XVIII. AchlMg.
Marburg, Sonnabend, 5. Mai 1883.
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Auf Irrwege«.
Novelle von L- Calm-
dis deutsche Heer die Schöpfung unseres erhabenen Kaisers md obersten Kriegsherrn.
Es ist leider eine Eigentümlichkeit des deutschen Wesens, dsß es für eine besondere Weisheit gilt, auf alles die Heia« |Me K itik auszuüben, waS unser Vaterland Großes leistet, diese deutsche Philistcrhaftigkeit hat in der Kleinstaaterei ihren höchsten Triumph gefeiert und sie hat sich allezeit breit gemacht und thut eS auch heute noch. Als in Preußen durch die HeereSvrganifation die Grundlage zur jetzigen Ausbildung unseres Heerwesens gelegt wurde — da war eS dir Philister des Geistes der Mann, der sich selbst „Fort- länittler" nannte, der dieser Organisation aufs äußerste mtgegeutrat und seine Weisheit aussprach. Erinnern wir MS eoch einigen dieser Aussprüche dieser — Gott sei es grkkgt! —Volksvertreter; da sagte einer in der Preußischen
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„Meine Herren, die Regierung ist dazu geschritten, aus fürstlicher Machtvollkommenheit, vermöge der militärischen Interpretation des selbstgemachten Wortes „Kriegsherr", die Fundamental - Institutionen deS Staates zu ändern. Sie beansprucht Rechte in einer Weise, wie sie unsere deutschen Landesherren nicht erworben haben und niemals Huben werden."
Andere kritisieren die Einrichtungen des HeereS:
„Was man mit der Reorganisation erzielt habe, sei lediglich etwas größere Straffheit und exakteres Exerzitium, dies seien im wirklichen Kriege untergeordnete Dinge", sagt ein als sachverständig geltender Landbote, und ein anderer, ihm n ihesteheuder verlangt nichts Weiteres, als — die Vor-
MilitarismuS.
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10Ü A legen wäre. Damals war mir'S, als müßte ich hervor- 101'' stürzen und Herrn Harden erbitten helfen. Der junge tni 101* dlann mußte ein sehr starkes Gefühl für Recht und Un- Wil G recht gehabt haben, denn er blieb standhaft und erklärte, . «71 ,ein Gewissen nicht beflecken zu wollen."--
76i 76* „Und bann?" fragte Ferrandez.
96i „Und dann zeigte ihm zuletzt der Baron SarembaS 0'3) R Schuldverschreibung, die in seinem Besitz war, und erklärte,
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legung de« MobilmachungsplaneS. Rach einem dritten wird in Preußen zu viel Schildwache gestanden und zu wenig gearbeitet. Ein vierter rät Schritt vor Schritt zu gehen und hält es für Regentenweisheit, gerade soviel Jahre zur Schöpfung eben so vieler Regimenter zu brauchen, als die Regierung des Schöpfers selbst dauere, während nach einem fünften „die von zwei Königen beschworene Verfassung heiliger ist, als die paar Fahnenstangen, um die jetz — Gott sei cs geklagt! — seit mehreren Jahren die preußische Politik sich drehe, wie um ihre ewige Axe."
Den Taktikern und Strategen reihten sich die Politiker würdig an.
„Am allerwenigsten dürfe man sich", so bringt ein Abgeordneter seine staatsmännische Voraussicht zum Ausdruck, „zur Erhöhung de« Kontingentes durch die Vorspiegelungen der drohenden politischen Gefahr bestimmen lassen, die die Regierung stets sehr schwarz auszumalen verstehe, wenn c8 ihr darauf ankommt, die Landesvertretung zur Nachgiebigkeit in Finanz- und Heeresmaßregeln zu bewegen."
Ein glücklicherweise falscher Prophet konnte in der neuen Armee - Reorganisation keine Erhöhung der Wehrkraft Preußen- erkennen, wohl aber erblickte er darin eine Gefahr für den Staat nicht nur, sondern auch für die Zukunft der Dynastie. Eine der Zierden der demokratischen Partei beantragte bei der Vorsehung für Preußen einen Freiherrn v. Stein, warf sich aber gleichzeitig selbst als solcher auf, indem er der Welt mit Pathos verkündete:
„.....ich verstehe die RegierungssShigkeit in dem
Sinne, daß wir uns gewillt zeigen und fähig beweisen, Tag für Tag diesem Ministerium zu folgen auf den Irrwegen seiner sogenannten großen Politik, die allerdings in jenen Händen zu der kleinlichsten herabsinkt."
Die Geschichte hat über die Thorheiten jener Männer des falschen Fortschritts, über jene Lügenpropheten gerichtet, 1870 und 71 haben unsere Feinde erkannt und das deutsche Volk es anerkannt, was seine Armee unter Führung Ihres Kriegsherrn ihm geleistet.
yf Pfarrer Egbert, der Vater von Harden« Braut, welcher 77 bem Sohn des Grafen Unterricht erteilte, habe ihm dieselbe 73L »erschaff und er würde, wenn Walter ihn zum Aeußersten 3M. treibe, da er einmal die Summe nicht beschaffen könne, >2« ^Enigstens feinen Mitschuldigen auch der Gerechtigkeit zu- >21} tühr-u. Dem jungen Mann bliebe nun die Wahl, ent« 1001 weder dem Baron den Willen zu thun, oder ihn, seinen lOMAohlthäter und den Vater seiner Geliebten, der Schande zu ^Müberlieskr». Bis zum nächsten Morgen solle et sich ent-
»scheiden, denn länger verweilte et nicht auf dem Gut und
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«»zeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Amwncen-Bureanx von G 2. Daube u To. in Frankfurt a. M; Jägers che Buchhandlung daselofi; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Juvalidendanlin
Berlin; W. Thienes in Elberfeld: 6. Schlotte in
Reichstag.
Berlin, den 2. Mai.
In der heutigen(77.) Plenarsitzung deS Reichstags brachte der Präsident v. L e v e tz o w das nachstehende Schreiben des Herrn Reichskanzlers zur Verlesung.
Unter Nr. 280 der Reichstags-Drucksachen liegt ein Antrag vor:
Der Reichstag wolle beschließen:
Die Militärverwaltung aufzufordern, den Geschäftsbetrieb in Militär - Werkstätten für Privatrechnuvg, den Handelsverkehr der Kantinen mit Zivilpersonen und die Verwendung von Pferden der Militärverwaltung zum Lohnfuhrgewerbe zu unsersagen.
Mit Bezugnahme aus Artikel 17 der Reichsverfassung, nach welchem Sr. Majestät dem Kaiser unter Berant- er habe Saremba die Schule bereit« vor Zeugen abge- leugnet."
„Und am nächsten Morgen?"
Am nächsten Morgen war der Unglückliche verschwunden, sein Hut trieb auf den Wellen des nahen Flüßchens, einige Tage später fand man die Leiche. Er hatte noch de« Abends den Pfarrer zu sprechen versucht, der aber auf Veranlassung BuchseldS verreist war, hatte dann verzweifelnd von seiner kleinen Schwester Abschied genommen und den Tod der Sünde vorgezogen. — Der Baron ließ ihm ein Marmordenkmal errichten, weinte viel Thräucu um seinen Liebling — ich glaube übrigens, daß ihm dieser AuSgang der Sache wirklich ans Herz ging — führte seine Braut heim und zuckte schonend die Achseln, wenn man Andeutungen machte, als habe Harden au« Verzweiflung und Scham, daß seine Kassen in Unordnung befunden, sich da« Leben genommen."
„Und Sie wußten den wahren Sachverhalt und schwiegen?"
„Ich war ein Kind, anfangs begriff ich kaum, um was es sich handelte, bann ober beschworen mich meine Eltern, den Baron, unseren Brotherrn nicht zu betraten."
„Und Saremba?"
„Er erschoß sich einige Monate später, wie man sagt, infolge eines Zwistes mit Bnchfeld, den de« Grafen Trunkenheit herbeigeführt. — Aber er war ein Wüstling, dem dies Ende früher oder später gewinkt hätte — und überdies, er hatte meine Mutter beleidigt, ich hätte mich an ihm gerächt, wenn ich ein Mann gewesen wäre.. Dem atmen Harden aber hätte meine Anklage nichts genützt, er war ja tot. — Sagen Sie nichts, ich weiß, daß mich dies nicht entschuldigt; oft auch, wenn ich Zeuge war, wie man die
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„Ich erinnere mich heute deutlich der rührenden Bestürzung des jungen Verwalters," fuhr Welding fort, „der bis dahin den Baron als sein Ideal verehrt hatte. Ich erinnere mich auch deutlich seiner flehentlichen Bitten an Buchselo nicht so vom rechten Wege zu weichen, ihm diese Zumutung zu krlasien. — O, und pfui über die schändliche Ueberrcdungskunst deS älteren Mannes! Ich kann
„ , nicht für mich gut sagen, ob ich bei solcher zärtlichen, tief - eingewurzelten Neigung für meinen Wohlthäter nicht unter-
$ OberheWsche Zeitung
wortlichkeit deS Reichskanzler« die Ueberwachung der Ausführung der Reichsgesetze znsteht, und auf Artikel 63, nach welchem das gesamte ReichSheer unter dem Befehl deS Kaifers steht, beehre ich mich, darauf aufmerksam zu machen, daß die Militärverwaltung des deutschen HeereS weder im Reichstage, noch zu demselben eine Stellung hat, welche ihr die Empfangnahme und Befolgung von Aufforderungen dieser hohen Körperschaft ermöglichte.
Jeden Gesetzvorschlag und jede für den Bundesrat bestimmte Mitteilung des Reichstag- wird der unterzeichnete Reichskanzler bereitwillig zur Kenntnis Sr. Majestät de- Kaifers und zur Beratung deS Bundesrats bringen, und wenn eine solche Vorlage die Militärverwaltung betrifft, so werden deren Organe im Bundesrat Gelegenheit baten, sich über dieselbe auszulassen. Gegen die dem erwähnten Anträge zugrunde liegende Borantsetzmig der Möglichkeit aber, daß die Militärverwaltung des Reiche« verpflichtet oder berechtigt sein könnte, bireften Aufforderungen deS Reichstags Folge zu leisten oder dieselben auch nur amtlich eirtgegenzunehmen, glaube ich im Namen Sr. Majestät des Kaiser« Verwahrung einlegen zu sollen, und bitte Euere Hochwohlgeboren ergebenst, dieselbe zur Kenntnis de« Reichstags zu bringen.
Bei Wiederaufnahme der zweiten Beratung der Gewerbeordnung«. Novelle empfahl zunächst der Referent Abg. Dr. Hartmann, entsprechend den bekannten Beschlüffen der Kommission, die Ablehnung der da« Kantinenwesen, die Handwerksstuben rc. betreffenden Anträge. Der neuerdings eingebrachte Antrag des Abg. Richter, die Mili- tärverwaltung aufzufordern, den Geschäftsbetrieb in Militär- werkstätten für Privatrechnung, den Handelsverkehr der Kanttneu mit Zivilpersonen und die Verwendung von Pser« den der Militärverwaltung zum Lohnfuhrgewerbe zu untersagen — habe der Kommission nicht »otgelegcn; er sei also nicht in der Lage, darüber zu berichten.
Abg. Richter (Hagen) führte au«, e« scheine fast, als ob das Schreiben des Henn Reichskanzler« mit dem Personenwechsel im Kriegsministerium in Verbindung stehe. Er sei gerne bereit, dem Herrn Reichskanzler dm Gefallm zu thun in seinem Anträge das Wort „Militärverwaltung" durch „Reichskanzler" zu ersetzen. Zu bedauern sei, daß der Reichskanzler persönlich im Hause so selten erscheine und nur durch eine Art Botschaft zweiter Klaffe seinm Willen kundgebe. — Auf eine Annahme seines Anträge« mache er sich allerdings bei der militärfrommen Haltung deS Abg. Wiudthorst gerade keine Hoffnung. (Abg. Windt- horst meldet sich zum Worte.) Unleugbar sei, daß der Gewerbebetrieb beim Militär einen bedenllichen, dem freien Gewerbebetrieb schädige üben [Umfang angenommen habe. Abgesehen davon sei c« auch bedenklich, den Soldaten unmittelbar nach und vor dem Dienst in den Kantinen den Genuß geistiger Getränke leicht zu machen. Sehr schädlich für den freien Gewerbebetrieb sei ferner die Beschäftigung ................. ■■ ■ 11 ' ......... —— .............
Tugend de« Barons bis in den Himmel erhob, habe ich in der Bitterkeit meiner Gefühle die Strafe jener Unterlassungssünde erkannt."
Der Mexikaner war aufgestanden und wandelte durch da« Zimmer. Mehrmals blieb er vor Welding stehen und öffnete die Lippen, um zu sprechen, aber die furchtbare Erregung seine« Innern ließ ihn kein Wort hervorbringen.
„Wurden Sie denn bereit fein, da« Versäumte nachzuholen und den Verbrecher jetzt vor die Schrankm de« Gerichts zu liefern?"
Welding schwieg einige Sekunden, bann blickte er mit seiner festen Geradheit auf. „Ja," sagte einfach.
Ferrandez reichte ihm die Hand; sie war kalt und mit Schweiß bedeckt, aber au« feinen Blicken leuchtete ein wilder Triumph.
„Ich danke Ihnen."
„Leben Sie jetzt wohl! Sie werben meine Bitte nicht vergessen?"
„Verlassen Sie sich darauf!"
„Endlich, endlich!" sprach Ferrandez aufatmenb, older junge Mann das Zimmer verlaffen, nachdem ich, so nahe dem Ziel, zu scheitern geglaubt, nach diesen gräßlichen Tagen der Verzweiflung — endlich vor der Erfüllung meine« Zweckes. Ja, Go», du bist gerecht!" —
„Machen Sie nicht so viele Umstände, mein Lieber," erklang in diesem Augenblick eine Stimme vor der Thür, die Ferrandez jufammenbeben ließ, „wenn Ihr Herr meinen Sekretär empfängt, wirb er auch wohl für mich eine Mertel» ftunbe übrig haben —" unb" von bem ratlosen Filippo gefolgt, drängte sich Buchfeld in da« Kabinett.
(Fortsetzung felgt.)
KliL.tiaen nimmt entgegen: '■Krrpebition b.Statte«.
BL; Annoncen-Bureaur ■FÄ 'Dietrich u. Co. in Ci * g,t »nb Hannover; Th. SW. L» in Frankfurt a.M.; > . , fen|iein «• Vogler m
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Mett i 6„ -n ben «jerftoaen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für bas Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jünstrirte« GantttagMIatt" durch die Hpedition (K ochffche
> Saht Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet
Die deutsche Armee ist das deutsche Volk in Waffen. Hr Wehrpflicht ist eine gleiche auf allen deutschen Männern rubtttbe — die Ehre, der Armee anzugehören, sieht jedem Jttocn Manne zu. Wenn diese Armee zugleich die beste, il£ geschulteste, die auSgebilbetste in jedem Waffendienste ist, MN ihr keine andere Armee ebenbürtig an die Seite ge- M werden kann, so ist das das unmittelbare Werk ihrer Mrer und die deutschen Offiziere nehmen an Bildung mb Chavaktcr eine so überwiegende Stellung aller übrigen iiiwpäischen Offizierkorps gegenüber ein, daß es eben daraus m erklären ist, wie unser Heer die schneidige blanke Waffe m Bahch «erden, welcher wir getrost die Sicherheit unseres Bater- ltatbttsls hodes anvertrauen können., In seiner heutigen Gestalt ist inbet ti: > ■ ' * ~" r ' - -«■-<■ ®*! **■"