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Marburg, Mittwoch, 9. Mai 1883.

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Kameradschaft geweiht wurde, ward Herz und Zunge loS- gcmacht.

Die Nefeeveoffiziere treten anfangs in einen fremden Kreis, aber im näheren Berühr erkennen sie den ernsten Sinn, der im Offizierkorps kbt, und die kriegerische Tugend, die da gepsiegt wird.

So gestalten sich herzliche Beziehungen.

An den Festtagen des Regiments sieht das Offizierkorp- Idite Reserveoffiziere gern in seiner Mitte. So findet der Tag der Mobilmachung ein aus aktiven und Reserve- Offizieren harmonisch zusammengesetztes Offizierkorps.

Auch bei der Landwehr empfindet man das gleiche Be­dürfnis. Hindert der bürgerliche Beruf ein häufiges Zu- sammensttzen der Offiziere an gemeinsamer Tafel, so wird doch in vielen Landwchrbczirkcn allmonatlich einmal eine kameradschaftliche Zusammenkunft in Uniform gehalten; mancherorten bringt jeder Winter noch besonders festliche Vereinigungen. Als Kameraden und Glieder eines Korps wird man der ernsten Pflicht sich neu bewußt, die der Krieg so schnell den Männern der friedlichen Arbeit auferlegen kann, bei Becherklang wird die soldatische Erinnerung wach- gerufen und die militärischen Interessen werden neu belebt.

Also weder Linien-, noch Reserve- noch Landwehr-Offiziere sind der Ansicht des Herrn Richter, daß die treue Kamerad­schaft im Kriege von ungefähr komme; alle bekennen sich zu der Ueberzeugung, daß es sich besser kämpft Schulter an Schulter mit Kameraden, die man als Männer und Menschen kennen und schätzen lernte und daß die Erinnernng an ge­meinschaftliche Freuden ein gutes Band ist in gemeinschaft­lichen Gefahren."

Weiter heißt es in betreff der Invaliden und der Offiziere:

Herr Richter irrt, wenn er meint, die heutigen In­validen verdankten ihre besseren Pensionen dem Parlamente. Organe des Kaisers und Königs haben auf dessen Befehl das Jnvalidengesetz ausgearbeitet, das Bedürfnis nachgewiescn, der Reichstag hat anerkennen müssen, daß des Kaisers Forderung für seine Invaliden gerecht war; so kam das Gesetz zu stände. Hat etwa das Parlament seit 1870 Gela dazu bewilligt? Hat nicht der Kaiser den Jnvalidenfonds in siegreichem Kampfe erstritten? Nicht, seit es Parlamente flieht, ist für die Invaliden in Preußen besser gesorgt, sondern seitdem Kaiser Wilhelm der Siegreiche regiert.

Ja, was war mit diesem Kriege, als das Volk in Waffen den Erbfeind von den Grenzen jagte?

Nach Herrn Richter schuldet das Vaterland den 18 000 Be­rufsoffizieren dafür keinen Dank, das Volk selbst hat ge­kämpft und gesiegt.

Dank, Ehre, Ruhm schulden wir alle Einem, dem all­mächtigen Gott, der nach Seiner Barmherzigkeit weit über alle menschlichen Gedanken hinaus uns den Sieg gab.

Aber in Seiner Hand war das Offizierkorps, d. h das Korps der Berufsoffiziere, das wesentlichste Werkzeug, um da- Volk zum Siege zu führen. Wir nehmen niemand seinen Ruhm, weder den Feldherrn, noch den Offizieren des Bcurlaubtenstandeö, noch den Unteroffizieren und Soldaten. Aber die Vorbereitung im Frieden, die Einübung der Offi­ziere und Truppen, die Entschlüsse, die Befehle, die Führung im Kriege, das alles war ausnahmslos nur das Werk der Berufsoffiziere. Niemals mag ein Berufsoffizier demü­tiger, fleißiger, wachsamer hcimgckehrt sein von großen Stegen, als der deutsche; ihm liegt sonst der Selbstrnhm

fern ihm ist seines Kaisers Dank genug. Nun mau ihm aber nehmen will, was ihm gehört, nun man in öffentlicher Parlamentssitzung ihm die Krone der Ehren vom Haupte nimmt, mit welcher Gottes Hand dir Mühen 50jähriger Fliedensarbeit gelohnt hat, da ist e- Zeit, di« Wahrheit auSzusprechcn."

Wie ist eS denn mit der dritten Sentenz, dich di« ReichStag-abgeordneten berufen feien, über alles zu urteilen?

In der Verfassung steht nichts davon geschrieben.

An dem Tage, an welchem e- Wahrheit, verfassungs­mäßiges Recht und Gesetz würde, daß Herr Richter und die Abgeordneten berufen sind, über alle öffentlichen, mili- tärischen Einrichtungen, auch über die Regimenter und Offizierkorps, zu urteilen, daß sie berechtigt sind, das, was sie mit ihrem parteiischen Blicke für Pflichtverletzung halten, öffentlich zu rügen, an dem Tage verlören Kaiser und Reich die treuesten und bewährtesten Offiziere und Heer­führer.

Oder meint Herr Richter, daß die Männer, die auf erstürmter Schanze den Kaiser mit siegreichen Fahnen ge- grüßt und unter eroberten Geschützen die Hand geküßt haben, die ihr dankbarer König ihnen thränendeu Auge« reichte, daß die sich seiner parlamentarischen Kritik beugen?

Niemals!

Herr Richter fragt: WaS stellt denn in diesem Staate daS Garde tu CoipS-Negiment dar?

Ich will eS sagen: Es stellt dar eine Schar tapferer Männer, die sich nicht von ihrem Könige trennen läßt; eS bedeutet, daß solche Schar da« Vaterland rettet, wenn in der Schlacht alles verloren scheint, w e diese Gard« du Corpö bei Zorndorf, die Garde-Dragoner bei Mar« la Tour; eS bedeutet, daß solche Schar dem Kaiser Treue hält, gegen jeden Feind, bi« in den Tod.

Aber was stellt denn Herr Richter dar in diesem Staate??? WaS wiegt die Majorität von ein paar Stimmen, auf der sein Sitz im Reichstage ruht, dir morgen verweht sein kann wie Spreu vor dem Winde?

Militarismus.

III.

AnS der von uns erwähnten kleinen Schrift eines hkulfcheu Soldaten gegen den Abgeordneten Richter und hiue Angriffe teilen wir weiter noch folgende Proben mit: go äußert sich der Verfasser über die Bedeutung der Offizierkasinos:

Der junge Offizier bedarf noch immer in mancher Beziehung der Erziehung und Belehrung, vor allem deö Vorbildes. Was dem einen am angeborenen Taktgefühle unb dem andern an Vollendung in äußerer Form und guter Sitte fehlt, daS muß gelehrt und geübt werden. DaS jaitn nicht im Wirtthause geschehen. Wo soll Freundschaft geschlossen werden, wo sollen sich die in Wissenschaft, Kunst «der Sport harmonierenden Interessen zusammenfinven? Keineswegs ist die kriegerische Kameradschaft erhaben über solche Bedürfnisse, sie bedarf dessen dringend. Deshalb gehören auch die Stabsoffiziere, Hauptleute und Rittmeister eines Regiments, obwohl sie nicht verpflichtet sind, täglich m Offizier tische zu essen, dennoch dorthin; ihre Anwesenheit ist von hohem Werte und durch eine bezügliche Allerhöchste Kadinetsordre ausdrücklich empfohlen.

Es ist nicht unbillig, daß daS Offizierkorps eines Regiments als eine Familie ein eigenes Heim verlangt. Es findet Freude und Befriedigung darin, dies Heim zu schmücken. Die Porträts unserer Herrscher und der ge­fallenen Kameraden, die Andenken, welche alte Chefs und Kommandeure der Genossenschaft schenkten, die Bilder von dm Schlachten, die die Alten schlugen, das alles soll von den Wänden zu den Jungen sprechen.

Was hier irr junge Gemüter eingeprägt wird, daS wird mit hinauSgenommen bis auf das Schlachtfeld und stärkt dort Festigkeit, Vertrauen und unbeugsamen ManneSstolz.

In die Reihen der Berufsoffiziere treten mit dem Tage der Mobilmachung die Reserve-Offiziere ein. Sie kommen

An allen diesen Fundamenten hat Herr Richter rüttelt. Seine Angriffe gegen die Armee kennzeichnkn al« die Laufgräben eines planmäßigen Angriffes gegen ... wichtigsten und unentbehrlichsten verfassungsmäßigen Recht« der Kaiserkrone."

Die Armee, und in ihr alle Hoffnung, Sicherheit und Zuversicht des Vaterlandes ruht auf der Disziplin, dem Vertrauen der Untergebenen zu ihren Vorgesetzten, auf der gründlichen Ausbildung und dem freudigen Gehorsam aller, auf der Tüchtigkeit und Energie der Offiziere, auf deren Kameradschaft und brüderlichem Zusammenhalt, auf willenlosen Hingabe des ganzen Heere- in die Hand Kaisers uns seiner Generale.

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Sn,eigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Ann»ncen-8Nre»ux o»n ®. 8. Daube u. E». in

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Erscheint täglich außer an de» Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirtes Gouutagtblntt" durch die Expedition (K och'sche Buchdruckerei) brzogon 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psfl- berechnet.

nicht als Fremde. Bei den FriedenSübungen waren sie dem HauS« Offizierkorps liebe Tischgcnvssen. Trotz mancher Verschieden­artigkeit lernte man sich kennen und schätzen. Wenn nach Staub und Schweiß dcS Dienstes ein volle- Glas der

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25 Auf Irrwege».

Novelle von L- Calm-

Die allgemeine Heiterkeit war gestört. Man erinnerte sich plötzlich, daß es spät sei, daß man aufbrechen müsse, und in einer Stunde war der Saal geleert.

Buchfeld stand noch über daS Lager seiner Gattin ge­beugt er löste ihr Haar, ihr Gewand, rieb ihre Stirne endlich schlug sie langsam die Augen auf.

Walter!" war ihr erstes Wort.

Die Kinder sind nicht hier," sprach der Baron, welcher keinen Leidenden unbewegt sehen konnte, mit besorgtem Blick.

O, ich wollte nicht ich träumte nur" sie richtete sich langsam auf, bebte aber im nächsten Augenblick mit kinem furchtbaren Schrei zusammen.

Buchfeld folgte der Richtung ihres Blickes und sah, wie ft sich jäh umwandte, Ferrandez mit gekreuzten Armen vor sich stehen.

Wäre ein Blitz vor ihm niedergefahren, er hätte ihn in Meiern Augenblicke nicht schwerer treffen können; ihm war, Ms öffne sich ein Abgrund gähnend zu seinen Füßen.

Ich möchte, sobald Sie für Ihre Frau Gemahlin ge- ssrgt haben, wohl um eine kleine Unterredung bitten, Herr Baron."

Laß mich hier I" sprach Luise, den Arm ihres Gatten Mrückweisend.

Geh'n Sie, gnäcige Fraubat Ferrandez mit weicher Stimme.

Mich soll keil'e Macht der Welt von tiefer Stelle bringen," beharrte sie. Sie faltete die Hände um die Kniee, Und wer sie von früher her kannte, mußie jetzt wissen, daß alles Zureden vergeblich sein würde.

Sie wissen, Frauenwille ist Gesetz," sprach Buchseld, be» eine verzweifelt'- Lust anwandelte, sein Schicksal h raus­

zufordern, ungeduldig.Meine Gemahlin wird wohl hören dürfen, was ihren Gatten betrifft."

Die letzte Bemerkung genügte, de« Mexikaners Schwan­ken zu beendigen.Sei es denn," sagte er,ich habe die gnädige Frau gewarnt, wenn da«, was kommt, ihr rück­sichtslos erscheint. Ich muß weit ausholen, um mein Anliegen vorzubringen und eine Person nennen, die vielleicht längst Ihrem Gedächtnisse entschwunden ist. Herr Baron v. Buchfeld, ich stehe vor Ihnen im Namen Walter Hör­dens, jenes jungen Mannes, an dem Sie sich einst so schwer versündigt."

Der Baron sank stöhnend in einen Sessel, Lui e wandte nur die großen, erwartungsvollen Augen auf den Sprecher, und ihre Lippen bewegten sich lautlos.

Ist cs nötig, daß ich vor dieser Dame wiederhole, welcher Kunstgriffe Sie sich bedienten, um den Aermsten zu einem Verbrechen zu bereden, dos Sie mit dem Gut Ihres Freundes bereichern sollte?"

Mein Gedächtnis ist zuverlässig" sprach Buchseld. Aber der, den Sie erwähnten, ist tot."

Er war im Begriff, sich zu töten, aber in dem Mo­ment, wo er schon sich von der kleinen Brücke in de» Fluß stürzen wollte, hielt ihn ein Gedanke zurück, der Gedanke an Rache! und er beschloß, zu leben."

O, er gab sich richt um meinetwillen den Tod," rief Buchfeld und sprang wie elektrisiert empor.O, nun komme, was da will, er starb nicht um meinetwillen, ich bin nicht ein Mörder."

Sie sind es vor Gott und vor mir," entgegnete Fer­randez mit eisiger Stimme,nicht Ihr Verdienst war es, daß der unglückliche seinen Entschluß nicht ausführte. Sie haben nur oll da« Elend cuf dem Gewissen, daß er infolge dess. n noch tragen mußte. Er ging nach Amerika, aber da er ganz mittellos sein Heimatland verlassen, war er

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genötigt, während der Ueberfahrl Schiffsdienste zu leisten. Seine zarte Gesundheit wurde dadurch ruiniert, totkrank kam er in Ncwyoik an und »ar hier, um nicht Hunger« zu sterben, gezwungen in den Kaffeehäusern öffentlich zu singen, also, Herr Baron, durch eine Art von Bettelei sein Leben zu fristen."

Aber, unterbrach ihn Luise,e« wurde einige Tage nach seinem Verschwinden eine Leiche au« dem Wasser ge­zogen"

Die Leiche eine« andern, gnädige Frau."

Wester, weiter," murmelte der Baron.

Ich hielt mich um jene Z it in Newyork auf, hatte den unglücklichen jungen Mann mit Interesse gesehen mir fiel e« auf, als er seit einiger Zeit nicht mehr erschien. Ein Kellner vermochte mir Auskunft zu geben ich fand ihn in einer erbärmlichen Wohnung, sterbend, verschmachtend auf einem Strohlager. Er erzählte mir seine Geschichte und ich schwor in seine erkaltende Hand, ihn zu rächen und die einzige Verwandte, die er hier zurückgelassen, seine Schwester, zu suchen. Das Letztere ist mir leider bi« jetzt nicht ge­lungen. Die Kleine scheint untergegangen in dem Schmutz, dem Elend einer Komöviantentruppe. Auch sie wird einst von Ihnen gefordert werden, Herr Baron, wenngleich vor­läufig sich da« Gericht nur mit Ihrem Betrüge befassen wird. Ich habe Zeugen aufgetrieben"

O, ich weiß," sagte der Baron,jene Frau, welche mir einst ewige Treue schwor"

»Zu Ihrer Beschämung mögen Sie erfahren, daß diese Unglückliche, mit deren Herzen Sie ein so grausame« Spiel getrieben, es dennoch oblehnt, gegen Sie zu zeugen."

Daran ferne ich Dich, Valetta!" murmelte Buchfeld.

(Sortfefrune folgt )