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Marburg, Domierstag, 29. März 1883.
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Die Mühle« Gottes. Kriminalnovelle von Georg Höcker.
Frankreich der Wein. Champagner, Bordeaux und Burgunder hatten keine Konkurrenz zu fürchten. Seitdem im Jahre 1878 die Philloxera erschien, droht eS anders zu werden. Der Ausfall an Weintrauben nimmt immer größere Dtmenstonen an. Nun hat sich eine neue Industrie entwickelt, die man euphemistisch die Behandlung oder Veredlung des Weines nennt. Man kauft griechische, spanische, italienische, ungarische rc. Weine, oder auch trockene Trauben, dann beginnt das Zusehen von Surrogaten und Vermischen mit französischem Wein, das sogenannte Manschen (mouillage), und stellt schließlich rin Fabrikat her, da- jedenfalls den alten Ruf der französischen Weine und somit auch deren Konkurrenzfähigkeit vernichten wirs. Da» kürzlich im WinterzirkuS abgehaltene Meeting der „Debitants de vina“ brachte darüber sehr beachtenswerte Enthüllungen.
Ferner wird eine bedeutende Abnahme nicht nur im Wert-, sondern auch im effektiven Warenexport in denjenigen Branchen konstatiert, welche gerade noch die meisten Menschenhände beschäftigen und eine gewiffe Intelligenz und Geschicklichkeit der Arbeiter erfordern. Die „Article» de Parts* haben auf dem Weltmarkt ihr Monopol ganz verloren und sind von den Produkten der verhaßten Ricalen überflügelt. Der fehlende Absatz macht sich besonders bemerkbar in der Kunsttischleret, Möbeln, Kurzwaren, Mooe-, Koufektions- und Wäsch-artikeln, Spielzeug, Holzschnitzerei; ferner in Leder- und Schuhmacherwaren, Portemonnaie», NeceffaireS, Waffen, Handwerkszeug, Metallarbeiten rc. rc. In diesen Artikeln hat man gegen das Vorjahr eine Einbuße von über 100 Millionen Franks zu verzeichnen.
Die Gründe diese» Rückgänge» werden auf die verschiedensten Umstände zurückgeführt, wie auf Beschränktheit der Unternehmer, Unfähigkeit der Konsuln und Agenten, allzu büreaukratische Handelskammern, welche man durch Generalstaaten de» Handels ersetzen möchte, chronische Arbeitseinstellungen, Verteuerungen der Löhne und dergleichen mehr. Da» richtige wird wohl sein, daß, während andere Nationen aus den Gebieten des Handels und der Industrie materielle Fortschritte gemacht haben, der Franzose bet seinem verknöcherten Chauvinismus, seiner nationalen Selbstüberhebung und seinem fortwährenden Fraklionsgezänk im industriellen internationalen Wettstreit zurückgeblieben ist. An den Wohlthaten der VerkehrSentwickelung nimmt er einen verhältnismäßig geringen Anteil; er reist wenig und kennt die industriellen Zustände im Auslande nicht. Trotz der Prämien und staatlichen Unterstützungen, trotz aller offizieller Anspornung und Bevormundung fehlt eS an solidem Unternehmungsgeist und an praktischem Verständnis bei dm Privaten. Alle Spekulation und alles Kapital wendet sich auf fchwindelhafte Gründungen, au denen daS Land mit einem wahren Ueberfluß gesegnet ist. An der Börse wrrdm
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A Mte die "Erde in Finsternis ein.
erleichtert auf und wandte sich zum gehen. Aber nicht zur
„Da hinein," flüsterte er heiser, »und alle» ist vorüber, dann kann ich schlafen, schwer und tief, und brauche nicht mehr zu träumen, wie ich es die langen Jahre hindurch gethan habe. O das Träumen ist furchtbar," schrie er auf und sank auf daS hohe UfergraZ hin.
Es hatte sich ein leiser Wind erhoben und die sanft gekräuselten Wellen plätscherten hörbar[durch die stille Nacht. Der Mond beschien voll die Fläche de» kleinen Sees und warf sein Licht auch aus den finster Brütenden, bet mit aufgestützten Armen am Boden lag.
„Ich muß hinunter," sagte er zu sich und schauerte zusammen, „denn jetzt wird alles an den Tag kommen. Ich bin ein Feigling," setzte er nach einer Weile hmzu und versuchte höhnisch aufzulachen. „Wer kann mir denn etwas anhaben. Das beweist noch nicht«, daß der MNge L.fie ins Dorf gekommen ist. Wenn « auch zehnmal ihr Kino wäre, wer sollte ihm sagen, daß ich sein Vater sei f Sie stad ja alle tot und ermordet."
„Zurück von mir," schrie er plötzlich wie wahnsinnig und streckte beide Hände wie zur Abwehr gegen den Sce. „Tauche unter, Du hohläugige» Weib mit dem Knaben au dem Arm, tauche unter, sage ich Dir, m Dein Grab. Du bist tot, und hast auf Erden nicht« mehr zu schaffen. Du schreckst mich nicht," schrie er und hieb mit der geballten Faust in die Luft, als wolle er jemandem einen Schlag versetzen, „denn Du bist ja tot."
Vor den Mond war eine neidische Wolke getreten und
Der Müller atmete
...i nimmt entgegen: W rpebition d. Blattes, »■' ,g.jlnnoncen-Bureauk K'b 'Dietrich u. Cs- in
und Hannover; Th. EinZrankfurtaM.; R'knftein u. Vogler in i ntfurt a. M , Berlin, Ä Wln rc-; Rudolf Se in Berlin, Frank-
Die wirtschaftliche KrifiS.
(Korrespondenz aus Paris.)
Die hohe Politik ruht während der friedlichen Osterzeit. Das Parlament hat Ferien, und der Konseilprästdent Ferry sucht in der frischen Waldluft der Villa Tibur in Arcachon Erholung von der aufreibenden Herrscherthätigkeit der letzten Lage und Stärkung zu den neuen Kämpfen, die ihm nach Wiedereröffnung der Session bevorstehen. Die republikanische Presie scheint der Verherrlichungen des unblutigen Sieges der Republik am 18. März und der Anprei ung der inneren politischen Lage Frankreichs, welches durch seine freiheitlichen Einrichtungen allein im stände sei, die sozialen Gegensätze zu versöhnen und die anarchistischen Bewegungen unschädlich zu machen, während diese letzteren augenblicklich alle Monarchien bedrohen — müde zu sein. Auch der Streit über die Revision, über die richterlichen Reformen, über die zweckmäßigste Ausführung der staatlichen Arbeitgewährung und so weiter wird nur lässig sortgesuhrt. Desto mehr drängt sich aber die wirtschaftliche Frage in den Vordergrund, uns hier und da wird die Behauptung aufgestellt, daß alle politischen Unruhen der letzten Monate ihren intellektuellen Ursprung allein in der wirtschaftlichen Notlage des Lande» finden. Das dadurch entstandene Mitz- lrauen und die immer wachsende Unzufriedenheit der Masten habe erst die Feinde der Republik ermutigt, den Versuch zu ihren abenteuerlichen Plänen zur Ausführung zu dringen, die einen Augenblick lang die Ruhe gestört, aber an dem gesunden Sinn der republikanischen Arbeiter gescheitert leien. Da nun aber alle inneren und äußeren Feinde auf diese Notlage spekulieren, so sei es notwendig dieselbe zu beseitigen. Aus diesem ©tunte allein, und nicht aus Rücksichten des allgemeinen Wohlbefindens der Nation, beschäftigt fich die
Lu dem mit dem 1. April beginnenden II. Quartal ,o83 ersuchen wir die Bestellungen auf die
Oberhesfische Zeitung
*It' " Illustriertes Sountagslilatt
ui der Pos! recht bald erneuern zu wollen. Auf dem Mde können die Bestellungen auch bei den Landpostboten i-macht werden.
‘ gzx- In den Ortschaften, in denen sich Poststellen oder «ostagentnren befinden, können die Zeitungen auf den Meaux abgeholt werden und ist dann die Zahlung von R-siellgeld nickt erforderlich.
Die Oberhesfische Zeitung mit SonntagSblntt kostet vierteljährig Mark 2,50 und daS Bestellgeld noch weitere
Die Expedition der Oberhess. Ztg.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Matte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube u. 6o. in Frankfurt a. M; JLgestche Buchhandlung dafelbü; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendankin
Berlin; W. Thiene» in «berfeld; 6. Schlotte in Bremen.
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republikanische Weisheit jetzt mit nationalökonomischen An- legenheiten und Doktrinen.
Der Thatsache gegenüber, daß der Import seit,fünf Jahren in regelmäßig steigenden Ziffern den Export übersteigt, wird merkwürdigerweise immer noch die in anderen Ländern längst als überwunden betrachtete Theorie Bastiats von der wirklichen Handelsbilanz aufgestellt. Darnach nimmt der Import teil an der Wohlthat deS Exports und je reicher und industrieller ein Land ist, desto mehr importiert eS. Auf natürlichem Wege gleichen sich Import und Export immer schließlich ans; die statistischen Angaben des letzteren nehmen nur deshalb eine geringere Ziffer ein, weil diese nach dem Werte der Ware beim Absenden bemessen würde. Hierzu komme aber noch der unsichtbare Export; denn in Gestalt von Fracht, Versicherung, Kom- misstonSgebühren, Courtage rc. rc. erhalte die exportierte Ware an ihrem Bestimmungsort einen weit höheren Wert, der in der amtlichen Statistik nicht angegeben werden könne, wohl aber bei den importierten Waren mit eingerechnet sei.
Freilich ist es unbestreitbar, daß der Reichtum eines Landes den Import bedingt; aber der Rückschluß ist falsch, daß der starke Import ein Land reich machen könne. Dieses muß vielmehr noch andere Quellen des Reichtums als durch bloßen Export haben, um jene großen Bezüge vorn Auslande, welche dem Luxus und dem Wohlbefinden seiner Bevölkerung entsprechen, decken zu können. So wird in der französischen Preffe jetzt auch wieder — grade wie in der Freihandelspertode in Deutschland — auf daS Beispiel Englands hingewiesen. Man vergißt aber dabei, daß England grade deswegen einen Mehrwert importieren als exportieren kann, ohne das Gleichgewicht seiner Bilanz zu erschüttern, weil auf tausend andern Wegen da« Edelmetall oder deffen Tauschwerte nach England zurückströmt. Beispielsweise durch den sogenannten indischen Tribut, die Pensionen von indischen, australischen rc. Beamten, die in England verzehrt werden, ebenso die Dividenden der zahllosen Handelsgesellschaften in andern Weltteilen, endlich durch den Coupon von in allen Weltgegenden arbeitenden Kapitalsanlagen. — Alle diese Vorbedingungen treffen in Frankreich nicht, oder doch nur in beschränktem Maße zu. Frankreichs Haupteinnahmequelle muß der Export bleiben, wenn eS nicht verarmen soll.
Wenn man sich indesien auch Über daS zunehmende Mißverhältnis de» Imports zum Export auf diese Weise zu trösten suckt, so ist man doch keineswegs blind für den absoluten Rückgang der Industrie. Der Export der Ge- webe in Seite, Wolle, Baumwolle und Leinen hält sich zwar noch auf seinem Durchschnittsniveau. Ander» gestaltet e» sich schon mit dem bisherigen Hauptexportartikel, dem Wein. Wa» für China der Thee, für Kuba der Tabak und für Arabien der Kaffee ist, war bisher für Mühle ging er, sondern er schlug den Weg zum Dorfe wieder ein. Vor dem Hause des Ortsschulzen angelangt, blieb er stehen und klopfte an einen Fensterladen.
Lange harrte er vergeben» auf ein Zeichen der Erwiderung. Endlich, nach wiverholtem Pochen, öffnete sich der Laden ein wenig und Annamariens Stimme fragte ver- schlafen, wer so spät nach da sei.
.Ich bin«," anwvrtete der Müller leise, „der Müller Gebhart." , ,
Wa» gibt eS noch so spät?" fragte die Dime neugierig.
*Laß mich ein," raunte der Müller ihr zu, „ich habe wichtiges mit Dir zu sprechen."
Annarnarie nickte zur Antwort und verschwand vom Fenster. Gleich darauf hörte der Außenstehende dieHanS- thüre knarren, in welcher die untersetzte Gestalt deS Mädchens erschien und ihm winkte, ihr zu folgen.
In ihrem Zimmer angelangt, setzte Annamarie fich auf daS Bett unv wie» den Müller an, ihr gegenüber Platz zu nehmen.
„Nun, was gibt»?" fragte sie ungeduldig.
„Hast Du den jungen Mann schon gesehen, „stellte der Müller statt jeglicher Antwort feine Frage, „der sich gegenwärtig im Kruge einquartiert hat?"
„Welchen meinst Du, e» sind deren zwei."
„Nun, den Jüngeren," gab der Müll« zur Antwort.
Ich habe ihn gesehen," sagte Annamarie verdrießlich. „Aber was soll es mit ihm? Hast Du einzig, um mich darum zu fragen, meinen Schlaf unterbrochen? Da» hätte wohl Zeit bis morgen gehabt."
„Du redest, wie Du e« verstehst," erwiderte der Müller ungehalten. „Weißt Du, wer e» ist?"
„Nun, wer itoltb e» groß fein?" fragte Annamarie spöttisch.
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„ES ist der Sohn der Clara Winkler," gab der Müller gepreßt zur Antwort.
„DaS wäre der Teufel," rief Annamarie überrascht und sprang vom Bette auf.
„ES ist so, wie ich sagte," fuhr Gebhart weiter fort. „Ich hab» von seinem Freunde, der muß e» doch wissen."
„Wa« gedenkst Du zu thun? frug Annamarie gespannt.
„Deinen Rat will ich hören, deswegen bin ich hergr- kommen," versetzte der Müller.
• „WaS soll ich da viel aten," gab Annamarie schnippisch zur Antwort. „Ich war ein Kind von acht Jahren und spielte am Mühlenweiher."
„Schweig still davon," gebot der Müller barsch und laste die Toten ruhen."
„ES dürfte doch von Zeit zu Zeit gut sein," höhnte da» Mädchen, „dem Herrn so manche» in» Gedächtnis zu tuftn, was er anscheinend vergeffen hat."
Und ohne sich beirren zu lasten, fuhr Annamarie fort, mehr zu sich selbst, als zu ihrem Gegmüber sprechend.
„Ich war acht Jahre alt, wie ich schon sagte und über meine Jahre reif, wie die Leute sagten, al» ich eine« Tage» mit anderen Genosten am Mühlwecher spielte. Da sah ich plötzlich eine fremde Frau au» der Mühle treten und mit der Hand etwa» an die Thüre schreiben. Gleich darauf kamst Du heran». ES war Dein Hochzeitstag, ich erinnere mich noch ganz genau, und Du warst in festlichem Staate. Drinnen zechten und schmaustm sie, und kein Mensch war außer uns auf der Straße zu sehen. Da schriest Du die Frau barsch an und schlugst sie mit der Faust einigemal über den Kopf."
(Fortsetzung f'lgt.)
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