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XVin. Jahrgaug.

JHatÖurg, Freitag, 16. März 1883

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Die Polanisterung der Provinz Posen werde in ganz systematischer Weise betrieben. Die polnischen geistlichen unterscheiden sich von den rheinischen und westfälischen katho- ltschen Geistlichen sehr wesentlich. Letztere seien in erster Reihe katholisch und dann deutsch, würden auch den Frieden mit der Kurie gern acceptieren; erstere aber seien zunächst Polen und erst in zweiter Linie Katholiken. Den polnischen Geistlichen, den Trägern der Aktion, würde auch niemals die Schulaufsicht eingeräumt werden können. Neben der polnischen Geistlichkeit seien eS die polnischen Damen und die fanatische polnische Presse, welche die Agitation schüren. Der Redner bittet schließlich die Mitglieder der polnischen Fraktion, daS Phantom von einer LoSreißung von Preußen aufzugeben, und gemeinsam mit den Deutschen an der wirt» schaftlichen Entwickelung der Provinz mitzuwtrken. Die polnischen Eigentümlichkeiten sollten geschont werden; an­dererseits aber werde der Polontsterung die deutsche Ver­waltung sich energisch entgegensetzen, und wenn eS sein müsie, sich auch nicht scheuen, zu jenem Zwecke auS der Defensive in die Offensive überzugehen.

Abg. v. ZarkrzewSkt spricht als Milantragsteller für bett Antrag und sucht die politischen Bedenken, die - demselben entgegengestellt werden, zu widerlegen. Der Kul­turkampf sei eS gewesen, welcher die deutschen Katholiken den Polen in die Arme geworfen habe, da« nenne man Polontsterung.

Kultusminister v. Goßler erwidert, der Antrag sei entstanden auf dem Boden der Beschlüffe einer polnischen Versammlung, welche im April 1881 stattgefunden und zu einer ähnlichen Vorstellung an die Regierung geführt habe. Er sei da« Endglied einer Reihe von Vorgängen, welche die ganze Agitation in ganz anderem Lichte erscheinen kaffen, als eS nach den Aeußerungen der polnischen Abgeordneten im Parlamente sich darstelle. Die Agitation gehe nicht nur auf die Wiederherstellung des polnischen Reich» hinan», e» würden auch nach dem göttlichen und historischen Berufe der Polen alle an er« fremden Volkrstämme innerhalb größerer Nationalitäten in den Bereich der Agitation zur Wiederherstellung ihrer nationalen Rechte gezogen. Die Wiener Traktate hätten allerdings die Erhaltung der pol­nischen Nationalität garantiert, natürlich unter der Vor­aussetzung, daß die Polen in der unwiderruflichen Zuge­hörigkeit zu Preußen die Grenze der Bethäiigung ihrer Nationalität anerkennen, wie da» auch im Landtagsabschiede von 1842 ausdrücklich ausgesprochen worden sei. Diese Grundsätze seien diejenigen der Verwaltung, von der Er­füllung dieser Bedingungen könne nicht abgegangen werden. Die Behauptung, daß die Bildung durch die Maßregeln der Regierung zurückgedrängt werde, sei nach den aner­kennenden Ausführungen der polnischen Preffe unrichtig. WaS die Erteilung des Religionsunterrichts anbelange, so

genommen.

Darauf begründet der Abg. vr. v. S t a b l e w « k i seinen Antrag, betreffend die Anwendung der Muttersprache al«

Mng seines Egoismus. Ernst konnte über eigentliche Mißhandlung nicht klagen, aber Demütigung« mancherlei

Art, da» geringschätzige, höhnische Benehmen seine» Vater», die veränderte VerkehrSweise der Mühlknappen und eine Menge anderer Dinge genügten, ihm da» Leben herzlich sauer zu machen. Die Mutter suchte ihren Liebling nach Kräften zu trösten, und e« gelang ihr da» auch teilweise, aber wa» vermochte die schwache Frau gegen die mtscbiedene Absicht Gebhart», seinen Sohn durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel unter seinen Willen zu beugen. So war e» eine freudlose Zeit, an Kummer uud Trübsal reich, die für Mut er und Sohn angebrochen war, und e» bedurfte der ganzen Willenskraft und Zuversicht beider, in dem stetigen Kampfe nicht zu unterliegen. Der Müller proklamierte laut in dem Dorfe die Verlcbung Annamarie» mit seinem Sohne, und wenn er auch nicht überall Glauben fand, denn Ernst widersprach dem auf da« Entschiedenste, so gelang ihm doch seine Absicht, die große Mmge von der Wahrheit zu überzeugen.

So standen die Angelegenheit« in der Mühle, al« eine» Morgen«, die Sonne war kaum aufgegangen und der Thau bedeckte noch da« prangende Sommergrün, Ernst bei der Linde stand und mechanisch eine ihm zugewiesrne Arbeit verrichtete. Da erschallte au» der Ferne, immer näher und näher kommend, eine wohlklingende Tenorsttmme, die durch da» Mühlgeklapper angeregt, da« bekannte Lied In die frische Luft htnau«sang:

,Da« Wände« ist de» Müller» Lust. Da« Wandern.

Da» müßt ein schlechter Müller sein, Dem utemal» fiel da» Wände« ein.

Da» Wände«.*

Bald erschien auch der frohe Sänger bei der Mühle, tz« war die» ein keck in die Welt hinauSsrhender, wohl-

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gekleideter junger Mann mit einem Rinzel auf dem Rücken, mittelgroß von Gestalt. Die klugen schwarzen Augen unter einer Brille verborgen und den Mund von einem hübschen schwarzen Schnurrbärtchen beschattet, sah man dem An­kömmling sofort den Bruder Studio an. Er war die» auch bi« vor kurzem gewesen. DaS wohlbestandene Staatsexamen hinter sich und da« Dekret als Amtsanwalt in der Tasche war er In die Welt gezogen, um sich nach Herzenslust einmalausbummeln* zu können, wie er sagte.

Benno Jäger, so hieß der junge Mann, schwenkte nun­mehr den Hut und rief dem arbeitenden Ernst ein laute«, fröhliche« »Guten Morgen* entgegen.

Emst dankte durch ein Kopfnicken und setzte seine Arbeit ununterbrochen fort.

Halloh! Herr Müller,* rief der ThemtSjünger und klopfte Ernst zutraulich auf die Schulter,Eie schein« mir nicht so fröhlich aufgelegt, wie e« einem Müller nach dem Liede ziemt.*

Kann sein,* seufzte der junge Mann.

Weg mit den Sorgen,* scherzte Jäger, indem er über­mütig lachte.Der Himmel strahlt so blau und die Sonne scheint so «arm, und die Vögel zwitschern so fröhlich, tuq die ganze Welt ist ja lustig, warum wollen Sie e« nicht sein?*

Ich werde wohl meinen Grund dafür hab«,* versetzte Ernst kühl und wollte in« Hau« zurückgehen.

So leichten Kauf« kommen Sie nicht davon*, rief Benn, und hielt den Foitstrebenden leicht zurück.Sagt mir wenigsten«, mein trauriger Herr Müller, ob ich bei Euch einen Imbiß erhalten kann. Ich bin h«te schon stundenlang gewandert die Kreuz und die Quer und hege herzliches Verlangen nach einem soliden Frühstück.*

«Fortsetzung folgt.)

Unterrichtssprache und die Erteilung des Religionsunter­richts in den Lehranstalt«. Der Antrag geht im einzelnen dahin, daß I. in den höheren Unterrichtsanstalten, Schul­lehrers eminarm und Mittelschulen a) die Muttersprache als Unterrichtssprache im Sinne der auf Grund der KabinettS- orbre vom 20. Mai 1842 erlassenen Ministerialinstruktion für die Schüler polnffcher Nationalität etngeführt, b) daß der katholische Religionsunterricht, welcher seit 10 Jahren an den meisten Gymnasien und Realschulen deS Groß- herzogtumS Posen In den oberen Klaffen teilweise, in den unteren gar nicht mehr erteilt wird, unter Aufhebung der Minlsterialderfügung vom 16. Nov. 1872 wieder hergestellt werde und zwar in der Muttersprache der Schüler, II. daß in dm Elementarschulen a) die Verordnungen vom 20. September 1872, 24. Juli und 27. Oktober 1873 und die sich daran knüpfenden Maßregeln, welche in allen Lehr­gegenständen die Muttersprache als Unterrichtssprache aus- schließm resp. einschränken, aufgehoben, b) daß die Er­teilung de» Religionsunterrichte« In der Volksschule überall nur in der Muttersprache ungesäumt angeordnet und alle dem «tgegenstehmdm Bestimmungen beseitigt werd«.*

Abg. Dr. Kolberg sprach vom Standpunkte Ost­preußen« und Masuren« seine Bedenken gegen die Nr. I, a. und b. und Nr. II. a. de« vorbezeichneten Anträge« au«, nur die Nr. II. b. hält er berechtigt. Im übrigen bean­tragt er, den ganzen Antrag der verstärkt« UntersuchungS- kommisstvn zu überweisen.

Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst führt an«, daß die polnische Nation eine schonende und mild- Behandlung ver­diene. Zu Deutschen werde man die Polen durch die An­wendung kleinlicher Maßregeln doch nicht mach«. Worum behandle man in Preußen die Polen nicht wie in Oester­reich? Die Mißhandlung, welche den Pol« zu teil werde, gestalte fich noch drückmder durch die Ausführung seitens der unteren Organe; dazu komme die Zurücksetzung der Pol« in der Verwaltung. Wie könne man da Syrn- pathieen der Polen für dm Staat verlangml Billig und recht sei e«, die Beschwerden der Antragsteller gründlich zu prüfen; er empfiehlt die Ueberwelsung de« Antrages an die Unterrichtskommission.

Abg. Tiedemann erklärt einleitend, daß er al- ge­borener SchleSwlg-Holsteiner, in Erinnerung an die Dänen­herrschaft, Sympathlem für jede« Volk habe, da» für Er­haltung seiner Sprache kämpft. Auch giebt er zu, daß man in Kleinigkeiten vielleicht etwa« zu weit gegangen sei, namentlich in der Umwandlung polnischer Ortsnamen. Aber in bezug auf die Schule sei da» durchau» nicht der Fall. Herr v. Schorlemer spreche über Dinge ab, die er offenbar nicht kenne. An einer Reihe von Thatsachen weist der Redner nach, wie die deutsche Verwaltung in Wirklichkeit der polnischen Agitation gegenüber sich in der Defensive befindet.

r Die Mühle» Sötte«.

Kriminalnovelle von ®eorg Höcker.

Geduld, nur Geduld*, rief der Müller ingrimmig, ,ber Bursch soll Dein werden, oder der Erdboden soll sich «uflhun, mich zu verschlingen.*

Ein Mann, ein Wort', rief frohlockend die Dirne und streckte ihm die Hand entgegen.

Ein Mann, ein Wort*, entgegnete der Müller,denn ich habe eS Dir geschworen und wenn er trotzt*, fügte er, bie Faust ballend, hinzu,dann soll da« Dorf etwa« erleben.'

Was wollt Ihr beginnen?* riefen Vater und Tochter Skspannt.

L,ßt mich*, wehrte der Müller ab und wandte sich Wm Gehen.WaS ich Euch geschworen habe, halte ich M, daS übrige wird die Zukunft lehren.*

III.

Verwicklungen.

Berlin, den 14. März.

Das Herrenhaus erledigte dm Gesetzentwurf über die Verla, gerung des für Lehen in den Provinzen Sachsen r gefii 8ttb Brandenburg verlängerten Wahlrecht« um fernere zwei «in 5 Z^hre und nahm bezüglich der Petition der Allodial-Erben H tes früheren Kurfürsten von Heffen den Kommissionsantrag en, welcher dahin geht, die Litte der Allodialerben um -' Aushändigung eines enisprechenden Teil« der in Sequestra- _____j tion vereinnahmten Revenuen der Regierung zur Erwägung -----zu überweisen. Finanzminister Scholz hatte sich lebhaft zkgm den Kommissionsantrag ausgesprochen, »eil der An­trag keine praktische Bedeutung habe und ein versteckte» :rea Mißtrauensvotum gegen die Regierung enthalte.

igen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrieteS LomrtagSblatt" durch die Expedition (Jt o ch'sche wert, durch die Postämter deS Deutschen Reiche« 8 Mark 50 Pfg. (exel Bestellgebühr.) JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf>.

Für in der Expedition zu ertheilmde Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.

W ^.Annoncen-Bureaux ' "Dietrich u. Eo. in I' unb Hannover; Th. in Frankfurt LM; «x- . fSein U. Vogler in Nr-2 S--L Berlin, Köln ic.; Rudolf i« Berlin, Frank- surt a. M. k.

Anzeigen nimmt entgegn: die Expedition d. Blatt»«, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. k. Daube u <e. ix Frankfurt a. M; Fiaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; 3n»elibenbextii Berlin; W. Xbiette? ix Elberfeld: E. Schlotte tx Bremen.

In der heutigen (48.) Plenarsitzung bt« Abgeord­netenhauses begründete zunächst Abg. Graf seine äjolution, worin die Regelung der Gemeinebesteuerung rem sm die hohenzollernschm Lande al« dringend bezeichnet und erungi tine Vorlage für die nächste Session gewünscht wird. Der ÜiegierungSkommiffar Geh. Rat Nöll erklärt, daß die Regierung sorgfältig erwägen werde, ob die gewünschte cr 2Ci Siegelung sich abgesehen von der GemeindeverfaffungSfrage ^^ermöglichen lasse. Abg. Schmidt (Sagan) spricht fich mrtbei Dichaus zustimmend zu der Resolutian au«, während der A Sbg. Frhr. v. Minnigerode hervorhebt, daß die Sache 8 doch nicht so klar und einfach liege, daß man ohne nähere Prüfung des Gegenstandes der Resolution zustimmen liiwe. Die Resolution wird inbe» von der Mehrheit an«

War bisher da« Verhältnis zwischen Vater und Sohn Wtt erfreuliche« zu nennen gewesen, so wurde e< nun durch ^8 Zerwürfnis ein geradezu feindliches. Ernst hatte eine . Me trüber Tage zu überstehen; nicht daß der Müller 100» tzagte, wie er ihm anfänglich angedroht, ihn von Haus und W zu jagen dazu fehlte ihm die Macht, denn seine |»tttn halte al» eigentliche Erbin gleichen Anspruch auf da» Uitzlum aber e» ist etwa« Allbekannte«, daß e« in der *Mt eine» jeden Menschen liegt, seinem Nächsten durch

Sn dem mit dem 1. April beginnenden II. Quartal 1883 ersuchen wir die Bestellungen auf die

Oberhessische Zeitung

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i M Postagenturen befinden, können die Zeitungen auf den f gurcaux abgeholt werden und ist dann die Zahlung von ___J gtstellaeld nickt erforderlich.

' "t Die Oberhessische Zeitung mit Sonntagsblatt kostet n Bit« vierteljährig Mark 2,50 und da« Bestellgeld noch weitere cht. Ci 40 Psg-

'2T. » Die Expedition der Oberhess. Ztg.

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