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Marburg, Freitag, 20. April 1883.

XVIII. Jahrgang.

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nimmt entgegen: Äebition d. BlatteS, d.Ännoncen-Bureaur “ ju Dietrich u. Cs. in a.tf4 und Hannover; Th. M» in Frankfurt ° M-; llcfenftem u. Vogler tn Ctfurt a. M-, Berlin, Kg, Köln rc.; Rudolf ö, in Berlin, Frank- furl a. M. re.

OlichkM jritinig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d-Annoneen-Bureanx von G- 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; JSaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalid endank in Berlin; W. LhieneS in Elberfeld: C Schlotte in Bremen-

'^Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirleS LoimtagSblatt" durch die Expedition (K o ch'fche Buchdruckerei) bezogen SV, Marl, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr.) - Jnserttonsgebühr für die gespaltene Ze,le 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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bundenm Gefahren nur flüchtig, die mit den Darlehns- vermitttern u. s. w. gemachten Erfahrungen so gut wie gar nicht berührt, dafür aber ausführliche Reden über die an­gebliche Willkür der Polizei und über die Bedenklichkeit derselben zu erteilender Befugnisse gehalten wurden. Als

* Die Verhandlungen betreffend Abändernng der ' Gewerbe-Ordnnng.

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„Gratuliere, gratuliere I" rief er, als Ferrandez später zu ihm zurückkehrte. „Rühmen Sie sich nicht einmal Ihres fabelhaften Glücke«?"

„In der That, Fräulein Malven ist eine mtcresiante Dame und eine Unterhaltung mit ihr wirklich als ein Glück zu schätzen."

„Fahren Sie doch fort, sagen Sie doch, daß Sie sich in Gemeinschaft mit ihr über die Thoren lustig machten, die auf ihr Gebot in respektvoller Entfernung bleiben, damit sie sich ungestört mit den Bevorzugten amüsieren kann."

„Ah, zielt eö dahin? Eifersüchtig auf mich, Roman?"

Verzeihung, Herr von Ferrandez, mein Freund I" rief Saremba, der weichen Zärtlichkeit dieser Stimme erliegend. »Ach, ich weiß wohl, daß ich mich mit Ihnen nicht mesien kann und Ihnen willig den Vorrang cinräumen sollte — aber von mir abgesehen, hüten Sie sich vor Welding, der Ihre Unterhaltung mit der Dame vorhin bemerkt hat."

„Wie, so hätte ich ahnungslos zwischen zwei Feuern gestanden? Sie wollen sagen, daß Herr Welding —"

Bis zur Raserei in Fräulein Malven verliebt ist und baß "er nicht der Mann ist, der ungestraft seinen Neben­buhler duldet." r _

„Sie sagen daS mit einer Miene, daß ich am besten mich" gleich nach einem Sekundanten und Wundarzt umsehen könnte. In der That, der junge Mann bedroht mich da mit Blicken, die mir jetzt förmlich nach meinem Herzblut zu dürsten scheinen. Nun, wir wollen sehen, was sich thun läßt."

Er schritt auf Welding zu und lud ihn höflich zu einem

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Daß die Reichstags-Verhandlungen über die Abänderung ttr Gewerbe-Ordnung hinter den an sie gestellten Erwar­tungen vielfach zurückgeblieben sind, wird von niemand in Abrede gestellt werden können, der davon Notiz genommen tat, daß einige der wichtigsten Vorschläge des Gesetzentwurfs gestrichen, andere in durchaus unzweckmäßiger Weise ab- n $)ift4 Ändert worden sind.

r- Hierher gehören vor allem die Bestimmungen, welche auf eine wirksame Beschränkung öffentlicher Schaustellungen abzielten, notorisch unzuverlässige und unsittliche Personen »en der sogenannten Volksanwaltschaft und von der Ver­mittlung von Darlehns- und Jmmobiliargeschäften aus- schlicßen und die Kolportage aus erbauliche, lehrhafte und patriotische Schriften beschränken wollten.

Sieht man sich die über diese wichtigen Materien ge­haltenen Reden an, so wird man gewahr, daß ein gut Teil ru fnmJ derselben nicht sowohl von den Dingen selbst, als von den 8 ~ ' politischen Rücksichten handelte, die für die Beurteilung der 4»- Fraktionen maßgebend sind. Insbesondere thaten gewisse —L_J ftitschrittliche Redner, als ob das Interesse der Parteien gdwag: und nicht die Wohlfahrt des Volkes vor allem in Betracht kommen und als ob dieses Volk ebenso ausschließlich von und in der „Politik" lebte, wie diese Herren thun. An der Beschlußfassung über die Bedingungen, unter welchen die Abhaltung öffentlicher Lustbarkeiten polizeilich sollte unter­sagt werden können, nahm der Abgeordnete Richter z. B. zu Auseinandersetzungen darüber Veranlassung, wie wichtig die Wirtshäuser für die politische Agitation seien und daß aus . . j diesem Grunde für möglichste Unabhängigkeit der Wirte von lutotyn tec Polizei gesorgt werden müffe. Der Abgeordnete Büchte- mann schien in derselben Debatte nur eine willkommene Gelegenheit zu gehässigen Angriffen gegen das „Gebühren" der Polizei zu sehen, der Abgeordnete Windthorst aber otmm seifte am zweiten Tage der Verhandlung soweit auf das Gebiet des sog. Kulturkampfs ab, als ob zwischen dem kirchenpolitischen Streite und dem Wirtshausleben irgend ein Zusammenhang bestehe. Der sozialdemokratische Ab­geordnete Stolle machte endlich den Versuch, die Offizier- Kasinos mit den öffentlichen Wirtshäusern auf dieselbe Stufe zu stellen und seinem Haß gegen das Militärwesen durch verläumderijche Beschuldigungen gegen die Offiziere , . unb deren gesellschaftliche Vereinigungen Lust zu machen. — chen tut sehnlich ging es bei der Verhandlung am 7. April zu, wo die mit dem Gewerbebetriebe der sog. VolkSanwälte ver-

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ob die politische Thätigkeit der Polizei die allein in Betracht kommende und die wichtigste wäre I — In der 61. Sitzung kam die Kolportage an die Reihe. Die Einleitung zu der Verhandlung über diesen eminent wichtigen Gegenstand bil- deten scherzhafte Auseinandersetzungen der Abgeordneten Fritzen und Richter darüber, ob nicht am Ende auch die egyptischen Kaufleute, an welche Joseph, der Sohn des Erz­vaters Jakob, verkauft worden, als Hausierer anzusehen gewesen seien, und ob Josephs staatsmännische Thätigkeit unter den Begriff des „Staatssozialismus" falle. An der in der 62. Sitzung stattgehabten Diskussion über die Fälle, in denen Bundesrat und Landesregierungen aus Gründen der öffentlichen Sicherheit einzelne Gegenstände von dem Gewerbebetriebe im Umherziehen zeitweilig ausschließen können, ist endlich zu dem Versuch Veranlassung genommen worden, die dem Bundesrat in dieser Beziehung bisher zu­ständigen Befugnisse einzufchränken und den Reichstag zum obersten Richter über dergleichen außerordentliche Sicherheit«- maßregeln zu machen!

Ob diese, wenn nicht ausschließlich, so doch wesentlich durch Rücksichten des Fraktionsinteresses bedingte Art der Behandlung von Fragen, die das Volksleben aufs tiefste berühren, mit der Politik aber nur mittelbar im Zusammen­hänge stehen, — zweckentsprechend zu nennen ist, wird der Leser am besten selbst entscheiden. Unserer Meinung nach hat daS Volk an dem Schutze seiner Angehörigen gegen Ausbeutung und Korruption durch zweideutige Geschäftsleute ein sehr viel größeres Interesse, als an dem Gewinn, welchen die politischen Parteien sich von der Beschränkung der Polizei und von der Aufrechterhaltung gewiffer „Frei­heiten" versprechen. Hoffentlich wird die demnächstige dritte Lesung dieses wichtigen Gesetzes Gelegenheit bieten, wenigstens einige der bei der bisherigen Verhandlung begangenen Irr­tümer und Unterlassungen auszugleichen. ________

Deutsches Reich.

Berlin, 18. April. Ein Rundschreiben des geschäfts- sührenden Ausschusses der Fortschrittspartei sagt: Die Kaiserbotschaft werde benutzt, um dem Reichstage den Vor­wurf der Saumseligkeit zu machen. Dieser Vorwurf sei unbegründet. Die Ausdehnung der Parlamentsarbeiten sei hervorgerufen durch die Ueberhäufung mit aussichts­losen, oder die freiheitlichen und wirtschaftlichen Grundlagen des Volkslebens gefährdenden Vorlagen, sowie durch das gleichzeitige Tagen des Reichstags und Landtags. Nicht durch vorzeitige Feststellung des Etats pro 1884/85, welche alle mit den zweijährigen Etatspertoden verbundenen Be­denken errege, sondern durch Abstellung der Uebelstände, welche die Arbeiten des Reichstags gelähmt oder zer­splittert haben, könne geholfen werden. Die Schwierig­keiten der ArbeiterversicherungSvorlagc würden unendlich

gesteigert werden, wenn die Gesetzgebung statt daS Haft­pflicht- und das Hilfskassengesetz sortzubilden, von einem Experiment zum andern schreite. DaS Unfallgesetz kann nur durch schwierige, zeitraubende Umarbeitung zu einem gerechten Werke umgestaltet werden. Die Klarstellung die­se« Standpunktes erscheine der Agitation der gegnerischen Parteien und der Eventualität einer Auflösung des Reichs­tages gegenüber als geboten. — Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt gegenüber dem „Rappel", man irre stch, wenn man glaube, daß die defensive Tripel-Allianz der französischen Monarchie gegenüber eine offensive werden würde. Deutsch­land würde auch der restaurierten Monarchie gegenüber einen Angriff abwarten, der nicht lange auf sich warten lassen würde. Dem „Soir" gegenüber sagt die „Nordd. Allg. Ztg.", sie habe in ihrem bekannten Artikel zur Be­ruhigung der deutschen friedlichen Landsleute nur konsta­tiert, daß die Gemeinschaft der deutschen, österreichischen und italienischen Interessen neue Garantieen des Frieden« biete. Gegenüber der „Republique francaise" bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.": „Wir glauben, daß unter gewiffen Bedingungen, die jedoch augenblicklich nicht vorliegen, Frank­reich verleitet werden könnte, wiederum mit Deutschland anzubinden." — Der Reichsetat für 1884/85 liegt bis auf den Etat der Militärverwaltung vor. Er weicht von dem für 1883/84 nur wenig ab. Den Bcschlüffen des Reichs­tags ist insofern mehrfach Rechnung getragen, als Forde­rungen, die im Etat 1883/84 abgelehnt worden sind, nicht wieder eingebracht sind. Nur die Postverwaltung macht davon eine Ausnahme. Die vor Ostern abgelehnten ersten Raten für Postgebäude finden sich wieder vor, die vom Reichstage gewünschte Spezialisierung einiger Etatstttel der Postverwaltung ist berücksichtigt, aber nicht bezüglich der Gehaltsverhältnisse der Beamten. Auch der Ankauf des Postgebäudes in Glatz wird wieder verlangt. ES ist die» das Gebäude, das auf Grund eines Vertrages mit der Postverwaltung gebaut, zunächst von ihr gemietet war und dann angetauft werden sollte, woran sich dann die bekannte Erörterung über diese Art Mietsverträge der Postverwal­tung knüpfte. Dem Beschlüsse des Reichstages entsprechend ist im Etat mitgeteilt, daß an 139 Orten solche MietS- verträge bestehen. Der Etat deS Reichsjustizamts weist eine Neuerung auf, die Errichtung von 3 neuen Stellen für einen Senatspräsidenten und zwei Richter.

Hannover, 16. April. Der Magistrat wählte mit allen gegen eine Stimme und den weißen Zettel des Ge­wählten selbst den nationalgesinnten Siadtsyndiku« Oster- meyrr, um ihn Sr. Majestät dem Könige behufs Vertre­tung der Stadt Hannover im Herrenhause zu präsentieren.

Köln, 15. April. Der Landtagsabgeordnete Stadt­verordnete Bachem hat nach der „Voss. Ztg." im Stadt­verordnetenkollegium beantragt: die Finanzkommisston mit

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Junggesellenfrühstück, zu dem er einige seiner neuen Be­kannten nächstens in seiner Wohnung zu versammeln ge­denke; der junge Mann entschuldigte stch mit dringenden Arbeiten. Er sprach sich anerkennend über sein Organ aus, wurde jedoch kühl zurückgewiesen. Darauf pries er ganz unbefangen den Vortrag von WeldingS Partnerin uns jetzt hatte er wenigstens die Genugthuung, den Er­zürnten auS seiner erzwungenen Ruhe auffahren zu sehen.

„Fräulein Malven ist nicht allein eine vorzügliche Sängerin, sondern auch ein schönes Weib, nicht wahr?" sprach er und aus seinen düsteren Blicken sprühte die ganze Erregung eines stürmischen Herzens.

„Finden Sie? fragte Ferrandez nachlässig. „Sie mögen Recht haben, indes ich — verzeihen Sie — habe zu oft Gelegenheit gehabt, ähnliche oder noch hervorragendere Er­scheinungen in meiner Heimat zu bewundern, als daß ich ihnen hier noch dasselbe Jntereffe entgegenbringen sollte. Ich schwärme gegenwärtig für den echt deutschen Typus, für die sanften ätherischen Blondinen. — Aber darf ich denn wirk­lich gar nicht hoffen, Sie übermorgen bei mir zu sehen? Sie merken, ich kehre eigensinnig auf den Punkt zurück, von dem ich ausgegangcn bin. Soll ich mit dem Baron sprechen, daß er Sie mir beurlaubt?"

„Oh, der Baron läßt mir in solchen Dingen meine Freiheit, indessen —"

„Da ist einer, der von dem Baron nicht so begeistert scheint, wie Saremba," dachte Ferrandez. „Jndeffen —" wiederholte er mit liebenswürdiger Ungeduld.

„Indessen wenn es Ihnen angenehm ist, werde ich eS möglich machen zu kommen."

„O, das ist herrlich! rief mit dem Mexikaner zugleich der junge Saremba, der vor einem Augenblick herangetreten war. „Da werden Sie Gelegenheit haben, Georg, die

prächtige Einrichtung unseres Freundes zu bewundern, um die ich ihn jedesmal beneide."

„Lieber Graf," sprach in diesem Augenblick die Baronin Buchfeld, mit dem Fächer die Schulter des jungen Mannes berührend, „Fräulein Malven wünschte gestern die Noten, von denen Sie mir neulich sprachen. Sie würden ihr einen Gefallen sondergleichen erweisen, wenn Sie ihr dieselben anböten."

„Ich fl'ege, gnädige Frau!" rief Saremba und befand sich eine Sekunde später an der andern Seite de« Gemach«, vor der Dame seine« Herzens. Welding trat vor der Gattin seines Vorgesetzten zurück — die Baronin und Ferrandez standen sich allein gegenüber.

„Wenn ich nicht fürchten müßte, Sie heute zum zwan- zigstenmale dasselbe hören zu lassen," begann er in dem leichten Gesellschaftston, den er so häufig anzunehmen liebte, „so würde ich mir erlauben, Ihnen ein Kompliment über Ihr Lied und über Ihr vorzügliches Aussehen zu machen."

In der That hatte Luise von Buchfeld vielleicht nie so schön auSgcsehen, wie in diesem Moment. Der gewöhnliche müde Ausdruck hatte einer lieblichen Röte innerer Erregung Platz gemacht, die antike Haarpracht stand wundervoll zu dem senkrechten Profil, das dunkle Sammtkleid hob ihre Gestalt mit königlichem Anstand.

„Wir Frauen sind bekanntlich so eitle Geschöpfe, daß man uns eine Schmeichelei auch ungestraft zum einund- zwanzigstenmale sagen darf," entgegnete sie mit einer Ironie, die ihn vielleicht auffordern sollte, ihr gegenüber ein andere« als dies abgebrauchte Thema anzuschlagcn.

„Das ist das Recht, ja die Pflicht der Schönhrtt, gnädige Frau."

„Gne traurige Pflicht," sprach sie leise.

(Fortsetzung folgt.)