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JRarÖUtfl, Freitag, 18. Mai 1883.

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h-it dcS früheren Gebäu es selbst schließen lassen. — Der Chronist Winkelmann nennt, wie wir oben gesehen haben, die Burg Wcißcnstein ein RaubhauS. Im Munde des Volkes hat sich, noch bis zur Jetztzeit, die Sage erhalten, daß die Besitzer dieses Raubhauses nichts weiter als Wege­lagerer gewesen, die sich dem Raubwcsen htngegeben, und von denen die ganze Umgegend, insbesondere aber das Dorf Wehrda, viel zu leiden gehabt. Hierauf mag wohl Winkel- mann sein Urteil gründen. Die Lage der Burg Weißen- stcin war an sich auch für eine solche Lebensweise ihre« Besitzers sehr geeignet. Unmittelbar an dem Berge Weißen- stein her führte nämlich die alte Straße nach Frankeuberg; etwa eine Viertelstunde von der Burg entfernt befand sich die alte, vielbenutzte Kaiser- auch Weinstraße genannt, die sich auf dem westlichen Höhenzuge hinzog und die mau von der Burg auS in einer ziemlich großen Strecke über­blicken konnte. Wenn man weiter berücksichtigt, daß frucht­tragende Ländereien zur Burg Weißenstein nicht gehört zu haben scheinen, da ein Anhaltspunkt für daS Borhandeu- fein der dazu erforderlich gewesenen Gebäude durchaus nicht ersichtlich ist, hiernach aber der Lebensunterhalt der Be­wohner der Burg Weißenstein aus einem Betriebe von Landwirtschaft nicht beschafft worden ist, so liegt die An­nahme sehr nahe, daß die Jnsaßen der Burg sich eigen­mächtig in den Besitz alles besten setzten, was sie zu ihrem Lebensunterhalte nösig zu haben glaubten, baß sie sich sonach bem Raubwesen Hingaben, waS in jener Zeit übrigens vielfach vorkam und nicht nach dem Maßstab« beurteilt werden darf, wie die- jetzt geschehen würde. ES galt damals die Ansicht:

„Reiten und Rauben ist keine Schande, DaS thun die Besten im Landes

tS-rtsetzu», folgt.)

»je Verluste des Publikums durch schwindel.

Von Dr. Perrot.

Noch immer nicht genügend gewürdigt sind die ungeheuren Verluste, welche der dem großen Publikum jedeSmal zufügt, so

nennenswerte Ausdehnung erlangt. Die nationalökonomische Bedeutung und Wirkung dieser Verluste kann kaum hoch genug angeschlagen und kaum oft genug vergegenwärtigt werden.

Die „KristS" von 1873 brach bekanntlich in Wien und Berlin im Mai jenes Jahres gleichzeitig herein. Neuwirth in seinem Buche: „Die SpekulattonökristS von 1873* (Leipzig 1874) schätzt die allein am Kurse der Effekten deS Wiener Kurszettels vom 2. Januar bis 28. Oktober 1873 zu berechnenden Verluste auf rund IV» Milliarden Guleen, also etwa 3 Milliarden Mark in 8 Monaten. (S. 203 1. c.) Dabei hat aber die Entwertung der Effekten noch Jahre lang weitere Fortschritte gemacht.

Was diese Verluste in Deutschland betrifft, so entnehmen wir einer Arbeit des bekannten Statistikers Geh. Reg.-Rat Dr. Engel in der „Zeitschrift des König!. Preuß. Statist. Büreaus* (16. Jahrg. 1876) und dem „Jahrb. für die Amtl. Statist, des Preuß. Staates* (IV. Jahrg., 1. Hälfte, 1876) folgendes:

In Preußen bestanden Ende 1874 1124 Aktiengesell­schaften, wovon 344 aus der Zeit vor dem neuen Aktien­gesetz (vom 11. Juni 1870), 780 aus der Zeit nach jenem Gesetz.

Diese Gesellschaften hatten zusammen 2,2 Milliarden Thaler oder 6,6 Milliarden Mark Aktienkapital.

Von 444 der obigen 1124 Gesellschaften, welche ein Nominal - Aktienkapital von 1,2 Milliarden Thaler, oder 3,6 Milliarden Mark hatten, wird berechnet, daß am Kurse der Mim dieser Gesellschaften, vom 31. Dezember 1872 bis 31. Dezember 1875, also innerhalb drei Jahren, ein Kursverlust von 710 Millionen Thlrn., oder 2,1 Milliarden Mark eingetreten sei.

Erwägt man, daß diese 444 Gesellschaften der Zahl nach etwas über ein Drittel, dem Kapital nach etwa die Hälfte der damals in Preußen bestandenen 1124 Aktien­gesellschaften repräsentieren, zieht man ferner in Betracht, daß die große Zahl der vom Kurszettel verschwundenen Gesellschaften ein noch viel schlimmeres Ergebnis liefern dürsten; trägt man endlich der Thatsache Rechnung, daß neben jenen 1124 preußischen Aktiengesellschaften (obgleich eine genaue Statistik darüber nicht vorhanden ist) noch etwa 1000 Aktiengesellschaften im übrigen Deutschland existiert haben mögen, so wird man die in Deutschland an den

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Der Weiszensteil» unweit Marbnrg.

(Fortsetzung)

An die Einnahme ter Burg Weißenstein knüpft sich, wir hier schon erwähnen wollen, folgende Sage: Mehrere Bauer», erbittert über die vielen Drangsale, denen sie von dem Burgherrn auf dem Weißenstein ausgesetzt gewesen, haben unter dem Vorgeben, dem Burgherrn, der em Liebhaber des Schwerttanzes gewesen, einer, solchen auf« sührm zu wollen, Einlaß in die Burg erhalten, hier den Burgherrn und seine Leute überfallen, sowie die Burg zer- stört. Auf diese Sage mit ihren verschiedenen Abweichungen werde« wir unten zurückkommen. Gerstenberger er« wöhnt nichts von dieser Sage, obwohl er sich doch in dem nahen Frankcnberg und besten Umgebung lange Zeit auf- gehalten und hier gewiß vielfach Gelegenheit gehabt, Kennt­nis von dieser Sage zu erlangen, wenn sie damals schon Mstiert oder doch wenigstens eine Verbreitung gehabt hätte, ^gegen wird dieselbe von dem Chronisten Winkelmann ” seiner im Jahre 1697 erschienenen Beschreibung deS Fürstentums Hessen, (Teil I, S. 375) mitgeteilt. Derselbe ^nierkr noch, es sei die« ein allgemeiner Ruf im Hestenlande gewesen und fügt hinzu: „Dieses ist mir von °ielen alten Leuten vor glaubwürdig erzählt, besten ist Men keine andere Nachricht gefunden.* Winkelmann iahrt aber nichts davon an, daß die Burg Weißenstein °urch oje Herzogin Sophie zerstört worden fei. Der Äffische Geschichtsschreiber Rommel sagt Teil I, S. 20

Geschichte Hessens: Sophie zerstörte auf dem Weißen- n«n eine räuberische Burg dicht über Marburg, indem er R hier auf den Chronisten Gerstenberger bezieht, und ^Uierkt dann noch: Diese Zerstörung habe mit Hülfe der «aucrn eines benachbarten Dorfes stattgefunden, wag er die vorerwähnte Sage gründet. Landau sagt in stincr Beschreibung des Kurfürstentum« Hesten S. 382:

I wählt worden war, äußerte sich Bürgermeister Gilde- meister (Bremen) etwa folgendermaßen: E« ist mir der ehrenvolle Auftrag geworden, Sie im Namen der Regierung des Bremischen Staate« zu begrüßen. Die Wohl'ahrt eint« jeden Staates ist mit der Wohlfahrt der Schule auf« Engste verbunden, deshalb ist e« Pflicht de« Staate«, Ihnen sowohl seine Shmpathieen entgegenzubrlngen, al« auch Ihnen Ihre Freiheit zu lassen. Der Staat kann sich wohl Pädagogen auSbiloen, aber er kann sie nicht schaffen, und wenn eine Regierung Ihre Bestrebungen rich­tig auffaßt, so muß sie zu der Einsicht gelangen, daß die­selben nur in voller Freiheit gedeihen können. (Beifall.) In dieser Weise kann unser kleiner bremischer Staat das­selbe leisten, wie der größte Staat in Deutschland. Wenn Ihnen Bremen auch nicht viel bieten kann, so werden Ihnen doch von der gesamten Bremer Bevölkrmng die größten Sympathieen entgegengebracht. Nicht pur Im Namen der Bremer Regierung, auch im Namen der Bre­mer Bevölkerung heiße ich Str herzlich willkommen. (Leb- Hafter Beifall.) — Konsul H. H. Meier begrüßte eben­falls die Versammlung namens oer Bremer Bürgerschaft. — Pastor Portig (Bremen) hieß seinerseits die Versammlung willkommen. „Wo die Schule sich versammelt, darf die Kirche nicht schweigen. Beide sind verpflichtet, für die geistige und sittliche Hebung der Menschen gemeinschaftlich zu wirken. In Bremen, wo wir eine wahrhaft liberale Kirche haben, wo alle Bekenntnisse volle Befriedigung fin­den, wo man keinerlei Intoleranz kennt, giebt e« keinen Gegensatz zwischen der Kirche und der freien Schule. (Lebhafter Beifall.) — Professor vr. Specht (Karlsruhe) überbrachte bet Versammlung Grüße von ber badischen Oberschulbehörde, den städtischen Behörden und der Lehrer­schaft von Karlsruhe, in dessen Mauern die letzte Lehrer- Versammlung getagt hat.

Der Vorsitzende, Realschulbirektor Debbe (Bremen), begrüßte bie Versammlung namens ber Bremischen Lehrer­schaft unb brachte ein Hoch auf Sr. Majestät den Kaffer aus, in das dir Versammlung dreimal lebhaft einstimmte. Auf Vorschlag des Direktors Debbe wurde alsdann so- gleich beschlossen, folgendes Telegramm abzusenden: „An Se. Majestät den Kaiser und König. Die 25. Allgemeine deutsche Lehrerversammlung, soeben mit einem begeisterten Hoch auf Se. Majestät eröffnet, sendet Ew. Majestät ehr­furchtsvollen Gruß mit dem herzlichsten Wunsche auf Ge­sundheit und Wohlergehen.* — Realschulbirektor Dr. Wicharb Lange (Hamburg) sprach hieraus über: „Wa« wir Lehrer unö in allen Zeitläuften zu bewahren haben.*

Seit dem Bestehen der deutschen Lehrerversammlung — so ungefähr bemerkte der Redner — hat die Schule die

Srfcheint täglich außer an den WeAagm nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirte« BometagSblatt* durch die Expedition (R o chftche Buchdrucker-,) bezogen SV. Marl, durch die Postämter des Deutschen Reiche- S Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr) - Fnsertionsgebüh?far die gespalten« Me io efa *

M in der Expedition ,u ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Psg- berechnet. * ö W VTI‘

imcigen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blatte-, fBwie d.Ännoncen-Bureaux ' 2h. Dietrich u. Co. in tfafL’l und Hannover; Th. Ulrich in Frankfurt a M-; ^aasenstein u. Vogler in &urt a. M., Berlin, fettig« Köln rc.; Rudolf Meise in Berlin, Frank- 311" furt a. M- rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureanx von @. L. Daube u. Eo. in Frankfurt a. M; Iägersche «uchhandlum, daselbst; Hermansche Buchhandlung

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Aktienkursen seit Ende 1872 erlittenen Einbußen wohl ohne Uebertreibung auf etwa 6 Milliarden Mark veranschlagen dürfen. ES ist dabei nicht außer acht zu lasten, daß mit Ende 1875 weder in Oesterreich noch in Deutschland diese Verluste abgeschlosten waren.

Allein für 125 Aktiengesellschaften der deutschen Etsen- industrie berechnet eine Publikation des „Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller" von 1877 den KurSverlust gegen den Pari-KurS der Aktien dieser Gesellschaften für das gedachte Jahr auf rund 347 Millionen Mark, und daS gesamte DurchschnittS-GeschäftSergebniS dieser 125 Ge­sellschaften pro 1874 auf 44,3 Millionen Mark — Unter­bilanz.

Dieselbe Publikation berechnet auch die Zahl der seit ber „Krisis* von 1873 allein in ber Eisen- und Maschinen­branche in Deutschlanb entlassenen Arbeiter auf „über 100000 Personen* unb ben barauS sich ergebenen Aus­fall an Löhnen auf „pro Jahr allein mindestens 100 bis 120 Mill. Mark*.

Da nun die übrigen Industrien DeutfchlanbS mehr oder minder ähnliche Resultate aufzuweisen haben, so hat man in diesen Ziffern und Thatsachen einmal die strikteste Erklärung für den seit jener Krisis eingetretenen und noch nicht abgefchlosienen wirtschaftlichen Niedergang, sodann aber auch den Einblick in die große Hauptursache der seitdem so riesig angewachsenen Vagabondage und der so sehr gesteigerten Armenlast.

Die bevorstehende „Reform der Aktiengesetzgebung* muß die Wiederkehr solcher Ereignisse unmöglich zu machen suche». Sehr bedauerlich erscheint es uns, daß die Vorbereitungen zur Reform der Aktiengesctzgebung im Reichsjustizamt mit absoluter Geheimhaltung betrieben werden, so daß man über den näheren Inhalt der Reformvorschläge bis jetzt selbst im Reichstage nichts weiß.

Küufuustzwauzigfte Allgemeine steutsche Lehrer- Versammlung.

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Bremen, den 15. Mai 1883.

Unter zahlreicher Beteiligung eines sehr gewählten Publikums wurde die Versammlung heute vormittag gegen 91/» Uhr im Festsaale deS Bremer KünstlervereinS mit dem Gesänge: „O heiliger Geist, kehr' bei uns ein" eröffnet.

Die Versammlung war von etwa 1600 Lehrern und Lehrerinnen auS allen Teilen Deutschlands und Oesterreichs besucht. Nachdem Realschuldirektor Debbe (Bremen) zum ersten, Seminarlehrer Halben (Hamburg) zum zweiten unb Lehrer Mörle (Gera) zum brüten Vorsitzenden ge-

„Diese Burg (nämlich der Weißenstein) soll durch die Herzogin Sophie von Brabant zerstört worden sein,* und erwähnt dann die vorgedachte Sage. — Nach Rommel fällt die Zerstörung der Burg Weißenstein in daS Jahr 1249, in welchem damals die Herzogin von Brabant zur Befestigung der Herrschaft ihres minderjährigen SohneS Heinrich in Hessen gegen dessen Gegner auftrat unb deren Burgen zerstörte. Ein solcher Gegner wirb der damalige Inhaber der Burg Weißenstein wohl auch gewesen sein. — WaS nun die Burg selbst anlangt, so läßt sich deren Größe mit Bestimmtheit nach der Ausdehnung der Stelle be­messen, auf welcher sie gestanden hat. Diese Stelle nimmt, wie wir oben angegeben haben, einen ganz unbedeutenden Höhenraum ein. Zieht man hiervon auch noch die gewiß nicht unbedeutende Dicke der äußeren Mauer der Burg ab, dann bleit t für da« Innere derselben ein nur sehr be­schränkter Raum übrig. — Werfen wir einmal im allge­meinen einen Blick auf die früheren mittelalterlichen Burgen, so finden wir, daß dieselben in den ältesten Zeiten im neunten und zehnten Jahrhundert, nicht groß waren unb nut aus einem turmartigen, steinernen Gebäude bestanden haben, da« in Urkunden oft domus lapidea genannt wird, — worunter man jedoch keine altgermanische Grabstätte verstehen wolle — und deffen Besitzer sich zuweilen auch die Bezeichnung de domo lapidea beilegten. Ein solches Steinhaus, das auch Burgstall genannt wurde, lag ge­wöhnlich auf dem Gipfel eines schwer zugänglichen, die Gegend beherrschenden, hervorspringenden Berges, hatte im Innern sehr wenig Raum und bildete zugleich den sogn. Berchfrit, auf dessen Höhe ein Wächter die Umgegend durch­spähte. Ein solcher Burgstall ist jedoch mit den Burgen des späteren Mittelalters nicht zu verwechseln. Die Burg Weißenstein scheint nun ein solches Steinhaus gewesen zu sein, etwa so gestaltet, wie jetzt noch die Mauerreste deS sogenannten GlaSkopfes bei Marburg auf die Beschaffen-

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