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XVIII. Jahrgang

Marburg, Sonnabend, 17. März 1883.

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Abg. Rickert betont, daß es

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Die Mühlen Gölte».

Kriminalnovelle von Georg Höcker.

handle, einen Ausnahmezustand zu beseitigen, möge ihre besondere Vorliebe für die Armee

In der heutigen (49.) Plenarsitzung des Abgeord­netenhauses, in welcher der Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff zum erstenmale am Ministertische er­schien und von zahlreichen Mitgliedern des Hauses begrüßt wurde, kam, nachdem der Gesetzentwurf, betreffend die Ver­längerung der im 8 16 Absatz 3 des Gesetzes über die Be­fähigung für den höheren Verwaltungsdienst festgesetzten Frist, ohne Debatte in dritter Beratung genehmigt war, der Ge­setzentwurf, betreffend die Erhebung der Hundesteuer, in dritter Beratung zur Erledigung. In der Generaldebatte versuchte Abg. v. Hoenika nachzuweisen, daß dieses Gesetz bei der ländlichen Bevölkerung wenig populär sei. Nur der große Grundbesitz scheine ein Interesse an der Vorlage zu haben. DaS wurde vom Abg. Frhr. v. Minnigerode durch Hervorhebung der thatsächlichen Verhältnisse bestritten.

In der Spezialdebatte wurde zu 8 1 ein Antrags dcS Abg. v. Ludwig nach einiger Debatte abgelehnt und die 88 1 bis 5 unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen.

Zum 8 6 (dem früheren § 5) beantragt Abg. v. Rissel- mann auch heute die Wiederherstellung, welche vorgestern bekanntlich abgelehnt ist. Nachdem der Abg. v. Risielmann mit wenigen Worten seinen Antrag zur Annahme empfohlen und betont hatte, daß drsien Annahme am besten geeignet, daS warme Herz für die Armee zu bekunden, indem man ihr belasse, waS sie seit 50 Jahre innegehabt, nahm daS Wort:

Kriegsminister Bronsart von Schellendorf t: Meine Herren! Ich bin zu meinem Bedauern verhindert gewesen, schon der vorgestrigen Sitzung bcizuwohnen, um da» Wort zu gunstcn der Regierungsvorlage zu nehmen. Ich hatte meinen Kommissar persönlich instruiert, und er hat auch den Standpunkt, den ich einnehme, vollständig vertreten. L-ider hat das Resultat der Abstimmung diesen Bemühungen nicht entsprochen. Ich nehme keinen Anstand,

zu erklären, daß die Regierung nicht gewillt ist, auf das Resultat der zweiten Lesung cinzugehen, und ich muß des­halb dringend bitten, die Regierungsvorlage in diesem Punkte wieder herzustellen. Ich füge noch von meinem besonderen Standpunkt als KriegSminister, welcher mir die Pflicht auferlegt, überall die Jnteresien der Armee zu ver­treten, einige Worte hinzu. Wenn daS Bestreben dahin geht, auf dem Gebiete der Kommunalbesteuerung die bis­herigen Ausnahmebestimmungen zu beseitigen, so sollte ich meinen, daß gerade das Gebiet der Wohlthätigkeit am wenigsten die Stelle ist, an welcher einzusetzen wäre. (Zu­stimmung rechts.) Ich richte zugleich an die Herren einen Appell, welche der Armee angehört haben (Murren links), in welcher herzlichen Weise wir, die aktiv in der Armee sichen, bemüht sind, die Verbindung auch mit denjenigen Personen und Familien aufrecht zu erhalten, welche auS der Armee geschieden sind; und ich kann versichern, daß, ganz abgesehen von den durchaus notwendigen und gar nicht auf andere Weise zu beschaffenden Mitteln zur AuS- hülfe der plötzlichen Unterstützungen, welche den Familien der Unteroffiziere deS aktiven Dienststandcs auö diesem Fonds zu Teil geworden find, wir oft in die Lage gekommen sind, manche Thränen der Witwen zu trocknen. ES würde in der Armee tief empfunden werden, wenn die Herren den Versuch machen wollten, die angenehmen Beziehungen, die ich eben erörtert habe, aufzulösen und unS die Mög­lichkeit zu nehmen, in einer gewissen organisierten Form der Wohlthätigkeit ferner wirksam zu werden. Man könnte sagen, daS ist Sache der Privatwohlthätigkeit; und da sage ich die ruht auch nicht! (Beifall rechts.)

Abg. Dr. Seelig meint, der Appell an die früheren Angehörigen der Armee sei wohl nicht ganz am Platze. ES handle sich hier um keine Frage der Wohlthätigkeit, sondern um finanzielle Grundsätze. Die nötigen Mittel für die Militärangehörigen würden auf andere Weise be­reitwilligst gewährt werden. Im Budget aber müsie Ord­nung herrschen.

Kriegsminister Bronsart von Schellendorff entgegnet: Die Ordnung im Budget wird durchaus nicht gestört. Zu Unterstützungszwecken werde ich, wenn nötig,

genommen. Der 8 2 wurde debattelos in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. Im 8 3 hat die Kom­mission in Alinea 4 die Strafbestimmung der Regierungs­vorlage, welche lautet:Die Geldstrafe darf für die auf einen Tag treffende Schulversäumnis den Betrag von einer Mark nicht übersteigen", dahin abgeändert, daß sie lautet: Für die auf einen Tag treffende SchulversäumniS ist eine Strafe von mindestens zehn Pfinnigen und höchstens einer Mark zu verhängen". Diese Fassung wurde vom Hause angenommen und dann nach unwesentlicher Diskussion die übrigen Paragraphen nach den Vorschlägen der Kommission in der Fasiung der Regierungsvorlage genehmigt.

ES wurde dann noch der Gesetzentwurf über die polizei­lichen Strafverfügungen, sowie die Lauenburgsche Vorlage in der Fasiung deS Abgeordnetenhauses genehmigt und Pe­titionen ohne allgemeines Interesse erledigt.

vom Landtag.

Berlin, den 15. März.

In der heutigen (9.) Sitzung des Herrenhauses [am nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten der Gesetzentwurf, betr. die Behandlung der Schulcersäum- msse, zur Verhandlung. Der Referent Hr. v. Schöning befürwortet die Annahme der von der Kommission vor- Mlagencn Aenderungen. In der GeneraldiSknssion macht Hr.Struckmann daraus aufmerksam, daß es viele Fälle gibt, in denen Kinder die Schule nicht besuchen, ohne daß dies zur Kenntnis der Aufsichtsbehörde gelange. Er bitte bk Staatörcgierung, sich zu bemühen, einen ModuS aus­findig zu machen, durch welchen diese Uebelstände beseitigt werden können. Auch die Herren Bredt und Becker schließen sich dieser Auffassung an, verweisen jedoch auf die Schwierigkeiten, die mit der Durchführung der Maßregel verbunden sind. Der RegierungSkommisiar Geh. Rat Dr. Kuegler befürwortet im allgemeinen die Annahme der Vorlage, wie sie aus der Kommissionsberatung hervor- gegangen, und erklärt, daß die Regierung die Wünsche deS Hrn. Struckmann in Erwägung ziehen werde. Dann wurde die G-neraldiekusston geschlossen. In der SpezialdiSkussion über 8 1, weichen die Kommission in der Fasiung der Re- gierun.,svorlage jedoch mit der Aenderung zur Annahme empfiehlt, daß vor dem WorteVolksschule" da« Wort .öffentlichen" gesetzt werde, stellt- Herr v. Woyrsch den Antrag, daß dem Gesetz ein Zusatz gemacht werde, nach welchem während der Schulstunden schulpflichtige Kinder durch Arbeit nicht beschönigt werden dürfen. Nachdem die Herren Bredt und Kleist-Retzow sich gegen diesen Antrag erklärt und darauf hingewiesen, daß die bestehende Gesetzgebung hierzu ausreiche, wird der Antrag abgelehnt und oer 8 1 nach der Fassung der Regierungsvorlage an-

Gelegenheit belbätigen. Hier siche lediglich der geringe Betrag von 1617 000 Mark in Frage, der, wenn er sich als unentbehrlich erweise, gern anderweitig werde be­willigt werden.

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44.

Anfangs beachtete er den Fremden nicht, sondern wen- Me sich gering seinem Sohne zu, den er rauh anfuhr.

Warum nicht bei der Arbeit? Du Tagdieb, da» glaube das gefällt dem jungen Herrn, die Hänve in den Hosentüschen herumzuspazieren und seinem Vater ein Schnippchen zu schlagen, aber man dürfte sich verrechnet haben."

Ernst bezwang seinen Unmut und begnügte sich blo» iu lagen:Hier ist ein Fremder, der gern einen Jnbiß »Lchre"

Ich bin Irin Schenkwirt," versetzte der Müller, und ichaute sich nach dem jungen Manne um.

Plötzlich sanken dem Müller die Hände schlaff zur ®eite, die Augen quollen ihm förmlich au» den Höhlen, Und er wurde totenbleich im Antlitze.

Barmherziger Himmel," tief er entsetzt au», und streckte

weitere Mittel erbitten. (Zustimmung rechts.) Es handelt sich hier auch durchaus nicht um eine Befreiung der Offi­ziere. Dieselben wünschen nur, daß, dem bisherigen Zu­stande entsprechend, die eingehenden Beträge herigen Weise verwendet werden.

weit fort von hier, wenn er Geld braucht, so soll er haben, soviel er will, aber vor die Augen soll er mir nicht mehr kommen."

Gattin und Sohn schauten den Aufgeregten befremdet an.

Nun, was gafft Ihr," rief dieser.Maisch, thut wie ich Euch befohlen habe, ohne jegliches Zaudern."

Aber was soll der Fremde davon denken?" wendete Ernst ein.

Was wird er denken," sagte fr in Vater lauernd und starrte nachdenklich auf den Boden.Sag' ihm," fetzte er hinzu,sein Anblick erinnere mich an einen Toten, der mir einst lieb gewesen sei, und desien Verlust mich jetzt noch nicht zur Ruhe kommen lasse."

Ernst wollte gehen.

Halt noch ein biScken," tief ihm der Müller nach, das letzte brauchst Du ihm nicht zu sagen, er soll nur gehen."

Ernst traf den Fremden noch vor der Thüre, und teilte ihm seines Vaters Begehren mit.

Benno Jäger hörte kopfschüttelnd zu und sagte endlich: Ich kann Eueren Vater nicht begreifen, er muß schon trübes in seinem Leben zu überfteben gehabt haben und ich will sorgen, daß ich ihm nickt zu nahe komme."

So wollt ihr nicht fort?" frug Ernst.

Ich beabsichtige allerdings einige Tage hier zu bleiben," meinte Benno,und roene dies wodl oder übel thun muffen, da ich einen älteren Freund von mir, den Unters suchangSrichter Scheffler, nach hierher bestellt habe, um mit ihm von hier au« eine Tour ins Gebirge zu machen."

Ich werde eS dem Vater auSrichten," sagte Ernst.

^Fortsetzung folgt.)

die eine Hand wie zur Abwehr gegen dm Juristen aus. Die Hölle flieht ihre Toten wieder."

Damit stürzte er sinnlos zusammen.

Die beiden jungen Leute waren auf das tiefste er­schrocken, und sie fchauten sich einen Augenblick mit dem Ausdrucke geheimnisvoller Scheu fragend an.

Dann beeilten sie sich im Verein mit der durch den Fall herbeigerufenen Frau Lisbeth, den Müller wieder zu Bewußtsein zu bringen. Nach langem vergeblichem Be­mühen gelang dies endlich, und der Müller schlug die Augen auf. Sein erster Blick fiel auf den, den andern hülfreich zur Seite stehenden Benno.

Fort, fort," sagte Gebhart schwach und winkte ab­wehrend gegen den jungen Mann.Ich kann ihn nicht sehen, sein Anblick tötet mich."

Der junge Mann ging einige Schritte seitwärts, und gestützt auf Gattin und Sohn gelangte der Müller in da» Wohnzimmer, wo er auf einen Lehnstuhl niedergelasien wurde. _

Frau Lisbeth zitierte wegen des gehabten Schreckens noch am ganzen Körper.

Um Gott! Wae ist geschehen!" rief sie aus, und beugte sich liebevoll zu ihrem Manne nieder.

Nicht« von Belang," sagte dieser,eine plötzliche Schwäche, die schon wieder vorüber ist."

Der Müller schien den Unfall in der Thai überwunden zu haben, kenn er stand in alter Rüstigkeit wieder auf.

Wo ist er? frug er, und sah scheu nach der Thüre.

Er wird noch vor dem Hause warten," antwortete Ernst.

Geh' zu ihm," sagte der Müller hastig,und sage ihm, daß ich ihn nicht mehr sehen will, er soll fortgehen,

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux een G tz. Daube u Ce in Frankfurt a. M ; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin

Berlin; W. Ti: jener in Elberfeld; 6- Schlotte in

Bremen

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r. fenftein u. Vogler m F Ärt a. M., Berlin, fejg, Köln rc.; Rudolf i&e9 in Berlin, Frank. iD" futt a. M- rc.

Hu dem mit dem 1. April beginnenden II. Quartal 1883 ersuchen wir die Bestellungen auf die

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Ernst mußte unwillkürlich lächeln.

Man sieht'« Ihnen an, aber unser HauS ist keine Schenke."Das ist ein Fehler," schaltete der andere ein. »Allüberall, wohin ich sonst gekommen bin, fand ich in ben Mühlen einen gastlicken Trunk und einen guten B ss n. Es zieht mich deshalb immer unwillkürlich zu den Mühlen hin."

Ich will es der Mutter sagen," versetzte Ernst Im Gehen,sie wird sich gerne bereit ßnoen lasien."

Tie beiden jungen Leute gingen mit einander der Mühle 1011 i zu und batten tie Hausthüre erreicht, al» ihnen dieselbe durch Gebhart versperrt wurde, der soeben da» Hau» ver­lassen wollte.