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JRatfiurg, Sonnabend, 12. Mai 1883.

XVIII. Jahrgang.

«.«eigen nimmt entgegen: die Lrpedition d. Blattes, (8$ie b.ilnnoncen-Suream b Th. Dietrich u. Co. in g.«>t und Hannover; Th. Mirich in Frankfurt a M-; ^asenstein u. Vogler in Irsntfurt a. M-, Berlin, ^ipzig. Köln ic.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank­furt a. M- re-

(OlifilKlW ZeitliW

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureanx von ®. 8. Daube u. 6e. in

Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin; 8B. Thienes ix Elberfeld: «. Schlotte in Bremen.

(Srfcbeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrfrteS CnmtagfHittt" durch die Hpedition (K o chffche Buchdruckerei) bezogen 8'/» Wer!, durch die Postämter de« Deutschen Reiches 8 Werf 60 Pf«, (excl. Bestellgebühr) - Jnsertronsgebühr für bie gespaltene Zeile 1» Pf«.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pf«, berechnet-

Bom Landtag.

Berlin, den 10. Mai.

In ter heutigen (12.) Plenarsitzung deS Herren­hauses, die um 121/i Uhr von dem Präsidenten Herzog von Ratibvr eröffnet wurde, erfolgte zunächst die Ber- cidipung des neueingktretcnen Mitgliedes Frhrn. v. Niedesel.

Namens der Kommission für Eisenbahnangelegenheiten klstattete demnächst vr. Stephan Bericht über den Gesetz- entwurf, betreffend die Beschaffung von Mitteln für die Er­weiterung, Vervollständigung und bessere Ausrüstung des StaatseifenbahnnetzeS und die Beteiligung des Staates bei dem Bau einer Eisenbahn von ZajonSkowo nach Löbau. Der Herr Referent empfahl, die verfassungsmäßige Zu­stimmung der Vorlage in der vom Abgeordnetenhanse be­schlossenen Fassung zu erteilen.

Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach dankte dem Hause zunächst dafür, daß eS diese für daS Land so wichtige Vorlage noch vor den Ferien in Angriff genommen habe. Dieselbe werde der Regierung die Möglichkeit ge­roßten, wichtige Landesteile wirtschaftlich zu erschließen und btn laug gehegten Wünschen jener LandeSteile entgegen zu kommen. Dieser Ausbau des Eisenbahnnetzes werde der Regierung ermöglicht durch die seit dem Jahre 1879 6c- solate Eisenbahnpolitik. Seit dieser Zeit seien nicht nur 2005 Kilometer Eisenbahnen in Siaatsbesitz übergegangen, sondern auch 409 Kilometer Eisenbahnen mit finanzieller Unterstützung des Staates gebaut worden. Er hoffe um so mehr, daß die weitere Vervollständigung unseres Bahn- netzeö, welche diese Vorlage bezwecke, die Zustimmung diese« Hauses finden werde, als die Ausführung desselben eine Belästigung der Steuerzahler nicht mit sich führen werde. Die geringe Schuldenlast, die daraus für den Staat zu übernehmen übrig bleibe, werde vollständig ausgewogen ein­mal durch den direkten Nutzen, den sie den betr. LandeS- tcilen bringe, zum andern durch die Zufuhren, welche diese sogenannten Nebenbabnen den Hauptbahnen bringen würden. Letztere Vorteile seien nicht gering anzuschlagen, wenn auch eine direkte Rentabilität mancher dieser Nebenbahnen aller­dings nicht zu erwarten sein möchte. Die ganze Entwicke­lung unserer Eisenbahnverhältnisse sei auch in finanzieller Beziehung höchst erfreulich. So könne er schon heute mit­teilen, daß der Ueberschuß der Staatsbahnen pro 1882/83 das etatsmäßige Soll voraussichtlich um 26 Mill. Mark oder nach Abzug des dabei angerechneten fünften Quartal« um 1920 Millionen übersteigen werde. D-bei seien die Züge vermehrt und eine Anzahl neuer Einrichtungen ge­troffen worden, die bi« jetzt noch nicht hätten rentieren können; dazu sei die Fürsorge für die Beamten nicht ver­nachlässigt. (Beifall.) Wenn daher die Regierung jetzt von neuem vor das Haus trete, ihr eine erhebliche Summe zur

28 Auf Irrwege».

Novelle von L- Calm-

Natürlich, natürlich!" sagte Saremba.Doch nun, die große Frage, die mich hersührle! Welche Antwort haben Sie nun für mich?"

Roman nahm die Auskunft mit weniger Fassung ent­gegen als sein Nebenbuhler. Sein Freund mußte alle Beredtsamkeit aufwenden,' ihn wenigsten« vor der augen­blicklichen Verzweiflung zu bewahren.

Es trifft mich alles auf einmal!" klagte er,Wisien Sie, daß ich gestern abend auch noch die Nachricht von dem Tode meiner Großmutter bekam?"

O, mein armer Roman! Die Gräfin war Ihnen sehr teuer."

Sie war mir nie sympathisch, auch vermochte ich manche ihrer «Handlungen nicht zu billigen, aber wer fr5gt danach bei einem Herzen, da« uns liebt!"

Denken Sie immer so? Wie müssen Sie bei diesem liebevollen Herzen erst an Ihrer Mutter gehangen haben. Sie ist früh gestorben?"

Ach," sagte der Graf noch mehr verdüstert,wir wurden früh getrennt später sagte man mir, sie sei gestorben."

Und Sie haben nie nachgefoischt? Wenn sie nun noch lebte?" ,

Ach sprechen Sie nicht von so thörtchten Hoffnungen! Sie blicken mich so eigentümlich an? WaS soll ich da­von denken?"

Genug, Roman, Sie sind ein Mann und werden e« mir beweisen! Ihre Mutter lebt!"

O meine Ahnung!" rief der junge Offizier wie elek­trisiert aufspringend.Wo, wo kann ich sie finden?"

Vervollständigung des Eisenbahnnetze« zu bewilligen, so dürfe da« Hau« bezüglich des finanziellen Punktes jedenfalls ohne Sorge fein. Von den projektierten Linien sei namentlich die Bahn von Lauenburg nach Oldesloe auch von politifchcr Bedeutung, da sie die direkte Verbindung mit der Provinz Schleswig - Holstein herstelle, welche so lange ersehnt sei. Demnach hoffe er, daß das hohe Hau« die Genehmigung einer Vorlage nicht versagen werde, welche den Wohlstand und die Wehrfähigkeit des Lande« auf eine höhere Stufe zu bringen bestimmt fei. (Beifall.)

Damit schloß die Generaldiskufsion. An der Spezial- beratung, in welcher der Referent die für den Bau der einzelnen Linien maßgebenden Gesichtspunkte darlegte, betei­ligten sich außer ihm nur wenige Mitglieder aus dem Hause, um besotidere mit der betreffenden Linie in Zusammenhang stehende Lokalwünsche zur Sprache zu bringen, die meistens auch im Abgeordnetenhanse zur Erörterung, bezw. zur Be­antwortung seitens der Regierung gelangt waren.

Die Vorlage wurde demnächst im einzelnen wie im ganzen unverändert nach den Beschlüssen des anderen Hauses genehmigt.

Darauf berichtete Graf v. d. Schulenburg-Angern namens der Kommission für den Staatshaushalt« - Etat und für Finanzangelegenheilen über die allgemeine Rechnung über den Staatshaushalt des Jahres vom 1. April 1879/80, sowie über die Uebersicht von den Staatseinnahmen und -Ausgaben des Jahres vom 1. April 1881/82. Das Hau« trat den Beschlüssen des anderen Hauses ohne Debatte bei.

Eine Petition zweier Bürgermeister de« Regierungs- Bezirks Trier, betreffend die Wiedergewährung früher be­zogener Reisekosten und Tagegelder, sowie eine Petition des Dr. Wöniger in Berlin, welcher beantragt, bei der Staatsregierung eine Modifikation der bisherigen Normativ­bestimmungen für die preußischen Hypothekenbanken zu be­fürworten wurden durch Uebcrgang zur Tagesordnung erledigt. Bezüglich der letzteren Petition wurden zwei Mängel der bestehenden Gesetzgebung von der Justiz- kommission anerkannt; mit Rücksicht daraus aber, daß die Aenderung dieser Gefetzgebung mit vielfachen und großen Schwierigkeiten verbunden fei, und daß auch die Regierung dem Gegenstände ernste Aufmerksamkeit schenke, glaubte man auf die Petition eines Privatmannes um so weniger materiell eingehen zu sollen, als dieselbe neues Material nicht enthalte.

Damit ist die Tagesordnung erledigt. Der Präsident ersucht die Mitglieder der VerwaltungSkommisston, sich am 21. d. M. möglichst vollständig zur Beratung einfinden zu wollen. Schluß der Sitzung 3 Uhr. Nächste Sitzung unbestimmt.

Aber wenn sie nicht dem Bilde entspricht, daö Sie von ihr entwerft« haben?"

Sagen Sie mir nur, wo ich sie finden kann, sie ist meine Mutter!"

Nun denn, sie ist hier, Roman, und es ist die Schauspielerin S-bastiani."

Er hemmte einen Moment überrascht den Schritt. Wohin muß ich mich wenden?" fragte er dann noch dringender.

Ferrandez öffnete eine Thür, und Mutter und Sohn lagen sich in den Armen.

Die Portiere war noch nicht hinter dem Grafen ge­fallen, als Filippo durch die andere Thür m« Zimmer trat.

Gnädiger Herr, die Dame von gestern"

Ferrandez schob ihn bei Seite und eilte auf feine Schwester zu.

Willkommen Edith I O, wie wohl thut mir beute Dein Anblick! Komme näher, setze Dich zu mir und sage, was macht die Baronin? Sie verwünscht mich, nicht wahr?"

O nein, sie bleibt dabei, daß Gottes gerechte Hand hier im Spiele gewesen. Und wirklich, mein Bruder, mir scheint, die Sache hätte keinen erwünschteren AuSgang nehmen können."

ES ist ein M nschenleben dabei gefallen."

Das Leben deS Schuldigen, Du solltest Dir daS jetzt nicht zu Herzen nehmen, lieber ja wie nenne ich Dich denn eigentlich? Ferrandez ist doch wohl kein bloßer Künstler­name, wie der meine?"

Nein, er ist ein alter AdelSn.me, ober ich bin be­rechtigt ihn zu tragen. Herr v. Ferrandez nahm sich meiner an, als ich fast sterbend in einer Spelunke von Newyork lag, er pflegte mich, adoptierte mich fpätir und machte mich nach feinem Tode zum Erben feiner Reichtümer."

Und da« alle« muß ich jetzt et ft hören ? Aber

Die Reichstags-Verhandlung vom 2. Wat.

DieProv. - Correfp." schreibt hierzu: An die Ver­wahrung, welche, der Reichskanzler gegen den Antrag des Abg. Richter, betreffen© die Militärwerkstätten und die Kantinen, eingelegt hat, sind von Seiten oppositionS- und konfliktslustiger Redner und Preßorgane Auseinander­setzungen von unverhüllt agitatorischer Tendenz geknüpft werben. In der (unter den gegebenen Verhältnissen aller­dings begreiflichen) Absicht, die allgemeine Befriedigung über den günstigen Fortgang der Reichs- und Landtags­arbeiten zu stören und für die Mißerfolge der Fortschritts« Partei in Sachen der Kaiserlichen Botschaft, deS Kranken- verficherungS- und de« preußischen VerwaltungSgefetzeS Revanche zu nehmen, hat man den Versuch gemacht, dem erwähnten Schreiben des Kanzlers den Sinn einer ©treib ankündigung an den Reichstag unterzuschieben, aus dem­selben die Möglichkeit eines sogenannten Konflikt« abzu­leiten und rücksichtlich des Verhältnisses zwischen dem Reichs­kanzler und der ReichS-Militäi Verwaltung eine Unsicherheit und Verwirrung der Begriffe hervorzurufen, zu welcher jede sachliche Veranlassung fehlte. Schon wegen bei Zusammenhangs, in welchem biese Bestrebungen mit den auf Beschränkung der Kaiserlichen Kommandogewalt ab- zielenden Unternehmungen vom 5. April d. I. stehen, er­scheint geboten, bieselben einer kurzen Betrachtung zu unter­ziehen.

In einem alS Drucksache Nr. 280 verteilten Anträge hatte der Abg. Richter dem Reichstage den Vorschlag ge­macht, die Militärverwaltung dazu aufzufordern, daß die­selbe ihrerseits den Milstärwerkstätten den Geschäftsbetrieb für Privatrechnung, den Kantinen den Handelsverkehr mit Zivilpersonen und die Verwendung von Militärpferden zum Lohnfuhrgewerbe untersage. Die Unzulässigkeit derartiger an eine einzelne Verwaltung gerichteter direkterAuffor- berungen des Reichstages hat da« streng fachlich gehaltene Schreiben des Reichskanzler« durch die Berufung auf zwei ausdrückliche Bestimmungen der Verfassung, die Art. 17 und 63, nachgewiesen. Die Form de« Richterschen An­trages erschien geeignet, falsche und im Hinblik auf ihre künftige Tragweite nicht unbedenkliche Anschauungen über daö Recht des Reichstages zum Erlaß von Vorschriften an Organe der auSführenden Gewalt zu verbreiten; sachlich war bei diesem Anträge nicht nur außer Betracht gelaffen worden, daß Beschlüsse des Reichstage« an den höchsten verantwortlichen Beamten de« Reichs, an den Reichskanzler zu richten, von diesem auf ihre politische Bedeutung zu prüfen und dem Kaiser beziehungsweise dem BundeSrat zu unterbreiten sind, sondern, daß da« in die Form einer Aufforderung" an die Militärverwaltung gekleidete Ver­langen einen Eingriff in die Kommandogewalt deS Kaiser«

Walter, daß ich meine große Bitte nicht vergesse! Du er­innerst Dich noch, welche Antwort ich Dir gestern auf Welding« Antrag gab?"

Kommst Du vielleicht, sie heute zu widerrufen? Du errötest? Also wirklich! Aber wa« konnte Dich kleinen Trotz­kopf denn bewegen, den Aermsten so zu martern?"

Ach, Walter, ich hatte mir ja geschworen, nie an mein Glück zu denken, bevor nicht Deinem Andenken Gerechtig­keit widerfahren war und dann, Herr Welding Hilt weibliche Reinheit und Tugend so hoch, durfte aber ich mit meiner zweifelhaften Vergangenheit zu hoffen wagen, baß ich fein Ideal von ebltr Weiblichkeit erfüllte."

O Du Närrchen, er hat fein Ideal nach Dir bemessen, wie jeder Mann mit der Geliebten seines Herzen thut. Also ich denke, jetzt sagen wir ihm die Wahrheit und fragen demütig, ob er e« mit uns versuchen will?"

Edith verbarg ihr glühende» Antlitz an der Brust ihre« Bruder«. .

E« war ein Glück, daß Welding gestern verhindert worben, fein dunkle« Vorhaben so schleunig auSzuführen, al« er beabsichtigt hatte 1

XII.

O frischer Duft, 0 neuer Klang! Run armes Herze sei nicht bang, Run muß sich alles, alle« wenden."

ES war an einem frischen, duftigen Sonntagsmorgen. Die Bewohner von Buchfeli hatten ihre guten Kleider an, die Gesangbücher unter dem Arm und warteten nur noch auf den Ton der Glocke, um in die Kirche zu eilen.

Da« hübsche VerwalterhäuSchen prangte im festlichen Blumenschmuck, und fein Besitzer war eben dabei, mit Hilfe seines Dienstmädchens noch eine dicke ©uithnbe über der Thür zu befestigen. (Fortsetzung felgt.)