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XVffl. Jahrgang.

Marburg, Dienstag, 3. April 1883.

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Die Mühle« Gotte».

Kriminalnovrlle von Georg Höcker.

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6(i fc£r Post noch angenommen. Auf dem Lande können die Bestellungen auch bei den Landpostboten gemacht werden.

' E In den Ortschaften, in denen sich Poststellen oder «ostagenturcn befinden, können die Zeitungen auf den zureaux abgeholt werden und ist dann die Zahlung von Bestellgeld nicht erforderlich.

Die Oberhesstsche Zeitung mit So»ut«gsbl«tt kostet mrteliährig Mark 2,50 und da» Bestellgeld noch weitere ” J Die Exped. der Oberhess. Ztg.

vention feiten» der Vereine de» Roten Kreuze» sehr in den Hintergrund getreten, bet den Staatsregierungen aber ruht diese Frage gänzlich. Ihre Majestät die Kaiserin geruhte in der gestrigen Sitzung des Zentralkomitees noch den Be­richt über die Leistungen der Institute zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen anzuhöreu und sich sodann mit huld­voller Anerkennung über die Arbeiten de» Komitee» aus- zufprechen. Das letztere hatte zum erstenmale auch die er­wählten Mitglieder de« deutschen Kriegerbunde» in seiner Mitte, welcher seine Mitwirkung im Sinne der Genfer Konvention für die KriegSthätigkeit und die dazu vor­bereitende FriedenSthätigkeit de» Roten Kreuzes in sehr um­fangreicher Weise zugesagt hat. Nachdem Ihre Majestät di« Kaiserin die Versammlung verlasien, kamen noch ver­schiedene Gegenstände der Tagesordnung zur Erledigung; u. a. ein Antrag auf Herstellung eine» einheitlicheren Ver­fahren» in der Behandlung der gemeinsamen Angelegenheiten de» Preußischen Zentralkomitee» und de» Vaterländischen Frauen - Verein». — Der Großherzog von Baden ist mit dem Prinzen Ludwig heute abend 8 Uhr nach Karlsruhe zurückgekehrt. Die Großherzogin gedenkt bi» Donnerstag zu verbleiben. — Bezüglich der Frage einer Reaktivierung de« preußischen StaatSrateS dürfte nicht uninteresiant sein, wa« im Staatswörterbuche von Bluntschli und Brater über den StaatSrat gesagt ist: ,E« erscheint da» Sachgewäßeste, wenn der Inhaber der Staatsgewalt ein ständige» Kollegium einsetzt, da« ihm in den öffentlichen Angelegenheiten be­ratend zur Seite steht, gebildet au» Männern, welche, mit der Geschichte, dann den rechtlichen und wirtschaftlichen Zu­ständen de« betreffenden Staate» genau bekannt, klaren staatsmännischen Blick mit derjenigen Festigkeit de» Charakter­vereinigen, die sie al» fähig erscheinen läßt, ihren Rat nur nach objektiven Gründen ohne Rücksicht auf Vorteil oder Nachteil, der ihnen daran» erwachsen kann, dem Souverän zu erteilen.... Weder die verantwortlichen Minister, noch die Landesver­tretungen vermögen dasselbe zu ersetzen oder überflüssig zu machen. Denn die ersteren find die höchsten Vollzugsorgane de» Souveräns, berufen, das sanktionierte Gesetz oder die son­stigen Beschlüsie de« Souveräns im Sinne und Geiste ihre» Urheber« im Leben durchzuführen. Sie können aus Grund der Wahrnehmungen, welche sic hierbei machen, die An­regung zu Gesetzen und zu allgemeinen Verwaltungsmaß­regeln geben; allein der Souverän hat von seinem Stand­punkte au« zu erwägen, ob er der Anregung Folge geben könne und wolle. . . . Dem Souverän steht auch den Ministern gegenüber da« Recht der selbständigen Initiative zu, und für die Beratung seiner Vorschläge bedarf er eines Organ». Wer unbefangen urteilt, wird den StaatSrat im konstitutionellen Staate nicht nur nicht misten wollen,

sondern er wird geltend machen, daß c» gerade in der konstitutionellen Monarchie von höchster Wichtigkeit sei, Kollision und Zwiespalt zwischen dem Throne und der Volksvertretung soviel wie möglich zu vermeiden und, wo der Kampf etwa unvermeidlich ist, nur nach reiflicher all­seitiger Ueberlegung in denselben einzutreten. Unter den hierzu dienlichen Mitteln nimmt der StaatSrat eine der ersten Stellen ein." — Trotz des Frostes nehmen die Ar­beiten auf dem Terrain der Hygieine - Ausstellung er­wünschten Fortgang. Daö Hauptgebäude, ein Quadrat von 95m Seite, setzt sich auf 25 gleichwertigen, in Eisen sehr leicht und gefällig konstruierten Pavillon» zusammen, deren zeltartiger Aufbau den Gegenständen ein schöne» seit­liche» Oberlicht zuführt. Ueber den Hauptciugang kommt eine größere Figurengruppe (Hygieia). Im Innern der Kuppel, welche Velarien von Profestor Preller schmücken, wird eine Büste der Kaiserin Augusta zur Aufstellung kommen. Für einen Annexbau in der Hauptaxe de» Ge­bäude» malt Profestor Hertel ein Panorama von Gastein. — Die „Kreuz-Zeitung" spricht sich in einem Artikel über die Vorschläge der Regierung in der Gewerbeordnungs- Novelle über Kolportage von Drucksachen au» und schreibt,: Wo so zahlreiche entgegenstehende Erfahrungen vorliegen, wie auf dem Gebiet de» litterarischen Geschmacks wo nur die urteilsloseste Verblendung Fortschritte wahrnehmen kann, läßt sich annehmen, daß die Volksvertretung der von den Regierungen gegebenen Anregung Folge leisten und in der einen oder der anderen Wcise dafür Sorge tragen werde, daß der moralischen Volksvergiftung ebenso gesteuert wird wie der physischen. Da» Verbot, Gifte und gifthaltige Waren im Umherziehen feil zu bieten, würde unvollständig bleiben, wenn die Kolportage in der Lage bliebe, ihr Un­wesen unbeschränkt weitertreiben zu dürfen. — Die „Krz.- Zlg." bemerkt bezüglich des von der Kommission gemachten Vorschlag«: die Arbeitsbücher auf sämtliche Arbeiter auS- zudehnen, daß derselbe auf praktischen und erfahrungS- mäßigen Erwägungen beruht und daß die Gegner des­selben ihre Araumente zumeist auf Betrachtungen allge­meiner und theoretischer Art stützen. — Wie demselben Blatt aus London berichtet wird, gewinnen die Gerüchte von dem eventuellen Rücktritte Gladstone», welche bi»her zwar dementiert wurden, an Konsistenz. Man will sogar au» dem Umstande, daß er einen Teil seiner Geschäfte an Lord Hartington übertragen hat, den Schluß ziehen, daß die Schatzkanzlerschaft in nicht allzuferner Zeit an letzteren übergehen dürfte. — Die „Nordd. Allg. Ztg." teilt den Brief des Abgeordneten für Metz im Reichstag, Antoine, an die Zöglinge de» Lyceumö zu Douai, die eine Samm­lung für die Ueberfchwemmten in Elsaß-Lothringen ver.

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„Wa« könnte Ihnen an der Feundschaft eine« so jungen, unerfahrenen Mädchen» liegen, wie ich e« bin, entgegnete sie zaghaft und vermied e», den jungen Mann »nzusehen. v .

„Und wenn mir mehr daran läge, al» an der Freund­schaft der ganzen Welt, wa« dann Gretchen? Wa« würde bann Ihre Antwort sein?"

ich bitte Sie, hören Sie auf," sagte da« Mädchen und machte Miene, da» Zimmer zu verlasten.

„Nein, bleiben Sie, ich bitte Sie inständig darum. Losten Sie mich Ihnen gestehen, wa« ich schon längst al« wahr empfunden. Lasten Sie mich da« Gefühl nennen, das mein Herz mit innerer, heißer Glut für Sie gehegt hat. Mit einem Worte, Gretchen, lasten Sie mich Ihnen sagen, daß ich Sie liebe."

„Sie lieben mich?" kam e« bebend au« Gretchen« Lippen hervor. „Nein, Sie täuschen sich. E» kann nicht sein. Sie stehen ja hoch über mir armen Landmädchen.

„Das ist nicht Ihr Ernst, Gretchen," fuhr Benno ein« dringlich fort, der vor dem jungen Mädchen auf den Senken lag und ihre beiden Hände gefaßt hatte. „Wa« frägt die Liebe nach dem Stande. Sie ist der Trieb, ben Gott in des guten Menschen Herz gelegt. Sie ist da« unlösbare Band, das uns mit dem guten Vater im Himmel verbündet. Sßa6 sind der Liebe kalten Formen. Sie ist die Gottheit, die in un» selbst lebt, ist der Keim de» Guten, mit dem wir wuchern sollen und ist die wahre Religion der Seelen. Liehst Du mich, Gretchen?" fuhr Benno fort und sein treuer Blick senkte sich tief in da« blaue Auge de« Mäd­chens. „Sage mir da« traute, liebe Wort. Sage mir, baß Du" mich liebst."

„Ja, ich liebe Dich," jauchzte da« Mädchen ans und

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Die Mühlen Gotte«.

In der Mühle war e« unterdessen zu einem heftigen Austritte gekommen. Emst war von dem Gehörten sichtlich erregt nach Hause zurückgekehrt uns hatte die Nacht schlas- lo« verbracht. Da« Ungeheuerliche der Thal, welche er vernommen und die Anklage, die sich au« ihr auf feinen eigenen Vater wälzte, brachten seine heiligsten Gefühle mit einander in Konflikt. Sin göttliche» Gebot schrieb ihm vor, feinen Vater zu lieben und zu ehren, — aber ein gött­liche« Gebot sagte auch in klar bestimmter Weise, daß die Mistethat geahndet werden soll. Nach langem Widerstreiten seiner Gefühle beschloß Ernst endlich, sobald der Morgm graute, offen vor seinen Vater hinzutretm und ihm rück- haltSlo« alle» mitzuteUeu. Langsam, nur zu langsam, ver­gingen die Stunden der Stacht, bk dem jungen Manne eine

empfing dm Geliebten mit beiden A men. „Aber wie ist t« möglich, daß Du mich liebst? Wa» ich gehofft, ersehnt habe, wa« ich für ein zu hohe» Glück für mich hielt, kann e« Wahrheit geworden fein? O, lasse mich in dem süßen Traum und wecke mich nicht auf."

„Ich will ihn mit Dir träumen," beteuerte Benno und küßte Gretchen zärtlich „und wir wollm in ihm selig fein, bi» an unser Lebensende."

In diesem Augenblicke ließ sich auf der Straße ein verworrenes Geräusch v rnehmen. Die jungen Leute eilten an'« Fenster und sahen Gebhart von Gendarmen begleitet, mit gefesselten Händen einherschreiten. Ihm zur Seite ging Scheffler, welche dem jungen Manne winkte, al» er ihn am Fenster sah.

„Um Gott, was ist hier vorgefallen?" schrie Gretchen und schlug entsetzt die Hände zusammen.

„E» tagt," rief Benno. „Die Nemesis hat ihn er­reicht."

Ewigkeit bäuchten; endlich ging die Sonne auf, schöner wie je, und goß goldene» Licht über die prangende Landschaft.

Ernst erhob sich und kleidete sich an. Noch einmal blickte er zum lichten Himmel empor, und eiu innige« Gebet stieg zu dem Lenker aller Dinge, daß all da» Vernommene nur schamlose» Gerede und bet Vater frei von aller Schuld sein möge.

In der Wohnstube fand er bereit» den Müller vor, der hastig in dem Zimmer auf und ab ging und e« ver­mied, seinem Sohne in die Augen zu schauen.

„Vater," begann Ernst, „ich habe eine Frage an Dich zu richten."

„Nun, was soll'«," begehrte Gebbart auf, ohne seinen Gang zu unterbrechen. „Mach' e« kurz, ich bin nicht in der Laune, leere» Gerede anzuhören. Hast Du Dich ent» schloffen, willst Du die — Annamarie heiraten?

Der Müller sprach die» mit sterbender Stimme und wurde totenbleich im Gesicht.

„Richt» davon, Vater, um Gotte-willen, ich beschwöre Dich, nicht» in dieser entscheidenden Stunde," unterbrach ihn Ernst.

Gebhart antwortete nicht, sondern setzte seinen Zimmer« spaziergang fort. „Vater, heißt Du eigentlich — —" sagte sein Sohn und sah ben Alten scharf an.

„Da» gab Dir Dein Dämon ein," schrie der Müller und taumelte zurück. „Wer hat e» Dir gesagt l"

„Gnadenreicher Gott, so wäre e- Wahrheit."

„Thorhelt, Narrheit," lallte Gebhart und sank schwer auf einen Stuhl. „Wer ben Namen getragen, ist lange vermodert, ich bin der, für welchen ich stet» gegolten habe."

„Vater, e» wurde ein Mord begangen." —

„Ein Mord, wer sagt da«?' stöhnte der Müller ab­wehrend. „Kein Mord, e» war Notwehr."

»Schluß folgt.)

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Anreizen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von S L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M; JSaerschr Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendanl in Berlin: x». TbieneS in «berfeld: 6- Schlotte in Bremen-

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Qu dem mit dem 1. April begonnenen II. Quartal j 1883 werden Bestellungen auf die

Oberheffische Zeitung

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Deutsche- Reich.

Berlin, 31. März. Ihre Majestät die Kaiserin er« ichim in der gestrigen Sitzung de» deutschen Zentralkomitee« Jom Roten Kreuz, um den Beratungen Über einige wichtige Gegenstände der Tagesordnung beizuwohnen, in«besondere s derjenigen Über die Revision der Genfer Konvention. E» bandelte sich dabei nicht etwa um Ergreifung einer Initiative in dieser Frage, — davon ist da» Zentralkomitee weit ent- emt — sondern lediglich um die Stellung, welche dasselbe einzunehmen haben würde, fall« diefe Revision von irgend einer Seite aufgenommen werden sollte. DaS deutsche Rote Kreuz hat bekanntlich an den Bestrebungen, welche seit 1866 zur Verbesserung der Genfer Konvention sich auf internationalen Äongreffen der Vereine de« Roten Kreuze-, und Konferenzen der Regierungen, geltend gemacht haben, hervorragenden Anteil genommen. Dasselbe ist auch, als vv„ diese Konvention von dem russischen Projekt zu einem neuen echt. ® Kriegsvölkerrecht im Jahre 1874 bedroht schien, energisch für deren Erhaltung eingetreten. Die für 1883 in Aus­sicht genommene internationale Konferenz der Vereine vom Roten Kreuz gab Ihrer Majestät der Kaiserin Anlaß, da« deutsche Zentralkomitee zur Vorbereitung de« Material« für diese Frage und zur Fixierung seine« Standpunkte« an­zuregen. Die» ist nunmehr in umfaffender Weise geschehen und wird da» Ergebnis, dem gestrigen Beschluffe de« Zentral­komitees gemäß, zunächst den deutschen Landervereinen und sodann ben Regierungen mltgetetlt werden. Nachdem die österreichische BundeSleitung erklärt hat, die nächste Inter« nationale Konferenz nicht nach Wien einladen zu können, und nachdem die Frage wegen Abhaltung derselben nunmehr von dem internationalen Komitee in Gens zu behandeln sein wird, ist eine Ausnahme der Revision der Genfer Kon-

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nimmt entgegen: ^-edition b. Blatte-, W- ,' Nnnoncen-Barcaux. ^Dietrich u. Se. in 'und Hannover; Th. ^[chinßranlfurta.M.., i-nftein ». Vogler in Ä a- M., Berlin, kÄ «öl» ic.; Rudolf

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Auworuuerer, H^^tion jU „th^ende Auskunft und Annahme von Adresien «erden 25 Pfg. berechnet-