierauf wird die Generaldebatte geschloffen. Die Spezial­debatte beginnt morgen um 12 Uhr.

Allgemeiner deutscher Handwerkertag.

Hannover, den 21. Mai.

Im Lause des 20. Mai, Sonntags, kamen gegen 250 Delegierte des deutschen Handwerkerstandes aus allen Rich­tungen an. Bei Beginn der Hauptversammlung waren 348 Delegierte anwesend. Die Versammlungen begannen am 20., abends, mit einer Versammlung im Odeon, in der die Geschäftsordnung und Tagesordnung festgestellt werden sollte. ES wurde ist betreff der Tagesordnung fest­gestellt, daß im allgemeinen kein Redner mehr als 10 Minuten Zeit zu feinen Ausführungen beanspruchen dürfe. Die Versammlung solle entscheiden, ob ein Redner längere Zeit sprechen könne. Die Debatten über die Geschäfts­ordnung waren fo lebhaft, daß die Tagesordnung nicht zur Beratung kam und die vom Vorstände provisorisch festge­setzte für die Hauptverfammlung geltend blieb.

Die erste Hauptverfammlung begann am 21. (Montags), morgens um 91/« Uhr, im Saale des alten Rathauses. Eröffnet wurde dieselbe durch den Vorsitzenden deS in Magdeburg gewählten provisorischen Vorstandes, Herrn Obermeister Meyer- Berlin. Bor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte Herr Senator Liebrecht an stelle deS verhinderten Herrn Stadtdirektors Haltenhoff die Ver­sammlung namens des Magistrats der Stadt Hannover, Herr Schuhmachermeister Salge - Hannover namens des hannoverschen Lokalkomitees. Ersterer betonte, daß der Handwerkerstand für jedes städtische Gemeinwesen ein wich­tiger Bestandteil sei, und daß deshalb auch die Stadtge­meinde Hannover den Verhandlungen des allgemeinen deutschen Handwerkertages mit Interesse folge. Er hoffe, daß die Verhandlungen zu einem guten Resultate führen würden, und daß von diesem Rathaussaale aus, wo in früheren Jahrhunderten bereits JnnungSstreitigkeiten ent­schieden seien, auch jetzt eine Reorganisation deS deutschen Handwerkerstandes auSgehen möge. Herr Salge wie« ebenfalls darauf hin, daß im VersammlungSfaale die In­nungen früher eine bedeutende Rolle gespielt, und ermahnte zur Einigkeit, die allein stark mache.

Nachdem Herr Meyer-Berlin unter Zustimmung der Versammlung für die freundliche Begrüßung gedankt hat, fordert er die Versammlung zu einem dreimaligen begeistert wiederholten Hoch auf Se. Majestät den Kaiser aus. Ein zweites Hoch galt der Stadt Hannover. Darauf erstattete als ersten Punkt der Tagesordnung Herr Gafedow- Berlin, Rendant des bisherigen Komitees, Bericht über den Kassenbcstand des Vereins. Aus demselben ging her­vor, daß trotz der geringen Mittel, die dem Vorstande zur Verfügung standen, durch Sparsamkeit dennoch ein günstiger nicht mit solchem, für welche- vor einem Jahrzehnt der Name Dividendenjauche erfunden werden mußte.

Wird die Kohlensäure dem Biere entzogen, so entsteht eine Flüssigkeit von fadem, ja widrigem Geschmack, die wie Blei im Magen liegt und Kopfschmerz und Uebelbefinden er­zeugt, selbst wenn sie nur in geringen Mengen genoffen wird.

Man mache folgendes Experiment. Man nehme ein Glas frisches gutes Bier, gieße es langsam in ein tief darunter stehendes leeres Glas und gieße eS auf dieselbe Weise noch einmal um, und daun ein drittes Mal. Nun koste man. ES hat dann einen faden, geradezu abstoßenden Geschmack angenommen nnd ist nicht mehr zu vergleichen mit dem labenden Getränk, welches eS vor dem Umgießen war. Der Grund aber ist der, daß die Kohlensäure durch das mehrmalige Umgießen sich verflüchtig hat. Ebenso arbeitet man auf den Ruin des BlereS hin durch Erwär­mung. Wenn Bier nur wenige Grade über die Keller­temperatur erwärmt wird, verliert eS seine Kohlensäure und wird aus einem Labsal zu einem Trübsal.

Also vor zwei Dingen muß man daS Bier hüten: vor der Berührung mit Luft und vor der Erwärmung.

Nun sehe man sich daraufhin einmal die Bierpflege an und zwar nur in den engen Grenzen, die ich schon bezeichnet habe, nämlich vom Hahne vom Faß, bezüglich am Bier­druckapparate, bis zum Trinkermunde.

Der Gast bestellt ein GlaS Bier. Der Wirt, der Kellner oder wer sonst die Berechtigung hat, die Quelle fließen zu laffen, nimmt ein leeres Glas, hält eS tief unter den Hahn, läßt das vier einströmen und fährt während deS Eingießens mehrmals mit dem Glase auf und nieder.

(Fortsetzung folgt)