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Marburg, Dienstag, 24. April 1883

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XVm. Jahrgang.

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Auf Irrwege».

Novelle von L- Colm.

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v. Maltzahn-Gültz plädiert in einem Schlußworte noch» mal« für die Kommissionsbeschlüsse.

Bei der Abstimmung werden sämtliche Amendement«, auch der Hertlingsche, von der Regierung befürwortete Antrag abgelehnt. Die 88 1, la (Einschließung der Land­arbeiter) und 2 werden nach den KommisstonSanträgen an­genommen. Zu § 8 (Ausschließung der Reich«-, Staat«- und Kommunalbeamten von dem Gesetze) wird der von der Kommission beantragte Zusatz, wonach Personen, welche im Krankheitsfalle herkömmlich mindestens 13 Wochen auf Verpflegung der Familie des Arbeitsgebers oder auf Fort­zahlung ihres Lohn« Anspruch haben, ebenfalls auSge- fchloffen fein sollen, mit 102 gegen 102 Stimmen abge- lehnt, der Paragraph im übrigen angenommen.

Die §8 4 und 5 der Gemeindekrankenversicherung werden nach längerer Diskussion nach den Anträgen der Kommis­sion angenommen. Die Debatte wird dann auf Montag um 1 Uhr vertagt. Der Antrag des Abg. Rickert, um 11 Uhr zu beginnen, veranlaßt eine längere Geschäfts- ordnungSdebatte, wobei es sich wieder um ein Zusammen­tagen mit dem Landtage dreht. Der Abg. Richter be­zeichnet die Methode des preußischen Ministeriums mit den Verwaltungsgesetzen die Reichstagsarbeiten zu unterbrechen, als eine Ironie auf die Kaiserliche Botschaft. Auch am Mittwoch werde die Beratung des Reichstages wieder durch den Landtag gestört, der den kirchenpolitischen Antrag de« Abg. Windthorst zu verhandeln habe, weil Windthorst end­lich klaren Wein vom Reichskanzler eingeschenkt haben wolle. DaS HauS acceptierte indessen den Vorschlag de« Präsidenten, die Sitzung um 1 Uhr beginnen zu lassen.

.aare, das wie in Marmor ge­meißelte edle Profil und sein Blut wallte heiß empor. Er sah auch die Bläste dieser Wangen, die dunklen Schatten unter den langen Wimpern, den schmerzlichen Zug um die Lippen er folgte der Richtung ihres starren Blickes

pfohlenen, auf statutarischer Bestimmung beruhenden Ge- meindeversicherungrn die nötige Aushilfe. Besonderen Wert legt der Redner darauf, daß die ersten 13 Wochen der Un­fallversicherung aus dem Krankenkastengesetz auSgeschlosten würden: das sei eine unerläßliche Forderung der Gerechtigkeit. Bei dem ersten Schritte, den man auf dem Wege der Zwangs­versicherung zu thun im Begriffe stehe, möge man sich wohl überlegen, welche iminensen Summen man für die weiteren Schritte (Invaliden- und Alterversorgung) bedürfen werde. Er empfiehlt schließlich die Annahme deö Antrages Ausfeld.

Abg. U h d e n spricht sich im Gegensatz zu den neulichen Ausführungen seines Parteigenossen v. Wedell - Malchow gegen die Hineinbeziehung der ländlichen Arbeiter in das Gesetz, also für den Antrag v. Hertling aus. Die Aus­schließung der ländlichen Arbeiter liege im Jntereste der Arbeiter selbst. Für deren Einbeziehung in das Gesetz liege kein Bedürfnis vor; auch wäre die Durchführbarkeit des Gesetzes bei der Eigenartigkeit und Verschiedenheit der länd­lichen Verhältnisse mit unüberwindlichen Schwierigkeiten verknüpft. Die Naturalwirtschaft, ein zweifelloser Segen für die ländlichen Arbeiter, würde durch dieses Gesetz jeden­falls nach und nach ganz beseittgt werden. Er sei also gegen den § 1 u der Kommisstonsvorschläge, und seine Be­denken könnten auch durch den letzten Satz derselben (Aus­schluß der Anwendung durch Gemeindebeschluß) nicht ge­hoben werden. Auf das Votum des deutschen Landwirt- schaftSratS könne er in diesen Dingen kein besonderes Gewicht legen, zudem habe er in denselben Fragen die heterogensten Beschlüste gefaßt.

Abg. LaSker, der im Zusammenhänge wegen seines leisen Vortrages auf der Tribüne unverständlich bleibt, hält dagegen das Bedürfnis des VerstcherungSzwangcs für die ländlichen Arbeiter im besonderen Grade vorhanden und aus politischen Gründen den Ausschluß der ländlichen Be­völkerung für bedenklich.

BunvcSbevollmächtigter Geheimer Ober-Regierungsrat Lohmann führte zur Widerlegung der Behauptung des Abg. Hirsch an, daß er gestern mit Zahlen Experimente gemacht habe, weiteres statistisches Material zur Bestätigung feiner Deduktionen vor. Abgesehen vielleicht von einzelnen Fällen, sei c« nicht die Schuld der Behörden, sondern der Beteiligten, daß die freien Hülsskasten hinter den Erwar­tungen in der Entwickelung zurückgeblieben seien. Auch die weiteren Ausführungen des Redners richteten sich gegen die vom Abg. Hirsch gegen die Vorlage beigebrachten Argumente.

Auch der BundeSbevollmächttgte v. Bosse plädiert für die Kommissionsanträge in Verbindung mit dem Anträge des Abg. v. Hertling.

Abg. v. Skarzinski spricht sich für die ZwangS- versicherung mit Ausschluß der ländlichen Arbeiter aus. Die Diskussion wird hierauf geschlosten. Referent Abg.

Reichstag.

Berlin, den 21. April.

In der heutigen (69.) Plenarsitzung des R e i ch s t a g s kamen zunächst die Ueberstchten der Ausgaben und Ein­nahmen des Reiches für das Etatsjahr 1881/82 auf Grund des Berichts der Rechnungskommission in zweiter Beratung zur Erledigung. Zur Debatte gaben allein einzelne Etats­überschreilungen bet Bauten, resp. der Unterhaltung von Dicnstgebäuden Veranlastung. Während man von der einen Seite meinte, daß solchen Etatsüberschreitungen durch ge­naue Voranschläge abgeholfen werden müsse, wurde nament­lich von seitcn des Regierungsvertreters nachgewiesen, daß lediglich aus wirtschastlichen Gründen bei solchen Repara­turen ein Voranschlag nicht aufgestellt werde. Die Anträge der Rechnungskommission wurden genehmigt.

Bei Fortsetzung der zweiten Beratung des Unfall- Krankenkassen - Gesetzes (speziell der 88 1, la, 2 und 3) erhielt heute zunächst das Wort Abg. Hirsch, welcher die Zwangsversicherung prinzipiell bekämpfte, weil dieselbe die individuelle Freiheit und auch die staatsbürgerliche Gleichheit schädige, da nur die Arbeiter diesem Zwange unterworfen werden sollten und dieselben nicht Subjekte, sondern Objekte der Versicherung würden. Die Vorlage sei auch unnötig; der beabsichtigte Zweck sei durch freie Kassen vollständig zu erreichen. DaS Hilfskastengesetz von 1876 würde sich bereits viel wirksamer erwiesen haben, wenn nur eine zweckmäßigere Handhabung desselben seitens der Behörden stattgefunden hätte; übrigens sei die Zahl der gegenwärtig schon Ver­sicherten doch erheblich größer, als von dem Regierungs- Vertreter angegeben werde. Dazu komme, daß mit der Vor­lage, die so tief eingreife in die Freiheit der Bevölkerung, dennoch bezüglich der Zahl der Zweck nicht erreicht werde. Denn sie schließe alle Arbeiter aus, die nur vorübergehend beschäftigt sind oder keinen Arbeitgeber haben. Auch sei für Die vom Gesetze eingeschlossenen Arbeiter die Unter­stützung nicht ausreichend. Zu billigen sei ferner nicht der Ausschluß kleiner selbständiger Gewerbetreibender von dem Gesetze. Die Einwände, welche gegen die Aufnahme länd­licher Arbeiter geltend gemacht würden Nichtvorhandenseiu des Bedürfnisses und Unmöglichkeit der Durchführbarkeit träfen zweifellos auch für manche andere Arbeiterkategorien zu. Aber da böten eben die vom Anträge AuSfcld em-

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Erfahrungen von Vcrgestenwerden besitzt Sie wissen, gnädige Frau, dergleichen kommt wohl vor wie soll man va noch an eine tiefe, ernste Neigung glauben?"

Sie erhob sich verletzt, aber in diesem Moment trat eine Gruppe von Offizieren vor die Nische und versperrte ihr den AuSgang. Sie blieb, in der einen Hand leicht die Falten des Kleides, in der andern die Fächerkette haltend, mit dem vollendeten Chic der Weltdame; wer hätte in dieser durchaus aristokratischen Erscheinung das derAnstige Dorf­mädchen, die arme Pfarrerstochter wieder erkannt? Ferrandez betrachtete die reinen Linien ihres Nackens und Halses, den goldigen Schimmer der Haare, das wie in Marmor gr­

ünd gewahrte den Baron, der über Fräulein MalvenS Stuhl gebeugt, leise zu ihr hinabflüsterte.Arme Frau," dachte er,und sie liebt ihn so seht!"

Misten Sie," lenkte Ferrandez ab, als er sah, daß Frau v. Altenau im Begriff schien, ihn oder Roman zu sich zu rufen,wo ich neuerdings viele meiner schönsten Stun­den zubringe? Bei jener Schauspielerin, die doch ich glaube, die Damen verlangen nach Ihnen. Wahrhaftig, Fräulein Maivsn selbst läßt sich herab, mit dem Fächer zu winken. Eilen Sie, Glücklicher!"

Saremba ließ sich nicht zweimal auffordern. Er eilte davon, der Mexikaner sah ihm mit weichen, zärtlichen Blicken nach. In diesem Moment streifte ihn ein Damen­kleid, ein Gegenstand fiel klirrend zu feinen Füßen. Er bückte sich und hob ein prachtvolles Diamantenarmband auf, das ihm die Baronin Buchselv mit huldvollem Lächeln abnahm.

Ich danke Ihnen, mein Herr. Beiläufig, da Sie j« mit Saremba so vertraut sind, und dieser wieder der Intimus aller Damen ist es scheint etwas Geheimnis­volles im Gange, wisten Sie, worum eS sich handelt?"

Ich habe nicht die Ahnung, gnädige Frau."

Die Baronin hatte sich auf einen Sessel in der Fenster­nische niedergelassen und legte das Bracelet um ihren Arm. Was es auch sein mag," sprach sie dabei,meine beiden Schützlinge, Graf Saremba und Fräulein Malvsn sind im Complot, das sehe ich wohl. Nun, vielleicht giebt Ihnen das Gelegenheit, sich zu nähern. Glauben Sie, daß Roman meine Malvön wirklich und ernstlich liebt?"

Giebt es eine ernste Liebe, gnädige Frau? Ich meine, eine, die kein Schwanken, keine Rücksichten tennt, auf welche Zeit und Umstände keinen Einfluß üben?"

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Zweifeln Sie daran?" fragte sie mit mitleidigem Blick. Aber," fügte fie dann ungeduldig hinzu,nehmen Sie wenigstens mir gegenüber nicht diese Maske der Frivolität und Herzlosigkeit vor, welche Ihrer wahren Natur so wenig entspricht."

Ich bin untröstlich, gnädige Frau, Ihnen diese schmeichelhafte Meinung von mir nicht lasten zu dürfen," sprach er wie crstannt.Aber mein Gott, Frau Baronin, wenn man zu hundert Malen sein Herz in Flammen gefühlt, wenn man im Sommer für Blondinen, im Winter für Brünetten geschwärmt, wenn man sich oft genug Liebe durch ein Halsband, eine Schleife, selbst durch ein Glas Cham­pagner erkauft hat, wenn man endlich auch seine kleinen

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SM» Für die Monate Mai und Juni neh­men alle Postanstalten (auf dem Lande die Land- postboten) Bestellungen entgegen auf die

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Illustriertes Sorrutagsblatt.

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Deutsches Reich.

Berlin, 21. April. DerNational-Zeitung" zufolge ist die Nachricht, der Kaiser habe zur Auflösung der Stadt­verordneten - Versammlung seine Genehmigung erteilt, auf die Thatsache zurückzuführen, daß das Staatsministerium dem Kaiser einen Vortrag gehalten hat aus Anlaß der Jmmediatbeschwerde des Magistrats über die angekündigte Auflösung und daß eS die Ermächtigung zur ablehnenden Bescheidung der Beschwerdeführer erbeten und auch erhalten habe. Darauf sich stützend, geht der neueste Beschluß de« Staatsministeriums davon aus, daß in der Zurückweisung der Jmmediat-Eingabe eine prinzipielle Einwilligung in die Auflösung der Stadtverordoetenversammlung liege. In der Börsenkommisston des Reichstags brachte Fürst Hatzfeld für die zweite Lesung des von Wedellschen Entwurfs eine Resolution ein, dahingehend, den Reichskanzler aufzufor­dern, die Frage, sowohl des Erlasses einer allgemeinen Börsenordnung, wie der wirksameren Besteuerung des Börsen­verkehrs, entweder auf der Grundlage der direkten Be­steuerung der Börsengeschäfte gewerbsmäßig treibenden Publikums, oder endlich auf der Grundlage der Koniin-

Eine unsägliche Bitterkeit füllte sein Herz. Aber auch eine Verstimmung, eine tiefe Unzufriedenheit über sich selbst bemächtigte sich seiner. Was kümmerte ihn, der für die Fehler seiner Mitmenschen ein so scharfes Auge hatte, der sich für die personifizierte Gerechtigkeit ansah, das Weib eines andern? Wollte er andere richten und konnte seinem eigenen Herzen nicht gebieten?

Wollen Sie gütigst erlauben?" redete er den ihm zunächst stehenden Herrn an. Dieser machte bereitwillig Platz, der Mexikaner bot Frau von Buchfeld den Arm und führte sie zu den andern Damen.

Ehe er ihre Hand freiließ, wandte sie ihm noch einmal da« schöne, traurige Antlitz zu:

Bitte, widerrufen Sie, waS sie vorhin sagten," sprach sie beinahe flehend.

O, gnädige Frau, haben Sie Mitleid mit mit! Ver­langt eS die Ritterlichkeit, daß ich durchaus widerrufe?"

Niemand verlangt es!" entgegnete sie kalt und zog ihre Rechte von seinem Arme. Er preßte die Lippen zusammen, sein Antlitz war bleich, aber entschloffen wandte er sich ab und schritt auf den in der Nähe befindlichen Buchfeld zu. In demselben Augenblick eilte Saremba herbei.

O, denken Sie sich!" rief er,es ist alles vortrefflich arrangiert I Ich Glücklicher soll als edler Prinz mich über das erwachende Dornröschen beugen können Sie taten, wer Dornröschen ist?"

Ihr strahlendes Gesicht läßt mir darüber keinen Zweifel," sagte Ferrandez, während Buchfeld lächelnd dabei stand und seine bebende Hand mit den BetloqueS seiner Uhrkette spielte.

___________ (Fortsetzung folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie d-Annoncen-Bureaux von @. L. Daube u. Ce. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin: W. ThieneS in Merfeld: 6- Schlotte in Bremen.

an,eigen nimmt entgegen: *, Expedition d. Blattes, soä, ,e d.Annoncen-Bureaux 1 xh. Dietrich u. Co. in «.ff;! und Hannover; Th. xj-trich in Frankfurt a M.; Anafenftein u. Vogler in Aonlfurt o. M., Berlin, »Stoffe m Berlin, Frank­furt a. M. ic-

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS SoMttagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 21/» Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile Ist Pfa.

______________________________________Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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