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xvm. Jahrgang.

Marburg, Dienstag, 8. Mai 1883.

105

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Weit; -igen mmt entgegen: c 45. < ^Expedition d. Blattes, J* , n .d.Annoncen-Bureaur ers.Mj,. Jh. Dietrich u. Co. in

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Spedition d. Blattes,

24

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Aus Irrwege».

Novelle von L- Ealm.

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mir, die sage, ich

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jagt in betreff des Gardekorps:

Der Kaiser bedarf nach Herrn Richter jedenfalls als Ehrengarde kein Armeekorps. Unser Kaiser hat für Seine Person noch nie ein Bataillon beansprucht, obwohl Er ja Macht und Recht dazu hätte. Alle Truppen der Garde sind Feldtruppen, die mobil werden. Im Jahre 1866 and 1870 hat unser Kaiser für Sich und Sein Haus der Armee weder ein Bataillon noch eine Eskadron entzogen, sondern Er hat Sich durch kommandierte einzelne Mann­schaften von allen Infanterie- und Kavallerie-Regimentern eine kleine Bedeckung für Sein Hauptquartier gebildet.

Nicht einmal Sein Regiment der Garde du Korps hat Er aus der Ordre de bataille der fechtenden Truppen genommen, sondern dies Regiment hat die Feldzüge 1866 und 1870 im Brigadevcrbande mitgemacht, wie alle anderen Kürassier. Regimenter auch. DaS Regiment exerziert nach demselben Reglement, eS reitet dieselben Tempo« in der Attacke; e« wird genau wie die übrigen Regimenter von Sr. Maje­stät besichtigt, eS manövriert im Brigade-, im DtvisionS- Berbande. Die Generalstabswerke der Jahre 1866 und 1870 weisen nach, daß das Regiment überall auf den Schlacht­feldern bereit stand: so bei Königgrätz"), bei der Zernierung von Josephstadt vom 4. bis 6. Juli, wo daS Regiment der 3. Garde-Jnfanterie-Brigade beigegeben war und wesentlich

bei dieser Aufgabe mitwirkte; so am Tage von St. Privat bet Batilly, am Tage von Sedan bei Givonne und Fleigneux. Man fragt vergeben«, warum Herr Richter diesen ungerechten Angriff auf ein braves Regiment losgelassen hat. Man könnte glauben, daß er daS Regiment darum anfeindet, weil c« der König fo besonders ehrt, weil der Hohrnzollemdank da« Jahrhundert überdauert hat, der Dank für Zorndorf, wo der Führer des Regiments, der Rittmeister Wackenitz dem General Seidlitz die berühmte Antwort gab:Ich halte eine Schlacht nicht für verloren, in der die Garde du Korps des König« noch nicht attackiert hat. Ich attackiere." Er attackierte, zersprengte 5 russische Karrees, eroberte 5 Fahnen und 15 Geschütze. ES war nicht der erste Sirgeöritt des Regiments; schon bet Hohenfriedberg hatte e« mehrere Kavallerie - Regimenter in Flucht geschlagen, 2 Bataillone Infanterie zersprengt, 7 Standarten und 5 Fahnen erobert. In den Schlachten und Gefechten der 3 schlesischen Kriege hat da« Regiment im ganzen 35 Ge­schütze, 36 Fahnen und Standarten erobert."

Reichstag.

Berlin, den 5. Mat.

Die (80.) Plenarsitzung des ReichStag« wurde 1 Uhr 30 Minuten vom Präsidenten von Levetzow eröffnet.

Die erste Beratung des Etats pro 1884/85 wurde vom Staatssekretär im Reichsschatzamt Burchard einge­leitet. Derselbe betonte dabei, daß der an den Reichstag gerichtete Aufruf der Allerhöchsten Botschaft seine praktische Bethätigung in der heutigen Vorlage, in dem Etat, finde. Er dürfe sich also enthalten, die jetzt erfolgte Vorlegung deS Etats näher zu motivieren. Die finanz-technischen Schwierigkeiten, die mit der früheren Vorlegung des Etats verbunden seien, würden sich überwinden lassen. Der Herr Schatzsekretär ging dann auf eine Reihe von Details deS vorliegenden Etats ein und schloß mit der Bitte, in eine baldigste Beratung desselben einzutreten.

Vom Abg. Rickert ist ein Antrag eingegangen, außer dem in dem bereits mitgeteilten Anträge v. Kardorff vor­geschlagenen Teile deS Etat« noch einige andere desselben der Budgetkommisfion zur Vorberatung zu überweisen.

Abg. Bamberger unterzieht die sozialpolitischen Be­strebungen einer umfassenden Beurteilung und findet eS falsch, wenn immer behauptet werde, daß sie im Einklänge ständen mit den Traditionen der preußischen Monarchie; Stein und Hardenberg hätten für die Armen auch ein Herz gehabt, Friedrich der Große habe sichKönig der Armen" genannt, aber alle drei hätten eine klare, ziel­bewußte Thätigkett entfaltet, während die jetzige staat«-

*) Da« Regiment verlor in der Schlacht S Offiziere, 8 Mann.

Militarismus.

II.

fällen kann."

Bedenken Sie wohl, wa« Sie sprrchm, Fräulein."

Ich werde niemals heiraten."

O, mein Fräulein."

von M» Art toi tmt zu bi

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Glauben Sie mir und ersparen Sie e« Gründe darzulegen. Genug, wenn ich Ihnen muß beide Anträge zurückweisen."

Graf Saremba ist ein so liebenswürdiger Charakter.

Ich weiß e«, aber unsere Naturen passen nicht zu­sammen. Ich bin für ihn zu stark, zu leidenschaftlich bald würde bei ihm Unbehaglichkeit an Stelle der Liebe

eisekart»!

laufuj jausen.

\ Sobald sie ihre Thränen getrocknet, trat er ein. Er brachte i<in Anliegen mit alleL Takt, allem Zartgefühl bot, ' dessen er fähig war, aber sie geriet deSungeachtet in sichtliche Bestürzung.

O, mein Gott, mußte es dahin kommen?" murmelte sie.ES ist nicht meine Schuld, nein, nein, ich wollte ihnen beiden keine Hoffnungen wecken, die ich niemals er«

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adrefien werden 25 Pfg. berechnet-

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie d-Annoncen-Bureaux von 0- 8. Daube u. So in Frankfurt a. M; ISgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendani in

Berlin; 8». Thiene« in Elberfeld: 6. Schlotte in

Bremen.

in Frankfurt a tol-; Lenstem u- Vogler in |. Jtfurt a. M-, Berlin, Gg, Köln re-; Rudolf Sfft in Berlin, Frank- furt a. M- rc-

Ferrandcz sah wohl, daß seine Sache verloren sei und machte keinen weiteren Versuch. Er war kaum in den Saal zurückgekehrt, als eine Hand sich krampfhaft um seinen Arm legte. Welding stand vor ihm.

Nun?" fragte er.

ES kam Ferrandez selbst wie eine erbärmliche Phrase vor, wa« er antworten mußte:Fassm Sie Mut, mein lieber junger Freund"

Welding ließ seinen Arm Io«.Also vorbei!" murmelte er.Sie wiffen, daß ich darauf gefaßt war. Glauben Sie, daß eS mich überrascht?"

Ferrandez wußte, daß er e« mit einem Menschen zu thun hatte, der um keinen Prei« bemitleidet sein wollte. Ich erinnere mich ja, wa« Sie mir vorhin sagten," ent­gegnete er,aber wa« mich überrascht, ist, daß die junge Dame erklärte, überhaupt keinem Manne ihre Hand reichen zu wollen."

Ein origineller Gedanke, in der That. Also, daß Saremba"

Seine Wünsche auch nicht befriedigt sieht."

DaS ist ja lustig. Nun, haben Sie Dank für Ihre Mühe." Er mischte sich unter die Gesellschaft, er war heiter, selbst ausgelaffen, und nur der schrille Klang seine- Lachen«, die Bläffe seiner Stirn zeigte dem Eingeweihten, daß ein Sturm in seinem Innern tobte.

Ferrandez sah ihm mitleidig nach.Ich hatte wenig­sten« für diesen gehofft," sprach er bei sich,wahrlich, ich gebe einen unglücklichen Fürsprecher ab." In diesem Moment kreuzte die Baronin Buchfeld seinen Weg.

Dars ich fragen, Heer von Ferrandez, wie Ihre Mission ausgefallen?"

Wie, Sie wissen, gnädige Frau?"

Roman machte mir vorhin eine Andeutung. Nicht

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sozialistische Politik täglich überhasteter und unklarer werde. Der Friede nach außen fei hoffentlich auf lange Jahre gesichert, möge man ihn nicht damit stören, daß man im Innern Unfrieden stifte, indem man einen Keil zwischen die verschiedenen Bevölkerungsklaffen schiebe. Er stimme den sozialpolitischen Vorschlägen der Regierung nicht zu, er thue dies al« de« Kaisers allergetreueste Opposttion.

Finanzminister Scholz setzt demBambergerschenIdeal einer Parlamentsregierung, die auch der Abg. Richter neu­lich gepriesen habe, die Kaiserliche Regierung gegenüber, die nach besten Ueberzeugungen vorgehe und hoch über de« täglich wechselnden Launen de« VolkSwlllenS stehe; sie ver­fahre nach dem Willen de« Monarchen mit dem Beiräte der Volksvertretung. Die Regierung habe niemals die ihr neuerdings zugeschriebene Absicht gehabt, das Ansehen de« Parlaments herabzudrücken; er widerspreche dem entschieden, damit d'ese völlig unbegründete Behauptung nicht allmählich den Charakter einer historischen Thatsache annehme, wenn sie unwidersprochen bleibe. Wenn der Abg. Bamberger daS soziale Reform-Programm der Regierung ablehne, so sei die« die Konsequenz seine« manchesterlichen Standpunkte«, infolge dessen eS dem Abg. Bamberger unverständlich sei, daß da- Reich sich großen sozialen Aufgaben zuwenden müsse, wenn e« bestehen wolle, daß mit dem Gehenlassen gebrochen werden müffe. Die Botschaft beginne mit den Worten:Wir haben von jeher die sozialm Aufgaben für eine hervorragende Pflicht erkannt, die Wir al« Kaiser übernommen haben." Alsovon jeher", nicht erst feit der Emanation de« Sozialistengesetze«. Damit falle der oft gehörte Einwand, die Reformen sollten bloß eine Be­ruhigung der Arbeiter und ein Sporn sein, sich nicht der Sozialdemokratie zuzuwenden. Da-Land werde entscheiden, ob die Eloquenz de« Vorredners oder die Kafferliche Bot­schaft maßgebend fein solle.

Abg. v. Benda konstatiert die Arbeitslust aller Par­teien, aber die Vorlegung des Etats habe bett intendierten Zweck der Erleichterung der Geschäfte nicht erreicht, ha Gegenteile die Schwierigkeiten der parlamentarischen Situa­tion beträchtlich vermehrt; eS wäre darum besser gewesen, mit der Beratung de« Etats bis zum Herbste zu »arten; aber auch nach der langen, sechsmonatlichen Parlaments- kampagne werde dir Budgetkommission sich der eingehenden und dteSml besonders schweren Prüfung de« Etat« nicht entziehen können, frellich von Anfang an mit dem Bewußt­sein, daß alle Ansätze und Calcul« durchaus unzulässig seien.

Abg. v. Köller hebt hervor, durch die sofortige Etat«- beratung werde die Wintersesston entlastet und für die sozialen Vorlagen disponibel; überhaupt werde die Re­gierung gut thun, zur Vereinfachung der parlamentarischen Arbeiten die Jvee zweijähriger Etat« im Auge zu behalten.

wahr, ich darf hoffen, daß die oft ausgesprochene Abneigung meitter Malvsn gegen jede Heirat nur ein Scherz war?"

Leider muß ich meinem Freunde eine sehr traurige Nachricht bringen, Frau Baronin."

O, wirklich?" Wie mich da« betrübt! Der arme Saremba 1 Er wird - nie verschmerzen."

Ach, gnädige Frau, tf giebt keinen ewigen Schrnerzj wie e« keine ewige Liebe giebt," sagte er mit seinem frivolen Lächeln.

Haben Sie bernt," sagte sie, und e« schien, al« mache ihr die Innere Erregung den Atem stocken,so traurige Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht, daß Sie nie mehr an Treue zu glauben vermögen?"

Wie man« nimmt, gnädtze Frau! Da« Mädchen, da« ich liebte, wählte einen andern. Soll ich glauben, daß sie mich nie geliebt ober daß sie mich vergaß?" Seine Hand bebte, al« er da« Haar au« der erhitzten Stirn strich.

Ihr Blick hing wie entsetzt an seiner Bewegung.

Ich kann nicht urteilen, »ernt ich nicht die näheren Umstände weiß," sagte sie mit kaum hörbarer Stimme. Aber haben Sie ihr vergeben?"

Ich wünsche ihr alle« Gute," entgegnete er.Aber mein Gott, Sie sind so bleich, gnädige Frau?"

O, e» ist nicht«! Nicht wahr, Sie finden mich recht zudringlich mit meinen indiskreten Fragen? Ich--"

Um Gotteswillen, die Frau Baronin wird ohnmächtig," rief Ferrandez erschrocken, aber er machte keine Bewegung, die Schwankende in seinen Armen aufzufangen. Buchfeld war im rechten Augenblick an ihrer Sette, er bettete sie auf einem Divan und blickte hülfefuchend um sich. Ferrandez riß der ihm zunächst stehenden Dame da« Riechfläschchen au« bet Hanb und reichte e« ihm hin.

(5oitfe«ung felgt.)

treten." ,

Aber bei Herrn Welding fällt tiefer Grunb fort. Ich bin überzeugt, gerade sein Charakter harmoniert mit dem

Ich habe Ihnen gesagt, daß ich ihm nicht meine Hand reichen kann. Quälen Sie mich nicht, achten Sie die peinvolle Lage, in der ich mich befinde; wenn Sie wich näher kennten, würden Sie wissen, wie vergeblich alle« Zureden nach einem einmal gefaßten Entschlüsse bei mir ist."

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Wir haben in unserer letzten Ausführung einige Bei- (eie(e von den thörichten Angriffen gegeben, welche sich die -Fortschrittspartei auf die Heeresorganisation f. Z erlaubt L Alle jene Angriffe, alle jene Prophezeiungen sind von der Geschichte glänzend widerlegt. Sollte man eS für möglich Men, daß nach einem Jahrzehnt im Reichstage ein Mann ach finden könnte, der die alten Phrasen der FortschrittS- a-aie- t »artet in mit Nichts begründeten Angriffen gegen die deutsche Heeresleitung wieder aufnehmen würde. Bekanntlich ist dre« .Mehen durch den Abgeordneten Richter und seine Reden haben in der Armee lebhafte Entrüstung hervorgerufen und eine Reihe kleiner Schriften sind zur Widerlegung erschienen. Unseres Erachtens wird dem Abgeordneten Richter viel zu viel Ehre mit diesen sachlichen Ausführungen angethan, nicht allein jetzt, sondern überhaupt. Ein Mann, der nur in einem Nörgeln und Schimpfen auf alles Bestehende sich bervorthut, dessen Licht wird nicht lange leuchten, e« wird ebenso schnell verlöschen, als das viel bedeutenderer Männer her Opposition wie Lasker u. a. Unter den Schriften, »ilche die im Reichstage erhobenen Angriffe warm und jachlick widerlegen, können wir unseren Lesern besonders empfehlenDie Angriffe des NeichStagsabgeordneten Herrn Richter gegen die Armee beleuchtet von einem deutschen Soldaten". Wir wollen einige Proben aus dieser trefflichen kleinen Schrift unseren Lesern mitteilen. Der Verfasser