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XVIII. Jahrziug.
Marburg, Sonntag, 6. Mai 1883.
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Kch Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „gteftrtrM EorkatagSblatt" durch die Hpei durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr ,—^JnsertronSgebühr für bit gespaltene 3eüe Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg» berechnet-
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Auf Irrwegen.
Novelle von L- Calm-
Redner sind gegen, 12 für die KommissionS-Anträge angemeldet.
Abg. Seyffardt (Krefeld), der zunächst auf die prinzipielle Berechtigung der Simultanschulen eingeht, betont, daß es im vorliegenden Falle gar nicht auf Wohlwollen oder Abneigung gegen die Simultanfchulen an sich ankomme — in dieser Beziehung seien für und wider wiederholt im Hause die verschiedensten Gründe beigebracht —, sondern um die Rechtsfrage, darum, ob die Regierung berechtigt sei, mir nichts, dir nichts die bestehenden Simultanschulen aufzuheben. Das verneine er, und er sei in der Lage, die Reskripte dreier auf einander folgender Minister für sich anzuführen. Erst in der allerletzten Zeit hab- der Minister v. Gotzler seine Ansicht geSndert und aus politischen Gründen das staatliche Oberaufsichtsrecht dem autonomen Rechte der Gemeinde gegenüber geltend gemacht. Eine Erregung in Krefeld, mit welcher allein der Minister das Verfahren rechtfertigte, fei allerdings vorhanden gewesen, aber dieselbe sei künstlich hervorgerufen. Die Rechtskontinuität sollte erhalten bleiben; wenn man nicht an Stelle deS Rechts die Willkür setzen wolle, müßten die Krefelder Simultanschulen aufrecht erhalten werden. (Beifall links.)
Abg. Strofser entgegnet, daß die idealen Ziele, welche der Vorredner dm Simultanschulen vorgezeichnet, sich in Wirklichkeit nirgends erfüllt hätten. Auf den poli- tifchen Boden habe sich nicht zuerst der Minister, sondern .die Krefelder Gemeinde selbst gestellt, als sie nicht aus pädagogischen oder finanziellen, sondern lediglich auS politischen Gründen die Simultanisierung beschloß. Wie man hier von Willkür deS Herrn Ministers oder von Staats- omnipotenz redm könne, sei nicht verständlich. Der Minister habe vielmehr die Mißstände so lange geduldet, als es ihm irgend möglich gewesen, und erst dann Wandel geschafien. — Der Redner beleuchtete rann die Umstände deS Näheren, unter denen die Simultanisierung in Krefeld vor sich gegangen, gegen welche sich nun seit langem die Proteste der von dieser Maßregel Betroffenen richten. So hätten u.a. mehr als 3000 Familienväter im Jahre 1879 eine Petition an den damaligen Kultusminister v. Puttkamer gerichtet, in welcher eö heißt: „Wohl in keiner Stadt der preußischen Monarchie — auö dem in den Anlagen beigebrachten Material wird Ew. Exzellenz zweifellos diese Uebrrzeugung gewinnen — sind Stwultanschulen ohne weniger Veran- laffung, aber mit desto feinerer Berechnung, mit mehr Schlagwörtern, aber wichtigeren Gründen seitens einer liberalen Stadtratsmajorität beschlossen und mit größerer Rücksichtslosigkeit und offenbarer Vergewaltigung der katholischen Bürgerschaft eingcführt, als gerade in Krefeld, wo nach den Berichten hoher Königlicher Regierung zu Düffeldorf das Schulwesen — das konfessionelle — sich in auS-
Srschemt täglich außer an den ©erfta, Buchdruckerei) bezogen 2V*
Lom Landtag.
Berlin, den 4. Mai.
Das Abgeordnetenhaus trat in seiner heutigen (43.) Sitzung in die Beratung der Petitton der Crrfelder Stadtverordneten und Bürger, betreffend die Umwandlung der dortigen Simultanschulen in konfessionelle Schulen, resp. Erhaltung der paritätischen Schulen. Die Unter- richtrkommission beantragt, über die erste Petition zur Tagesordnung überzugehen und die zweite für erledigt zu erklären, sowie die Staatöregierung auszufordrr», von ihrem in der Verfügung vom 16. Juni 1876 ausgesprochenen Grundsätze: „daß die Genehmigung zu paritätischen Schnl- cinrichtungcn nicht versagt werden solle, wenn da, wo die Schul unterhaltungspflicht der bürgerlichen Gemeinde ob* liegt, seitens der Gemeindebehörden ein dahingehender Antrag gestellt wird", in Zukunst Abstand zu nehmen. Drei
Reichstag.
Berlin, den 4. Mai.
Die heutige (78.) Plenarsitzung des Reichstags begann um l/2l Uhr die Beratung d-S Restes der Gewerbe- novelle, wurde aber um */s2 Uhr wieder geschloffen, da sich die Beschlußunfähigkeit deS Hauses herausstellte; nur 166 Abgeordnete waren anwesend. Der Präsident beraumte die nächste Sitzung auf heute nachmittag um 2 Uhr an mit der Tagesordnung: Erste Lesung deS Etats.
Um 2Vt Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet. D i r i ch l e t beantragt sofort die Vertagung der Sitzung, weil, der Geschäftsordnung entgegen, keine Tagesordnung den Mitgliedern zugesandt worden sei. v. Minnigerode giebt den Liberalen anheim, ob die« die richtige Art sei, die Geschäfte des Landes zu führen; dies sei eine unnötige Verzögerung. An der GcschäftsordnungSdrbatte beteiligen sich die Abgg. Windt- horst, Dirichlct, v. Minnigerode und Richter (Hagen). Der Vertagungsantrag wird abgelehnt, aber sofort von R i ch t e r (Hagen) unter Bezweiflung der Beschlußfähigkeit de« Hauses erneuert, so daß der Namensaufruf erfolgt. Die Auszählung ergiebt nur 185 Anwesende. Die Sitzung wird daher abgebrochen. Nächste Sitzung morgen, mittags 1 Uhr; Tagesordnung: Erste Lesung de» Etats.
jbition (Ä o chfche [e 10 Pf».
„Kommen Sie in den Wintergarten, ich «erde Sie erwarten, entgegnete sie.
Sobald er sie au» der Gesellschaft verschwinden sah begab er sich nach dem Wintergarten. Zwei hübsche Knaben von sechs und vier Jahren tummelten sich hier luftig zwischen den Blumentöpfen, de« Schadm« nicht achtend, den sie schon an mehr al« einem Ort vemrfacht.
Ei, e» wird Schelte geben!" drohte Ferrandez lächelnd.
„Wie heißt Du, Kleiner?"
„Eugen von Buchfeld," sagte da« Kind, da« seinem Vater im Acußern, wie dem tarnen nach glich.
Des Mexikaner» Augenbrauen zuckten. „Und Du?" fragte er den Jüngeren.
„Walter," sprach der Kleine und seine blauen Augen blickten den Fremden neugierig an.
„Ja, Walter," rief der Aeltere, — „ich wollte er sollte Eugen heißen nach mir und dem Papa, aber Mama meinte, dann wären wir nicht zu unterscheiden."
Ferrandez ließ die Hand des kleinen Walter Io«. „Er hat Kinder," murmelte er. Eine seltsame Unsicherheit, eine Bangigkeit war über ihn gekommen, dir er sich al« thörichte Schwäche vorwarf.
Im Begriff, die Pforte der Epheumauer zu durchschreiten, die den Hinteren Teil de« Wintergarten« abtrrnntr, hielt er einen Moment zögernd an. Er hatte Fräulein Malvön bemerkt, die den Arm um einen Baumstamm geschlungen, regungslos bastand. Der Au-druck schneidenden Weh« lag auf ihrem Antlitz, aber nur die langsam über ihre Wangen rollenden Thronen, kein Laut, nicht einmal ein lieferet Atmenzug verkündete, daß sie »einte. Den heimlichen Beobachter zog eine innere Sympathie zu dem Mädchen, da« mit so vieler Kraft einen offenbaren Kummer zu beherrschen wußte. (Fortsetzung folgt-!
„Wie, ich traue meinen Ohren nicht, Herr Baron — tief Ferrandez, „Sie sind es wirklich im Kampf mit meinem Kammerdiener? — Der Herr ist angemeldet, wie Du siehst, Filippo! — WaS verschafft mir die Ehre Ihres Besuch»?"
„Ich komme im Auftrage meiner Frau," sagte Buch- fd', „welche darauf drang, ich solle bei meiner Heimkehr von der Sitzung bei Ihnen Vorfahren, um Ihnen unsere Einladung noch einmal in« Gedächtnis zu rufen. Nicht wahr, heute lassen Sie uns nicht wieder vergeben« warten?
„Ich, in der Thot, Herr Baron, ich bedaure unendlich —"
„O keine Ausflüchte! Was soll ich davon denken? Sie sind noch nie bei un« gewesen."
„Es ist eine Thorheit, ein Aberglaube, wenn Sie wollen —" , , < oe
Soll ich annehmen, daß Sie im Ernst sprechen?
„Ich fühle selbst, wie lächerlich ich mich mache, aber ich kann mich einmal der dunkeln Empfindung nicht erwehren, als wäre das Betreten gewisser Häuser mit einem Unglück verknüpft —'
„Einem Unglück für den Wirt oder für den Gast?
„Und wenn es nun für den Wirt wäre?"
„O, dann riskiere ich'»!" ries Buchfeld lachend. „Also nun darf ich auf Sie hoffen?"
„Ich werde so frei sein."
„Nun endlich! A'ff Wiedersehen denn." — Ferrandez verschloß die Kloppe seine« Schreibtische« und bemerkte nicht die au« cftredte Hand de« Barons.
„Auf Wiedersehen," wiederholte er. —
Er trat an’« Fenster und sah zu, wie Buchfeld seinen
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Wagen bestieg. „Der neuliche Schreck ist nicht wirkungslos geblieben," murmelte er, „er fah verstört und überwacht aus, aber von feinem Verdacht gegen mich schien er geheilt. — Nun habe ich Dich, Schurke, Deine Rechnung ist voll."
Und er erwiderte mit liebenswürdigem Lächeln die Grüße die ihm noch der Baron von unten heraufsandte.
XI.
„Mach' Deine Rechnung mit dem Himmel, Bogt, „Fort mußt Du, Deine Uhr ist abgelaufen!’
Fenandez erschien so spät in der Gesellschaft, als der Anstand es irgend erlaubte. Die Vorführung der lebenden Bilder sollte eben beginnen. Sie waren in der That mit vielem Geschmack arrangiert und fanden den reichen Beifall, aber kein« so stürmischen wie „Dornröschens Erwachen." —
„Sie können sich unmöglich vorstellen, wie mir zu Mut ist, nun Ich der Entscheidung entgegensehe," sagte Saremba, al« Ferrandez ihm gratulierte. „Mein Kopf glüht wie im Fieber, meine Pulse klopfen, ich halte e« hier nicht auS."
„Gehen Sie heim, legen Sie Ei« auf und nehmen Sie eine« jener Bücher in die Hand, womit weibliche Federn Ihre Litteratur so verschwenderisch auSstatten. — Sie werden sehen, der wohlthätige Schlaf wird nicht ausbleiben."
„Spötter, sagen Sie heut nichts gegen die Frauen. — Wie früh darf ich morgen kommen?"
„So früh Sie wollen."
„Ich nehme Sie beim Wort. — Doch adieu! ich sehe den Baron nicht, grüßen Sie ihn von mir, von der gnädigen Frau verabschiede ich mich noch."
Eine halbe Stunde nach seiner Entfernung fand der Mexikaner Gelegenheit, Fräulein Malvön um eine Unterredung zu bitten.
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gezeichnetem Zustande befand. Nirgendwo sind aber auch von Anfang an die Anstrengungen der Katholiken um Erhaltung der konfessionellen Volksschulen so allgemein, so energisch und so ausdauernd gewesen, nirgendwo die Proteste gegen die forffchreitende Simultanisierung so laut, und nirgendwo die Mißstände der Simultanschule in so schreiender und entsetzlicher Weise zu Tage getreten, al« wiederum in Krefeld, wo vordem der konfessionelle Friede nicht Phrase, sondern Thatsache war." Zur Erhärtung der letzteren Behauptung weist der Redner auf eine Reihe von Thatfachen hin, die von jenen Petenten vorgebracht und in der Kommission zur Sprache gekommen sind. Der allgemeinen SchulpfliO gegenüber sei die Forderung der Ettern berechtigt, daß ihre Kinder ihrem Glauben nicht entzogen würden. E« sei alte« Recht in Preußen gewesm, daß Simultanschulen nur dann zu errichten seien, wenn entweder die offenbare Not dazu drängt, oder wenn die Vereinigung da« Werk freier Entschließung der von ihren Seelsorgern beratenen Gemeinden sei. Auch Artikel 24 der Verfassung bestmme, daß bei der Einrichtung der öffentlichen Volksschulen die Konfessionen möglichst zu berücksichtigen seien. Aus der Schullast sei in keiner Weise ein Recht herzuleiten, über die inneren Angelegenheiten der Schule zu entscheiden. Er bitte also, dem Kommissions- Beschlüsse beizustimmen. (Bravo recht«.)
Abg. Löwe (Bochum) hält die ohne vorherige« Benehmen mit der städtischen Behörde dekretierte Aufhebung der Simultanschulen in Crefeld ebenfalls für ungerechtfertigt und warnt davor, auf einfache Petitionen hin derartige Angelegenheiten über die Köpfe der städtischen Vertretung hinweg zur Entscheidung zu bringen. DaS Verhalten de« Ministers trage nicht zur Förderung des kirchlichen Frieden« bei, denn so lange die Konservativen für die Tendenzen de« Zentrums zuerst eintreten, habe e« die katholische Partei durchaus nicht eilig, Entgegenkommen zu zeigen. Der Friede sei unmöglich, bevor nicht dem Zentrum die Aussicht auf Unterstützung durch die Konservativen abgeschnitten worden sei.
Kultusminister v. Goßler bemerkt, da« Hereinziehen der Politik, speziell der Kirchenpolittk, in diese Angelegenheit (Umwandlung der Creselder Simultan- in Konfesston«- schnlen) erschwere die Diskussion, und fährt dann fort: Wenn eS auf irgend einem Gebiete mein Bestreben war, die Politik aus der Verwaltung zu drängen, so war e« dies auf dem Gebiete der Volksschule; meine Stellung ober in der vorliegenden Frage würde mit Rücksicht auf da« SchulaufstchtSgesetz, auf die Verfassung u. s. w. genau dieselbe bleiben, auch wenn daS Zentrum und die Konservativen geschlossen gegen meine Maßregeln sich erklärten. Die großen ideellen Erwartungen, die man im allgemeinen an die paritätischen Schulen geknüpft hat, haben sich durchaus