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xvin. Jahrgang.

Marburg, Freitag, 6. April 1883.

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Die Exped. der Oberhess. Ztg.

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I nimmt entgegen: Äition d. Blattes. * jlnnoncen-Bureaur

Dietrich u. Co. m t is»l unb Hannover Ty. !Äch in Frankfurt °.M.; E-Sein u. Vogler in °- M-, Berlin k Köln Rudolf H in Berlin, Frank- furt a. M- rc-

fNachdruck tierboten.]

Aus Irrwege«.

Novelle von L- Calm-

I.

Und eine Lust ist's, wie er alles weckt

Und stärkt und neu belebt um sich herum.

DaS kleine Dorf B. prangte im Festesschmuck und unter seinen Bewohnern herrschte freudige Aufregung. Der Guts­herr, Baron v. Buchfeld, sollte ja heute nach längerem Aufenthalt in der Residenz zurückkchren und für solch einen Herrn verlohnte eS sich schon der Mühe, die Sonntags­kleider anzuziehen und die Plätze vor den Thuren aus­nahmsweise einmal zu fegen. Buchfeld war ein populärer Mann im schönsten Sinne de» Wortes, ein wahrer Vater seiner Untergebenen und Nebenmenschen. Zwar hatten sie von seiner politischen Thätigkeit zu ihren Gunsten als Ab­geordneter im Landtage nur eine sehr unklare Vorstluung, auch rechneten sie es ihm nicht als sonderliches Verdienst an, daß er ihnen eine Schule erbaut und mit tüchtigen Lehrern versehen hatte. Aber ste wußten, daß kein Not­leidender ungkttöstet von ihm ging und daß der gemeine Mann ihm nicht zu niedrig dünkte, ein paar freundliche Worte zu empfangen.

Gegen mittag langte der Baron an, gut gelaunt, wohl­wollend, leutselig wie immer. Er hörte mit musterhafter Aufmerksamkeit einen Willkommengesang der Schulkinder an, lud die Lehrer zum Essen ein, kniff hier einen Jungen in die rote Wange und hob dort ein kleines Mädchen empor, es herzlich zu küff n.Wie er die Kinder liebt, flüsterte «ne der umstehenden Frauen,und sein eigenes Kind hat er begraben müssen!" , _ , ,, .

Vielleicht hatte der Gutsherr die letzte« Worte gehört,

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d BlaiteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. DhieneS in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.

! larftedungen auch bei den Landpostboten gemacht werden.

s E In den Ortschaften, in denen sich Poststellen oder Magenturen befinden, können die Zeitungen auf den Ureaux abgeholt werden und ist dann die Zahlung von «estellaeld nicht erforderlich.

Die Oberhesfische Zettnus mit SonutagSblatt kostet

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t Kirch tzjirteljährig Mark 2,50 und das Bestellgeld noch wertere

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® in bet Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffm werden 88 Pfg. berechnet- - - - ___

in dm Hintergrund gedrängt würden. Man behaupte nun, die niedrigen Holzpreise würden eine Verwüstung des WaldeS herbeiführen. Aber fei denn etwa dem preußischen land­wirtschaftlichen Minister zuzutrauen, daß er zur Devastation sich bestimmen lassen werde. Auch die Aufforstungen würden, sobald ihre Nützlichkeit überhaupt nach Gebühr gewürdigt, füglich nicht dadurch gehindert werden, daß die Holzpreise, tk für die Aufforstungen erst nach 7080 Jahren von praktischer Bedeutung werden, gegenwärtig etwas niedrig ständen. Ueberhaupt wären die ganzen Grundlagen, auf welche die Vorlage mit ihren Motiven aufgebaut, nicht haltbar. Allerdings seien in Preußen die Erträge auS den Forsten in den letzten Jahren zurückgegangen; aber niemals sei selbst in den amtlichen Berichten der Grund dafür in der Ueberschwemmung mit ausländischem Holze gesucht. Der Grund liege auch allein in dem Rückgänge der Brennholz- preise. Uebrigens kämen Schwankungen der Einnahme in allen Betriebsverwaltungen, so namentlich der Berg- und Hüttenverwaltungen vor und müßten durch die Zeit ihre natürliche Ausgleichung finden, und dazu diene der Wsld vor allem einem LandeSkulturintercfse; die Waldwirtschaft im allgemeinen sei übrigens auch in den letzten Jahren nicht, wie behauptet werde, zurückgegangen, sondern im er­freulichen Aufschwünge begriffen. Man sage, Deutschland resp. Preußen könne seinen Nutzholzbedarf selbst decken, wenn man 6 Prozent mehr erziele. Warum geschehe denn das aber nicht schon jetzt; mehr wie Brennholz müßte daraus doch jedenfalls einkommcn. Daß die Arbeiter geschädigt werden sollten, wenn weniger Nutzholz erzielt, sei unbegreiflich. Gerade beim Brennholz verdienten die Arbeiter mehr. Für die Vorlage ließen sich keine stichhaltigen Gründe beibringcn; man möge doch offen sagen, man wolle den Schutz des GroßwaldbesitzeS! Aber solchem Verlangen werde sich diese erleuchtete Versammlung sicher nicht fügen. (Beifall links.)

KommiffariuS des Bundesrats, Staats - Minister Dr. Lucius erwiderte dem Vorredner zunächst, daß derselbe die gestrigen statistischen Ausführungen des Regierungs- Kommiffarius wieder mit statischen Daten zu widerlegen gesucht, daß daher schon deshalb eine nähere Prüfung der Vorlage in der Kommission erwünscht fei.. Der Vorredner habe mit einem gewissen Souveränelätsgefühl dem Vertreter der Regierung das Urteil über volkswirtschaftliche Fragen ohne, jede Berechtigung abgesprochen. Der logische Fehler, welcher sich in den Ausführungen des Abg Rickert leicht erkennen laste, sei der, daß er an sich richtige Thatfachen von beschränktem Umfange generalisiert habe. UebrigenS sei die Opposition der Abgg. O--ckelbäuser und Rickert, die noch ihren Standlpunkt von 1879 einnehmen, vollständig erklärlich. Aber die Majorität des Reichstages und des Bundesrats hätten sich für das mit dem Jahre 1879 in­augurierte Schutzzollsystem einmal entschieden; daran müsse also sestgehaltcn werden. Die Vorlage bezwecke auch ledig- seine Lippen zuckten, als er jetzt elastischen Schrittes die Stiege feines Hauses hinaneilte.

Es waren kaum zwei Jahre, seit seine Gemahlin ge­storben, und vor drei Monaten hatte sich die Erde über dem Sarge seines einzigen Töchterchens geschlossen. Der Baron hatte bei dem letzten Todesfälle viel Schmerz an ber. Tag gelegt, unb obwohl man bei seiner Vermählung viel von einer Convenienzhcirat gesprochen, mußte doch die Hartnäckigkeit, mit welcher er bisher allen Jntriguen töchter­reicher Mütter ausgewichen war, wohl auf die Unwahrheit jener Vermutung schließen lassen.

Wer den Baron sah, mußte übrigens gestehen, daß eS sich um ihn der Jntriguen verlohnte. Seine hohe, schlanke Figur, sein regelmäßiges Antlitz machten ihn zu einem schönen Mann, und das milde, wohlwollende Lächeln, das seinen Zügen einen Aufdruck gewinnender Herzlichkeit ver­liehen hatte, deutete aus den Menschenfreund.

Liebenswürdig nahm er im Hausflur die Gruße seiner Leute und versammelten Dienerschaft entgegen. Er schüttelte dem braven Förster die Hand, bewunderte die blendende Haube seiner Wirtschafterin, nickte dem hübschen Stuben- midchen zu, brach in einen Ausruf deS Entzückens aus über den Blumenstrauß, weichender Gärtner ihm präsentierte, nannte besten halber wachsencn Sohn ein Prachtexemplar von einem Jungen und versicherte dem Pfarrer, der eben au« dem Zimmer trat, feine gewohnte Schachpartie lasse er sich heute, so pressiert er auch sei, nicht nehmen. Hierbei jedoch unterbrach sich der Baron plötzlich und trat wie erstaunt einen Schritt zurück. Hinter dem Geistlichen war am Arm be8 jungen Oberverwalters Harden eine Dame erschienen, deren Anblick wohl die große Bewunderung rechtfertigte, welche der Baron augenscheinlich empfand. Die Dame war

sich eine Korrektur des Tarifs von 1879. Neben dem Landeskulturinteresse des Waldes hätten Staat, Kom­munen wie auch Privatbesitz allerdings eine Erhöhung der Walbrente ins Auge zu fasten, unb zwar wesentlich im Interesse bet nationalen Wirtschaftspolitik. Der Vor- rebner table, daß man nicht schon jetzt mehr Nutzholz ein­schlage; aber für das Mehr fehle zur Zeit eben ber Absatz. Die Erträge ber preußischen Forstverwaltung, welche bei ber großen Ausdehnung unb Verschiebenheit bes Areals auch für bas übrige Deutschland als symptomatisch gelten müßten, seien seit 1865 sowohl bezüglich ber Einnahmen auS Nutz- unb Brennholz, wie betreffs ber Reineinnahmen überhaupt zurückgegangen. Der Grunb bafür sei in ber zunehmenben Verwendung von Kohlen und Brennmaterial, von Eisen und Baumaterial und nicht zum Geringsten in der Einführung ausländischen Nutzholzes zu erkennen. In letzterer Beziehung solle eben die Vorlage Abhülfe schaffen. Aber dem Großwaldbesitzer käme sie bei der tatsächlichen Verteilung deS Waldes nur zum geringsten Teile zugute. An und für sich verdiene der Großwaldbesitzer zweifellos dieselbe staatliche Rücksichtnahme, wie Großhandel und Groß- Industrie, aber die gehässige Zuspitzung, daß die Vorlage lediglich dem Großwaldbesitzer bienen solle, sei vollstänbig haltlos. Ebenso unerwiesen sei eS, daß die Erhöhung ber Nutzholzzölle die Interessen ber kleinen Konsumenten er­heblich schäbigen werbe. Die Befürchtungen ferner, welche 1879 ausgesprochen unb jetzt wieberholt roetben, daß nämlich ber Handel durch den Holzzoll geschäbiat werbe, hätten sich durch die Erfahrungen ber letzten 3 Jahre als unbegründet erwiesen. Jedenfalls aber verdienten r ie Wald­arbeiter berücksichtigt zu werden, unb auch die Zahl ber Arbeiter in ber Holzindustrie selbst würde nicht vermindert werden. Die Vorlage belege die Nutzhölzer mit keinem höheren Zolle, als 58 Prozent des Wertes und werden dem nationalen Interesse nach allen Richtungen dienen. Deshalb dürften die verbündeten Regierungen wohl auch auf ihre Annahme im deutschen Reichstage rechnen. (Bravo rechts).

BundeSbevollmächtigter Finanzminister Scholz ging, durch die Ausführungen des Abg. Rickert provoziert, auf den Teil seiner am 17. November im preußischen Ab­geordnetenhause gehaltenen Etatsrebe ein, welche sich auf die Forstverwaltung bezieht, um die Schlüffe als irrig zu- rückzuweisen, die daraus gezogen waren. Abg.dtfert habe auch behauptet, baß bie Abtrennung der Forstverwaltung vom Finanzministerium erfolgt sei, damit in betreiben wenigerFiSkalität" geübt werde. Mit kum Wortefis­kalisch" werde indes ein großer Mißbrauch getri den. Der Fiskus sei doch nichts anderes, als bie Gesamtintereffen aller Steuerzahler, unb über bie Grundsätze, nach denen bie Verwaltung zu führen, seien alle Mitglieder ber Re­gierung einverstanden.

von einer Schönheit, bie im ersten Moment blendet, im zweiten fesselt, einer Schönheit, die um so unwiderstehlicher wirkte, je weniger die fast kindische Schüchternheit ihrer Besitzerin sich derselben bewußt schien.

Erlauben Sie mir, Herr Baron, Ihnen meine Brant, Fräulein Luise Egbert, die Nichte unseres lieben Pfarrers, vorzustellen," sagte der junge Mann zu seinem Vorgesetzten.

Also das ist Jh e Braut!" rief der Baron nach einer augenblicklichen Pause.O Sie Glücklicher, welche Perle ist Ihnen zugefallen! Nun begreift sich'« freilich, warum Ihre Einwilligung zu Ihrer Verlobung förmlich im Sturm genommen werden mußte. O, ich gratuliere, gratuliere natürlich von Herzen, wenn anders noch ein Wunsch nach Glück hier nicht ganz überflüssig klingt. Also Ihre Nichte, lieber Egbert? Und ich habe ste bisher nie gesehen. Ah, sie weilte stets bei ihrer Tante ich erinnere mich, Sie erzählten mir früher einmal davon. Nun, wir können uns glücklich schätzen, mein Fräulein, daß Sie Ihrem Onkel, dem Herrn Pfarrer, einmal einen Besuch abstatten. Du erlaubst, Christian," fuhr der Baron zu dem Sohne des Gärtners gewarnt fort,daß ich Deinen Strauß schöneren Händen als den meinen übergebe, Du hättest ihm selbst kein besseres Los wünschen können."

Der Baron reichte galant den Blumenstrauß d m jungen Mädchen unb seine weiße, schlanke, mit-einem kostbaren Solitair geschmückte Hand streifte dabei flüchtig die rosigen Finger Luisens. Sie erröteten beide und bann wandte sich ber Baron an den glücklichen Bräutigam, ber mit stolzem Lächeln dabei gestanden hatte und jetzt die schönen, sanften Augen mit strahlefisem Ausdruck zu fern Baron erhob, um ihm für die seiner Braut erwiesene Ehre zu bauten.

(Fortsetzung folgt.)

' vxE Hgus Getreide- unb Holz-Zölle ebenfalls nicht in die Kom- < Mission verwiesen, sondern im Plenum beraten. Wo bleibe jetzt die ehrliche Probe? Es scheine freilich, al8 ob diese nur für die Gegner des neuen Zolltarifes gelten sollte. Die Opposition gegen die neue Holzzoll - Vorlage bildeten nicht die Vertreter des Großkapitals, sondern die Vertreter den Hunderttausenden von Arbeitern, deren Verdienst er­heblich geschädigt würde, wie er, Redner, dies auch schon 1879 nachgewiesen habe. Man lege der Koburger Ver­sammlung der Forstbeamten so große Bedeutung bei; aber jo großen Wert man auch dem Urteil dieser Männer in lein forstwirtschaftlichen Dingen beilege, so wenig könnten ste doch als eine Autorität für allgemeine volkswirtschaft­liche Frage gelten. Die Liebe zum Walde sei in Deutsch­land allgemein und in Preußen sei auch gerade deshalb feiner Zeit die Abtrennung der Forstverwaltung von dem Finanzministerium erfolgt, damit fiskalische Rücksichten mehr

Berlin, den 4. April.

Der Reichstag genehmigte in der heutigen (57.)Ple­narsitzung zunächst die beiden gestern in zweiter Beratung debatteloS genehmigten Vorlagen auch in dritter Lesung ohne Debatte und setzte bann, nachdem noch einige Rechnungs- izchen, gleichfalls ohne Diskussion, dem Anträge ber Rech- Mngskommisston gemäß crlebigt waren, bie Beratung der chhandl^ Holzzoll-Vorlage fort.

1 Abg. Rickert trat heute al« erster Redner (gegen den Entwurf) auf. Er hätte gewünscht, daß den Mitgliedern dcS HauseS wie die Dankelmannsche Broschüre auch die Schrift des Herrn Dr. Lehr zugestellt worden sei. Da eS sich indes um eine zweifellose Prinzipienfrage handle, wäre eine kommissarische Beratung der Vorlage jedenfalls über- flüssig. Noch niemals sei in einer offiziösen Rechtfertigung einet Vorlage so mit dem statistischen Material Umgebungen, joie im vorliegenden Falle. Im Jahre 1879 habe das

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