XVIII. Jahrgang.
Marburg, Donnerstag, 17. Mai 1883.
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ffrfieint täaliL außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JInstrirle« SormtagSblatt" durch die Expedition l^och'f^e Buchdru ck e r"i) bezogen 8V. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 8 Mark 50 Pf«. (excl- Bestellgebühr.) -'JnsertwnSgebühr für d.e gespaltene Zeile 10 Vfg. ® ” Für in der Expedition ,u ertheilende Auskunft und Annahme von Adrefsen werden 85 Pf«, berechnet-
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errichten helfen, wirklich Feinde deS Volkes, sollte die glänzende Stellung, die — wie wir erst seit zwölf Jahren mit Siecht sagen dürfen — daS deutsche Vaterland jetzt im Rate der Völker einnimmt, nur ein Spiel des Zufalls oder ein Produkt böser Kräfte fein, sollte daS deutsche Volk sich so er erwach |an9e tm Wahn befunden haben, um jetzt erst von der wird auf fortschrittlichen StaatSkunst zum Licht und zur Erkenntnis Nähen geführt zu werden? ________________
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Mnungen die fortschrittliche Demokratie bei den gegen- Izrtigen parlamentarischen Kämpfen geleitet wird, davon -jebt ein Artikel der „Volkszeitung" über „die nahende Kitscheidung" Zeugnis, der nicht etwa Berechnungen über parlamentarische Astimmungen bei dieser oder jener augen- Mch schwebenden Frage anstellt, sondern nicht mehr und nicht weniger als den „Zusammenbruch deS herrschenden Systems" herannahen sieht.
„DaS herrschende System" besteht nach der Auffassung dieses Blattes darin, daß „die Formen des erhabenen Prinzips des Selbstbestimmungsrechts des Volkes nur zur Dekoration, zum Scheine, nur dazu benutzt werden, um mit ihnen die schlechte und unfähige büreaukrattsche RegterungS- |oim zu verhüllen"; auf diesem System „vermaß sich eine mzulängliche Staatskunst, das deutsche Reich aufbauen zu Men", der diesem System zu Grunde liegende Gedanke sti „nur tu einem entweder sehr unfähigen oder von kläglichem Größenwahn verdrehten, in jedem Falle aber sittlichen Erwägungen nicht zugänglichen Kopfe entfprungen und konnte nur unter der Voraussetzung gelingen, daß sich eine traurige Schar von Leuten zufammenfand, die aus Charakterschwäche dasjenige billigten und sörderten, was sie vermöge eines Ourchfchnittsmaßes von gesundem Verstände als falsch, unsittlich, unmöglich erkennen mußten und die eS in ihrer byzantinischen Jämmerlichkeit noch als eine besondere nationale Errungenschaft, als ein herrliches Wahrzeichen des deutschen Volkes priesen und ansangen". Die Dinge, die sich in den mit ätzten Tagen ereignet, seien „die ersten Erscheinungen eine« Sx6Vmtl bereits eingetretenen Auflösungsprozesses".
Wohl noch nie ist von fortschrittlich-demokratischer Seite mit einem solchen Maß von Ueberhebung und in einer so alle patriotischen Empfindungen tief verletzenden Weise alles . K lanl das in den Schmutz niedriger Denkungsweise gezogen worden, in 12 SU «vorauf jeder, der sein deutsches Vaterland liebt, mit Stolz, Sodenraw Dankbarkeit und Genugthuung blickt. Ist e« denn wahr, sollten denn wirklich die Jahre der großen nationalen Erhebung, der Aufrichtung und Begründung des deutschen Reichs ein Irrtum, eine Selbsttäuschung gewesen sein, sollte ganz Deutschland zu Unrecht dem großen Staatsmann, der die Sehnsucht nach der Einheit Deutschlands zu befriedigen wußte, zugejubelt haben, sollte die schöpferische Kraft, welcher
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In dem vorhinnigen Kurfürsteutume Hessen begegnen wir zwei Orten, welche den Namen Weißen st ein führen, beziehungsweise geführt und mehr oder weniger einen geschichtlichen Hintergrund haben. ES sind dies das frühere Augustiner Mönchs- und spätere Nonnenkloster Weißenstein bei Kassel, in Urkunden auS dem 12. Jahrhundert „mona- Bterium in albo lapide", von einem weißen Kalkfelsen so bezeichnet und jetzt unter dem Namen Wilhelmshöhe allgemein bekannt, und sodann der Weißenstein bei dem Dorfe Wehrda unweit Marburg, der von einem weißen Sandsteinfelsen seinen Namen erhalten hat. DaS Kloster Weißen« stein wurde in der ältesten Zeit „Witzenstetn , „Widen- stein", „Wizenstein" genannt, waS einen Anhaltspunkt E dafür abgeben dürste, daß der Weißenstein bet Wehrda
igib früher wohl ebenso genannt worden ist. Die Bezeichnung ** Weißenstein ist dativische Zusammensetzung aus dem Betworte weiß und dem Hauptworte Stein, wodurch letzterem -seine nähere Beschassenheit angegeben wird. Von dem Kloster Weißenstein sind Urkunden bis zum Jahre 1143 vorhanden; bezüglich des Weißenstetus bei Wehrda hat man bis jetzt auch nicht eine Urkunde aufgefunden, welche über denselben eine Nachricht aus früheren Zeiten gegeben hat. Alles, waS wir davon wissen, gründet sich lediglich aus mündliche Ueberlieferung, welche jedoch vielfach von der Sage in ihrer Weise umwunden ist. Der fühere Weißen- stein bei Kssstl, der spätere Sommeraufenthalt der letzten Kurfürsten von Hessen, berührt uns hier nicht weiter und wenden wir uns deshalb zu d.m Weißenstcin bei Wehrda, < indem wir denselben in seiner jetzigen Beschaffenheit und
Daß solche Auffassungen in Deutschland überhaupt möglich sind, ist tief zu beklagen und jeder Deutsche, dessen Herz noch auf dem rechten Flecke sitzt, wird die» mit tiefer Scham empfinden. Zugleich aber wird er daraus auch sehen, wo die Demokratie hinaus will und wie sie es allein darauf abgesehen hat, dem Volke alles das, waS ihm teuer und wert ist, zu rauben. Und was bietet sie hierfür zum Ersatz? Trugbilder, politische Schlagworte und leere Begriffe, die noch niemanden glücklich gemacht haben, in ihren Konsequenzen aber — wie die Geschichte auf jedem ihrer Blätter mit eindringlichen Worten lehrt — ein Land unglücklich machen und an den Rand deS Abgrunds führen können.
Gott fei Dank! ist zwischen diesem fortschrittlich-demokratischen System und dem herrschenden System, dem System einer macht- und kraftvollen Monarchie, eine Entscheidung, wie sie angekündigt wird, nicht nötig. Diese Entscheidung ist längst zu Gunsten de« letzteren gesprochen! Die Vorgänge im Parlament, eine so verworrene Lage sie auch dem ferner Stehenden bekunden mögen, haben auch nicht im entferntesten diejenige Bedeutung, welche ihnen von demokratischer Seite beizulegen versucht wird, und geben den in „erdrückender Minderheit" befindlichen Vertretern dieser Richtung auch nicht die mindeste Berechtigung, Hoffnung für ihr System hegen zu können. Der Sinn unseres deutschen Volkes ist in seiner ungeheuren Mehrheit zu gesund, als daß es sich durch Vorspiegelungen und Phrasen solcher Art, wie sie oben angeführt worden, in seiner un« wandelbar feststehenden Ueberzeugung auch nur einen Augenblick irre machen lassen könnte, daß Preußen und Deutschland, wie sie alle« dem monarchischen System zu verdanken haben, so auch in Zukunft hierin allein ihr Heil finden werden.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Mai. Der Kaiser besuchte vormittags die Hygieine - Ausstellung und machte, von dem Staatsminister Hobrecht und den Übrigen Mitgliedern des Komitees geleitet, einen anderthalbstündigen Rundgang durch dieselbe. Der Kaiser unterhielt sich bei dem heutigen Besuche ber Hygieine-Ausstellung mit einzelnen Mitgliedern des Ausschusses, auf seine letzte Anwesenheit an der Stelle hinweisend, wo alles in Flammen gestanden habe. Er dankte dem Komitee für die bewiesene Energie in huldvollster Weise und sprach bei der weiteren Besichtigung der einzelnen Anlagen noch mehreren bei dem Bau, wie bei der Ausstellung von Gegenständen Beteiligten feine hohe Befriedigung aus. — Der „Reichs-Anzeiger" meldet: Seine Majestät der Kaiser erhob den Geheimen SanitätSrat Scholz zu Schweidnitz, den Vater des Finanzminister« und die Witwe feines verstorbenen Sohnes in den erblichen Adelsstand. — Dasselbe Blatt veröffentlicht einen Erlaß des Fürsten Bismarck, welcher cS für die Konsulate unstatthaft erklärt, dem Verlangen deutscher ZeitungSverleger nach seiner, meistens der Sage angehörenden Vorzeit betrachten wollen.
Etwa eine Viertelstunde von dem Dorfe Wehrda, unweit Marburg, liegt in nord-nordwestlicher Richtung ein niedriger Berg, in Form eines Kegels, dem Marburger Schloßberge oder auch der sogn. Augustenruhe bei Marburg ähnlich, der an seiner Ostseite unmittelbar von ter Lahn bespült wird, über deren Wasserspiegel er sich hier etwa 350 Fuß erhebt. Dieser Berg ist der Weißenstein, der auch oft mit Nichtbeachtung seiner dativi'chen Form der „weiße Stein" genannt wird. An seiner Nord- und Ostseite führt ein neuerdings angelegter Fahrweg an steilen, ja senkrechten Felsenwänden her, von denen eine die folgende Inschrift trägt:
„Dieser Landweg ist im Jahre 1863 und 1864" (wohl richtiger in den Jahren) „gebaut worden. C. H." Schon bei Anlegung dieses Weges sind, insoweit er sich unmittelbar an dem Berge hinzieht, Bedenkm gegen feine Sicherheit und Dauerhaftigkeit erhoben worden, ohne jedoch Beachtung zu finden. Dem Vernehmen nach hat diese Stelle des Weges beinahe jedes Jahr nicht unbedeutende Ausbesserungen bedurft; im Laufe des letzten Winters haben jedoch hier infolge anhaltenben Regenwetters Erdrutschungen stattgehabt, welche stellenweise den Weg mehrere Fuß hoch überschüttet und ihn auf einige Zeit unbenutzbar gemacht haben. Ebenfo haben sich große Felsenblöcke abgelöst und die früheren Sprünge in den steilen Felsenwänden scheinen sich erweitert zu haben, so daß eine fernere Benützung diese« Wege« wegen seiner Gefährlichkeit in Frage gestellt werde n dürfte! Wir beabsichtigen nicht, dieser Angelegenheit hier weitere Worte
um Verbreitung ihrer Blätter im AuSlande zu entsprechen. — ES ist hier bemerkt worden, daß nach dem gestrigen Diner bei dem Kaiser dieser mit dem französischen Krönuug«- botschafter Waddington sich sehr Lebhaft unterhielt und denselben in der sichtlichsten Weise auSzeichnete. Gleich angenehmen Charakter trug Waddington« Empfang bei dem Fürsten Bismarck. Die Gräfin Peter Schnwaloff ist hier heute morgen eingetroffen und begiebt sich an da« Krankenbett ihre« in Paris an einer Lungenentzündung erkrankten Gatten. — Zu den Gerüchten über die erschütterte Stellung de« Herrn v. Puttkamer äußern sich heute, doch sehr reserviert, verschiedene Blätter. Die „Kreuz-Ztg." will in die Detail« der Gerüchte nicht eingehen und sucht nur da« von verschiedenen Seiten angeführte Argument, daß Herr v. Puttkamer nicht Vizekanzler geworden, zu entftäften. Die „Germania", die Herrn v. Puttkamer sehr wohl will, meint, daß bei den Fraktionsgerüchten die Tendenz Führerin gewesen ist und sagt: „Es wird wohl richtig sein, daß nicht allein bei den Liberalen, sondern auch unter dm Frei- konservativen sich Leute finden, welche den Minister de« Innern gern stürzen möchten, um das Portefeuille in ihn eigenen oder ihrer Freunde Hände zu bringen. Vielleicht hatte man gehofft, daß bei der Beratung der Berwal- tungSgesetze sich mit gelegentlicher Nachhilfe eine Krist« ergeben würde. Nachdem nun über alle« Erwarten hinaus diese Gesetze so glatt in den ersten Hafen gelaufen sind, klammert man sich an allerhand Kleinigkeiten an, welche eine kritische Betrachtung weder verdimen noch vertragen können. Wir glauben, daß Fürst Bismarck augenblicklich genug andere Sachen zu thun hat, al« etwa an Rommelsche Briefstellerei zu denken; die Situation wird wohl am richtigsten dahin gekennzeichnet, daß ihm zur Zeit die Verwaltungsgesetzfragen sehr gleichgültig sind." Auch die „Nationalzeitung" legt den Friktionsgerüchten wenig Wert bei, schon deshalb, weil sie es für ziemlich gleichgültig erklärt, wer gegenwärtig Minister des Innern sä.
Hannover, 15. Mai. Der ehemalige hannoversche Minister von Borrie« ist gestern, 84 Jahre alt, in Celle an einem Schlaganfalle gestorben.
Bonn, 10. Mai. Am Abend de« 7. Mai fand in dem Saale deS Wirtslokals „Zum Freigrafen" die erste ordentliche Generalversammlung de« Verein« für Körperpflege in Volk und Schule unter der Leitung von dessen Präsidenten, Geheimrat Prof. Dr. Rühle, statt. Nach Erledigung der inneren Geschäfte erstattete der Vorsitzende über die Thätigkeit de« jungen Verein«, welcher gegenwirttg 301 Mitglieder zählt, feit seiner Gründung im Frühsommer vorigen Jahre« eingehenden Bericht. Er führte in seinem lebhaften und fesselnden Vortrag auS, daß al« erste Aufgabe die Organisation der Jugendfpiele unternommen worden sei. Durch das Wohlwollen der städtischen Behörden wurde dem Verein der Amdtplatz, der ohnedies für turnerische Zwecke bestimmt war, eingeräumt
zu verleihen; cS genügt, darauf hingewiesen zu habm. — Vor Anlegung des ebengedachten Wege« befand sich ein Fahrweg an der Westseite deS Berges, an welchem viele Sandgruben vorhanden sind, durch deren zeitweiligen Ein- stuiz schon manches Menschenleben zu Grunde gegangen ist. Diese Sandgruben bilbeteten früher förmliche Höhlen und erstreckten sich tief in den Berg hinein, wa« vielfach zu ber ganz irrigen Annahme Veranlassung gegeben, daß eine Höhle sich bis in die Mitte des Berge« erstrecke, daß der Berg hier ganz hohl sei und daß hier eine Verbindung mit der auf dem Gipfel de» Berge- gestandenen Burg vorhanden gewesen fei.
An seiner Nord-Nordwestfeite hängt der Weißensteiu mittelst einer sogn. Erdzunge mit dem Höhenzuge zusammen, welcher sich von dem Dorfe Caldern und »eiter her am rechten Lahnufer hinzieht und bei dem Dorfe Cölbe enbete.
Der Weißenstein ist Eigentum der Gemeinde Wehrda und wird in der au» dem vorigen Jahrhundert herrühren» den Vorbeschreibung deS Steuerkatasters von Wehrda al« wüster Berg bezeichnet. Die Gipfel desselben sowie dessen ziemlich steilen oberen Abhänge sind dermalen mit einem 30- bis 40 jährigen, verkümmerten Kiefernbestanbe bepflanzt, während am Fuße de« Berge», soweit er nicht mit dem erwähnten Höhenzuge zusammenhängt, Felsen, Steingerölle und weißer Sand in Menge vorhanden sind.
Nach hessischen Chronisten hat auf dem Gipfel de« Weißensteins früher eine Burg gestanden, von welcher jedoch jetzt nichts mehr w hrzunehmen ist. Ehe wir un« mit dieser Burg genauer befassen, erscheint es zweckmäßig, diesen Gipfel in seiner jetzigen Beschaffenheit etwa« genauer zu betrachten, um hieraus entsprechende Folgerungen zu ziehen.