XVIII. Jahrgang
Marburg, Mittwoch, 11. April 1883.
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8 9 Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-
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(Fortsetzung folgt )
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Auf Irrwege».
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nickt zustimmen.
Abg. v. Kleist-Retzow will das Hausiergewerbe wohl dulden, cs aber nicht begünstigen. Das stehende Gewerbe werbe in den kleinen ländlichen Gemeinden vollständig unterdrückt. Der Landmann könne sich des Hausterhändlers nicht erwehren. Der Redner schildert in drastischer Weise das Gckahrcn der Hausierer auf dem Lande und bittet schließlich, der Vorlage zuzustimmen.
Abg. Büchte mann verlangt für das Haustergewerbe die gleichen Grundfätze der Berechtigung, wie für das stehende Gewerbe. Die Haustergcwerbetreibenden würden aber durch die Vorlage unter Polizeiaufsicht gestellt; das würde nur Maulaffen, daß die besseren Elemente aus dcm Hrusier- gewerbe entfernt würden. Wollte man fo bi das Persönliche des Hanstergewerbes cingrcifcn, dann hätte man wenigstens eine volle Ueberstcht über die ganze Situation des Hanstergewerbes im Reiche vorlegcn müssen, wie sie für Württemberg ein Privatmann aufgestellt habe. Die von der Regierungsvorlage hervorgchobenen Schäden auf dem Gebiete deS Hanstergewerbes feien übertrieben.
Regierungskommissar Geh. Regicrungsrat Bödiker gab dem Vorredner Auskunft über die große Ausdehnung des Hanstergewerbes in verschiedenen Einzelstaaten, wie Preußen, Bayern, Baden, Lübeck rc., in letzter Zeit. Der Entwurf habe einer großen Reihe ven Magistraten vor- gckegen, von denen anzunehmen fei, daß sie die Anschauungen
der Kolportage, die nur zu polizeilichen Chikanen dienen werden. Abg. Günther spricht für unveränderte Annahme der Kommissionsvorschläge, Abg. Munckel gegen jede weitere Beschränkung der Kolportage, weil sonst nur an die Stelle des Mißbrauches der Freiheit der Mißbrauch der Polizeigewalt treten werde. Auch Abg. Schott ist gegen jede Vermehrung der polizeilichen Befugnisse!
Bundeskommissar Bödiker wies auf die allgemeinen Klagen über die Ausschreitungen des Kolportagehandels mit Schandwcrken, unsittlichen und staatsgefährlichen Schriften hin. Solchen auch von den Gegnern der Vorlage anerkannten Uebelständen gegenüber dürfe die Gesetzgebung nicht müßig bleiben, hier stehe nicht Geld und Gut, sondern die Sittlichkeit der Nation und das öffentliche Interesse im eminentesten Sinne in Frage. In Buchdruckerund Verlegerkreisen hätte die Regierungsvorlage vielfach Anerkennung gefunden. Gerade hier komme der ganze sittliche Ernst der Tendenz, die Gewerbeordnung zu verbessern, zum deutlichen Ausdruck; hier werde der .'Reichstag hoffentlich nicht die Regierung im Stiche lassen. (Lebhafter Beifall.) Abg von Kleist-Retzow spricht sich in gleichem Sinne für eine Beschränkung des Kolportagehandels aus.
Der Antrag des Abg. Baumbach, nur solche Druckschriften von der Kolportage auszuschließen, welche mittelst Zusicherung von Prämien vertrieben werden, sofern diese nicht in Schriften oder Bildwerken bestehen, wird unter Verwerfung von „Nummer 10" bei namentlicher Abstimmung mit 141 gegen 127 Stimmen angenommen. Der letzte Zusatz zu „Paragraph 56" wird ganz gestrichen, sowohl in der Kommisstons-, wie in der Regierungsvorlage. Die weitere Beratung wird auf morgen 11 Uhr vertagt.
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44.
Der Baron schloß die Thür deS Jagdhauses, führte sie zu dem Sopha deS eleganten runden Zimmers und ließ fick auf ein Tabouret zu ihren Füßen nieder.
„Geht cs mir denn anders," sagte er dann leise mit bebender Stimme. „Du kennst die Sehnsucht nicht, die »ich verzehrt, wenn , ich, weit von Dir, mich den erbärmlichen Alltagsgeschäften hingeben, den Menschen um mich bet zulächeln muß, während doch jede Fiber in mir nach Dir, nur nach Dir verlangt. Und dann zu wissen, daß Du einem anderen gehören sollst, — o wie ich ihn beneide, diesen andern! Ich möchte Kasimir von Saremba Haffen, »nd er, er naht mir mit so ahnungslosem Vertrauen. C Valeska, diese Qual I Warum, warum kannst Du nicht »ein sein?" , .
Er hatte sich erhoben; sie fühlte das Zucken ferner Hand, sie sah die heiße Glut in seinem Blick und ihr leider.schafllicheS Herz kam zur Ruhe, da sie sich sagte: „Er spricht die Wahrheit und er liebt mich doch!" —
„Ich bin ja Dein," flüsterte sie selig.
Der Baron sah stumm auf sie herab. DaS rote Licht der untergehenden Sonne quoll unter den Fenstervorhängen hervor und umgab mit verklärendem Schimmer die Gestalt der schönen, kleinen Dame, die sich schlank und zierlich wie ein Kind in die Sophakisscn lehnte. Die mächtigen Fittiche eines ausgestopften, im Jagdpavillon hängenden Steinadlers ragten, von Dunkelheit umhüllt, gespenstisch über ihrem Haupt. Baron Buchfelds Blick glitt
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M.; Jögersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalid endank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.
,iuen nimmt entgegen: N&ion d. Blattes, u- jlnnoncen-Bureaux s^b Dietrich u. Cs. in Tund Hannover; Th.
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Berlin, den 9. April.
der heutigen (61.) Plenarsitzung des Reichstags ■ ur?c die zweite Beratung der GewerbeordnungS - Novelle weinL fortgesetzt; tie Art. 5-9 wurden vorläufig zurückgestellt J Vin die Beratung des Art. 10 eingctrcten, welcher den '' l*(üemei6ebetrie& im Umherziehen betrifft.
Zunächst empfiehlt der Berichterstatter Dr. Hartmann tje Kommisstonsbcschlüsfe zur Annahme. Die Kommission Le allgemein anerkannt, daß der Hausierhandel vollständig «icht zu entbehren sei. Dagegen sei cS notwendig, die bei M.selbm hervorgctretenen Schäden zu beseitigen und die- jmigen Beschränkungen einzusühren, welche die öffentliche Sicherheit und Ordnung erfordern.
Abg. Dr. Baumbnch führte auö, daß die Vorlage den Wünschen des kleinen Gewerbebetriebes allerdings nicht in sm Grade entgegenkomme, wie es seitens des Kleingewerbes „n manchen Orten, z. B. in München, begehrt worden. Indes sei allein der Grundsatz richtig, daß das Hauster- gmerbe mit dem stehenden Gewerbe gleichberechtigt sei. .^Unbegreiflich sei ihm, wie ein wiffenschastlich gebildeter [12 Mann, wie der Abg. v. Hertling, über die Regierungs- ve.lage hinausgehen und Bücher und Drucksachen in der Kolportage vollständig verbieten wolle. Der Redner hält übrigens eine hohe, aber einheitliche Besteuerung des Hausier- giwerbes im ganzen Reiche für zweckmäßig; weil die Prinzipien der Gewerbcsrciheit und der Freizügigkeit in den Kommissionsanträgen verletzt würden, könne er denselben
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Die Verteidigung unserer Heereseinrichtnngen.
Die Art und Weise, mit welcher die Militärverwaltung und das gesamte Heer letzthin von demokratischer Seite im Parlament behandelt worden sind, hat einer Reihe von Freunden und Sachverständigen des Heeres die Feder zur Verteidigung und zur Abwehr der Angriffe in die Hand gedrückt. Auch daö „Militärwochenblatt" hat in einem Artikel über „Politik und Kriegführung", der in dem Satze gipfelt: „die Wünsche der Parlamente können und dürfen sich nicht bis zur Vorschrift über Mittel zur Erfüllung politischer und kriegerischer Zwecke durch die Diplomatie und Kriegführung steigern", das Wort zur Verteidigung genommen.
Mit dcm Auszuge einer demnächst (in R. v. DeckerS Verlag, Marquardt und Schenk) erscheinenden Schrift des Majors im Großen Gcneralstabe, Freihcrrn C. von der Goltz: „das Volk in Waffen" macht uns das „Berl. Tagebl." bekannt, welches freilich zu den Ausführungen des vortrefflichen MilitärschriststcllerS den Vorbehalt macht, daß sich dieselben nicht überall mit seinen (deS Tageblatts)
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letzten Zeit überflüssig bei uns zu verschließen. Hahaha!" Sie lachte, als ob dies die lustigste Sache von der Welt sei.
„Also mit Deiner Erlaubnis!" sagte er, ein Papier aus dem Kästchen an sich nehmend.
„So viel Du willst — alle meinethalben. Kasimir wird sich nie die Mühe nehmen, sie nachzusehn, er denkt nicht mehr an dergleichen — ich weiß nicht, ob er überhaupt noch an etwas anderes denkt als an Wein und Karten —"
„Verleumde ihn nicht noch, den armen Kasimir," sagte der Baron, daS Kästchen an seinen Platz stellend und sich zu ihr niederbeugend. „Er ist doch in dem Maße beneidenswert, in dem ich unglücklich bin, Geliebte!" —
Draußen sank allmälig die Dämmerung herab. Auf der Schwelle des Jagdhäuschens lagerte deS Barons Hund als treuer Wächter."
IV.
Der Wahn ist kurz — die Reu ist lang.
Die Gräfin von Saremba ging unruhigen Schritte« in ihrem Gartensalon auf und ab, wohl in jeder Viertelstunde zehnmal nach der kleinen goldenen Uhr in ihrem Gürtel sehend, um sie gleich wieder mit einem Seufzer fortzustccken. Durch die geöffnete Glasthür sprühte der Regen herein und hüllte den Garten und die dahinter sichtbar werdende Landstraße in ein trübes, graues Kleid.
„Sichst Du noch nichts?" fragte sie endlich einen Knaben, der, in einer Fensternische stehend, tie Blicke unverwandt hinausgerichtet hielt.
Nein, Mama, ich sehe nichts," erwiderte dieser. „Aber Du bist heute so merkwürdig unruhig, beste Mama. WaS
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der Linken teilen, und deren volle Billigung gefunden. Die Vorlage werde keineswegs die guten Elemente von dem Haustergewerbe fernhalten, sondern nur die schleckten beseitigen, daS könne doch kein Schaden für das Gewerbe selbst sein. Mit len allgemeinen Vorwürfen über Stellung unter Polizeiaufstcht werde wenig erreickt, man möge sich lediglich an den Inhalt der einzelnen positiven Bestimmungen halten. Er könne demnach nur bitten, die Vorlage anzunehmen.
Abg. Günther (Sachsen) kann die allgemeine Gleichberechtigung des stehenden Gewerbes mit dem Haustergewerbe nicht anerkennen. Die Modifikationen, welche die Vorlage und mit ihr die Mehrheit der Kommission Vorschläge, seien im Interesse der öffentlichen Ordnung geboten und blieben noch erheblich hinter den Wünschen des größten Teils der Bevölkerung zurück.
Abg. Dr. Meyer (Jena) konstatierte, daß eine vollständige Beseitigung des Hausierhandels von keiner Seite verlangt worden und andererseits seine Freunde keineswegs den Hausierbetrieb, sondern die Auswüchse beseitigen wollten, sofern dieselben nachgewiesen. Den Forderungen des stehenden Gewerbebetriebes bezüglich der Wanderlager könne auf dem Gebiete der Besteuerung genügt werden. Auch er hält eine einheitliche Besteuerung des HaustergewcrbeS im ganzen Reiche für zweckmäßig.
Abg. Koch Hann (Landsberg) erkennt in der Konkurrenz den maßgebenden Regulator für die Ausdehnung des Haustergcwerbes.
Demnächst wurde der § 55 nach den Kommissivns- beschlüssen mit erheblicher Mehrheit angenommen.
Im § 56, der in zwei Teilen zur Debatte, bczw. ^Abstimmung gelangt, werden die Gegenstände aufgeführt, welche vom Ankauf oder Feilbietcn im Umherziehen ausgeschlossen sind. Die Nr. 3 führt aus: „Gold-und Silberwaren, Bruchgold und Bruchsicher, sowie Taschenuhren." Abg. Kochhann (Landsberg) beantragt die Worte: Gold und Silberwaren" und „sowie Taschenuhren" zu streichen. Dagegen erklärt fick Abg. Fritzen. Nr. 7 schließt aus: „solche mineralische und andere Oelc, welche leicht entzündlich sind, insbesondere Petroleum, sowie Spiritus." Abg. H eydemann will nicht alles, sondern nur solches Petroleum aussckließcn, dessen gewerbsmäßiges Verkaufen und Feilbieten nur in Gefäßen mit der Inschrift: Feuergefährlich" gestattet ist.
Der Paragraph wird bis einschließlich Nr. 9 angenommen.
Zu Nummer 10, betreffend daL Kolportieren von Druckschriften und Bildwerken bemerkt Frhr. v. Hertling, das Zentrum wisse, daß die vorgeschlagenen Bestimmungen vielfach gegen das Zentrum s.lbst würden aus- gebcutet werden; es stimme aber dennoch den Vorschlägen zu, weil man zwischen zwei Uebeln daS kleinere wählen müsse. Die unbeschränkte Kolportage mit ihren Schäden komme der geringeren Unbequemlichkeit gegenüber nicht in Betracht. Abg. Kapp warnt vor weiteren Beschränkungen zu ihnen auf und dann wieder auf da« feine, bleiche Antlitz, welches daS schwarze Haar in graziöser Unordnung umgab, auf den weißen, halb im dunklen Scidcngewande verschwindenden Arm, den ein roter Granatrcif umschloß — oft, nach langen Jahren noch, stieg das Bild vor seiner Seele auf, wenn ein Gedanke ihn mahnte an die Frau, deren Herz ihm einst so ganz, so ganz gehört.
Er seufzte auf und griff nach einem zierlichen, mit Perlmutter auSgelcgteu Mahagonikästchen, daS auf dcm Tische stand.
„Ah, wie liebenswürdig von Dir, daß Du nicht ver- geffen hast, meine kleine Bitte zu erfüllen," sagte d r Baron mit veränderter Stimme.
„Ich werde niemals eines Deiner Worte vergcffen, entgegnete sie leise, verstimmt durch diesen Wechsel in seinen Worten. r
„Es ist, wie ich Dir schrieb, eine sehr scherzhafte Wette mit Kasimir, die mir daS Verlangen nach diesem Papier eingab. Wir haben nämlich —"
„Wenn es etwas Geschäftliches ist, so verschone mich, bitte, damit!" entgegnete st- mit leisem Trotz.
„Wie Du willst! Aber in der That, Ihr Polen sei- von einer beneidenswerten Sorglosigkeit! Unverschlossen ist dies Kästchen, in welchem — wirklich, alle wichtigsten Familienpapiere sich darin befinden und Kasimir bewahrt die offene Schatulle an einem Ort auf, wo man sie ihm unbemerkt nehmen kann?"
„Mein Gott," entgegnete sie nachlässig, wozu noch so viele Umstände mit den langweiligen Papieren! Wenn cS noch die Goldschatulle wäre. Aber auch diese wäre in der
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