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IRarÖurg, Sonntag, 13. Mai 1883.
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Auf Irrwege«.
Novelle von L. Calm.
nach feiner Ankunft dem Kaiser einen Besuch ab. — Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt, die Ablehnung der Holzzölle sei durch die Stimmen der Polen herbeigeführt worden; die Gründe, welche die Polen bei der Abstimmung leiteten, seien für niemand ein Geheimnis: die Polen hätten eben von den Holzzöllen eine Schädigung ihrer galizischen Brüder befürchtet. Die Abstimmung der Polen sei ein neuer Beweis für ihre feindliche Stellung dem Reiche gegenüber; ihr ganzes Dichten und Trachten sei nach wie vor auf die Wiederherstellung Polens gerichtet und jede Maßregel fei ihnen recht, die das Reich schädige, zumal wenn sie ihren Brüdern in Oesterreich und Rußland Gewinn bringe. DaS Votum der Fortschrittspartei sei wohl durch verschiedene Motive bestimmt worden, möglicherweise habe auch bei ihnen die Rücksicht auf die polnischen Waldbesitzer im Auslande mitgespielt. ES sei ja eine geschichtliche Thatsache, daß die Wiederherstellung deS Polenreiches zu den Lieblingsideen der liberalen Politik gehöre; die Liberalen hätten ja auch im Jahre 1848 in Frankfurt a. M. der Polenfrage den Vorrang vor der deutschen eingeräumt. — Heute fand die Gerichtsverhandlung gegen den wisienschaftlichen Hilfsarbeiter der Königlichen Bibliothek Schmidt statt. Derselbe wurde betr. der Anklage der Teilnahme an geheimen Verbindungen nichtschuldig gesprochen, dagegen der Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze in einem Falle schuldig erkannt, und zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Oeffentlichkeit der Verhandlung war ausgeschlossen, weil durch dieselbe der öffentlichen Ruhe und Ordnung Gefahr drohe. — Der R.-Anz. publiziert das Verbot der Druckschrift: „Protokoll des Kongresses der deutschen Sozialdemokraten in Kopenhagen". — Bezüglich des deutsch-italienischen Handelsvertrags teilt die „Nordd. Allg. Ztg." mit: Mehrere italienische Einfuhr- Artikel genießen auf Grund der Meistbegünstigung Zollfreiheit für die Dauer deS deutsch-fchweizerischen Vertrages, in welchem dieselben ebenfalls zollfrei figurieren. Außerdem hat Deutschlanv die im deutschen Zolltarif bestehende Zollfreiheit für Schwefel, Weinstein, SeidencoconS, ungefärbte Seide, rohen Marmor, rohe Korallen, lebendes Geflügel, Lakritzensaft, sowie die gegenwärtigen Tarifsätze für nicht' lebendes Geflügel, für Eier von Geflügel und für Reis gebunden. Deutschland ermäßigte die Zölle für frische Weinbeeren von 15 auf 10 Mark, für frische Südfrüchte von 12 auf 4 Mark, für trockene Südfrüchte von 30 auf 10 Mark, für Oliven von 60 auf 30 Mark, für Speiseöl in Flaschen oder in Krügen von 20 auf 10 Mark und für Olivenöl in Fässern von 8 auf 4 Mark. — In der heutigen Sitzung des Bundesrats stand u. a. der Entwurf einer Verordnung über die Gebührenfreiheit im Verkehr vor dem Reichsgericht zur Beratung. Der Entwurf lehnt sich an das Gerichtskostengesetz, welches in § 98 bestimmt, daß für daS Verfahren vor dem Reichsgericht die Befreiung von Gebühren durch Kaiferliche Verordnung mit Zustimmung deS Bundesrats gewährt werden kann. Der Ent-
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wurf nimmt eine solche in Anspruch: 1. für öffentliche Armen-, Kranken-, Arbeit«-u. BefferungSÄnstalten, Waisenhäuser; 2. für öffentliche Volksschulen; 3. für öffentliche gelehrte Anstalten und Schulen, Kirchen, Pfarreien, Kapla- neien, Vikaren und Küstereiech jedoch nur insoweit, als die Einnahmen derselben die etat-mäßige Ausgabe nicht übersteigen; insoweit aber solche AnspiLche, die lediglich da- zeitige Jntereffe derjenigen berühren, welchen die Nutzung deS betreffenden Vermögens für ihre Person zusteht, zugleich miwerhandelt werden, haben letztere die auf ihren Teil Menden Kosten zu tragen. Die Verordnung, welche mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft tritt, soll auf alle bis dahin noch nicht fälligen Gebühren Anwendung haben. — Geh. LegationSrat Bucher, dessen Ausscheiden auö dem Amt vor einigen Wochen wieder einmal gemeldet worden war, ist von seinem Urlaub zurückgekehrt und hat seine Geschäfte wieder übernommen.
— Bei den Verhandlungen de« Abgeordnetenhauses in der gegenwärtigen Session ist die Thatsache, daß bei einer größeren Anzahl städtischer Lehranstalten den Lehrern und Beamten der tarifmäßige Wohnungsgeldzuschuß noch gar nicht oder auch nicht zu dem minderen, dem penfionSfähigm Betrage desselben entsprechenden Teile gewährt wird, bei wiederholten Gelegenheiten und von den verschiedenstm Seiten deö Hauses als ein thunlichst bald, event. im Wege der Gesetzgebung zu beseitigender, die Interessen der Anstalten und der Lehrer schädigender Mißstand bqeichnet worden; eS sind ferner die ziemlich zahlreich eingegangene« Petitionen der Lehrerkollegien in den vorbezeichneten Anstalten der Regierung als Material für die einschlägige Gesetzgebung überwiesen worden. Seitens der Unterrichts- Verwaltung sind in der Landesvertretung mehrfach ähnlich lautende Erklärungen abgegeben worden und haben die auf die Einführung de« WohnungSgeldzuschuffe« gerichteten Anstrengungen derselben bereit« auch bei einer nicht unerheblichen Anzahl von Anstalten zu dem gewünschten Resultate geführt. Die Provinzial-Schulkollegien sind nun angewiesen worden, diesem Gegenstand ferner ihre Aufmerksamkeit zu widmen und mit den betreffenden Patronaten zunächst der Vollanstalten wegen Bewilligung de« WohnungSgeldzu- fchuffe« alsbald ins Benehmen zu treten. ES steht zu hoffen, daß die Patronate der betreffenden Lehranstalten, welche mit der gedachten Maßregel noch im Rückstände sind, bei erneuter Anregung wenigstens zum größten Teil der Erkenntnis der mit der Fortdauer de« bisherigen ZustandeS für ihre Anstalten verknüpften Nachteile sich nicht länger verschließen und zur Gewährung deS WohnungSgrld- ZuschuffeS an die Lehrer und Beamten ihrer Anstalten fich bereit finden lassen werden.
Karlsruhe, 9. Mai. Der neueste Geschäftsbericht deS Ministeriums deS Innern verbreitet sich, wie die „W. A. Ztg." mitteilt, eingehend über die WohlstandSverhältniffe deS Landes. Danach ist, trotz der unbefriedigenden Ernten
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»Meinetwegen können die Gäste jetzt schon kommen," er wider an. „Allzumal Roman an der Spitze; aber wird es leider bleiben las —"
In diesem Moment hielt ein Wagen vor der Gartenpforte. Welsing warf einen Blick auf den Insassen und stürzte dann mit dem Ruf: „Roman, Roman, Romani" vorwärts.
Saremba umarmte ihn, noch auf dem Wagentritt stehend. „Du siehst, ich lasse mich nicht ungestraft zum KindtaufSfchmauS laden!" sprach er lachend. „Aber Du wohnst ja hier reizend, und beim Anblick dieses kleinen Paradieses findet man es natürlich, daß Du die Mitgift Deiner Frau von Deinem Schwager nicht annahmst. — Also hier tritt man in das Wohnzimmer? — Ah, guten Morgen, gnädige Frau!"
Ueber des Grafen feine« Gesicht glitt eine leichte Röte, alS er der einstigen Geliebten gegmüberstand. Sie sah reizend aus in dem einfachen Negligö, und die Würde der Hausfrau und Mutter schien allen mädchenhaften Trotz und Ungestüm aus ihrem Wesen verbannt zu habm.
Auch Saremba hatte sich zum Vorteil verändert in den letzten zwei Jahren; er war kräftiger, stattlicher geworden, in seinem Benehmen trat neben dem einstigen Ueber- mut mehr ernste Männlichkeit zutage.
Er bewunderte pflichtschuldigst den kleinen Erstgeborenen, der heute die Weihe der Taufe erhalten sollte, und dann, wie um den Freunden nicht allein das Bewußtsein deS Glückes zu lasten, löste er ein Medaillon von seiner Uhrkette und öffnete eS durch einen Druck auf die Feder. Ein liebliches Mäschengestcht, von braunen Ringellocken umgeben, lächelte den Beschauern entgegen.
„Komteste Josephine von JauischöwSki," erklärte Saremba, „seit vierzehn Togen meine verlobte Braut."
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verschaffen. Und wiederum ist ja auch daS wonnevolle '^"'"«Mgibol der christlichen Pfingsten vorhanden. Der Lenz l«ngt in seinem frischesten Grün, und ungezählte Blumen M Blümchen hat Mutter Natur dazwischen gestreut, tausend- immig erklingt auch der Vöglein Chor in Flur und Wald ib der Menschenherzen wiederhallen in Heller FrühlingS- nibe. Mag daraus die Menschheit eine Mahnung er« Men, ihrem Ideal nach zu leben, zu neuem Lieben und tffett, aber auch zu unverzagtem Kämpfen und Dulden, tun es die Prüfungen des Lebens verlangen, denn ein k edler Begeisterung erfülltes Herz hilft alles überwinden nb nach Winterssturm folgt erst de« Frühlings Pracht: leg ruft uns das Pfingstfest aufs neue in das Gedächtnis.
Mr von Augenmaß."
Man hätte in dem lebhaften, vor Heiterkeit strahlenden tyen Mann schwerlich dm einst so ernsten Welding
Die Freunde gratulierten natürlich aus vollem Herzen.
„Nun habe ich die längste Zeit die schmähliche Einsamkeit auf meinem Stammschlosse in Polen ertragen," fügte der Graf hinzu. „Seit meine Mutter tot ist, war eS nicht mehr auszuhalten."
„Also die Frau Gräfin erholte fich nicht wieder?" sprach Edith bedauernd.
„Nein, ihre Gesundheit war leider zu sehr erschüttert. ES war umsonst, daß ich mit ihr daS warme Klima vo« Nizza und später von Neapel aufsuchte; ihre Lebenskraft erschöpfte sich mehr und mehr, aber" — in de« jungen Manne« Auge erglänzte eine Thräne — „sie sagte mir, daß diese« letzte Jahr da« glücklichste ihre« Leben« sei."
Sobald Edith da« Zimmer verlassen, zog Welding seinen Gast bei Seite.
„Eine Frage, Roman," sagte er. „Ich mag in Gegenwart meiner Frau nicht« davon erwähnen, weil jede Erinnerung an ihren Bruder sie unbeschreiblich erregt — Hast Du nichts von Ferrandez gehört?"
„Leider nicht«, nachdem, wa« ich Dir schrieb. Ich begegnete ihm auf der Reise nach Italien, wie er im Begriff war, nach Mexiko zurückzukehren. Seine Gesundheit schien entsetzlich angegriffen, und ich schätzte mich daher glücklich, al« ich ihn überreden konnte, un« zu begletten. Allein te Rom trennte er sich bereit« von un«, und ich habe seitdem nicht« von ihm gehört. Ihr also auch nicht?"
„Seine Gratulation zu Edith« und meiner Vermählung ist das letzte LebenSzeichm, da« wir von ihm habm. Edith behauptet, et scheue sich der Baronin wieder zu begegum.",
(Schluß felgt.)
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Buchdruckerei) bezogen SV. Vieri, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 8 Merl 60 Psg. (erd. Bestellgebühr.) - JuserlronSgebühr für die gespaltene Zeile Ift ffg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Psg. berechnet.
Pfingstgrutz.
n die @ Men, Fest der Frühlingswonne, sei gegrüßt im Maienschmuck - «S du nimmst von jedem Herzen Winters schweren, bangen Dmck!
|krv)nH <6tr Berg und über Thale zieht dein Zauberhauch dahin, ---«d zu frischem Leben, Hoffen weckst du selbst den trübsten Sinn.
Itangen nicht in tausend Farben Auen nun und Wald und Hain, Ließen sie nicht tausend Freuden, Reize zahllos in fich ein?
, Ml, eS wob der einz'ge Meister einen Teppich, riesengroß MarbUl ct flpp>gCn Falten um der Erde dunleln Schoß —
—' Straft einen Grünen, Duften, überall ein Blütenmeer, ein endlos Jubilieren in den Zweigen ringsumher!
SS «um weg mit allen Sorgen, weg mit jeder Not und Pein — i«iensroh ein selig Klingen zieh' in aller Herzen ein!
teum nochmals: Gruß dir, Pfingsten, sei willkommen tausendmal, fye dich mit deinem Glanze heut im Maiensonnenstrahl — kf die Herzen, zu die Häuser — sei heut' unser Losungswort, to: mit froh bewegtem Sinne geh' eS nun in« Grüne fort!
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen«ureaur von <5 2. Daube u. (Jo, in Frankfurt a. M; Jägers che Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank In Berlin: W. Thienes in Slberfttd: tt. Schlotte U
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-Haupt zu erheben und im Herzen zu loben, zu preisen Versichert $ zu danken.
| Ist doch immer die vom Stifter der christlichen Religion siedigtc Heilslehre, die Gottheit und alle« Erhabene über - iS zu schätzen und zu lieben und den Nächsten gleich als hm. Z |( die feste Grundlage für die Wohlfahrt der Menschen i id Mlkcr geblieben und wird es bleiben, so lange Menschen Nischeilwürng ans der Erde wohnen. Auch alle Kultur- m Witte müssen sich dieser Wahrheit unterordnen und ailJen men nur dazu, unseren Allvater noch im höheren Lichte ;len und dem Worte der Liebe noch eine weitere Geltung
Juami S, ^ln k. ; Rudolf H r«i Berlin, Frank-
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id Hi nliigl Rreonft ien über
Deutsches Reich.
S zu I Berlin, 11. Mai. Der Kronprinz ist mittags um !ai 1983.21/» Uhr aus Venedig hier eingetroffen und stattete bald
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...„nimmt entgegen: Edition d. Blattes, k . , «„noncen-Bureaux ^Dietrich u. Co. in i» «^.„d Hannover; Th.
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1031 »Nun denke ich, wird e« sich machen," sprach der Ser« lOOi cher nach vollendet Arbeit einen Schritt zurücktretend und # Werk seiner Hände bewundernd.
. »Was sagst Du? Schief? Ihr Frauen habt alle keine
Arei feierliche Momente sind es, welche feit altersgrauer - - . Pfingsten zu dem lieblichsten und erhabensten Feste . Jl Hiistltchm Menschheit gestempelt haben. DaS weihe- ^i'ungei, Andenken an jene hehre Begeisterung, welche fünfzig » t „ach der Auferstehung deS Heilandes daS kleine Häuf- ZnterG ? feiner im Tempel zu Jerusalem versammelten Jünger '* «jn und sie befähigte, die Religion der christlichen Liebe " ' «I falle Welt hinauszutragen, so daß au« der kleinen Ge- «e eine große christliche Gemeinschaft erwuchs, der heut- 11)1116 tm die gebildetsten Völker deS Erdball« die Grundlage - unb Z Kultur verdanken, ferner aber auch der wonnige Früh-
Mmuck, in welchem alljährlich zur Pfingstzett die Natur Jj«t und Millionen Herzen mit Freude und Begeisterung Ut und schließlich die Erinnerung der erwachsenen ober i hohen Alter befindlichen Menschen an den eigenen LebenS- _ „ den die holde Pfingstzett mit ihren bunten Blüten und (i inen Blättern, ihren treibenden Knospen und Zweigen äA einem inneren Aufjauchzen wiederum in das Gedächtnis t»«» lMckrust und uns zeigt, daß unser Herz noch nicht alt WJMCttf^gn (st. Dank, Wonne und glückselige Erinnerung also die drei Momente, welche uns das Fest so lieb wert gestalten, und wieder ist nun, wo Pfingsten aber*
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