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Marburg, Sonntag, 20. Mai 1883.

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«Großmut auf Unkosten der Steuerzahler". Daö cinemal

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--- die Sage der Willkür eines Dichters verfallen, der sie

»ach seiner Weise behandelt und ihr Zusätze gibt, die dem

sinauf doch nicht vornehmen konnte. Wenn man weiter »rächtet, daß eö dem sogenannten Ritter auf der Burg weißenstein gewiß nicht unbekannt war, wie ihm die Be- vohner deS Dorfes Wehrda, die er so hart bedrängte, nur kindlich gesinnt sein konnten und eS deshalb gar nicht an- unehm n steht, daß er so unklug gewesen, so viele be- vaffnete Leute von Wehrda in seine Burg oder auch nur >vr dieselbe kommen zu lasten, — so sind dies, sowie das ben Angeführte, wohl Gründe genug, mit Sicherheit <m-

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markt vermindern könnte.

In diesem Kreise drehen die Gegner der sozialpolitischen Reform sich seit Jahr und Tag umher. Immer aber ist

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Volke durchaus fremd sind. Auch manche schriftstellerische Arbeit trägt daS Gepräge dieser Behandlung. Betrachten Sir hiernach die angegebenen verschiedenen Schwerttanzsazen und entkleiden dieselben ihrer mannigfachen Ausschmückungen,

zunehmen, daß die Burg Weißenstein nicht infolge eines Schwerttanzes gefallen sei.

Die Burg konnte sich schon deshalb nicht lange halten, weil sie wohl auf einen Ueberfall nicht vorbereit t und ein Vorrat von Lebensmitteln auf eine lange Zeit hin gewiß nicht vorhanden war, auch Mangel an Trinkwaster sich bald eingestellt haben wird. Bei dieser Belagerung werden die Bewohner des Dorfes Wehrda kräftig mitgewirkt haben.

Wenn eine der Sagen den auf dem Weißenstein wohnenden Riesen Este! nennt, so mag wohl die Hünen­gestalt des Burgherrn die Beranlaßung gewesen sein, diesen berüchtigten Wegelagerer zu einem Riesen umzugestalten, da man annahm, daß diese der Menschheit nur UebleS zn- fügten, Uebrigens dürfte daS Wort Essel seiner Abstam­mung nach nur einen Riesen, einen Gefräßigen, bedeuten. Alsdann möge hier bemerkt werden, daß an der Lahn unter dem Weißenstein eine Stelle, an welcher der Riese Este! seine Schätze in die Lahn geworfen habm soll und deshalb noch jetzt das „Effelswerd" genannt werde, nicht vor­handen ist; der Name EsselSwerd kommt nicht vor. Dagegen befindet sich in der Gemarkung von Wehrda zwischen dem Weißenstein, der Lahn und dem Heideberge eine nicht sehr ausgedehnte Grundfläche, aus Ackerland nnd Wiesen bestehend, die allgemein das Essel sch wert ge­nannt wird, welchen Namen sie auch in dem Wehrdaer Steuerkataster führt. Daß diese Bezeichnung mit dem cor« gedachten Riesen Essel in irgend einer Beziehung steht, ist mit Sicherheit anzunehmen; wir sind jedoch nicht in der Lage, hierüber etwas Genaueres angeben zu können. Hier­nach dürften Jacob Grimm in seiner „Deutschen Mytho­logie" Band II, Seite 1218, und alle besten Nach­schreib er zu berichtigen sein. Da die Worte „Schwert" und „Wert" ähnlich lautend sind, so mag wohl hierdurch die Wortverwechselung entstanden sei«, woraus zu entnehmen

Zwick paßt, dieselbe Sache unter die verschiedensten Gesichts­punkte gebracht. Nimmt der Staat die Arbeiter für eine ihren besonderen Interessen dienende Einrichtung in An- hruch, so wird ihm vorgeworfen, die vermeintlich den Ar­beitern zugedachte Wohithat bedeute in Wahrheit eine weitere Srlastung derselben. Dieselben Beiträge, welche die freien Kasten angehörigen Arbeiter bisher unbeanstandet aufbrachten, »erden zu unerträglichen neuen Lasten, wenn sie auf Grund eines allgemeinen Gesetzes geleistet werden sollen. Wird auf einem anderen, dem vorigen verwandten Gebiete der

„Kein Staatsbeitrag zu gunsteu von Einrichtungen, selche lediglich einer Klasse der Bevölkerung zu gute

Der Weitzeustei« ««weil Marburg.

(Schluß)

Die Sage ist, wie man anzuzeben pflegt, ein Kind

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„Billige Grüabe."

„Keine weitere Belastung der Arbeiter" lautete eines fier Schlagworte, mit welchen die Presse der Fortschritts­partei den von dem Grundsätze des Versicherungszwanges ausgehenden Gesetzentwurf bett, die Krankenversicherung l bekämpfte. Mit derselben Formel wird dieser durch zwei ' Lesungen gegangene Entwurf noch gegenwärtig in der öffent- .Üchcn Meinung herabgesetzt und dabei die den Arbeitern 'auferlegte Beitragspflicht als „Belastung", „neue Steuer" a. f w. bezeichnet.

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Vorschlag gemacht, öffentliche Mittel mit zu Hilfe zu nehmen, , ar mau sobald mit der Anklage auf Staatssozialismus, auf Begünstigung des einen vor dem anderen u. s. w. und

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op'jjj eingenommen worden, ihr hierbei Landleute von Wehrda — eiO hülfrciche Hand geleistet haben, die sehnlichst gewünscht io habm mögen, sich den Drangsalen von dem Burgherrn zu o entziehen. Ein Schwerttanz, zu welchem viele Personen b gehörten, konnte schon wegen des beschränkten Raumes 5 Debet in der Burg noch vor derselben auf den schmalen S Terrassen abgeh alten werden. Ebensowenig konnte wohl «n solcher unten von der Wiese her sich bis auf die Höhe des Berges ziehen, da man einen solchen Tanz den Berg

KaWeS Volkes; sie schließt sich einer Thatsache da an, wo dieser die beurkundlte Geschichte entzogen ist, hat deshalb aber stets eine geschichtliche Grundlage. Sehr oft ist jedoch

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JSrrstrtrteS durch die Expedition (Kochecke

Buchdrucker-» bezogen 2'/. Rark, durch di- Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exck. Bestellgebühr)-HrsertionSgebüh^fürLe gespÄtene K10 Wa

Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet-

—— mit der Forderung bei der Hand, daß die Industrie ihre Produktionskosten selbst aufbringen müsse. Gleichzeitig aber heißt eS von sreihändletischet Seite (und in diesem Falle 631 nicht ohne eine gewisse Berechtigung), daß alles vermieden werden müffe, was die Produktionskosten der Industrie er­höhen und durch ihre Konkurrenzfähigkeit aus dem Welt-

। ai Institution auf die Selbsthilfe bet Beteiligten gegründet 2C, 2( »erden, so wird höhnisch gefragt, ob denn von Begünstigung aftestei Arbeiter die Rede sein könne, wenn man dieselben an-

- halte, die ihnen „erwiesenen Wohlthaten" selbst zu bezahlen —

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mg Mi ts das „Wohl des Volks", das den Titel für die der Gefetz- “ zebung bereiteten Hemmnisse hergeben muß. Soll eine

geht die Industrie nur die Industriellen etwas an und das anderemal ist sie die Henne, die geschont werden muß, wenn sie die goldenen Eier weiter legen soll, die in diesem Falle der gesamten Bevölkemng zu gute kommen! — Diejenigen aber, die sich in solchem Zirkel bewegen, erheben den An- spruch, das erste und das letzte Wort zu haben und der Regierung den Weg zu zeigen, welchen dieselbe zu gehen hat.

Küvf««dzwavzigste Allgemeine deutsche Lehrer- Bersammluug.

in.

Bremen, den 17. Mai 1883.

In der heutigen dritten und letzten Sitzung sprach der ehemalige österreichische Reichsrats - Abgeordnete, Schulrat und Schuldirektor a. D. vr. Dittes (Wien) (mit stür­mischem Beifall begrüßt) über: „Die heutige Pädagogik" in etwa folgender Weise: In neueret Zeit giebt eS zwei verschiedene Richtungen auf dem Gebiete bet Päbagogik, die autonome, auö dem freien wissenschaftlichen Forschen hervor- gegangene und die autoritative, die keine Selbständigkeit kennt, sondern lediglich nach Ordonnanzen handelt. Die erstere, die schon Plato und Aristoteles vertreten haben, läßt sich am besten mit dem Namen Diesterweg, die zweite, die man erst feit den 40er Jahren unseres Jahrhunderts kennt, mit den Namen Stiehl, Raumer u. f. w. bezeichnen. Der tiefe Gegensatz zwischen den erwähnten beiden Rich­tungen besteht im wesentlichen darin, daß die erstere ledig­lich daS zu erstreben sucht, was sie als wahr, recht und gut erkannt hat und in diesem Sinne mit treuer Hingebung für die Ideale der Menschheit zu wirken sucht, während die andere, Oie man wohl als Afterpädagogik bezeichnen kann, nur nach starren dogmatischen Sätzen, büreaukratischen Ordonnanzen handelt und auf augenblickliche Partei- und Zeitströmungen volle Rücksicht nimmt. In letzterem Falle verliert die Pädagogik selbstverständlich ihre Würbe, sie wird zur Magd, die jedem dient, der ihr augenblickliche Vorteile in Aussicht stellt oder zufällig die Gewalt in Händen hat. (Lebhaftes Bravo.) Es gab allerdings eine Zeit, es war daS im Jahre 1848, in der man den Grundsatz: „Die Wiffenschast und ihre Lehre ist frei" proklamierte. Noch heute ist dieser Grundsatz in allen deutschen Staaten und auch in Oesterreich in der StaatSverfaffung enthalten; man findet es aber jetzt für notwendig, die Pädagogik unter die Botmäßigkeit der Theologie zu stellen. WaS würde man wohl sagen, wenn man einen Forstmann zum Oberausseher der Architekten oder Medhiner machen wollte. Vor wenigen Lägen wurde mir von kompetentester Seite die Mitteilung gemacht, daß in dem größten deutschen Staate schon seit Jahren die Maxime herrsche, nur orthodoxe Pastoren zu Seminar - Direktoren oder Schulräten zu er«

oraant kommt die Heranziehung öffentlicher Mittel in Frage, so ist ”bie Selbsthilfe das einzige richtige Prinzip und alles übrige

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Anaoncen-Burcaux een@. L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M; Jägerjche Buchhandlung daselbst; Hermansche BuLhandkuug daselbst; Jnvalivendanktü Berlin; W. Lhienel ii Elberfeld: L- Schlotte ta

Anzeigen nimmt entgegen: £ Expedition d. Blattes, jjstt d.Annoncen-Bureaux £ LH. Dietrich u. Co. in WA und Hannover; Th. Mrich in Frankfurt a M-; E' lein u. Vogler in rt a. M-, Berlin, , Köln rc-; Rudolf

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indem wir ihre innere Wahrscheinlichkeit prüfen, so dürfte tob. si ßch als Kern der Sage nur Herausstellen, daß, als die Burg Weißenstein durch die Herzogin Sophie von Brabant

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rfflbw kommen", heißt es von derselben Seite, wenn in Sachen vV to Unfallversicherung von der Regierung die Uebernahme * .7 ' eines Teils der Prämienaufbringung auf die Reichskasse . * befürwortet wirb. „Was der Staat giebt, geben in Wahr- -' - Writ die Steuerzahler unb auf Kosten derselben sind Bevor­zugungen einer Klaffe vor der anderen unzulässig."

So wird — je nachdem eS für den augenblicklichen

nennen. Alle, die diese Qualifitakion nicht besitzen, sind einfach von der BeförberungSliste ausgeschlossen. (Höri! hört.) In einer vor einigen Jahren erschienenen Schrift wurde den Prüfungs-Kandidaten der ganz wohlgemeinte Rat erteilt, sich nicht in Widerspmch mit der jeweiligen herr­schenden Auffassung zu setzen, denn einen Prüfungs-Kan­didaten, der beim Examen „Die ideelle Volksschule" zmn Thema der Bearbeitung erhielt, wurde nach Ablieferung der Arbeit der Bescheid, daß er wegen zu unreifer Ge­danken zum mündlichen Examen nicht zugelaffev werden könne, weil et den Wegfall deS konfessionellen Religions­unterrichts in der ideellen Volksschule für nötig bezeichnete. Wohl gemertt, der Examinand verlangte den Wegfall de» konfessionellen Religions-Unterricht» nicht für die Gegen­wart, sondern nur für die Zukunft, für die ideille Volks­schule; er wurde jedoch für gedankenunreif erklärt, obwohl der konfessionelle ReligionS-Unterricht in Belgien, England unb den amerikanischen Staaten längst in Wegfall ge­kommen ist. Man wirb boch die Pädagogen dieser Länder nicht sämtlich für gedankenunreif bezeichnen wollen. Aber nicht bloS bezüglich der Beeinfluffung der persönlichen Ge­sinnung, auch bezüglich deS Stoffes geht man bis an die äußerste Grenze. Vor einiger Zeit wurde in einem sehr angesehenen deutschen Schulblatte die projektierte allgemeine Volksschule besprochen, die die Kinder aller Stände vom 6. bis zum 10. Lebensjahre besuchen sollen. Diese For­derung wurde als unausführbar bezeichnet, da es nicht an- gäuglich fei, daß Tagelöhner, Landräte und RegierungSräte auf ein und derselben Schulbank sitzen. Nun, Kinder bi« zum 10. Jahre und auch etwas ältere sind keine Tage­löhner, Land- oder RegierungSräte. (Große Heiterkeit.) Ja, das Blatt geht noch weiter und sagt: „Die allgemeine Volksschule würde die Erziehungsanstalt für die Sozial­demokratie fein unb dem Grundsätze: „Non scholae sed vitae discimus" in8 Gesicht schlagen. „Die Sozialdemo­kratie ist bekanntlich schon längst da und die allgemeine Volksschule soll erst geschaffen werden. Man bezeichnet also das Gegenwärtige als Ursache des Zukünftigen. (Heiterkeit.) Solchem Widersinn sollte doch ein sonst an­gesehene« Schulblatt nicht seine Spalten öffnen. Zum mindesten sollte man sich vorher unterrichten, welche Resul­tate die schon längst in Oesterreich eingeführte allgemeine Volksschule, woselbst die Kinder aller Stände Dem 6. bi« zum 14 Lebensjahre auf einer Bank sitzen, erzielt hat. In Oesterreich ist man zu der Ueberzeugung gelangt, daß die allgemeine Volksschule gerade für das Leben vorberettet und am besten imstande ist, die sozialen Gegensätze aus­zugleichen, denn in der Schule giebt es bloS Zöglinge, keine Taglöhner, auch keine Land- und RegierungSräte. (geb® Hafter Beifall.) In der heutigen Zeit, wo die freie Pida-

steht, daß eine deshalbige Erhebung an Ort und Stelle ihrer Zeit wohl nicht stattgehabt hat. Die Austauchung deS NamenS Effelfchwert erinnert vielleicht manchen älteren Marburger Herrn daran, daß dies der Ort ist, wo vor 40 Jahren und weiter zurück die Marburger akademische Jugend, vielfach geschützt vor spähenden Blicken, ihre Streitigkeiten zum blutigen AuStrage brachte.

Die Versenkung der Schätze der Burg in die Tiefe der Lahn erinnert an die Bergung deS Nibelungenhortes in dem Rhein, und hat hier lediglich eine Nachahmung gefunden.

Die Sagen deS Weißensteines habm Übrigens mit dichterischer Freiheit in gebundener Rede von Karl Schmitt eine entsprechende Würdigung gesunden; daS Gedicht findet fich in dem Hessischen Jahrbuch für 1854 (in Kassel er­schienen) abgedruckt.

Betreten wir noch einmal die Stelle, auf welcher früher die Burg gestanden, so läßt sich nicht verkennm, daß die­selbe einen freunvlichen Anblick in da« sich hier nur in kurzer Strecke zeigende Lahnthal gewährt. Die Aussicht ist zwar durch die umliegenden Berge beschränkt, dafür treten jedoch die in dem Thale liegenden Orte um so dmtlicher dem Auge entgegen. Nach Osten hin überblickt man daS Dorf Cölbe; nach Süd-Osten hin liegt vor un- das Dorf Wehrda, und hinter demselben zeigt sich bem Auge der Marburger Bahnhof und die B ihnhofstraße mit ihrem neuen Gebäude für chemische Zwecke, dessen Amßere» jedoch fich ben Beifall eines großen Teiles der Bewohner Mar­burgs nicht zu verschaffm vermocht hat; — habm doch im Jahre 1881 zwei von dem Bahnhofe herkommmde Reisende, der eine, ein junger Soldat, dies Gebäude für eine ftaferne, der andere, ein israelitischer Handelsmann, dasselbe für einen Fruchtspeicher gehalten! — Etwas mehr rechts von diesem langauSgedehnten, zweistöckigen Gebäude