Marburg, Sonnabend, 19. Mai 1883.
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Licht und Luft betrachten diese Leute, ganz besonder« dir Landleute, als ein liebel, gegen da« sie sich in ihren zumeist niedrigen Wohnungen nach Kräften wehren. Ja, selbst in den Wohnungen der bester situierten Landleute sind derartige Zustände anzutreffen. Daher kommt es auch, daß Epidemieen gewöhnlich am schlimmsten auf dem Lande Auftreten. Die Unreinlichkeit erzeugt aber nicht blvS Krankheiten aller Art, sie führt auch zur Geisteöträgheit und ganz besonders zur Trunksucht rc. Ist erst die Einsicht von der Notwendigkeit hygienischer Einrichtungen in das Volk gedrungen, dann wird nicht nur das körperliche und geistige Wohlbefinden unseres Volkes ein bessere» werden, auch die Moral und der allgemeine Wohlstand des Volkes wird sich heben. Allerdings darf man sich keine allzu großen Illusionen machen; die Schule kann nur das Samenkorn für die Gesundheitslehre legen, das Weitere ist Sache der Fortbildungsschulen, der Bildungsvereine, der Presse und der Netzte. Die Lehrer können aber in hohem Maße hier helfend eingreifen, sie erwerben sich dadurch Ztm das gesamte Volkswohl ein ganz bedeutendes Verdienst und tragen dazu bei, daß die Schule stch zu einer würdigen Ställe des Geistes erhebt. (Stürmischer Beifall.) Ich ersuche Sie, folgenden Thesen zuzustimmen: „1. Die Gesundheitslehre soll einen obligatorischen Lehrgegenstand der Volksschule bilden. 2. Die GcsundheitSlehre ist in der Volksschule als ein Teil der Naturkunde zu behandeln. 3. Die einzelnen Teile der GesundheitSlehre, namentlich der Anatomie und Physiologie des Körpers, dürfen in der Volksschule nur im engsten Anschluß an praktisch-hygienische Zwecke gelehrt werden. 4 Auch im Seminar soll die Ge- sundheitslehre einen obligatorischen Lehrgegenstand bilden. Doch muß der Unterricht hier ein systematisch wissenschaftlicher sein." (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) — Schulinspektor Backhaus (Osnabrück): Die soeben gegebene Anregung mache die Schaffung eines geeigneten Lehrbuches über Gesundheitslehre, das wohl am besten von dem Herrn Vortragenden in Gemeinschaft mit einigen Pädagogen sich bewerkstelligen ließe, notwendig. — Schul« direkter a. D. Dr. Meier (Lübeck): Die bereite Angelegenheit erfordere, daß wir auch bei den Schulbauten mehr hygienische Anforderungen stellen. Auch die Schulbänke entsprechen zumeist nicht den Anforderungen der Hygienie. — Seminarlehrer Bröde (Segeberg) wie- nach, daß dir Gesundheitslehre, wenn sie in engem Anschluß an die Naturkunde behandelt werde, die Schule keine-weg- überbürde. — Schuldirektor Weber (Leipzig): ES empfehle stch, etwas weniger alttestamentarische Geschichte und dafür Hygienie in der Volksschule zu lehren. (Beifall.) — Lehrer Freyer (Leipzig): Im Königreich Sachsen bllde die Gesundheitslehre schon jetzt in vielen Schulen einen integrierenden UuierrichtSgegenstand. — ES sprachen noch in zustimmendem Sinne Schuldirektor vr. Kippenberg und Seminardirektor Dr. Crcdner (Bremen), worauf dir von Herrn Dr. Scholz proponiertcn Thesen einstimmig zur An-
die Sage im wesentlichen in der Weise mitgetcilt, „daß, als der Ritter auf dem Weißenstein einmal von seinen Leuten einen Schwerttanz habe aufführen lasten wollen, was in Wehrda bekannt geworden, sei von hier aus die Anfrage an ihn gelangt, ob nicht mehrere Jungfrauen von Wehrda den Tanz mitansehen dürften? Auf die Bejahung derselben sei nun eine Anzahl junger, kräftiger Bursche von Wehrda, die stch alle Mädchenkleider angelegt, unter denen sie aber Waffen verborgen gehabt, vor die Burg gekommen und hätten den Schwerttanz mitangeseheu, was auch der Burgherr mit der Edelfrau von der Burg aus gethan. Auf ein gegebenes Zeichen hätten darauf die als Mädchen der« kleideten jungen Bursche mit ihren nunmehr hervorgehvlten Waffen die Schwerttänzer überfallen und sie zu Boden gestreckt, dasselbe Schicksal habe auch den Ritter ereilt, al» er von der Burg aus seinen Leuten zu Hülfe gekommen. Nachdem der Ritter mit seinen Leuten erschlagen, seien die Bursche in die Burg gedrungen und hätten sie gänzlich zerstört; als die Burgfrau den Untergang der Burg gesehen, habe sie ihre sämtlichen Schätze von der Burg herab in die Lahn geworfen, worauf dann die Burgstätte der (Land-) Gräfin Sophie übergeben worden, welche vorher die Genehmigung zu der Zerstörung der Burg erteilt gehabt hätte." — Ob diese Schwerttanzsage noch in einer weiteren Gestalt auftritt, ist uns nicht b: rannt. Ein weitere Sage, wornach ein Riese auf dem Weiße, stein gewohnt, der stch mit einem amern Riesen auf dem Rimderge zuweilen im Werfm großer Steine geübt, hat bereits vor einiger Z it in einem Artikel über den Rimberg in diesem Blatte Erwähnung gesunden. (6*Iu| felgt.)
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Burgherr ein Liebhaber diese? TonzeS gewesen. Aber kaum hätten sie den Tanz begonnen, so hätten sie den Ritter zu Boden geworfen und erschlagen. Auch die Burg sei zerstört worden; die Edelfrau aber habe alle ihre Kostbarkeiten in die Lahn geworfen, worunter auch ein goldenes Rad gewesen, welches seitdem olle 7 Jahre vom Grunde stch erhebe und sichtbar werde. — Nach Falkenheiner („Hessische Jugendlust," Kastel 1877) „hat in der Burg Weißenstein der Riese Essl gewohnt, ein berüchtigter Wegelagerer und Räuber. Die Bauern von Wehrda, wird angegeben, sollen dessen Untergang beschlossen und zur List ihre Zuflucht genommen, weil sie mit Gewalt nichts hätten auSrichten können. Sie hatten unten auf der Wiese einen Schwerttanz veranstaltet, wobei sich die Tänzer zwischen nackten, in die Erde gesteckten Schwertern bewegen mußten. Ein solcher Tanz fei von jeher eine Augenweide deö Riesen gewesen, der deshalb das Schauspiel auch mit- angesehen. Und als nun die Tänzer mit ihrem Schwerttanze hinaufgerückt, habe er sie in seiner Freude gewähren lasten, bis sie auf der Höhe gewesen. Da hätten sie plötzlich ihre Schwerter aus der Erde gerissen und die Burg gestürmt. Der Riese Essel aber habe, als er gesehen, daß die Burg verloren sei, das goldene Thor und alle kostbaren Schätze, die er zusammen geraubt gehabt, unten in die Lahn geworfen und hier an der Stelle versenkt, die noch jetzt das EsselSwerd heiße. Da sei er mit einem gewaltigen Satze über die Lahn verschwunden."
Als wir vor einigen Monaten uns einmal selbst in dem Dorse Wehrda nach dem Schwerttanze umhörten und erkundigten, wurde uns von dem Flurhüter Schmidt selbst
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Der Weitzenstet« unweit Marburg. (Fortsetzung)
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Die sozialpolitische Reform.
Die Botschaft vom 14. April hat dem Lande von neuem brwicsen, wie sehr unserem Kaiser die Fürsorge für das Wohl ter a-beitenden Klassen und für die Förderung des siedens ter BerusSklasten unter einander am Herzen liegt. Die Kaiserlichen Worte haben überall im Lande lebhaften Mderhall gefunden und nicht nur den Wunsch rege gemacht, daß die in der Botschaft kundgegebenen Ansichten durch das oorgeschlagenc Mittel sofortiger Etatsberatung der Verwirklichung näher geführt werden, sondern auch daS Verständnis für die Notwendigkeit der sozialpolitischen Aufgaben wesentlich vermehrt.
Der Reichstag scheint seinerseits von dieser Aufgabe nicht so durchdrungen zu fein, wie es die Wichtigkeit derselben erfordert. Nicht nur wurde der zum mindesten miß- cerständliche Beschluß gefaßt, die gesamte Etatsberatung durch die Budgetkommission vorbereiten zu lasten, sondern eS ist auch in derjenigen Kommission, welche daS Unfall» gesctz vorberaten soll, scheinbar mit Aussicht auf Erfolg eine Resolution eingebracht worden, welche daraus hinauS- gcht, die weitere Beratung des Gesetzes abzubrechen und der Regierung die Last einer neuen Feststellung deö Entwurfs auf veränderter Grundlage aufzuerlegen.
Daß in dem letztgedachten Anträge eine Förderung der Arbeit zu sehen sei, wird gewiß schwerlich behauptet werden können. Abgesehen davon, daß die Regierung durch den Antrag gewissermaßen zu Prinzipien verpflichtet werden soll, die sie möglicherweise nicht annehmen kann, würde selbst eine auf Grund derselben erfolgenden Ausarbeitung eines neuen Entwurfs noch gar nicht die Sicherheit gewähren, daß sich schließlich für denselben eine Mehrheit im Reichstage zusammenfinden wird: denn diejenigen, welche dem Anträge zustimmen, würden dies vermutlich ans sehr verschiedenen Motiven thnn; die einen, weil sie mit den Prinzipien, die anderen, weil sie mit der Verzögerung und Verschleppung der Sache einverstanden sind. In jedem Falle würde die Annahme deö Antrags die Erledigung des Unfallgesetzes auf längere Zeit hinausschieben.
Zu der sich hierin auSvrückenden Abneigung, die sozialpolitische Reform ehemöglichst zu fördern, kommt nun noch eine mit einem großen Aufwande von Beredtsamkeit im Reichstage vorgetragenr Ansicht, die überhaupt jede sozialpolitische Reformgesetzgebung für etwas Verkehrtes hält und nicht zu wiffen vorgiebt, „mit welch m Siecht wir die Arbeiter bevorzugen". Herr Bamberger hat schon im Juni vorigen Jahres die Notwendigkeit» soziale Reformen auS- zusühren und ebenso das Vorhandensein von sozialen Uebel- ftinten, die durch die Gesetzgebung zu heilen seien, geleugnet. Jetzt empfiehlt er als Universalrezept die Bekämpfung der Armut durch Wohithätigkeit, und er tadelt diejenigen, die aus den schlimmen Erfahrungen, die wir mit der Sozialdemokratie gemacht haben, und aus dem Sozialistengesetz die Notwendigkeit herleiten, sozialpolitische Probleme zu lösen.
In der Wirkung sind diese Ansichten und die oben
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,n.,igen nimmt entgegen! ti Wbition d. Blattes. l.«ied.Annoncen>Bureaur . fb- Dietrich u. Co. in s'.si'l und Hannover; Th. ^rich m Frankfurt°M.; ktafenftem u. Vogler :n Ktfurt a. M.» Berlin, Lp.jg, Mn rc.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank- * furt a. M. rc.
«nötigen nimmt entgegen: die Expedition d. BkatteS, sowie d.Annoncen'BureaUk Den @. L. Daube n. Co. in
Srscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchenUichen Beilage „JllostrirteS SanntagMfatt" durch die Expedition (R o ch'sche öuchdruckerei) bezogen 8'/» Mark» durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 60 Pfg. (erd. Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psa.
Für in der Expedition zu ertheflende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 86 vfg- berechnet.
♦ daselbst;
Berlin; «»
Elberfeld; C Schlotte in Bremen.
Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ~ ; Jnvalidendank in W. DhieneS hi
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Diesem Raubwesen lagen in jenen Zeiten große und kleine Herren ob; — hat dasselbe doch gegen Ende deS 14. Jahrhunderts auch der Graf Johann III. von Wittgenstein zur Aufbesserung seiner zerrütteten Vet- wögensverhältnisse in der Ausdehnung betrieben, daß Land- 9taf Hermann von Hessen und der Graf Johann von Nossau-Dillenburg im Jahre 1490 diesem Raubwesen end- «ch gewaltsam entgegen traten, und den Raubgrafen jähre« Un8 in Gefangenschaft nahmen.
An die Zerstörung der Burg Weißenstein knüpft sich bst bereits oben in ihren Hauptzügen angegebene Sage, Ue jedoch mancherlei Abweichungen erlitten hat. Nach -Winkelmann, a. a. O., welcher die Sage wohl zuerst "wähnt, haben Einwohner von Wehrda den auf dem Raubbaus wohnenden „Edelleuten einen Schwerttanz gebracht, !'ch zuvor mit allerhand Wehr und Waffen heimlich ver- ichen, und wie sie, unter solchem Schein, in daS Schloß Waffen worden, hätten sie durch tapfere Wehr die Be- jMng niedergemacht, und die Edelleute mit dem Schloß 61 ihres Landesfürsten Hand geliefert." Rommel, ■"i *• Q; O., gibt diese Sage im wesentlichen ebenso und be- . 971] Arkt, daß er sie noch jetzt (1820) an Ort und Stelle ryvrscht habe. Landau, a. o. O., gibt die Sage dahin 1 A daß Sauren sich unter einander verschworen, die Herr- I der Burgherren zu stürzen und sogar unter dem Borwande, einen Schwerttanz aufzuführen, vor die Burg Wttvmmen, deren Thore ihnen geöffnet worden, da der
gekennzeichneten Bestrebungen nicht viel verschieden: beide haben kein Verständnis für den Beruf des Staates und die ihm drohenden Gefahren, wenn er sich nicht endlich und bald dazu entschließt, seine Pflichten auf diesem Gebiete zu erfüllen.
Das Sozialistengesetz hat ja äußerliche Ruhe hergestellt. In Wahrheit ist die Ruhe nur eine scheinbare. Wie zu- verläfsige Berichte melden, hat die sozialdemokratische Bewegung in letzter Zeit wieder an Stärke und Ausdehnung erheblich zugenommen. Dafür spricht auch daö ganze Gebühren der sozialdemokratischen Partei. Die Anhänger derselben erscheinen jetzt wieder öfter in den Versammlungen anderer Parteien, um dort ihre Grundsätze zu vertreten. Flugschriften aufreizenden Inhalts werden verbreitet, Druckschriften der feindseligsten Tendenz gegen den Staat und die Gesellschaft werden fortgesetzt beschlagnahmt und von verschiedenen Seiten kommen Nachrichten, daß die Agitation rühriger als seit langen Jahren betrieben wird.
Und diesen Thalsachen gegenüber will der Reichstag die positiven Neformmaßi egeln auf die lange Bank schieben? Diese Thatsachen sind für Herrn Bamberger und seine fortschrittlich - sczesstonistischen Freunde keine Nötigung zur Anerkennung der sozialdemokratischen Gefahr und zur Anerkennung der Notwendigkeit, überhaupt etwas von StaatS- wegen zur Bekämpfung derselben zu thun?
ES gehört ein großer Mut oder auch — ein großer Leichtsinn dazu, diesen Thatsachen gegenüber ruhig die Verantwortung für ein Nichtsthun und für das beliebte Gehen- lüffen übernehmen zu wollen. Wir meinen, daß man im Lande ein solches Verhalten nicht nur nicht verstehen, sondern auch entschieden verurteilen wird.
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II.
Bremen, den 16. Mai 1883.
Den ersten Gegenstand der heutigen Tagesordnung bildete: „Die Gesundheitslehre in der Volksschule", worüber der Direktor deS hiesigen Krankenhauses, vr. meä. Scholz, stch etwa wie folgt äußerte: Der Ausspruch des b kannten Chemikers v. Liebig: „Der Grad deS KulturzustandeS eines Volkes läßt sich nach dem Seifeverbrauch bemessen", bedarf dahin der Erweiterung: „Der Grad des KulturzustandeS eines Volkes läßt stch bemessen nach dem Grade seiner hygienischen Einrichtungen rc." Deshalb ist eS aber auch bringend erforderlich, daß die Gesundheitslehre ein Unterrichtsgegenstand in der Volksschule werde. Es ist von einer Seite einmal gesagt worden: die Hygienie ist nut eine Einrichtung für die Wohlhabenden. Den PauperiSmuö kann allerdings auch die Volksschule nicht auS der Welt schaffen, allein Rcinlichkrit können die urrbemittelten Klassen ebenfalls üben, dazu bedarf es nur einiger Einsicht. Leider findet matt t« nur zu häufig, daß die armen Leute hermetisch ihre Wohnungen vor jedem Luftzug verschließen.
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