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XVIII. Jahrgang
Marburg, Freitag, 13. April 1883.
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Berlin, den 11. April.
abgelehnt. Zu Nr. 3 wird ein vom Abg. Baumbach eingebrachtes, diese Bestimmung im Sinne der bezüglichen Gewerbetreibenden wesentlich milderndes Amendement ebenfalls mit Stimmengleichheit, mit 143 gegen 143 Stimmen, abgelehnt ; das eventuelle (oben mitgeteilte) Amendement desselben Abgeordneten zu Nr. 3 wurde mit 144 gegen 143 Stimmen verworfen, lieber die Nr. 3 der Korn- missionsbeschlüffe erfolgte demnächst die vom Abg. Richter beantragte besondere Abstimmung. Das Ergebnis ist die Annahme derselben mit 147 gegen 143 Stimmen. Demnächst erfolgte die Annahme des ganzen § 57 b (dessen Nr. 1 beseitigt ist) mit Majorität.
Paragraph 58 (Zurücknahme deS Wandergewerbescheins) wird unter Ablehnung des gestellten Amendements unverändert genehmigt. Paragraph 59 bezeichnet die speziellen Fälle, in welchen der Gewerbebetrieb ohne Wanvergewerbe- schein im Umherziehen betrieben werden darf. Abg. Papel lier beantragt eine andere Fassung von Alinea 1. Abg. Kayser (Freiberg) will die Vertreibung selbstverfertigter Waren ohne Wandergewerbeschein allgemein gestaltet wisien. Bundeskommissar Bödiker tritt beiden Anträgen entgegen und befürwortet die Annahme in der Fassung der Kommission. An der weiteren Debatte nahmen die Abgg. Braun und v. Chlapowski teil. Hierauf wird die Sitzung auf morgen 11 Uhr vertagt.
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t Die Wahl tu Osterode-Reideuburg.
Immer geht eS doch nicht so, wie die Fortschrittspartei denkt. Nach dem unerwarteten Siege in Rügen-Franzburg glaubte sie auch schon des Sieges in dem ostpreußischen Reichswahlkreise Osterode Neidenburg sicher zu sein, zumal derselbe im Verhältnis zu jenem für die Konservativen als viel gefährdeter galt. Statt dessen hat sie mit ihren sezessionistischen Freunden sich hier eine empfindliche Niederlage zugezogen.
Bei der daselbst am 6. April stattgehabten Ersatzwahl für den konservativen Abg, Becker, der sein Mandat niedergelegt hatte, hat der konservative Kantitat Rose mit beinahe 4000 Stimmen Majorität über den fortschrittlich sezessionisti- schen Kandidaten Weißermel gesiegt.
Der Staatsrat.
Die „Prov.-Korresp." enthält einen Artikel, welcher die Wiedereinführung des Staatsrates in Aussicht stellt und zwar als ein Organ des Gesamtministeriums. Die „Prov.- Korresp." schreibt:
„Der Staatsrat wird wesentlich dazu berufen sein, als kommissarisches Organ des Gesamtministeriums die Entwürfe der Ressortministerien sachlich und formell zu prüfen, insbesondere die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit derselben Im ganzen und einzelnen zu begutachten; die Äufrechter- haltung des ZusamuienhangeS der Entwürfe mit der bestehenden Gesetzgebung wahrzunehmen; Widersprüche derselben in sich und mit anderen Gesehen zu beseitigen; Unebenheiten und Unklarheiten in der Redaktion zu verbessern.
ES wird dann darauf hingewiesen, daß eine zu bestimmten Vorlagen berufene Ministerialkommtsston, welche immer an die Weisungen ihrer Auftraggeber gebunden ist, einen selbständigen StaatSrat nicht ersetzen kann. Bei der derselben einzuräumendcn Unabhängigkeit werden die aus ihren Beratungen hervorgegangenen Beschlüsse den Charakter wirklicher Entscheidungen an sich tragen und schon hierdurch eine höhere Bedeutung in Anspruch nehmen können. Ein besonderer Vorzug liegt aber in der Ständigkeit der Behörde und ihrer Zusammensetzung. Erstere bürgt dafür, daß das gesamte GesetzgebungSwerk in einheitlichem Zusammenhänge fortgeführt werden und die Tradition der Verwaltung gewissenhafte Wahrung finden wird. Letztere
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gewährt die Möglichkeit, daß für die gesetzgeberischen Arbeiten auf den verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebens zu jeder Zeit eine Anzahl der erlesensten und sachkundigsten Kräfte zu Gebote steht, welche, ohne in ihrem Urteile durch irgend welche Interessen voreingenommen und beeinflußt zu sein, auch aus diesem Grunde in höherem Maße als jede besondere Kommission befähigt sein werden, zu einem sachgemäßen und zutreffenden Urteil zu gelangen.
Eine Vorbereitung dieser Art, welche sich zugleich auf alle Einzelbestimmungen erstreckt, wird demnach nicht nur an sich von großem Werte sein, sondern sie wird auch eine allseitig durckgearbeitete gediegene Unterlage für die dann eintretenden Beschlußfassungen des GesamtministeriumS liefern, welche die einzelnen, bei der betreffenden Gesetzgebung zunächst nicht beteiligten Ministerien ebenso wie das Staatsministerium selbst der gegenwärtigen Detailarbeit überhebt, und doch zugleich die Gründlichkeit der Schlußberatungen befördert.
Zn diesem Sinne kann der StaatSrat auch innerhalb der Verfassung eine ersprießliche Thätigkeit entwickeln, und die Zwecke, welche mit der Wiederbelebung desselben verfolgt werden, erfüllen.
Die Einzelheiten der in Aussicht genommenen Maßregel unterliegen im übrigen noch der Erwägung. Sofern dieselben zu einer Annahme des Vorschlages führen, wird eine alte bewährte Einrichtung von neuem als lebensfähiges Glied in den Staatsorganismus cingefügt werden. Sollte dieselbe demnächst mittelbar die Einwirkung auSüben, daß von feiten der Volksvertretung bei der Stellung von Abänderungsvorschlägen eine gewiffe Zurückhaltung geübt wird, so würde dies als ein weiterer wesentlicher Gewinn zu bezeichnen sein. Wenn schließlich mehrfach hervorgehoben worden ist, daß der Staatsrat eine preußische Einrichtung sei und daher für das Reich nicht unmittelbar verwertet werden könne, so wird dieser Punkt vorläufig um so mehr aus der Erörterung ausscheiden können, als die Behörden- Organisation des Reichs und damit auch die geschäftliche Behandlung der gesetzgeberischen Vorlagen derselben eine wesentlich verschiedene ist."
t Kas 883.
.;-,n nimmt entgegen: *Äition d. Blattes. -- Ännoncen-Bureaur
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Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.
ginungSrat Bödiker bat, die viel zu weit gehenden An- en-Fabi träge des Abg. Baumback abzulehnen. An der Debatte [334 beteiligen sich ferner im Sinne des Antrages Baumbach -T7 bie Abgg. Walther, Büchtemann, der Antrag- , Keller und der Abg. Dirtchlet, andererseits für die '" u« lkommisstonsbeschlüsse die Abgg. von Schalscha und Jt. Köller. Gelegentlich erbot sich der Abg. Stolle, über seine neuliche Behauptung, betreffend angebliche Vorränge in den Offizier-Kasinos, das Beweismaterial, das übrigens noch nicht vollständig abgefchlossen sei, den Mitgliedern des HauseS zur Einsicht vorzulegen, da es seiner delikaten Natur wegen zur öffentlichen Mitteilung im Reichstage sich nicht eignen möchte. Bei der Abstimmung über dm § 57b wird die Nr. 1 mit 142 gegen 142 Stimmen
Qn der heutigen (63.) Plenarsitzung des Reichstags «ackte der Präsident dem Hause zunächst Mitteilung davon, ®=. xr mit Rücksicht auf die schweren Wafferschäden an der Achsel auS den ihm für die Ueberschwemmten zugegangenen Mdern voiläufig die Summe von 5000 Mk. an das in Mgig bestehende Hilfskomitee gesandt habe. Abg. Rickert Mkte dem Präsidenten für die bereitwillige Gewährung tit(er Unterstützung und glaubte nach näherer Feststellung ttr betreffenden Schäden auf weitere Hilfe aus dem quäst. Md« hoffen zu dürfen.
ö Das Mandat dcS Abg. Ackermann, der zum Ge- bti»en Hofrat ernannt ist, wurde dem Anträge der Ge- MSkommission gemäß fortdauernd für gültig erklärt, Mem die Abgg. Kayser (Freiberg) und Richter Men) — jeder nach seiner Manier — sich bemüht hatten, die Bedeutungslosigkeit solcher Titulaturen zu demonstrieren. (403 Bei Fortsetzung der zweiten Beratung der Novelle zur --- Gewerbeordnung wurde vom Art. 10 der § 57 a („der \ besetz Wandergewerbeschein ist in der Regel zu versagen: 1. wenn ^peditia ((r Nachsuchende noch nicht großjährig ist; 2. wenn er [125 Md, taub oder stumm ist oder an Geistesschwäche leidet") t nach unerheblicher Debatte genehmigt.
keller « Nack § 57b darf der Wandergewerbeschein außerdem 1 Cfoi nur versagt werden, wenn 1. der Nachsuchende ein oder sl« mchrere Kinder besitzt, für deren Unterhalt und, sofern sie ~ - jm schulpflichtigen Alter stehen, für deren Unterricht nicht Mgenv gesorgt ist; wenn er 2. im Jnlande einen festen ächmid Wohnsitz nicht hat; wenn er 3. mit Zuchthaus oder mit Wagnis von mindestens sechs Wochen bestraft ist und idt Verbüßung der Strafe drei Jahre noch nicht verflossen [87! jinb, oder wenn er 4. wegen Verletzung der auf den Ge- mbebetrieb im Umherziehen bezüglichen Vorschriften im Saufe ter letzten drei Jahre wiederholt bestraft ist. Abg. Meibauer befürwortet den Antrag, die Nr. 1 ganz zu streichen und in Nr. 3 statt „sechs Wochen" zu setzen: .drei Monate". Abg. v. Kleist-Retzow sprach für die _ Kommissionsbeschlüsse, welche andererseits von dem Abg. r ™ Stolle bekämpft wurden. Regierungskommissar Geh. Re-
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„Und eS war mein letztes," sagte er leise — „komme her, Roman, mein Sohn, komm, ich hab' Dich ja so lieb, heb' die Zeit nicht erwarten können, wo ich Dich einführen »ürde bet den lustigen Freunden zu Trunk und Spiel und Jagd. Sieh dort den Wald und das Dorf und die Felder Beit umher, das war alles mein, und nun ist eS dahin, na« nach dem andern, und das letzte stahl mir ein Freund, itau keinem Freunde, mein Sohn, am wenigsten einem, b» sich Menschenfreund nennt — das ist der letzte Rat, ktn Dir Dein Vater flieht. — O, ich hatte ihn meinen Stuber genannt!" Er schlug plötzlich die Hände vor daS Besicht und der starke Mann schluchzte wie ein Kind.
„Was sagst Du jetzt, ValeSka?" wandte er sich darauf an seine Gattin, die regungslos auf ihrem Platz verharrte «nd wie erstarrt vor sich inS Leere blickte. „Wir haben Glück und Reichtum mit einander geteilt, jetzt wird die Gdtbehrung kommen. Sei nicht so kalt, Vally, ich weiß, H trage die Schuld, daß es so kam, aber mir scheint, eS Mt noch größere Schurken als ich. Wenn ich gefehlt, ist eS mir tausendfach heimgezahlt und von jemanden, 8” dem ich mich nie versündigt. Sei Du dafür gut mit und vergiß, wenn ich Dich manchmal — Du willst Acht, Du flößest mich zurück? Du kannst nicht vergeffen? " Du meinst" — er brauste wieder leidenschaftlich auf — »Kun das Geld zum Teufel ist, kann sich der Herr Gemahl Mtennach scheren? Meinetwegen, falsche Schlange — ein Schurke will ich sein, wenn ich noch einmal um eines
Menschen Gunst bettele l — So, nimm Deine Mutter gegen den Wüterich in Schutz, Junge das ist recht. Hahaha l Alles gegen mich verschworen, seit der Beutel leer ist — ich hätte mir's denken können I"
Er stürzte fort und warf schmetternd die Thür hinter sich zu. ValeSkaS Haupt sank gegen die Sophalehne, das Zimmer schien sich ihr im Kreise zu drehen. Verraten! Betrogen! Ein Werkzeug in geschickter Hand! O, warum öffnete sich nicht die Erde unter ihr, um sie mit ihrer Schande zu bedecken? — Eine Ohnmacht legte sich wohl- thätig um ihre Sinne.---
Das erste, was sie hörte, als sie nach langer Zeit erwachte, war die Stimme ihres Knaben, der sich angstvoll über sie beugte und wohl zum zehntenmale ihre Stirn mit seinem ins Wasser getauchten Taschentuch befeuchtete. „Bist Du wieder zu Dir gekommen?" fragte er unruhig. „O Mamachen, so bitte, komm zu Papa — er ist — er war so aufgeregt, als er hier fortging, Du bemerktest eS nicht, und hernach —"
„Nun?" fragte die Gräfin, die sich langsam zu erinnern begann.
„Ich schlich ihm nach," vollendete er zitternd und zog sie schon bei den Händen nach der Thür, „und mir war's, als hörte ich kurz darauf einen Schuß in seinem Zimmer."
ValeSka hörte nicht mehr, sie flog den Korridor entlang, sie rief die Diener, man erbrach die Thür ihres Gatten — der Graf lag auf seinem Bett, in der herabhängenden Hand die Pistole, die ihn mitten durchs Herz getroffen. Sein Antlitz war verzerrt, die Lippen fest zusammengepreßt,
als sei sein letzter Gedanke gewesen. „Fluch mir und aller Welt!"---
Ein furchtbarer Herzkramps fesselte Valeska ans Krankenlager und machte sie teilnahmslos gegen alle«, was sie umgab. So hatte die Familie des Verstorbenen leichte« Spiel, die Leitung aller Angelegenheiten in ihre Hand zu bekommen. Kasimirs Mutter, die Gräfin Lndovika v. Saremba, kam herüber ließ die Leiche des Sohnes nach ihrem Stammschloß überführen und kündete der Gattin desselben mit kalten Worten an, daß sie für angemessen finde, die Erziehung Romans, des letzten Sprößlingö der Familie, selbst zu leiten. Valeska ließ eS geschehen, sie wurde nicht einmal au« ihrer Lethargie geweckt, als die Arme ihres Sohnes sie zum letztenmal umschlangen und er halb trotzig, halb angstvoll flüsterte: „Sage nur ein Wort, Mama, und Du sollst sehen, ich gehe nicht mit ihnen, mögen sie anstellen, waS sie wollen. Ich frage nicht einen Pfifferling nach Großmama und den andern, wenn sie nicht gut gegen Dich sind. Sprich nur ein Wort, Mama."
„Geh, geh," sagte Valeska, „Du machst mir Schmerz," Da wich er bestürzt von ihr und ließ sich widerstandslos hinwegführen.--
ValeSka, verwitwete Gräfin Soremba tauchte zurück unter die Plebejer, denen sie früher angehört. Gräfin Ludo- vika war ein Stein vom Herzen, als sie vernahm, daß jene beschlossen, ihren Mädchennamen wieder zu tragen; dem Baron Buchfeld aber war damit die Möglichkeit abge« schnitten, ihr seinen Beistand anzubieten, und alle seine Nachforschungen nach ihr, sobald er von seines Freunde» Tod gehört, blieben vergebens. (Fortsetzung folgt.)