XVffl. Jahrgang
Marburg, Dienstag, 20. März 1883.
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eine Menge eines Tage« blieben, das brach: war.
in der Umg gend herumgewandert und hatte von Bekanntschaften geschlossen. So war er nch vor einem reizenden Gärtchen stehen ge- vor einem kleinen, u scheinbaren Hause ange- Nicht die sorasame Pflege deS Gartens war
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Artikel 52 der VerfasiungSurkunde durch königl. Verordnung eintreten solle, finanzielle Erwägungen maßgebend. — Die Reich-regierung macht bekannt, daß sämtliche deutsche StaatS- bahnen freie Rückfracht der Ausstellungsgüter für die internationale Kolonial- und Export-Ausstellung in Amsterdam gewähren; doch muß die Rücksendung auf derselben Route innerhalb 4 Wochen nach Schluß der Ausstellung und unter Vorlage deS Original - Frachtbriefes für die Hintour geschehen; auch ist eine Bescheinigung des deutschen AnS- stellungS - Kommissars, Herrn Hohack in Amsterdam, erforderlich. Auch die deutschen Privatbahnen haben freie Rückfracht bewilligt. — Den Reichsbehörden ist der Beschluß deS Bundesrat« kundgemacht worden, daß ste vom 1. k. M., dem Anfang des nächsten ElatSjahreS ab, der Bestellung von Papier und dem rechnungsmäßigen Nachweise desselben das Nie« zu tausend Bogen zu Grunde zu legen haben. — Die „Germania* schreibt: „Wir glauben auch nicht, daß eS zur Verwirklichung des Wunsches der Negierung kommen kann, daß die beiden Arbeiter - Ver- ficherungS«Gesetze, also auch daS Unsallgesetz, gleichzeitig verabschiedet würden. Da» würde nur in dem Falle möglich sein, daß man auch die definitive gesetzliche Verein- barung über die Krankenversicherungs-Vorlage noch hinauS- schöbe. Denn die Verabschiedung deS Unfallversicherungs- Gesetze» ist in dem Reste der Session nach Ostern nicht mehr möglich. ES ist aber schon nach der ersten Lesung im Plenum de» Reichstags sicher, daß die Gefahrenklasien als Grundlage der Organisation der Unfallversicherung bei keiner Partei Zustimmung finden und nach verschiedenen Symptomen scheint auch die Regierung an diesem ihrem Gedanken irre geworden zu sein, wenigsten« denselben nicht mehr ohne Zweifel zu betrachten. Deshalb ging unser Wunsch stet« dahin, die Arbeiter-VerficherungS-Kommisston möge auch die Unfallversicherung wenigsten« noch so weit beraten, bis man zur Frage der Organisation, also der Gefahren - Klaffen, gelangte, um dann im Verein mit der Regierung eine neue Organisation- - Grundlage festzustellen und so den Boden für einen neuen Regierungsentwurf auf Grund der neuen Basis zu schaffen * — Zum Kapitel der Vagabondage erhält die „Nordd. Allg. Ztg." aus der Altmark nachstehende lehrreiche Mitteilung: Zwei Baumeister, welche in verschiedenen Kreisen Chaussee- Anlagen ausführen, die Arbeiten während der milden Winterzeit fortgesetzt haben, und denen eS an Arbeitern gefehlt hat, haben ihre Schachtmeister beauftragt, die brotlosen Wanderer anzuhalten und zu den Chauffeearbeiten heranzuziehen, aber nicht in einem einzigen Falle ist dies gelungen. Von den Baumeistern selbst ist versucht worden, die bei ihnen bettelnden Vagabonden zur Arbeitannahme zu bestimmen, aber keiner ist darauf eingegangen. Einer hat eS wirklich so weit gebracht, sich eine Anweisung auf Arbeit schreiben zu laffen, aber auch dieser hat sich nach
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eS gewesen und der berauschende Blumenduft, der ihm entströmte, sondern sein Blick wurde durch eine reizende Mädchenaestalt gefistelt, die ibm halb zugewendet vor dem H.'use saß und eifrig mit sticken beschäftigt war. Em von ihm zufällig verursachte« Geräusch bewirkte, daß das Mädchen aufsah uuv den jungen Mann erblickte, der ste bewundernd ansah. Das junge Mädchen wurde biS über die Schläfe rot im Gesichte und blickte verwirrt zu Boden.
Auch Benno war befangen. Zu gerne hätte er mit der hübschen Kleinen eine Unterhaltung angefangen, aber er konnte auf keinen passe wen Auknüpmpgspunkt komwm. Wie so oft der Zufall etwas bewirkt, was ohne seine Beihilfe vielleicht ungeschehen geblbben wäre, so ereignete eS sich auch hier. Die HauStbüre öffnete sich und ein älterer Mann trat aus derselben, anscheinend der Vater deS jungen Mädchens. (Fortsetzung folgt.)
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□u dem mit dem 1. April beginnenden II. Quartal 1883 ersuchen wir die Bestellungen auf die
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können es dem armen Ernst gewiß nicht verdenken, wenn er von der bösen Sieben nichts wiffen will.*
Benno bejahte die Frage und bat um ein Zimmer, da er sich einige Zeit im Dorfe aufzuhalten gedenke. Die freundliche Wirtin wies ihm ein solches an, und der junge Mann setzte sich nieder, um das soeben Erlebte und Gehörte sorgfältig aufzuschreiben.
IV.
Verdacht und Gewißheit.
Benno verweilte nun schon einige Wochen im Dorfe und noch war an Aufbruch nicht zu denken. Sein Freund Scheffler war inzwischen eingetroffen und hatte ihm erklärt, daß vorläufig au« ihrer Gebirgswanderung nichts werden könne, da er von AmtSwegen im Dorfe zu verbleiben habe. E« sollte die« ohne Aufsehen geschehen und die beiden Freunde gaben sich deshalb den Anschein, al« ob sie ihren Aufenthalt nur verlängerten, um die vielfachen N'tursckön- heiten Haindorf» ganz genießen zu können. In Wadrh it hatte aber der UnterjuchungSiichter den Auftrag von seiner vorgesetzten Behörde erhalten, verschiedenen wucherischen Vorgängen nachzuforschen, die den Selbstmord oder wenigstens die gänzliche Verarmung vieler Kleingrundbesitzer im Gefolge gehabt hatten. Da Scheffler besonders der Name de« Müllers Gebhart, als eine« Verdächtigen genannt worden «ar, regte die Erzählung, die Benno ihm gleich nach seiner Ankunft mitgeteilt hatte, seinen Verdacht um so mehr an. Er zog verschiedenerseit« unter der Hand über Gebhart scheinbar harmlose Erkundigungen ein, die nicht nur seinen Charakier in ein schiefe« Licht zn bringen geeignet waren, sondern auch auf da« Augenscheinlichste de« Müller« Schuld an dm betrübmden Vorgängen be»
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Arbeiten nicht heranzog, die Kreuz und Quer im Dorfe sowohl, wie
Die Mühlen Gottes.
Kriminalnovelle von ®eorg Häcker.
„Ich glaube ihn zu kennen,* schaltete Benno ein, „heißt
Berlin, 17. Marz. Anläßlich der Vorfeier de« Ge- burtstageS de» Kaisers prangen „Unter den Linden* und in den angrenzenden Straßen viele Häuser im festlichen Flaggenschmucke; vom Rathause ertönte Festmusik, zur Paxole- m-gabe bet der König-wache erschienen die Offiziere im Paradeanzuge, bei den Ministern finden offizielle Festesten statt, ebenso find die Behörden, da« Offizierkorp« und viele Privat-Gesellschasten nachmittag« zur besonderen Feier ver- kiiit. —Zu dem heutigen offiziellen Festdiner beim Reichs- knzler waren sämtliche Botschafter, Gesandte, Geschäftsträger Md Militärbevollmächtigte, sowie alle nichtpreußischen Mitglieder de« BundeSxatS, bezw. deren Stellvertreter geladen. Finanzminister Scholz hatte außer den Räten seine« Refforts In Vertretung des Minister« von Bötticher auch die Mitglieder des RetchSamtS deS Innern zuu, Festmahle versammelt. — Der Rücktritt de« Chef« der Marine, deS General« v. Stosch, gilt nunmehr für wahrscheinlich. — Dem Vernehmen nach ist für den feiten« deS preußischen Staatsministeriums gefaßten Beschluß, die Sitzungen de» Abgeordnetenhauses durch königl. Verordnung vom 18. März bis zum 16. April zu vertagen, ein doppelter Grund maßgebend gewesen. Einmal wollte man da« Recht der Krone in Anwendung bringen, wonach (Art. 52 der preußischen Lerfassungsnrkunde) der König, ohne daß er dabei der Zustimmung deS Landtags beouifte, denselben einmal in der- jtlben Session und zwar nicht Über eine Frist von 30 Tagen hinaus vertagen kann, und zweiten« waren bei der Wahl, ob die Plenarsitzungen beider Häuser einfach auf unbestimmt, Zeit au«zu>etzen und die Präsidenten zu ermächtigen seiene da« Plenum nach eigenem Ermesten einzuberufen, ober aber ob eine förmliche Vertagung der Session auf Grund des
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„Ganz recht,* erwiderte die freundliche Wirtin und fuhr ___r- ta ihrer Erzählung fort.
zum Pi Sie schilderte da« Elend in der Mühle mit lebendigen «färben, uns besonders wies sie auf den Haß hin, den der Müller schon frühzeitig aus unerklärlichen Gründen gegen seinen Sohn gehegt habe. Benno hörte ihr aufmerksam zu nnb sonderbarerweise kam bei ihm immer mehr der Jurist i“m Durchbruch. Er konnte sich selbst nicht erklären ratis zi darum, aber ihn hatte ein eigentümliches Gefühl der Ab- ( neignung und die Ahnung beschlichen, al« gäbe eS in dem ßerli 8t en des Müller« manches, was er sorgsam vor anderen ju hüten hatte. Er behielt jedoch diese Gedanken für sich »ns Hirte der Erzählung der wortreichen Frau Wirtin mit 3»tereffe weiter zu.
Dieselbe kam nun auf die neuerdings proklamierte Ver- ivbung der Annamarie mit Ernst zu sprechen:
des 8 , „Das hat im Dorfe große« Aufsehen erregt,' sagte 5r. Ms ste, „denn die Annamarie ist eine gar böse Per on. Man ;s: Pst baxf nicht« sagen,* setzte ste im Flüstertöne hinzu, „denn tonn kann ihr nichts beweisen, aber soviel steht fest, daß •tt Steffen ihr heute gesagt hat, eS sei au« mit ihnen und Morgen brannte sein Gedöst bi« auf den Grund nieder. 3n der UnglückSnacht haben sie Leute, ehrenwerte Beugen, t derKS" dttdächiig um da« Hau« ihre« alten Liebsten Herumstreichen M)en, aber vor Gericht hat sie sich denn auSgeredet, ste sei Mondsüchtig und da« wurde ihr denn auch geglaubt. So, M wiffen Sie alle«,* schloß sie ihre Erzählung, „und
seiner Art eine« Besseren besonnen und von der Anweisung keinen Gebrauch gemacht.
Berlin, 18. März. Die „Nordd. Allg. Ztg.* registriert die Nachrichten, daß der Kaiser Stosch» Entlassungs- Gesuch angenommen habe. — AIS Nachfolger für den General Tümpling, der wegen Krankheit sein Abschieds- Gesuch eingeretcht hat, wird als Kommandeur deS 6. Armeekorps General v. Kameke, der frühere Kriegsminister, bezeichnet. — Die „Liberale Korrespondenz" teilt mit, der Reichskanzler habe tn einem an den Kaiser gerichteten Memorandum über die Verwaltung de» Chefs der Ad- miralit v. Stosch zu erkennen gegeben, daß er für die Zukunft die Verantwortlichkeit für dieselbe ablehnen muffe. — Nach der „Vosstschen Zeitung* wünscht man in Marinekreisen als Nachfolger StoschS einen Marineoffizier zu sehen. Wenn ein solcher an die Spitze der Admiralität berufen swird, so wird allgemein angenommen, daß dies der Vizeadmiral Bätsch sein wird; derselbe ist 1831 geboren und hat seinen Weg vom Schiffsjungen bis zum Admiral gemacht. — Nach der „Nordd. Allg. Ztg.* sind dem Handelsminister, nachdem das Abgeordnetenhaus die als Bewilligung für den VolkswtrtschaftSrat geforderten 16000 Mark abgelehnt hat, zur Deckung der Ausgaben dem Letzteren von Privatpersonen bereits namhafte Beiträge zur Verfügung gestellt worden. Nach der Höhe der ersten Zeichnungen läßt sich die Deckung des vollen Bedarfs mit Sicherheit voraussetzen, sobald die zunächst von den landwirtschaftlichen Kreisen genommene Initiative öffentlich bekannt geworden fern wird.
Post«, 17. März. Zur Feier deS Geburtstage» Sr. Majestät des Kaiser- waren heute die Spitzen der Zivil-, Militär- und Kommunal-Behörden, sowie viele angesehene Bürger zu einem Festdiner vereinigt. Der kommandierende General v. Stiehle brachte das Hoch auf den Kaiser aus, in welches alle Festteilnehmer begeistert einstimmten. Außerdem wurde der Tag von verschiedenen Vereinen festlich begangen.
Barme«, 16. März. Großes und berechtigte« Aufsehen erregt ein hier entdecktes weitverzweigte- Briefmarken- Fälschnngs-Komplott (f. auch unten Artikel Kassel). Vor einigen Tagen wurde in der Löwenstraße ein Lithograph verhaftet, in dessen Wohnung man eine Werkstatt zur Anfertigung von falschen Fünfzigpfennigmarken der deutschen Reichspost entdeckte. Nach und nach wurden zahlreiche andere Personen verhaftet und gestern wurden sogar drei angesehene Kaufleute, die Inhaber eines ziemlich bedeutenden FabrikgeschäftS in dem benachbarten Langerfeld, gefänglich eingezogen. Einer der verhafteten Kaufleute bat heute ein umfassendes Geständnis abgelegt. ES waren im ganzen für zirka 150 000 Mark ä, 50 Pf. angefertigt worden. Davon hatte die Langerfelder Firma für 53 000 M. übernommen. Mit den Marken wurden Wareneinkäust wiesen. Scheffler hatte in Kürze ein Beweismaterial gegen den Müller gesammelt, welches ihn berechtigt hätte, schonungslos gegen denselben vorzugehen, aber er zog e» vor, au» einem ihm selbst nicht recht ersichtlichen Grunde, vorläufig abzuwarten. Indessen war er nicht müßig, sondern wußte sich die Akten zu verschaffen, die über den Tod der Unbekannten mit ihrem Kinde im Mühlenweiher ausgenommen worden warm, sowie Erkundigungen über dos Leben Gebharts, ehe er nach Haindorf gekommen war, einzuziehen.
Benno war unterbeffen, da Ihn Scheffler zu seinen