Einzelbild herunterladen
 

ftr.

Marburg, Sonntag, 8. April 1883.

xvm. Jahrgmg

R.

Die Exped. der Oberhess. Ztg.

40 Wg.

Jen l.jj

1 bisL

>en 1. Vi

Ipril IW

»berjor

3

icht

665

76«

77

72«

mit 2,65 ime mit

nicht, gnädiger Herr!" antwortete seiner Wohnung I Sonst Jemand der Umgegend, die sich die Anwesen- zu nutze machen wollten, ihm mehrere

Auf Irrwegen.

Novelle von L- Calm-

Müller iermit « rau zur

Karbur

tr. 44.

1O1I|

1011

tat 101*1

102

101

102 101!

Einige Leute aus mt des Herrn Baron Men vorzutragen."

2C.

2. bis;

! mit 1,6$ -scheite 1.

3. bis;

meZ.biSz

Bis jetzt noch mselbe.

So schickt nach

Reichstag.

Berlin, den 6. April.

In der heutigen (59.) Plenarsitzung des Reichstags wurden zunächst Rechnungssachen ohne Debatte in dritter Lesung genehmigt und dann die zweite Beratung der Novelle zur Gewerbeordnung beim Artikel III fortgesetzt.

Nach den Beschlüsten der Kommission soll der hinter § 33 der Gewerbeordnung nach der Regierungsvorlage ein- Maltende § 33 a folgende Fassung erhalten:

Wer gewerbsmäßige Musik - Aufführungen, Schau­stellungen. theatralische Vorstellungen oder sonstige Lust­barkeiten, ohne daß ein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschaft dabei obwaltet, in seinen WirtschastS- oder sonstigen Räumen öffentlich veranstalten oder zu deren Ver­anstaltung seine Räume benutzen lassen will, bedarf zum Betriebe dieses Gewerbes der Erlaubnis ohne Rücksicht auf die etwa bereits erwirkte Erlaubnis zum Betriebe des Ge­werbes als Schauspielunternehmer.

Die Erlaubnis ist nur dann zu versagen:

1. wenn gegen den Nachsuchenden Thatsachen vor­liegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß die beab­sichtigten Veranstaltungen den Gesetzen oder guten Sitten zuwiderlaufen werden;

2. wenn das zum Betriebe des Gewerbes bestimmte Lokal wegen seiner Beschaffenheit oder Lage den polizei­lichen Anforderungen nicht genügt;

3. wenn der den Verhältniffen deS Gemeindebezirks entsprechenden Anzahl von Personen die Erlaubnis bereit« erteilt ist.

AuS den unter Ziffer 1 und 2 angeführten Gründen kann die Erlaubnis zurückgenommcn und Personen, welche der dem Inkrafttreten dieses Gesetzes den Gewerbebetrieb begonnen haben, derselbe untersagt werden."

Abg. Richter (Hagen) spricht für die gänzliche Strei­fung dieses Paragraphen. Um dem Umfange der Tingel­

tangel zu steuern, genügten die bestehenden Bestimmungen. Ein Einschreiten in dieser Beziehung sei auch lediglich von lokalen Verhältnissen abbängia, um so weniger sei es ge­rechtfertigt, den betreffenden Gewerbetreibenden, die ohnehin schon mehrfach konzesstonSpflichtig seien, noch diese neue Be­lästigung aufzuerlegen. Die Wirte wagen schon jetzt keine liberale Versammlung mehr auszunehmeu, aus Furcht vor der Polizeiwillkür, wie das noch neulich sich bei der Wahl in Franzburg-Rügen erwiesen habe. Die Kautelen gegen die Erlaubnisversagung seien vollständig unzureichend. Am allerwenigsten sei die gegenwärtige Zeit geeignet, der Polizei noch weitere Machtbefugnisse einzuräumcn. Nicht bloß die Liberalen, sondern auch andere Parteien, namentlich daS Zentrum, hätten allen Grund, der weiteren Entwickelung des Polizeistaats sich zu widersetzen.

Abg. Ackermann hob dagegen hervor, daß die be­stehenden gesetzlichen Bestimmungen nicht ausreichten, um daS Unwesen der Tingeltangel, das noch im größeren Um­fange existiere, als der Vorredner annehme, zu beseitigen. Der Redner weist die Berechtigung des KommissionsbeschlusteS im einzelnen nach, ist aber damit einverstanden, daß der Eingang des § 33 a dem Anträge der Abgg. Dr. Blum- Hcydemann entsprechend folgende Fastung erhalte:Wer gewerbsmäßig Singspiele, Gesangs- und deklamatorische Vorträge, Schaustellungen, theatralische oder andere Vor­stellungen, ohne daß rc." Ebenso hält er für zulässig, daß man dem Anträge derselben Abgeordneten, im Absatz 3 nach den WortenZiffer 1 die Worteund 2" zu streichen zustimme. Im allgemeinen gehe die Tendenz der Vorlage mit Recht dahin, die Freiheit des Einzelnen so weit zu beschränken, als die öffentliche Moral eS erheische. Wenn einzelne Wirte ihre Lokale zu liberalen Versamm­lungen herzugeben sich gewciger- hätten, so würden wohl noch andere Gründe, als die Furcht vor der Polizei, be­stimmend gewesen sein.

Abg. Dr. Blum bemerkte dem Abg. Richter gegenüber, daß in der Kommission alle Mitglieder darüber einver­standen gewesen seien, daß die bestehenden gesetzlichen Be­stimmungen keine sichere Handhabe zur Beseitigung der Tingeltangel böten, und daß eine einheitliche Regelung der Frage zweckmäßig sei. Im übrigen rechtfertigte der Redner die von ihm eingcbrachten Amendements, von denen er be­sonderes Gewicht auf das letztere legte.

Abg. Dr. Baumbach spricht wie der Abg. Richter für Streichung des § 33a. Die ganzen Maßnahmen gegen die Tingeltangel erscheinen ihm etwas post festum zu kommen, dieselben wären bereits ziemlich aus der Mode gekommen. Jedenfalls hätten dieselben nur für große Städte Bedeutung und da dürfe man nicht auf Grund solcher lokalen Mißstände so allgemeine Beschränkungen sanktionieren, wie sie die Vorlage, bezw. Kommissions­beschlüsse enthalten. Er ist demnach sowohl gegen die

in der Nacht geweckt, in sichtlicher Aufregung Abschied von ihr gcnommmen und sei dann plötzlich verschwunden."

Der Diener sprach noch, als die Thür abermals auf gerissen wurde und Luise Egbert, Hardcns Braut, atemlos und bleich wie eine Leiche auf der Schwelle erschien.

Hilfe! Rettung!" stieß sie hervor.Er ist tot, er ist ertrunken, Walter, Herr Baron" sie schwankte, ter Baron wollte sie stützen, aber, sich kraftvoll aufraffend, wehrte sie ihn zurück und rief flehend:O lassen Sie Nachforschungen anstcllen, lass n Sic den Fluß durchwühlen Sie haben ihn auch geliebt, o gnädiger Herr!"

DaS Flehm der Todesangst sprach aus ihren großen, entsetzten Augen. Baron vuchfeld gab Franz einen Wink, im nächsten Augenblick wurde die Thür geöffnet und man sah auf dem Korridor Kopf an Kopf die gesamte Diener- ichaft, die, aufgeregt durcheinander flüsternd, der Befehle ihres Herrn harrte.

Der Baron wandte sich an Luise; sie verstand die Auf­forderung.

Ich traf ihn gestern zum letztenmal, als er im Begriffe war, sich hierher zu begeben," berichtete sie trotz ihrer Erregung mit einer Klarheit, die bei einem so jungen Mädchen in Erstaunen setzen mußte.Später soll er noch einmal dageweien sein und nach meinem Onkel gefragt haben, der seit gestern nachmittag verreist ist. Heute früh kam seine kleine Schwester ganz außer sich zu mir und berichtete, ihr Bruder habe die Nacht von ihr Abschied genommen, weil er sterben müffe. Ich wollte hier nach­fragen, kam an dem Fluß vorbei" sie verbarg ihr Ge­sicht in den Händen.

Nun?" fragte der Baron atemlos.Nun?" fragte das tiefe Schweigen der bebenden Zuhörer.

Der Eintritt des Oberverwalters Harden, dem der Diener «it Wein und Gläsern folgte, unterbrach des Baron- Selbstgespräch.

Was zwischen dem Baron und Harden diesen Abend Erging, blieb ein Rätsel und wurde auch nicht gelöst durch das furchtbare, am andern Morgen bekannt werdende Ereignis.

Ist Herr Harden dagewesen?" fragte der Baron am Agenden Morgen während de- Ankleiden« seinen Kammer- wiener.

dorf, z iärenhk ach, (8i

Zu dem mit dem 1. April begonnenen II. Quartal 1883 werden Bestellungen auf die

Oberhesfische Zeitung

«nd deren Gratisbeilage

Illustriertes SouutagSblatt

bst der Post noch angenommen. Auf dem Lande können die Bestellungen auch bei den Landpostboten gemacht werden.

3£* In den Ortschaften, in denen sich Poststellen oder Postagcnturen befinden, können die Zeitungen auf den Kureaux abgeholt werden und ist dann die Zahlung von Vestellgeld nicht erforderlich.

Die Oberhesfische Zeitung m-t SouutagSblatt kostet vierteljährig Mark 2,50 und das Bestellgeld noch weitere

oV 97 227 121?

100*

« a

eigen nimmt entgegen: u,'irpebition d. Blattes, i^ed.Änrwncen-Bureauk I875. Dietrich u. C». in Ltg und Hannaver; Th. A-rich in Frankfurt a M.; fiacfenltein Vogler in Qurt a- M-, Berlin,

, Köln rc.; Rudolf We in Berlin, Frank-

H furt a. M- rc-

Eine halbe Stunde später verabschiedeten sich die Sup- ... Hitanten, einige DankeSworte auf den Lippen. Der Baron 3021 *»ete auf, als sie daS Zimmer verlassen und zog etwas Higer als gewöhnlich die Klingel. Der Diener trat hastig tab sichtlich verstört ein.

Verzeihung, gnädiger Herr Herr Harden war nicht 1 seiner Wohnung zu finden und seine alte Haushälterin er sei überhaupt nicht zur Nacht nach Hause gekommen, ptae kleine Schwester dagegen behauptet, er habe sie mitten

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux vonG L. Daube u. C«. in Frankfurt a. M ; Jüaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin: W. ThieneS in Elberfeld; 6- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS SouutagSblatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2«/4 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Betfe 10 Bfa Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 26 Pfg. berechnet. V

Üpril 1. Uhr at, stehens sterei gl, irtauft ty.

letzteren, wie gegen das Amendement Blum-Hchdemann. Man möge sich um so mehr hüten, diesem Paragraphen zuzustimmen, als er, für die Gebildeten ziemlich bedeu­tungslos, nur die arbeitenden Bcvölkerungdklassen treffe. Dem Volke solle man seine Vergnügungen nicht ver­kümmern.

RegierungSkommissarius Geheimer RegierungSrat- dicker betonte den Ausführungen des Abg. Richter gegen­über, daß der Wunsch nach einer strengeren gesetzlichen Regelung der Tingeltangel von den Magistraten der ver­bündeten Regierungen unterbreitet sei. Der Vorwurf, daß man nur den Wirten überhaupt neue Beschränkungen auf­legen wolle, sei vollstämig hinfällig. Es würde auch bei dem großen Einflüsse, den sie haben, vollständig unklug sein, die 5000Ö Wüte im Reiche gegen die Regierung einzunehmen. Ob die Tingeltangel augenblicklich mehr im Rückgänge begriffen, könne für die Gesetzgebung nicht ent- scheidend sein. Mit den Amendements Blum erklärt sich der Herr KommissariuS eventuell einverstanden. Schließlich nahm derselbe die Polizei gegen die unbegründeten An­schuldigungen, welche zuvor der Abg. Richter gegen dieselbe in scharfer Weise ausgesprochen hatte, in energischer Weise in Schutz.

Abg. Frhr. v. Minnigerode hob hervor, daß es sich nur um die Tingeltangel handle, daß es sich aber doch jedenfalls empfehlen müffe, die Frage gesetzlich zu regeln. Um etwas zustande zu bringen, würden seine Freunde dem Anträge Blum-Hcydcmann zustimmen.

Abg. Stolle erkennt in der Vorlage nur eine Ver­stärkung der Polizeigewalt den Wirten gegenüber, und auch die Kommissionsbeschlüsse seien nicht geeignet, die Befürch- tungcn zu beseitigen. Schon gegenwärtig seien die Wirte, wenn sie der Polizei politisch nicht genehm, deren willkür­lichem Ermessen ausgesetzt. Der vorliegende Paragraph würde der Willkür weitere Handhabe bieten. Der Redner, welcher selbst eine Gastwirtschaft betreibt, trägt eine Reihe von Fällen vor, welche das Vorgehen der sächsischen Polizei illustrieren sollen. Die Bemerkung desselben über das Treiben in den Offizierkastnos giebt dem Minister Scholz Anlaß zu der Entgegnung, daß eS eine bedauerliche und unzutreffende Insinuation sei, dieselben als Stätten der Unzucht zu charakterisieren. Mehr darüber zu sagen, sei mit der Würde des Militärs und des Bundesrats unver­einbar. (Bravo! rechts )

Abg. Stolle bemerkt, daß die von ihm angedeuteten Fälle nicht in dem Kasino, sondern in einem jetzt einge­gangenen HotelUnter den Linden" sich ereignet hätten.

Nach längerer, von den Abgg. Büchtemann, Sim­mern, H-ydemann, v. Köller und v. Minnige- rode geführter Debatte werden die von dem Abg. Blum beantragten Modifikationen genehmigt. Alinea 3 wird bei getrennter Abstimmung mit 149 gegen 124 Siimmen an»

Das Geländer der kleinen Brücke ist zersplittert, als wäre cs unter einem plötzlichen Anprall gebrochen Walters Hut schwamm auf den Wellen" bebte Luise hervor, aber diesmal brach ihre Kraft, sie sank auf einen Stuhl. Baron Buckfeld machte keine Bewegung zu ihrem Beistand, er starrte wie geistesabwesend vor sich hin.

Unter der Dienerschaft wogte und murmelte es wild durch einander. Der Baron erhob das H-upt.

Wer ihn mir lebend bringt, der fordere, was er will! Wer in tot"er sprach nicht aus, sondern erbleichte so furchtbar, daß man sah, der Gedanke zermalme sein Herz.

Die Diener und Knechte arbeiteten vom Morgen bis tief in die Nacht. Sie durchwühlten den Fluß mit Stangen und Netzen. Sie untersuchten zehnmal jeves Plätzchen, und wenn ihnen vor Müdigkeit die Arme sinken wollten, so belebte sie von neuem ein Blick auf ihren Herrn, der unruhig am Ufer stand und jeder ihrer Bewegungen mit angstvollem Blicke folgte. Umsonst! Traurig stellten sie die Arbeit ein und kehrten heim.

Wenn er gestern abend ertrunken ist, so ist beut schon der Körper Gott weiß wo, bei dieser Strömung!" sagten bte Leute jetzt, da sie einen Tag in großer Mühe ver­schwendet.

Baron Buchfeld zog fröstelnd den Mantel um seine Sckultern und wandle sich ebenfalls zur Heimkehr. Eine an den Boden gekauerte kleine Gestalt ließ ihn seinen Schritt hemmen.

Seine Schwester!" murmelte er.Komme mit mir, Edith, Du frierst hier. Sie werden Dir bei mir Thee und Essen geben und"

»Ich will kein Essen von Ihnen," fabte das Mädchen Kvtzig. (Fortsetzung folgt.)

ßfunb St icerin-Aif ebener @i

ifeld,

nseifen F«

______[3,

, Zahl, ngen u.' 1 in der A

86 iSo dringe mir die Chokolade in den kleinen Salon, 103t Aid sobald Herr Harden ankommt, führe ihn in mein lOOif Kabinett und benachrichtige mich sofort."

63 - - - ------ - ~