Sie nickte errötend. — „Bitte lieber Roman, wollen Sie mich meiner Schwester und ihrem Gatten melden? Ich kam vor fünf Minuten an, erfuhr von der Feier hier in der Kirche und begab mich unverzüglich her."
Roman sagte zu und schaute den beieen nach, wie sie im Dunkel des Parkes verschwanden. „Ich fange an zu ahnen," sprach er für sich. „O, was gäbe ich darum, wenn ich heute nicht der einzige Bräutigam hier bliebe." Er legte dabei zärtlich die Hand an sein Medaillon und malte sich aus, wie er den Freund mit der Schönheit dieses Bildes überraschen wolle.--
Im Park, an dem Ort, wo fle sich einst ihre Liebe erklärt, da fanden sich ihre Herzen wieder. Er erzählte ihr, daß die Furcht, ihr als der Mörder ihres geliebtm Gatten vor die Augen zu treten, ihn von diesem Ort fern gehalten, nach dem ihn doch so oft die glühendste Sehnsucht zog — und sie gestand ihm, daß sie nie einen andern wahrhaft geliebt, als ihn, ihn allein. Und auf der MooSbank, wo sie sich zuerst geküßt, wechselten sie jetzt die Küsie des Wiederfindens, und dort saßen sie lange — so lange, bis der kleine Walter, mit einem großen Stück Kuchen in der Hand, erschien und berichtete: Tante Edith suche sie überall, und das Mittagessm stehe schon auf dem Tisch, sie möchten ja kommen und ihn und Bruder Eugen mitbringen, denn sie seien auch eingeladen. Und Tante Edith habe noch viel Kuchen in der Speisekammer.
Ferrandez zog den lieblichen Schwätzer an sein Herz und verschloß ihm den Mund mit einem langen Kuß.
ES wurde ein vergnügtes Fest in dem hübschen Ver- walterhäuSchen. Filippo, der unter den Dienstboten in der Küche allerlei Unheil anstiftete, wollte seinen Ohren nicht trauen, als er aus dem Zimmer mehrmals die Stimme seines Herrn laut und fröhlich herüberklingm hörte. Er
schlich also leise zu dem Schlüfielloch, vor dem die hübscht Caroline schon Posto gefaßt hatte, um da« Zeugnis seiner Augen zur Hülfe zu nehmen. Aber auch diese schienen ihn zu täuschen, denn zeigten sie ihm nicht seinen Herrn mit einer schönen Dame im Arm, die er auf die Lippen, auf den Hals, auf die Augen küßte, drrm Locken er tändelnd durch seine Finger zog?
„Ach, Herr Gott, das heißt gut sein!" flüsterte Caroline und Filippo drückte sein Mitgefühl dadurch aus, daß er seinen Arm um CarolinchenS Taille legte, worüber diese nicht einmal laut aufschreien durfte, um ihre Anwesenheit nicht zu verraten.
Filippo schwor, er werde in jedem Stück so »eit gehm wie sein Gebieter, und er führte wirklich noch vor Jahresfrist Caroline als seine Gattin heim. „Die deutschen Frauen, das sind Frauen!" pflegte er zu sagen.
Ferrandez bewohnte mit seiner Gattin und den Kindern Buchfeld; Welding brachte mit seinen Ersparnisim daS herab gekommene Gut an sich, das einst Saremba gehört, und seine Geschicklichkeit brachte eS wieder in blühendm Zustand. Dort stattete ihm Roman nach einigen Jahren mit seiner liebenswürdigen Gattin und einem reizenden Töchterchen einen längeren Besuch ab.
Der neue Gutsherr von Buchfcld erfreute sich bald großer Beliebtheit. Ueber den verstorbenm Baron wurde» die Stimmen geteilt; die einen erhoben ihn in den Himmel, die andern schalten ihn einen Betrüger und Heuchler, beim maßlos ist immer daS Urteil der Menge und sie wird nie begreifen, daß auch der Bösewicht seine Tugenden haben und auch der, den sie gut nennt, auf Irrwegen wandeln kann.
Marburg, Mittwoch, 16. Mai 1883.
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„A propos, die Baronin!" erwiderte Roman. „Sagtest Du nicht, daß sie bei meinem heutigen Ehrenamte meine Kollegin sein würde?"
„Sie hat unS allerdings versprochen, unsern kleinen Eprößling über die Taufe zu halten."
„So will ich ihr nur gleich vor der Kirche meine Aufwartung machen. — Empfiehl mich so lange Deiner Ge-
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in der Vorlage wegen Umprägung von Zwanzigpfeunig- stücken in Ein- und Zweimarkstücke gestellten Anträge stimmte die Versammlung bei. Auch erteilte dieselbe bezüglich der allgemeinen Rechnung über den LarweShauShalt von Elsaß - Lothringen für 1878/79 dem Herrn Reichskanzler die Entlastung und genehmigte die Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen der elsaß-lothringischen Lande«- Berwaltung für 1881/82. Die Anträge der Ausschüsse, in Betreff der allgemeinen Rechnung über den ReichShauS- halt für 1878/79 und der darüber von dem Reichstage gefaßten Beschlüsse, fanden die Zustimmung der Verstimm- lung. Den zuständigen Ausschüssen wurden zur Vorberatung überwiesen: Der Entwurf einer Verordnung über die Gebührenfreiheit in dem Verfahren vor dem Reichsgericht; die am 19. April d. I. unterzeichnete Urbrreiu- kunft mit Frankreich wegen gegenseitigen Schutze- der Rechte an Werken der Litteratur und Kunst; und mdltch mehrere Eingaben von Privaten.
Berlin, 13. Mai. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist die Meldung, wonach daS Kriegsschiff „Elisabeth" auf der Rückreise von Ostasien nach Europa in Madagaskar anlegen soll, unbegründet. Rach der Segelordre für die Rückreise der „Elisabeth" geht das Schiff von Singapore direkt nach Kapstadt und von dort nach der Westküste von Afrika. — Ueber den Reichstagsbau wird folgendes geschrieben: „Außer dem vom Architekten Wallot umgearbeiteten Projekt für ein neues ReichStagLgcbäude, wrlchr- durch den Reichskanzler an die Akademie des Bauwesen- verwiesen worden ist, wird jetzt von einem durch den hiesigen Architekten Seeling dazu neu entworfenen Plane gesprochen. Danach könnte e- scheinen, al- ob zwei Pläne offiziell zur Beratung stünden. Das ist jedoch, wie verlautet, nicht der Fall. Die ReichStagSgebäudekommisston wird sich nach ihrem Zusammentritt zunächst schlüsfig zu machen haben, ob der neue Wallotsche Entwurf ausführbar ist. (Da« abzugebende Gutachten der Akademie de« Bauwesen- dürfte dabei von wesentlichem Einflüsse sein.) Dann aber muß entschieden werden, wer den Bau au»- zuführen hat, da dem Vernehmen nach Architekt Wallvt noch nicht definitiv mit dieser Aufgabe betraut ist. Sollte diese Frage für ihn in verneinendem Sinne beantwortet werden, so würde e- sich um Festsetzung einer angemessenen Entschädigung für diesen Architekten handeln, und dann erst könnte man an Heranziehung anderer Techniker denken, wobei ja auch da« obengenannte Projekt Seeling in Betracht kommen könnte. Alle diese Fragen schweben noch bi« zur Rückkehr deS Staatsministers von Bötticher. — Die „Germania", die sofort nach der Ablehnung der Holzzölle namens des Zentrums die Versicherung der Ünfr- qnenten Verteidigung des Schutzzollsystems abgelegt hatte, sucht heute in einem längeren Leitartikel zu beweisen, daß
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ist eS Mir eine angenehme Pflicht, der wirksamen Förderung zu gedenken, die den Zwecken der Ausstellung unter den huldvollen Gunstbeweiscn der deutschen Fürsten, von den Verwaltungsbehörden des Reiches, wie denjenigen der Bundesstaaten und in vollstem Maße auch seitens der Stadt Berlin zu Teil geworden ist. So haben In- und Ausland, Staats-, wie städttsche Behörden, Vereine und Privatpersonen hilf- reich mitgearbeitet an dieser Schöpfung, der die wahrhaft nutzbringende Bewährung, wie die allgemeine Anerkennung nicht fehlen wird. Mit berechtigtem Selbstgefühle dürfen Sie alle, m. H., auf das vollendete Werk Hinblicken. Das entfesselte Element, welches vor Jahresfrist an dieser Stelle gewütet, welches mit dem eben gekrönten Gebäude die reichen Früchte industriellen und gewerblichen Fleißes vernichtete, hat Ihr Vertrauen, Ihren Mut nicht zu brechen vermocht. In dem Bewußtsein, Gutes zu schaffen, haben Sie Lust und Liebe zum Neubeginne der Arbeit, haben Sie die Kraft und Ausdauer gefunden, welche trotz aller Hemmniffe zum erstrebten Ziele geführt haben. Würdig solcher Anstrengungen ist der ernste, sittliche Zweck, dem sie gegolten haben. Der großen Aufgabe, an welcher zu arbeiten der Staat und die Gesellschaft des wieder aufgerichteten Reiches immer mehr als eine hohe Pflicht erkennen: der Hebung des Volks- wohles soll auch riese, die erste deutsch: Hygieine-Ausstellung dienen und Zeugnis ablegen von dem, was Kunst und Wissenschaft, was Industrie und Gewerbe im Dienste dieser echt menschenfreundlichen Idee bisher zu leisten vermocht haben. So wird die Ausstellung auch für die Zukunft durch Aufklärung und Anregung segensreich wirken; sie wird —so hoffen wir zu Gott — ihre Ideale, ihre Zwecke: „Not zu lindern und Wohlfahrt zu begründen" voll und ganz erfüllen." — Unter dem Vortritte des Minister Hobrecht, vom Baurate Kyllmann geführt machte fodann der Kronprinz einen Rundgang durch die Ausstellung. — In der unter dem Vorsitze des Königlich preußischen Staats- und Finanzministers Scholz am 11. Mat abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats legte der Vorsitzende die Beschlüsse des Reichstags vor betreffend den zu Mexiko am 5. Dezember 1882 unterzeichneten Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und den Vereinigten Staaten von Mexiko. Die aus diesem Anlasse von dem Reichstage angenommene Resolution wurde dem Herrn Reichskanzler überwiesen. Eine bei der Disziplinarkammer für elsaß-lothringische Beamte und Lehrer erledigte Stelle gelangte zur Wiederbesetzung. Eine Eingabe wegen Versetzung einer Stadt in eine höhere ServiSklaffe wurde bis zur nächsten gesetzlichen allgemeinen Revision deS Servis-Tarifs und der Klaffenein- tetlung zurückgelegt, eine andere Eingabe betreffend die Gewährung von Pension rc. aus dem Fonds für ehemalige fchleSwig-holsteinischc Offiziere wurde zurückgcwiesen. Dem
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Matte«, sowie d.Amwneen-Bure«nr een ®. L. Daube u. 6«. in «rt a. M; Jägersche rdlung daselbst;
Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Invalidendanki»
Berlin: W. Thiene« ia Slberseld: «. Schlotte ia Bremen.
In,eigen nimmt entgegen: ü. Expedition d. Blattes, («»ie d.Annoncen-Bureaux t Th. Dietrich u. Co. in Lfi-I und Hannover; Th. tzi^rich 'N Frankfurt a.M.; Ldfenftein u. Bögler in Lntfurt a. M-, Berlin, kjnjig, Köln ic.; Rudolf Mise in Berlin, Frank- ” furl a. M- rc.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „Jllnstrirte« LormtagSblatt" durch die Expedition (R o chffche Buchdruckerei) bezogen 8*/* Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pf«, berechnet-
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„Sie wird schelten, daß ich Dich vor dem Frühstück habe gehen lassen."--
Der Taufakt war vorüber. Luise v. Buchfeld drückte einen Kuß auf die Stirn des kleinen „Walter Roman «handlu« und gab das ganz in Spitzen und Schleifen gehüllte zarte Wesen seiner Wärterin zurück. Aus der Kirche schreitend, --hörte sie, das Antlitz leicht zurückgewandt, dem Geplauder des hinter ihr gehenden Grafen zn. Plötzlich bemerkte sie » Kass! eine Veränderung in seinen Zügen, sie folgte der Richtung seines Blickes und — vor ihr stand der, an den sie tm Wachen und Schlafen täglich, stündlich gedacht.
Erde dl „Walter!" rief sie und streckte ihm mit einer unwillkürlichen Bewegung beide Hände entgegen.
Er nahm Sie ungestüm in die seinen, ließ sie aber Entdeckt sogleich wieder fallen, als er ihr jähes Erröten bemerkte. ’ Roman warf sich jubelnd um den Hals feines Freundes,
vor Luise stand noch einige Sekunden zögernd da und sagte sich dann mit schmerzlicher Bitterkeit, daß sie hier überflüssig sei. Tie raffte die Schleppe ihres wasserblauen Kleide« auf «nd wollte gehen; Ferrandez trat auf sie zu.
—I „Verzeihung, gnädige Frau, darf ich um die ErlaubniS
| ditten, Sie nach Hause zu begleiten?* fragte er unsicher.
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Berti«, 12. Mai. Die Hygieine-Ausstellung ist heute nachmittags um 2 Uhr vom Kronprinzen feierlich eröffnet „erden. Der Kronprinz wurde von Minister Hobrecht »nd dem Ausschüsse, den Ministern Friedberg, v. Goßler, Lucius und Maybach, sowie von dem österreichischen Bot- ichafter Grasen Szcchenyi begrüßt, zu dem reich geschmückten gelte geleitet und bestieg, von den Prinzen Allxander von Preußen und Friedrich von Hohenzollern, von den Ministern, Botschaftern und Gesandten von Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden, sowie von dem Herzoge von Ratibor gefolgt, die Estrade. Im Zelte befanden sich Vertreter deö Hofstaats, der Staats- und Stadtbehörden: Oberpräsident Achenbach, Oberbürgermeister von Forckenbcck, die ersten medizinischen Autoritäten: Lauer, Frerichs, Esmarch und Leiden. Nach dem Priestermarsch aus der „Athalia" bestieg Minister Hobrecht die Rednertribüne, schilderte nach Hervorhebung des großen humanitären Zweckes der Ausstellung die glänzenden Verdienste der hohen Protektorin: Ihrer Majestät der Kaiserin um das Gelingen deS Werkes und schloß dann mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das kaiserliche Paar. Ingenieur Rietschel sprach mit besonderem Hinweis auf die Teilnahme der befreundeten Nationen: „Wir haben ein Werk geschaffen, das unS, wenn eS auch nicht frei von Mängeln ist, zur Ehre gereicht; dafür spricht das Protektorat und die Stellvertretung der Protektorin durch den Kronprinzen." Sr. Kaiser!, und König!. Hoheit wurde ein dreimaliges begeistertes Hoch j;?! gebracht. — Der österreichische Kommissar Karajan gab l“1 namens Oesterreich und der ungarische Kommissar Ros- zahoghy namens Ungarns der Befriedigung Ausdruck, daß beide Länder an dem Gelingen des edlen Werkes hätten
teilnehmen können.—Dann verlas Se. Kaiser!, und König!. Hoheit der Kronprinz folgende Anrede: „Je lebhafter Ich bedauerte, daß Ich der Eröffnung der Ausstellung nicht habe beiwohnen können, mit einer um so aufrichtigeren Befriedigung ergreife Ich die Mir heute gebotene Gelegenheit, um im Namen wie als Vertreter I. Majestät der Kaiserin, welche in unermüdlicher Bewährung Ihres wohl- thätigcn Sinnes auch dieses menjchensreundliche Werk unter Ihren hohen Schutz genommen hat, den Ausschuß, das Komitee, die Aussteller, sowie alle diejenigen zu begrüßen, welche an dem gemeinnützigen nunmehr glücklich vollendeten Unternehmen mitgewirkt haben, dem wir heute die festliche Weihe erteilen. In dankbarer Anerkennung der Unterstützung, welche dasselbe auch außerhalb der Grenzen Deutsch- lands gesunden hat, heiße Ich im besonderen die Vertreter des befreundeten Nachbarstaates willkommen, der seine viel- artuna bis jährige Beteiligung an dem deutschen Vereine für öffentliche -selbe aal Gesundheitspflege auch auf die Ausstellung ausgedehnt und -Shalb g! durch wertvolle Zuwendungen bethätigt Hal. Inzwischen