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Marburg, Sonnabend, 7. April 1883.
XVIII. Jahrgang.
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etwa 2 bis 3 Millionen Mark erhöhen würden, sei noch sehr zweifelhaft. Vermutlich würde sich nämlich der Export noch entsprechend erhöhen und die Mehrausgabe an Bonifikation sich dadurch in gleichem Maße erhöhen. Auch findet er rS ungerechtiertigt, daß das vorliegende Gesetz erst mit dem 1. August d. I. in Kraft treten und bis dahin die als allseitig ungerechtfertigt anerkannte hohe Bonifikation fortgczahlt werden solle. Der Redner trat schließlich für die Fabrikatsteuer ein.
Abg. Frhr. v. Göler erinnert daran, daß es daS Gesetz selbst sei, welches die Zuckerfabrikation dahin geführt, die Ausbeute zu erhöhen, daß aber die Anwendung des neuen Verfahrens auch erhebliche Kosten verursacht habe. Die Vorlage normierte die Ermäßigung der Bonifikation, wenn man eben erwäge, daß eS sich nur um ein Notgesetz handle, in angemesieuer Weise; eS würde daher auch eine kommissarische Beratung der Vorlage kaum nötig fein, zumal eS der Regicrurg mit der Reform, wie er auch im Gegensatz zu der Behauptung des Abg. Reichensperger überzeugt sei, auch das von der Enquctekommisston ftstzustellmde Material bald zu erwarten sei.
Kommisiarius des Bundesrats Staats - Minister Dr. Lucius trat den Anführungen res Abg. Reichensperger bestimmt entgegen; das System der Besteuerung des Rohmaterials (nicht die Fabrikatsteuer) sei cö, welche die Zuckerindustrie zu der jetzigen Höhe gebracht, und sei auch zugleich ein unwiderleglicher Beweis dafür, wie viel ein rationelles Schutzsystem für das Land wert sei. Wo wäre heute die deutsche Landwirtschaft ohne die Zucker- und ohne die Spiritusindustrie? Die Entwicklung des bestehenden Systems sei eine überaus erfreuliche, und das nicht bloß für die Landwirtschaft allein. Dieses System sei auch im stände, die notorisch großen Schwankungen und Ausfälle in den Erträgen auszuhalten und ließ sich keineswegs kurzer Hand beseitigen. Wenn in einem Jahre hohe Dividenden von einer Zuckerfabrik gezahlt werden, so würden damit zugleich Ausfälle anderer Jahre gedeckt. Allerdings hätten in neuester Zeit hohe Dividenden dahin geführt, daß die Zahl der Zuckerfabriken in gcwisien Gegenden rapide zugcnommen haben. Dieser Tendenz entgegen« zutreten, sei auch mit der Zweck der gegenwärtigen Vorlage. Inzwischen werde schon die Kampagne von 1882/83 an sich einen erheblichen Rückschlag bringen. Die technischen Fragen, welche für die Zuckcrbesteuerung, namentlich auch die Melasse in Betracht kommen, seien noch so sehr in der Schwebe, daß die Sache sich in keinem Falle überö Knie brechen lasse. Die verbündeten Regierungen hätten vor allem zwei Punkte festzuhalten, erstens, daß es sich um eine landwirtschaftliche Industrie, und zweitens, daß eS sich um eine Exportindustrie handle, welche beide volle Berücksichtigung verdienen. Die Vorlage wurde dem-
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Es war Abenv geworden. Im Kabinett des Baron Buchfeld brannten schon die Kerzen und der ganze Raum atmete die comfortablr Wohnlichkeit, die der Baron stets
Reichstag.
Berlin, den 5. April.
In der heutigen (58.) Plenarsitzung des Reichstags kam zunächst der Gesetzentwurf, betreffend die Steuervergütung, in erster Lesung zur Verhandlung.
Bundesbevollmächtigter Schatziekretär Burchard legte bar, wie die Grundlagen, auf welchen die Zuckerbesteuerung vom Jahre 1869 beruhe, sich verändert haben, und daß daher eine Aenderung dieser Besteuerung inS Auge zu fassen sei. Um diese Reformen aber sofort vorzunehmen, fehle eS zur Zeit noch an den nötigen Ermittelungen; die große wirtschaftliche Bedeutung der Zuckerindustrie aber erfordert ein besonders vorsichtiges Vorgehen. Indes scheine es schon gegenwärtig erwünscht und zulässig, eine vorläufige Abminderung der Bonifikation von 40 Pf. eintreten zu lasten. Hoffentlich würden die Arbeiten der Enquetekommisston in einigen Monaten zum Abschluß gelangt sein und hinreichendes Material sür die definitive Regelung der Zuckerfrage liefern.
Der Abg. Büchtemann empfahl als Mitantragsteller den Antrag Auöfeld, welcher außer einer Ermäßigung der Aus'uhrvergütung auch die Melasse einer angemessenen Besteuerung unterwerfen will —, zugleich mit der Regierungsvorlage der Kommission zur Beratung zu überweisen.
Abg. Reichensperger (Olpe) führte auS, daß die richtige Anwendung des Zuckersteuergesetzes von 1869, besten Tendenz die sei, sür 1 Zentner Zucker 10 Mk. Steuer zu erheben, die Vv'lage unnötig machen würde; eine schnelle und gründliche Reform der Zuckersteuer scheine die Regierung selbst in ihrem Bestreben, die Zuckerindustrie zu schützen, am liebsten zu vermeiden; daß die Reichseinnahmen infolge der Herabminderung der Bonifikation um 40 Pf. sich auf
nächst mit dem Anträge Ausfeld einer besonderen Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen.
Es kamen darauf zwei Schreiben deS Herrn Reichskanzlers, betreffend die schon bekannte polizeiliche Haftnahme, bezw. Freilassung der Abgg. v. Vollmar und Frvhme in Kiel, und die Ernennung des Kriegsministers Bronsart v. Schellendorff zum Bundesbevollmächtigten zur Verlesung.
Das Haus trat bann in die zweite Beratung der Gewerbeordnungs-Novelle, zu welcher eine größere Anzahl von Räten deS Kriegsministeriums angemeldet wurde, und zu welcher auch der Herr Kriegsminister alsbald selbst am BundesratStische erschien. Die Veranlassung dazu lag in dem fortschrittlich-sezessionistischen Anträge, welcher, nachdem Artikel I. unverändert angenommen war» von dem Abg. Richter (Hagen) begründet rource, und welcher dahin geht, hinter Artikel I. einen Artikel La einzuschalten, der hauptsächlich bestimmt, oaß in den Handwerksstuben der Truppenteile und in allen Kasernenräumen ein Handwerksbetrieb nut für Rechnung der Truppenteile stattfinden soll, und daß Marketender, Kantinenwirtschaften, Kasinos und andere Verkaufsgeschä te, welche in Kasernen eingerichtet sind, Waren nur an die Bewohner der Kasernen oder für den Bedarf innerhalb der Kaserne verabfolgen sollen. Auch wird beantragt, daß Personen des Soleatenstandeö zu dem Betriebe eines Gewerbes der Erlaubnis deS Kommandanten, bezw. des Garnisonältesten bedürfen sollen. — Straffestsetzungen behalten sich die Antragsteller für eine andere Stelle des Gesetzes vor.
Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff beleuchtete unter der größten Spannung und Aufmerksamkeit des ganzen Hauses den Antrag in seinen einzelnen Teilen und wies in beredten Worten nach, warum der Antrag für die Militärverwaltung unannehmbar erscheinen müsse. Wenn der Antrag angenommen werden sollte, würde dadurch nicht, wie der Abg. Richter meine, ein Privilegium beseitigt, sondern gerade umgekehrt sür die Armee ein Ausnahmezustand geschaffen, der mit den Prinzipien der Ge- werbeordnung in vollem Widerspruche stehe. (Bravo rechts.)
Abg. v. Köller bekämpft den Antrag und bestimmt, daß, wenn auf dem fraglichen Gebiete wirkliche Mißstände hervorträten, die Militärbehörden jederzeit in der Sage feien, Remedur eintreten zu lassen. An den einzelnen Teilen des Antrages weist er zugleich nach, daß sie praktisch nicht durchführbar feien.
Abg. Frhr. v. ©agern tritt dem Anträge Baumbach entgegen, der, wie auch ans den Ausführungen des Herrn Kriegsministers und des Vorredners hervorgehe, völlig unannehmbar fei. Er selbst habe einen Antrag eingebracht, der etwaige Auswüchse beseitigen solle. In der Eile, dem Antrag Baumbach einen Gegenantrag entgegenzustellen, habe
hei der Post noch angenommen. Aus dem Lande können die Bestellungen auch bei den Landpostboten gemacht werden.
In den Ortschaften, in denen sich Poststellen oder Postagcnturcn befinden, können die Zeitungen auf den Surcaur abgeholt werden und ist dann die Zahlung von Bestellgeld nicht erforderlich.
Die Oberhesfische Zeitung mit Souutagsblatt kostet vierteljährig Mark 2,50 und das Bestellgeld noch weitere
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Hu dem mit dem 1. April begonnenen II. Quartal 1883 werden Bestellungen auf die
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herbeiwünschte, als eine Gelegenheit, ihm seine grenzenlose Dankbarkeit zu beweisen.
„Es ist gut," sagte der Baron endlich, „ich sehe, obwohl Ihr gutes Herz alles inS Licht versöhnender Liebe taucht, Sie haben den beioen Unterinspektoren gegenüber einen schweren Stand. Nun, wir wollen die Herren MoreS belehren, mir scheint, man könnte wohl auf meine Sympathien so viel Rücksicht nehmen, daß man Ihnen daS Leben nicht sauer macht. — Und noch einS, Harden! Ist nicht der Besitzer deS Mühlengutes dort, dem, wie ich höre, der Konkurs angedroht wird, ein Verwandter von Ihnen?"
„Ja, Herr Baron, er ist mein Onkel," entgegnete der junge Mann traurig.
„Gut, erkundigen Sie sich unter der Hand, wie viel der Mann braucht, um seinen Bankerott zu verhüten und wenden Sie sich an mich. Man muß Leuten, die durch unverschuldetes Unglück herunter gekommen, unter die Arme greifen."
„O, Herr Baron, diese Güte, wie kann ich Ihnen danken —"
„Machen Sie mich nicht schamrot, Walter, ich bitte! — Gehen Sie, gehen Die, Ihre Braut wird mir ohnehin schon zürnen, daß ich Sie so lange zurückgehalten. — Ich will indes sehen, ob ich den Rehm und Hasen, von denen mir der alte Merkel Wunderdinge versprach, gefährlich werden kann. — Auf Wiedersehen des Abends, ich habe noch mit Ihnen zu sprechen."
Der Baron pfiff seinen Hunden und verschwand in dem Walde.
Auf Irrwege«.
Novelle von L. Calm.
II.
in seiner Umgebung liebte. Der Sohn des Gärtners war beschäftigt, die Stengel einer Handvoll Blumen zu beschneiden, mit denen er, wahrscheinlich zum Dank für da« ihm erteilte Lob, die Vastn des Schreibtisches zu schmücken gedachte. Da verkündete ein leichter Schritt, daß der Gutsherr heimgekehrt sei, und im nächsten Augenblick öffnete flch die Thür.
„Also sobald Herr Harden eintrifft, sende ihn herauf," sprach Buchfeld, zurückgewendet zu seinem Diener, „und noch eins, Franz, bringe Portwein und zwei Gläser."
Er trat ein. „Ah, sieh da, mein Junge, wie aufmerksam," wandte er sich zum Sohne deS Gärtners. „Ich danke, — aber nun laß Deine Mutter nicht länger mit dem Abendbrot warten. Die Blumen sind wirklich prächtig. Gute nacht 1"
Der Knabe folgte zögernd diesem Wink und schritt, die Blicke unruhig auf den Tisch gerichtet, endlich der GlaSthür zu, die auf den Balkon führte. — Buchfeld blieb gedankenvoll am Tisch stehen und spielte mit einem kleinen Taschenmesser, daS seine Finger mechanisch ausgenommen. Der Spiegel gegenüber warf sein Bild.zurück. Sein Gesicht war bleich und seine Augen leuchteten im fieberischen Glanze.
„O, o, sagte er, „wie mir erbärmlich zu Mut ist! Welche Mühe man stch um diesen schnöden Mammon ver- Ntsacht, den man so herzlich verachtet, wenn man ihn im Hebet fluß besitzt. — Ja, wenn Du es wüßtest, Aurelie," fuhr er fort und feine Blicke schweiften nach dem Portrait der verstorbenen Baronin hinüber, die kalt, verdrießlich, wie sie im Leben zu fein pflegte, auf ihn hinzuschauen schien, „wenn Du es wüßtest, wie schnell das Geld zerrounen ist, das Geld, ba«_ Du so sorgsam zu hüten wußtest. Vielleicht, wenn noch länger Deine Zuchtrute über mir geschwebt hätte, wäre es nicht so weit — bah, nicht bereuen, ich bereue grundsätzlich niemals!" — (Fortsetzung folgt.)
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u Co. in Frankfurt a. M; Jügersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in
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Was ist Leben?
Ein Schatten oder Jrrthum?
Mehrere Stunden später schritt der Baron an der Seite seines Verwalters über seine Felder; er batte diese Stunden gut auszunutzen gewußt, hatte in Gesellschaft der Honora tioren deS Dorfes gespeist, darauf einen Besuch in der Schule gemacht, die Kinder durch seine Fragen, die Frau des LebrerS durch sein Urteil über ihren Kaffee entzückt, hatte einer Schar Dörfler, die längst den Tag seiner Ankunft sehnlich erwartet, um ihm allerlei Wünsche vorzn- tragen, Audienz erteilt und sie hochbefriedigt entlassen, hatte am Bett eines kranken Arbeiters geseffen und einem andern, deffen Frau sich über Mißhandlung beklagte, den Kopf zurecht gefetzt, daß er nach feinem eigenen Geständnis sich für einen „rechten Dummkopf" erkannte, der eine mgelsgute Gattin nicht zu schätzen wußte. Bei der Dorf- f diente vorübergehend, hatte er eine zufällig anwesende Kömödiantentruppe dafür bezahlt, daß sie der Einwohnerschaft heut einen vergnügten Abend bereitete, und jetzt ließ er sich von seinem Oberverwalter Harden einen genauen Bericht über den Gang der Wirtschaft abftatten.
Walter Harden, ein junger Mann von sanftem, einnehmendem Wesen und etwas schwärmerischem GestchtSaus-
Trscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für bas Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Souutagsblatt- durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 8'/« Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
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druck, war der erklärte Liebling deS BaronS, an dem er mit beinahe abgöttischer Verehrung hing. Buchfeld hatte ihm, dem Sohn seines früheren Verwalters, eine vortreffliche Erziehung geben lassen, hatte nach dem Tove des alten Harden Vaterstelle an ihm vertreten und ihm so oft Beweise IS4 seiner Großmut gegeben, daß Walter in dem Baron daS
Ideal der Menschlichkeit verehrte und nichts sehnlicher
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