Marburg, Freitag, 11. Mai 1883.
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Ferrandez schwieg; er hielt sie noch umschlungen, sein Herz schlug wild an dem ihren. Von drüben tönte daS unermüdliche Ticktack der Uhr, wie um an die Flüchtigkeit der Zeit zu mahnen.
„Hat sie Dich geschickt?" fragte er endlich.
kommen. Wer stört die Ruhe des Die Vorlage der verbündeten Re- Die verbündeten Regierungen rütteln Von dort auS (links) wird das Gesetz aus wird die vorliegende Frage ausS
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trag namentlich geltend, daß diese Bestimmung praktisch gar keine Bedeutung habe, da Uebertretungeu nicht vorkämen.
Kommissrrius des Bundesrats kaiserlicher Geheimer Regierungsrat Bödiker: Meine Herren, der Herr Vorredner ist nach meiner Meinung den Beweis für die Berechtigung des Antrags vollständig schuldig geblieben. Die in Frage stehende, an sich wohl begründete Bestimmung ist im Jahre 1881 in allen Stadien der Beratung anstandslos votiert worden. Jetzt soll die Bestimmung, welche damals von keiner Seite eine Anfechtung erfahren hat, aufgehoben iccrbtn, und zwar weil, wie der Herr Vorredner sagt, von der Bestimmung wenig oder vielleicht gar kein Gebrauch
gemacht worden ist. Meine Herren, ist das ein Beweis für die Notwendigkeit der Aufhebung der Strafbestimmung? Ein Strafgesetz soll fallen, weil dasselbe wenig zur Azi- wendung gekommen ist, weil wenige dem Strafgesetze zuwidergehandelt haben? Elfüllen denn die Strafgesetze ihren Zweck nicht am allerbesten, wenn das warnende Moment,
Gesetzes von 1881? gierunzen doch nicht I nicht an dem Gesetz, angegriffen, von dort Tapet gebracht, von
und den Antrag abzulehnen. (Bravo rechts.)
Abg. Frhr. v. Minnigerode hält zum Schutz der Innungen, den sich die Konservativen angelegen sein lassen, die qu. Strafbestimmung nötig. Abg. Büchtemann dagegen bemerkt, daß den Innungen durch diese Bestimmung eine Bedeutung gegeben würde, die ihnen nicht zukomme. An der Debatte, in welcher die JunungSfrage im allgemeinen erörtert wird, beteiligen sich noch die Abgg. von Kleist- Retzow, Baumbach, Frhr. von Minnigerode und Büchtemann. — Auch über diesen Antrag Baumbach muß durch Auszählung abgestimmt werden. Derselbe wird mit 139 gegen 123 Stimmen abgelehnt, und demnächst 8 149 unverändert nach den KommissionSbeschlüssen angenommen.
Artikel 14, worin der Reichskanzler ermächtigt wird, einen neuen Text der Gewerbeordnung mit den seit ihrer Emanation eingetretenen Aenderungen feststellen zu lassen, und durch daS „Reichsgesetzblatt" bekannt zu machen, erfährt ans Antrag des Abg. v. Kleist-Retzow einen ergänzenden Zusatz. Damit ist die zweite Beratung der Gewerbeordnungs-Novelle beendigt.
Demnächst begründete Abg. Dr. ThileniuS den von ihm mit Unterstützung aller Parteien des Hauses gestellten Antrag: der Reichstag wolle beschließen:
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werben versprochen, sich selbst gewonnen — und schneller alS der Gedanke stürzte er die Treppe hinauf, ihnen nach.
Er langte hinter ihnen an, als sie eben in den Saal traten, wo die Baronin noch immer vor dem Sopha auf den Knieen lag. Sie erhob sich bei ihrem Eintritt.
„Sie wünschen gnädige Frau?" fragte Ferrandez mit seiner höflichen Kälte.
„Daß Sie um meiner Kinder willen Erbarmen üben I"
„Und Ihnen den Gatten erhalten. Eine zärtliche Fran kann nichts anderes bitten. Wo ist der Baron?"
Luise preßte die Lippen zusammen, aber sie errokerte ans seine bittere Bemerkung nichts. „Ich will vorangehen," sagte sie tonlos.
Sie schritten, gefolgt von Welding, durch die leeren, festlich erleuchteten Zimmer. Vor der Thür von Buchfelds Kabinett machte die Baronin Halt und wandte sich einen Moment unschlüssig um. Sie warf einen Blick auf daö bleiche Antlitz ihres einstigen Geliebten, und es schien ihr plötzlich, als könne sie sein Opfer nicht annehmen.
„Vorwärts!" sprach Ferrandez kurz.
Sie legte die Hand auf den Thürdrücker. Da hallte drinnen ein Schuß.
Luise wankte, Edith unterstützte sie, ihr Bruder öffnete die Thür.
Der Baron ruhte halb liegend auf dem Sopha, fein Antlitz mit den regelmäßigen Zügen war zurückgelehnt, die weiße, schlanke Hand, auf die er das Haupt gestützt, verschwand halb in dem braunen Haar. Die herabhängende Rechte hielt noch die Pistole umspannt, über die weiße Gesellschaftsweste rieselte das Blut.
„Laß mich zu meinen Papa! — Ich habe Papa noch nicht gute Nacht gesagt!" wurden von der anderen Thür weiche Kinderstimmen laut, und, halb entkleidet, die Wärterin ungestüm znkückweisend, stürmten Bnchselds Knaben herein.
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gleichen Strafe geahndet."
Abg. Ackermann hält diese Bestimmung dem Anträge
Abg. Baumbach auf Streichung dieser Nr. 8 gegenüber durchaus zweckmäßig. Letzterer macht für seinen An-
Reichstag.
Berlin, den 9. Mai.
Die heutige (83.) Plenarsitzung des Reichstages erklärte vor dem Eintritt in die Tagesordnung
Präsident v. Levetzow: Meine Herren: Am 22. d. M. feiert ein Mann, der lange Jahre, in wichtiger Zeit, an dieser Stelle gestanden hat, sein 50jährigeS Jubiläum. Da vor dem Jubiläumstage der Reichstag vorauSsichllich keine Sitzung mehr abhalten wird, so erbitte ich mir vom Hause die Vollmacht, Herrn Präsidenten Sim son zu seinem Ehrenlage die herzlichsten Glückwünsche des Reichstages darbringen zu dürfen. (Lebhafte Zustimmung.) Erkenne ich die Stimmung des Hauses recht, so hat dasselbe meinen Vorschlag einstimmig genehmigt.
Auf der Tagesordnung steht in erster Reihe der Rest der Gewerbeordnungö-Novelle. Zunächst wird der von den Abgg. Baumbach Richter gestellte Antrag, dem § 148 einen Zusatz zu geben, wonach in den Fällen des § 60 Absatz 2 und 3 (Eintritt in fremde Wohnungen zum Zwecke des Gewerbebetriebes ohne vorgängige Erlaubnis, sowie Betreten siemder Häuser und Gehöfte zur Nachtzeit) die Verfolgung nur auf Antrag eintreten soll, — mit Stimmengleichheit (125 gegen 125) abgelehnt. Demnächst wurde auch über § 148 selbst durch itio in partes entschieden und derselbe mit 131 gegen 130 Stimmen angenommen.
Nach § 149 wird mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. und im Unvermögenssalle mit Haft biö zu 8 Tagen bestraft: „8. wer, ohne einer Innung als Mitglied anzugehören, sich als Jniluugsmeister bezeichnet. Die Unterlassung einer durch das Gesetz oder durch Statuten vorgeschriebene Anzeige über Jnnungsverhältnisse an die Behörden, sowie Unrichtigkeiten in einer solchen Anzeige werden gegen die Mitglieder des Vorstandes der Innung ober deö JnnungSverbandes mit
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1. den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, er wolle eine Kommission von Sachverständigen berufen, welche unter Leitung eines Reichskommissars auf deutschem Gebiete a) die derzeitigen Stromverhältnisse des Rheines und der ihm zuströmenden Nebenflüffe, mit Einschluß des Oberlaufs derselben, untersucht; b) unter geeigneter Anhörung von Jntereffenten der Land- und Forstwirtschaft, beziehentlich des Weinbaues aus den beteiligten Landesteilen die Frage prüft, ob und wieweit die betreffenden Stromvrrhilt- niffe auf die in den letzten Jahren sich häufenden und in jüngster Zeit so ungewöhnlich verderblichen Hochfluten de« Rheines von Einfluß gewesen sind; c) je nach dem Ergebnis dieser Untersuchungen Maßregeln vorschlägt, wie durch Abänderung, beziehentlich Verbesserung jener Stromverhält- niffe künftiger Gefahr möglichst vorgebeugt werden kann;
2 den Herrn Reichskanzler ferner zu ersuchen, er wolle s-Z- von dem Ergebnis dieser kommissarischen Untersuchungen dem Reichstage Mitteilung machen;
3. in El Wägung zu ziehen, ob nicht von Reichswegen regelmäßige Meldungen von Hochwasserständen sämtlicher deutschen Strome an die beteiligten Uferbewohner eini«; richten seien.
Der Antragsteller gab einen historischen Ueberblick über den Verlauf der Rheinkorreklion, schilderte, wie die Neben- lüffe des Rheins zu gunsten der Schiffahrt ausgebaggert eien, ohne Rücksicht auf den Hauptfluß zu nehmen, er« nnerte an die Ueberschwemmnngen in letzter Zeit und kam zu dem Schluffe, daß unsere Wafferwirtschaft nicht auf der Höhe der Zeit stehe. Wie die ReichSkommifsion, welche im Jahre 1881 die Rheinstrecke Mainz Bingen untersucht, gute Resultate erzielt habe, so werde auch die von ihm gewünschte Kommission zu heilsamen Vorschlägen kommen.
Bundesbevollmächtigter Unter-Staatssekretär M a r c a r b erklärte, daß der Herr Reichskanzler schon vor dem Einbringen des vorliegenden Antrages infolge der neuesten Ueberschwemmnngen am Rhein in Erwägung genommen habe, wie solchen Kalamitäten vorgebeugt werden könnei Selbstredend seien dazu technische Vorarbeiten nötig, die bei der großen Ausdehnung des Rheindistrikts längere Zeit in Anspruch nehmen. Inzwischen wende die Regierung der Sache mit Ernst und Nachdruck ihre volle Aufmerksamkeit zu. Mit dem Ziele deö Antrages sei die Negierung also vollständig einverstanden; ob derselbe aber in der von der Nr. 1 des Antrages vorgeschlagenen Weise zu erreichen sei, müsse zur Zeit als eine offene Frage angesehen werden. Persönlich sei er übrigens der Meinung, daß alle anderen äußerst zahlreich vorgeschlagenen Mittel den erwünschten nachhaltigen Erfolg nicht haben mochten, daß vielmehr für eine gründliche Abhülfe, wo irgend thunlich, die Erweiterung des Hochwasserprofils in Aussicht zu nehmen sei.
welches in ihnen liegt, vollständig zur Wirkung gelangt, so daß man ihnen nicht zuwiderhandßlt? Meine Herren, eine solche Beweisführung für die Aufhebung von Strafgesetzen, dieselben würden nicht häufig genug übertreten, ist neu. Wenn in der Thal sich niemand JnnungSmeister widerrechtlich nennt, nun wohl, so fällt auch niemand der Strafe anheim, die Strafe geniert also auch niemanden. Ich glaube, unter diesen Umständen wird man ruhig die Strafvorschrift, io wie sie steht, und die doch unzweifelhaft eine materielle Bedeutung hat, aufrecht erhalten können. Dann sagte der Herr Vorredner, endlich solle einmal die Bewegung für die Innungen zur Ruhe
dort aus wird eine Aenderung des 1881er Gesetzes provoziert, die in gar nichts begründet ist. Meine Herren, ich glaube, es wird allerdings gut fein, die Ruhe des Gesetzes in dieser Hinsicht nicht weiter anzugreifen
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Sie blieben mitten im Zimmer stehen und die großen, entsetzten Augen, die sie wie fragend auf den fremden Herrn richteten, trafen diesen schwerer als die unwillkürlich vor- wurfsvollen Mienen WeldingS und feiner Schwester. Niemand sprach ein Wort.
Es lag eine furchtbare Verurteilung auf diesem Schwei- gen; Ferrandez stützte sich schwer auf die Sophalehne.
„Der Papa ist zum lieben Gott gegangen, Kinder," sagte Luise mit klarer Stimme. „Weinet nicht deshalb, es mußte so sein — eS ist nicht« als Gerechtigkeit."
„Ich danke Ihnen für das Wort," sprach Ferrandez mit bewegter Stimme, und zum erstenmal nach langen Jahren umschloß seine Rechte mit innigem Druck die Hand der Frau, die er einst so sehr geliebt.--
Graf Sarernba sprach am andern Morgen frühzeitig bei Ferrandez vor und wurde sogleich zu ihm geführt. Er fand ihn bleich und verstört, aber voll von der weichen Zärtlichkeit, die er stets gegen ihn an den Tag legte.
„Wissen Sie schon das Entsetzliche? Buchfeld hat sich diese Nacht erschossen!" war sein erstes Wort. — „Ich kann Ihnen nicht sogen, wie eigentümlich mich daS berührt! Die Baronin sandte mir heute früh einen Brief des Verstorbenen, worin ich die Anweisung auf eine namhafte Summe fand, die er meinem Vater geschuldet haben will. Das erinnert mich an den Todestag Papa«, an seine letzten Worte. — Wie, wenn Buchfeld nicht gewesen wäre, wie wir immer glaubten?" O, ist es möglich, daß man sich so in den Menschen täuschen kann?"
„Die Menschen, lieber Roman, wandeln alle in der Irre, und wehe dem, der sich vermißt, seinen Nächsten zu richten. — Ich denke, Sie werden gut thun, Ihrer Erinnerungen gegen niemano zu erwähnen."
(Fortsetzung folgt.)
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Prei» für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnstrirtet Lomttagsblatt" durch die Expedition (R e <bf*e Buchdruckerei) bezogen 21/* «Hat!, durch die Postämter des Deutschen Reiche« 2 Mark 60 Pfg. (erd. Bestellgebühr) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Bf«.
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Er ließ sie seufzend los und griff nach der Klingel.
„Meinen Wagen, Filippo! — Komm denn, Edith I" sagte er.
Als sie Arm in Arm die Hausflur von Buchfelds Wohnung betraten, stießen sie auf einen Mann, der bei ihrem Anblick erschrocken zurückprallte. ES war Welding. ®ie ein Wahnsinnger starrte er den beiden nach. „Ver käter!" murmelten seine bleichen Lippen und er ballte die Hand hinter Ferrandez.
Als er vorhin aus der lärmenden Gesellschaft in sein stilles Zimmer getreten war, hatte ihn daS Bewußtsein seines ' : "_________:. @r hatte nur
Einmal geliebt, hatte mit aller Kraft seines HerzenS geliebt, 8nb er mußte auf hören zu existieren, sobald ihm nicht mehr ^rgönnt war, seine Gefühle dem schönen Mädchen zu Zeihen. Kalt entschloff n hatte er daher an seine Mutter geschrieben und war eben im Begriff gewesen, den Brief Mjulragcn und nicht mehr in daö Hotel zurückzukehren — £ wußte, daß er in der kalten Winternacht nur nötig wte sich auf dir erste beste Treppe niederzusetzen, um iflt BlOr0en früh aller Qualen enthoben zu fein.
100 Bei Ferrandez' Anblick erst erinnerte er sich, daß ihn M eine Pflicht an das Leben binde; zugleich übermannte '»n rasender Zorn, daß ter, in den er so festes Vertrauen gesetzt, ihn verraten und das Mädchen, das er für ihn zu
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