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Marburg, Dienstag, 1. Mai 1883.

XVIII. Jahrgang.

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Luchb.ackere,) bezogen AU WOTI'37 b glVebitton zu ertheilende Auskunft unb Annahme von Abreffen «erben85 Pf«, berechnet- ______________________

eigen nimmt entgegen: Wpebition b.Blatte-, «.mit b.Annoncen.Bureaur l"U. Dietrich u. Co. in g.»A und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M-; ftaasenstein u- «ogler in Jranlfurt a. M-, Berlin, 8.7",ig, Köln k.; Rudolf ffl in Berlin, Frank- furt a. M tt.

Anzeigen nimmt entgegen: bi« Expedition d. Blattes, sowie b.Annonten-Bureaur een @ L. Daube u. C» in Frankfurt a. M.; Jkigerfche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thienes in Elberfeld: 6. Schlotte in

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Grabe sich ein Lied von Stein erhoben hat, ein znm großartigen Bauwerke verkörpertes Triumphlied derGotteS- minne, welches uns bester, als meine schwache Zunge vermag, in seiner Majestät und in seiner Lieblichkeit von den Wundern jener wunderreichen Zeit erzählt, und aus der kunstreichen Harmonie seiner Säulen und Bogen die sühen Harmonien der Lieder vernehmen läßt, die damals stnd gesungen worden in irdischer Freude und in irdi­scher Sehnsucht, wie in der Freude an Gott und in Sehnsucht nach dem Himmel."

In diesem Sinne stossen nicht nur die Gaben zum Bau, sondern in ihm wurde auch an demselben gearbeitet. Zeigt uns doch ein Blick auf die Rosen- und Laubverzierungen de» LtauptportalS, wie hier die schöne Sage gleichsam ver­körpert ist, nach der einst Elisabeth mit gefülltem Korbe zum Besuche eines Kranken sich anschickl und auf dem Wege von der Wartburg ihrem Gemahl begegnet, der solche Spenden unte,sagt hatte, und nun den Korb ösfnet, doch statt Brot und Wein Rosen findet.

Gewiß ist dieses Bild nicht allein stehend, noch manches Aehuliche ist In dem mit so innigem Verständnis auöge- führten Kirchenbau vorhanden.

Den Stürmen der Jahrhunderte hat in ihrem kräf­tigen Aeußeren die Kirche widerstanden, so daß sie heute noch das Bild bietet, als sei sie eben vollendet worden.

Doch nicht so blieb es mit ihren inneren Einrichtungen, mag auch bei Einführung des protestantischen Kultus im Jahre 1539 wenig hieran geändert sein, so war eS doch im Anfänge de« siebzehnten Jahrhundert« nur dem ener­gischen Widerstand deö Landkommentur« von O e yn h a u f e n zu danken, daß ärgere Verwüstungen an den Kunstdenk- malern unterblieben sind. Die nun folgende Zeit des dreißig­jährigen Kriege« trug wie zum Verschwinden deS Kunst­sinnes so auch zum Verfall der Kunstdenkmäler reichlich bei und auch unfere Elifabethkirche mag unter diesen Ein- flüsien schwer gelitten haben. Ja, in der Zeit deS sieben- jähriren Kriege« wurde sie zu einem Heu- und Stroh­magazin benutzt.

Die beiden Kreuzarme und der Chor, welche von dem Schiff durch den Lettner und starke Holzthüren abgeschlossen waren, erhielten sich noch einigermaßen in ihrem ursprüng­

lichen Zustande. Doch nachdem 1809 durch Napoleon der deutsche Orden aufgelöst, fehlte auch hierfür der Schutz und die nächste Folge war, neben anderen Schädigungen, daß die Kirche ihre« edelsten Kleinods, de« Sarkophags der heiligen Elisabeth beraubt wurde, derselbe wurde nach Kaffel gebracht, und wie durch ein Wunder ist er bei dem damaligen Schloßbrand daselbst erhalten geblieben.

Erst nach der Rückkehr de« Kurfürsten Wilhelm I. wurde er auf Bitten der Marburger unserer Kirche wieder zurückgegeben.

Der gesamte Zustand des Innern der Kirche bi« zum Jahre 1847 verriet, daß in den voraufgegangenen letzten Jahrhunderten alle« In- Interesse für die Knnstschönheiten derselben mehr und mehr geschwunden war. Erst durch die schriftstellerische und amtliche Thätigkeit bei um die hessische Geschichte hochvcr'ienten Superintendenten Dr. Karl Wilhelm Iusti, wurde wieder die Teilnahme für unsere Kirche in immer weiteren Kreisen angeregt, so daß am 16. August 1835 die 600jährige Feier der Grund- steinlegung festlich begangen wurde und an maßgebender Estelle man sich mit einer notwendigen Restau­

fortgesetzt, so bleibt doch noch vieles zu erreichen. In erster Linie ist e« da« Geläute, dem vordem stet« die Bezeichnung harmonisch" beigelegt wurde, die e« jetzt aber nicht mehr beanspruchen kann; in alter Zeit waren eS 9 Glocken, jetzt sind es nur noch 7, dabei fehlen mm gerade 1 oder 2 (da die jetzt vorhandenen an Gewicht durch Umguß ver­loren haben), die den tiefen Baß der großen Glocke mit den kleineren vermitteln und einen entsprechenden Aceord- wechsel ermöglichen. Dann bedürfte der Lettner, sowohl in der Bemalung der Statuetten, wie in der Durchführung der Gallerie der gründlichen Beachtung. Neben der Voll­endung der farbigen Fenster dürste auch die Wiederbemalung und Vergoldung des Hauptportals, wovon noch schwache Spuren vorhanden stnd, zu den frommen Wünschen für eine würdige Ausstattung der Kirche zu zählen sein.'

Gewiß sind wir dessen, daß bei dem Wiedererwachen deö Verständniffes und der Freude an einem solch erhabenen Kunstwerke seine Schönheiten immer mehr ausgesucht und zur Geltung gebracht werden. Dazu bieten un« die fester und fester gewordenen politischen Zustände unsere« Vater­landes unter dem Schutz und Schirm unsere« erhabenen Kaiserhauses eine Bürgschaft, von der wir sicher sind, daß Zustände, wie sie an unserer St. Elifabethkirche im Lause von 600 Jahren vorübergegangen, nimmer wiederkehren können. Und so sei denn die Feier de« ersten Mai 1883 nicht nur ein Fest der dankbaren Erinnerung, sondern auch ein solche«, da« den frohen Blick in die Zukunft gewährt, daß ckristlich deutsche Kunst zu immer höherer Blüte sich entfalte und Deutschland« Dome ein Markstein dafür find, daß de« deutschen Volke« höchste Güter, Glaube und Demut, Liebe und Treue, in ihnen gepflegt und für alle Seiten erhalten bleiben.

Abg. Meier (Bremen) bittet, den Antrag Hänel ab­zulehnen; in einem Kriegehafen rütfe die Autorität der Marinebefehlshaber nicht beschränkt werden. Ebenso erklärt sich Abg. Frhr. v. Gagern gegen den Antrag Hänel. Der Regierungskommissar Geh. Admiralitätsrat Perel« führte aus, daß ten Interessen Kiels nach Thunlichkeit entsprochen sei; aber was in der Vorlage gefordert werde, sei nötig, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Abg. Hänel trat noch einmal für seinen Antrag ein, der durch die lokalnatürlichen Verhältnisse gerechtfertigt sei, während der RegiernngSkommiffar Geh. Regierungsrat v. Lenthe nachwieS, daß der § 3a, wie er vorliege, unannehmbar sei. Der Zusatz wurde auch abgelchnt; desgleichen die an­deren von demselben Abgeordneten noch eingebrachtm Üb­

liche Verordnung abgegrenzt wird, beschränken sich die Be­fugnisse de« MarinestationschefS (§§ 2, 3) auf em Recht drs Einspruchs gegen Bauten, Anlagen und Unternehmungen, welche eine wesentliche Veränderung der Ufer oder Wasier- titfen oder eine Rückwirckung auf die Verhältnisse deS Fahr­wassers, beziehungsweise der Wassertiese deS anderen Teiles de« Kriegshafens herbeizuführen geeignet sind. Gegen den erhobenen Einspruch steht sowohl der zuständigen Landes- behörre als dem Unternehmer der Rekurs nach Maßgabe der Bestimmung des $ 3 Absatz 3 bi« 5 zu."

Abg. Hänel betonte, daß mit diesem Anträge wesent­lich der bisherige Zustand erhalten werde, der zu keinen Unzuträglichkeiten geführt habe. Der Zweck desselben sei lediglich, dem Verhältniffe eine rechtliche Grundlage zu geben..

ration vertrant machte.

Ein Naturereignis de« Jahre« 1847 war e« endlich, da« die geplante Restauration zur nicht mehr zu verschiebenden Notwendigkeit machte. Ein im Sommer deS gedachten Jahre« im engen Thal der Marbach gefallener Wolkenbruch stürzte mit seinen Wassermaffen in die Kirche und richtete große Verheerungen in derselben an.

Wenn die nun imjJahre 1854 begonnene und 1860 im wesentlichen beendigte Hauptrestauration nicht allen An­forderungen entfprochen hat, so hat sie doch ein dem er­habenen Aeußern entsprechende« Innere wieder geschaffen, und gebührt hierfür dem Leiter dieser Arbeiten, dem ver­storbenen Professor Dr. Lange, Dank und Anerkennung. Werden nun auch die Restaurationsarbeiten immer noch

^^Znm Ve^rständniffe der Zeit, die dem Kirchenbau un­mittelbar vorauSging und der, in der er vollendet wurde, f«t au« Vilmar« Litteraturgeschichte die hochpoetische und wohl klassische Schilderung Über den deutschen Minnegesang ^""Melodischer" uns klangreicher ist vielleicht kaum jemals gedichtet und gesungen worden, al« Im Anfänge de« 13. Jahrhunderts in Deutschland, al« auf dem M mresängersaale zu Wartburg, wo den süßen Liedern Heinrich« von RieS- bach und Heinrich« von Ofterdingen, Wolfram« von Eschen- bach und Walther« von der Vogelweide da« wunderbare KönigSkind gelauscht hat, dessen Herz durch diese melo­dischen Klänge irdischer Minne früh hinaufgezogen wurde zu himmlischer Minne, dessen Leben em kurzer LiebeS- traum war von jtiefem irdischem Leid und hoher gött­licher Freude, an besten Sterbebette zu Marburg im Hessen- lande die Engel ihre Paradieseslieder sangen und auf dessen

Wbdten dürste wohl ta8 Datum eine« Tage» sür ein Städtchen AM von dem geringen Umfang, wie Marburg e- Im Anfänge des drer- leimten Jahrhunderts war, von so großer Bedeutung gewesen lein al« der 1. Mai des Jahres 1236. An diesem Tage fand die Erhebung der Gebeine der heiligen Elisabeth (aus dem Grabe auf den Altar) in Gegenwart des Kaisers Friedrich II «nd einer unzählbaren aiolksmenge aus allen Ständen und Gegenden Deutschlands statt. Seit diesem Tage, schreibt ein hessischer Chronist, ist der Name der Stadt Marburg weltbekannt geworden.

Nach dem Tode ihre« Gemahls des Landgrafen Ludwig von Tbüringm (starb am 11. Sept. 1227) hatte Landgräsin Elisabeth den ihr zugewiesenen Witwensttz Marburg 1229 bezogen, doch nahm Ne nicht Wohnung in dem fürstlichen Schlöffe daselbst, sondern bezog, da keine andere geeignete Wohnung 'n Marburg vorhanden war, da» 58au« eine« sachlichen Landgut« in Wehrda, da? wohl zu ihrem Leibgeding gehörte, doch so dürftig war, daß e« nicht einmal einen

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Berlin, den 28. April.

In der heutigen (74.) Plenarsitzung de« Reichstags kam zunächst der Gesetzentwurf, betreffend die Reichskriegs- Häsen re., in zweiter Beratung zur Verhandlung.

' Von den Abgg. D o h r n, H L n e l und v o n B u n s en sind mehrere Abänderung-anträge eingebracht; von den. selben wird im Absatz 1 de« 8 3 ein lediglich redattronelleS Amendement angenommen, die anderen Anträge zu 82 unv zu 8 3 aber abgelehnt.

Dis Abgg. Hänel und Dohrn beantragen einen neuen § 3a ein zufügen, welcher lautet.3ni Jem Innern teil M Kieler Krle^hafenS, welcher vurch kaifer-

Von hier au« ließ die fromme Fürstin tn der Nähe deS in Marburg befindlichen FranziSkaneiklosterS ein dem heiligen Franziskus geweihtes Hospital und sür sich eine Wohnung bauen, in der sie im tiefsten Glauben an ihren Gott und Erlöser am 19. November 1231 in ihrem 24. Lebensjahre ihr irdisches Dasein, das so reich den Werken der Barmherzigkeit gewidmet^war, beschloß.

Doch wa« die glänzendste fürstliche Hofhaltung nicht bewirkt haben würde, entkeimte den frommen Thaten der gotsteligen Fürstin; waren zu ihr und ihrer Stiftung fchon bei Leb­zeiten Arme, Kranke und Gebrechliche in großer Zahl ge­pilgert, fo wurden diese Wallfahrten nach ihrem Grobe ""^Nachdem ^"?33^der deutsche Orden Besitz von den Stif­tungen Ellfabethö genommen, dieselbe auch» durch Papst Greacr IX heilig gesprochen war, fand am 14. Ang. 1235 ^ Grundsteinlegung del St. Elisabethkirche durch den in- zwischerr in den deutschen Orden eingetretenen Landgrafen Konrad von Thüringen statt. _ . . ..

Nach 48 Jahren war der Bau soweit vollendet, daß am 1. Mai 1283 ihm die Weihe erteilt werden konnte. Man wählte gewiß diese« Datum zum Gedächtnis an den 1 ^Nich/allein waren e« die reichen fürstlichen Mittel de» Landgrafen Konrad, die e« ermöglichten, diesen herrlichsten Gottestempel auf hessischem Boden erstehen zu lassen, sondern e« stossen auch au« allen Ständen de» Volke« die Gaben so reichlich, daß der Bau ohne Unterbrechung seiner Voll­endung entgegengeführt werden konnte. Diese« trug wesent­lich zur Einheit und Reinheit seine« Baustils bei und hat ihm einen Kunstwert verliehen, wie kaum ihn ein anderer