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Marburg, Sonntag, 11. März 1883.
XVm. Jahrgang.
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«arm Liebesblick auf den eben au« der Mühle tretenden, schlanken, jungen Mann werfend, der sich ihnen langsam näherte. ,
«Bleib fort,* rief ihm der Müller barsch entgegen.
Der Sohn blickte schmerzlich überrascht auf, aber er gehorchte und begab sich in« Hau« zurück.
Der Alte erhob sich zornig und schritt unmutig vor der Bank auf und ab.
„Da siehst Du'«,* rief er seiner Gattin zu, „wie er sich duckt, Dein Herzenssohn, man hätte mir so kommen sollen. Großer Gott und wäre e« mein eigener Vater gewesen.* —
Der Sprecher brach plötzlich ab, und wurde blutrot im Gesichte.
s^rou Lisbeth stand nun gleichfalls auf, nahm ihr Strickzeug zusammen, faßte den geleerten Krug, und ging trüben Antlitze« mit schweigendem Kopfschütteln dem Hause zu.
In der Wohnstube traf sic ihren Sohn, der den Kopf auf bebe Hände gestützt finster in sich gekehrt dasoß. Er blickte nicht auf, al« Frau Li beth hereintrat, und selbst al- sie neben ihm stand und ihm da« wir« geleckte Haar aus ret Stirne strich, war ein tiefer Seufzer alle«, wa« er hervorbrachte.
«Fasse Dich, mein Sohn,' redete die Mutter ihn liebreich an, „der Vater meinte e- nicht so böse.* . «Der Vater I' rief der Jüngling schmerzlich au« und schlug beide Hände vor daS Gesicht. „WaS habe ich ihm denn gethm, daß er mich so mit seinem Haste verfolgt?'
„Du thust Deinem Vater Unrecht, lieber Ernst,' ver« wie« ihm die Mutter sanft, „er ist heftig und anfbrausend, und hängt sehr von Stimmungen ab, aber glaube mir, er liebt Dich dennoch herzlich.' (Fortsetzung felgt.)
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welcher die eigenhändige Unterschrift unsere« Deutschen Kaiser« trug.
Eben wollte ich mit dem Lesen desselben beginnen, alber Negu« rief: „Verzeih, laß mich vorher bett Brief sehen!' Ich beeilte mich, da- Schreiben dem Negu- wieder zuzustellen. Jede Seite wurde nun genau untersucht, 6e» sonder- aber da- große Staatrfiegel gemustert. „Frankreich hat auch einen Adler im Wappen* — hob der Kaiser wieder an. — „Ja, sagte ich, „e- hatte vorübergehend dieses Wappenzeichen unter der Herrschaft der Napoleoniden.* „Warum sind gewiste Worte im Briefe besonder- schön und größer geschrieben?' fragte dann der NeguS und dabet zeigte er auf die Worte „Wilhelm* und auf seinen eigenen Namen „Johannes'. Ich erklärte ihm, daß der Künstler die Namen des deutschen Kaiser« und König-, der Könige von Aethiopten stet« durch besondere kalligraphische Schön- heilen hervorgehoben hätte. „Da« ist eine große Aufmerksamkeit, welche früher auch in Habesch (Abessinien) S'ttc war', bemerkte er. „Ihr Kaiser ist ein wirklicher Kaiser* fuhr er fort, „er ist Negu« Negesti von Deutschland, wie ich e« jetzt von Abessinien bin, denn man hat mir gesagt, daß viele Könige unter dem Kaiser von Deutschland regieren. „Da« ist vollkommen richtig, Majestät, die Fürsten Deutschlands erkennen im Kaiser ihre« obersten Kriegsherrn."
In dieser Weise spann sich da« Gespräch noch eine zeitlang fort und der Kaiser von Abessinien gab einig- wunderbare Proben seiner Kenntni« in politischen Dingen zum Besten. „Wie ist e« möglich, rief er, daß da- englische Reich das größte der Welt ist? Man sagte mir doch jüngst noch, Griechenland sei da« mächtigste Reich, mächtiger sogar noch al« Rußland, welche« wir Abessinier bisher für da« mächtigste Reich hielten. Ist e« also nicht wahr, daß Griechenland die Türken gezwungen hat, mit Rußland Frieden zu schließen und ganze Königreiche abzu- treten?" Der Negu« lenkte da- Gespräch, nachdem er durch den Dollmetscher kurz orientiert worden war, dann auf religiöse Angelegenheiten; al« er aber sah, daß ich keine«, weg« gewillt sei, mich mit ihm aus dem Gebiete religiöser Erörterungen zu tummeln, gab er mir den Brief, um ihn vorzulesen. Da« that ich denn auch laut und mit Betonung, während Schimper Satz für Satz übersetzte und später den Brief in amharischer Schrift zu Papier brachte. Hierauf reichte ich den Kaiserlichen Brief zurück. Der NeguS Negesti dankte und sagte dann: „Die deutsche Sprache ist sehr wohltönend*. w
Soweit Gerhard Rohlf«, dem der Negu« vor Schluß dieser Audienz noch gestattete, die persönlichen Geschenke, die er mttgebracht, ihm zu überreichen.
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Ein schöner Sommerabend war e«. Die Sonne war * Abschiedncbmen begriffen und die gefiederten Sänger id«en es bereits vor, ihr Hotel garni aufzusuchen, als der Füller, eine untersetzte, kräftige Gestalt mit buschigen Augenbrauen und stechendschwarzen Augen au« der Hausse trat und sich nach der Bank begab, die vor dem inoM untcr einer hockwipfliaen, duftendm Linde Huf« gj r?Unfl gefunden hatte. Ihm folgte, einen Krug schäumen- Bieres in der Hand, da- Körbchen mit dem Strickzeuge 2? Arme, Frau LtSbeih, seine rundliche, gutmütig in die schauende Gattin.
sNachdruck verboten.)
Die Mühle« Sötte«.
Kriminalnovelle von Georg Höcker. I.
Vater und Sohn.
Woher er kam und woher er stammte, wußte niemand so recht anzug-ben. Thatsache war nur, daß er eine« Tages im Dorskrug erschien, übermäßig lustig und frei» Big gethan und gefragt hatte, ob e- keine Arbeit für ihn zebe im Dorfe. Da er da« Müllerhandwerk erlernt halte uns des DorfmüllerS Mühlknappe vor kurzem auf die Wanderschaft gezogen war, fanv er bereitwilligen Unterband. Der Me'st.r mußte mit ihm zufrieden sein, beim "ach Jahr und Tag verband er sich den G sollen, der sich 8r nz Gebhart nannte, näher und gab ihm Lisbeth Werner, '‘in einzi .es Töchterlein, da- ihm seit dem Tode der Gattin "k Wirtschaft führte, zum Eheweibe. Seitdem waren Jahre "ttqanacn. Der alte Müller «ar seiner Gattin in ein "'ffares Jenseits nacbgefotgt und Gebhart hatte die Mühle
Eigentum übernommen, in der bereit« sein Sohn M, ein kräftiger, zwanzigjähriger Bursche, nach Kräften »ilhaif.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureanx een <8 8. Daube u 6«. in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung oaselbü; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin: SB. lUiene* in Elberfeld; 6 Schlotte in Bremen.
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besten Kleider an, ließen unsere Maultiere besonders schön satteln, und um 8 Uhr morgens ritten wir, begleitet von einer Zahl unserer Diener, welche bewaffnet waren, während andere die Geschenke trugen, nach der kaiserlichen Residenz hinauf. Der NeguS Negesti (das ist der Titel des Kaisers) empfing mich mit demselben Zeremoniell wie tag« zuvor, nur diesmal in Gegenwart de« obersten Geistlichen Abessiniens, der ein große- Kreuz aus massivem Golde in der Hand hielt. Freudiges Entzücken malte sich auf dem Antlitz des NeguS, al- ich ihm den in einer rotsamtnen geschmackvoll dekorierten Mappe ruhenden Brief deS Kaisers von Deutschland überreichte. Der Herrscher AethtopienS liste die schwarzweißrotseidene Schnur, welche die Umhüllung zusammenhielt, und jetzt, auf weißem AtlaS liegend zeigte sich seinen erstaunten Augen der auch äußerlich prachtvoll auS- gestattete kaiserliche Brief. Der Umschlag von blauem Papier, wie alle die, welche von unserem erhabenen Monarchen aur- gehrn, enthiett in goldenen und buntgemalten Buchstaben die Aorrffe: „An Johanne-, König der Könige von Aethiopten, Majestät.*
„Da- ist ein kaiserliches Schreiben I* rief der NeguS entzückt aus, indem er den Brief hervorzog und das rote Siegel betrachtete, welches jedoch durch die fürchterliche Hitze am Roten Meer ganz den Wappeneindruck verloren hatte. Der Negu«, die- bemerkend, stellte dann sofort die — von Schimper verdolmetschte — Frage: „Aber hat Deutschland denn kein Wappen wie England und Frankreich?" „Ja", erwiderte ich, „aber die Hitze hat da- Siegellack geschmolzen; inde- werden „Djanhot" (d. h. Ew. Majestät) in dem Briefe selbst daS große Staatsstegel Deutschlands, welches das meine- gnädigen Herrn ist, finden." Der Negu« warf triumphierende Blicke auf seine abessinische Umgebung, als wollte er sagen: Seht Ihr die- Schreiben, welches der mächtigste Monarch Europas dem mächtigsten König von Aethiopien sendet? Habt Ihr nun alle begriffen, daß ich wirklich der von Gott AuSerwählte bin? Er drehte den Brief wiederholt hin und her, jede Einzelheit schien ihn zu interessieren, dann übergab er ihn dem Etschegen, damit auch dieser die kostbare Umhüllung bewundern könne. Endlich wagte ich die Frage, da daS Bewundern gar kein Ende nahm: „Wollen Majestät nicht den Brief öffnen, damit ich ihn lese und der Dolmetscher ihn übersetze?" Der Kaiser sah mich an, drehte noch einmal den Brief um, ja, er schien eine gewiffe Angst zu empfinden. Dann schnell zum Dol- metscher sich wendend sagte er: Bitte Herrn RohlfS, daS Siegel zu erbrechen und dann mir Satz für Satz den Brief vorzulesen. Ich nahm also daS kaiserliche Schreiben wieder au« seinen Händen entgegen, zerbrach mit großer Langsamkeit, mit einer gewiffen Feierlichkeit daS Siegel und entfaltete den auf großen Quartfeiten kalligraphterten Brief,
Gebhart setzte sich und horchte wohlgefällig auf den regen Gang der Räver.
„Wieder viel zu thun," sagte er mit rauher Stimme, „die Ernte war gut, da» merkt man besten au« dem Rädergetriebe. Srtz' Dich, Alte," fuhr er fort, einen kräftigen Zug au« dem dargereichten Humpen thuend.
Die Gattin willfahrte ihm, und der Müller begann: „Du weißt, wir beide sind alt geworden iw den Kämpfen de« Lebeff«, in harter Arbeit, und dürfen un» e« wohl erlauben, unsere Lebm«tage in Frieden zu beschließen."
Seine Gattin nickte ihm Beifall zu und schaute ihn erwartungsvoll an:
„Aber was soll au« unserer Mühle werden," fuhr der Alte nach einer Weile gedankenvoll fort.
„H'ben wir nicht einen Sohn ?* wagte Liesbeth schüchtern rinzuwenden.
„Ja e«"en Träumer, einen Phantasien," begann der Müller zornig aufzubraus n.
„Du bist hart," widersprach die Gattin mit größerer Bestimmtheit. „Ist er Dir nicht eine kräftige Stütze bei der Arbeit und spornt er nicht die Knappen durch seinen F.eiß zu regerer Arbeit an?"
„Schon gut,' wehrte ver Müller ab, und stärkte sich durch einen kräftigen Zug au« dem Kruge, „aber er ist kein Mann, er h tt keine Energie, waS thue ich mit allem Fleiße, wenn nicht« dahintersteckt. Arbeiten kann mir am Ende jeder bezahlte Knecht, aber umsichtig mich vertreten, und im Noifalle silbst meinen Zorn nicht scheuen, da- vermag eben kein Träumer.'
Die Gatin schlug erstaunt die Hände zusammen, „Mann l Mann! wohin führt Dich Deine Abneigung gegen unser Kind,' rief sie vorwurfsvoll au«. „Seine kindliche Nachgiebigkeit und liebenden Gehorsam nennst Du Schwachheit, und et ist doch so gut, so brav,' fuhr sie fort, einen
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Berlin, den 9. März.
In der heutigen (45.) Plenarsitzung be« Abgeordnetenhauses kam zunächst bet Gesetzentwurf, betreffeub bett Erlaß polizeilicher Strafverfügungen, in britter Beratung zur Erlebigung.
Im § 1 ist baS Maximum der festzusetzenden Geldstrafe nach dem Beschluffe zweiter Lesung auf 30 Mk. bestimmt. (Nach der Vorlage betrug dasselbe 50 Mk.) Der KommisstonSbeschluß beruht auf einem in der Kommission ju staube gekommenen Kompromiß, dem die Regierung zustimmt. Heute wiederholte indes Abg. Westerburg den In zweiter L.sung gleichfalls gestrichenen Antrag, daS Maxi- mum auf 15 Mk. herabzusetzen. Der Antrag de- Abg. Westerburg wurde jedoch mit 166 gegen 146 Stimmen ab- gelehnt, so daß eS bei den Beschlüffen zweiter Lesung verbleibt.
Zu 8 2 beantragt der Abg. Hammacher, die berg- polizeilichen Verfügungen au« dem Gesetze wieder zu entfernen. Nach längerer, von dem Abg. Hammacher, dem R-giernngSkommiffar Heyden, den Abgg. Ryesch, Hahn, Reichenspcrger und DouglaS geführter Debatte wird der Antrag Hammacher mit 178 gegen 154 Stimmen angenommen, dann 8 2 mit diesem Anträge genehmigt. $ 12 wird gestrichen. Der Rest der Vorlage wird ohne Debatte mit einer von dem Abg. von Cuny beantragten Aenderung, den Einführungstermin auf den 1. Juli 1883 festzustellen, definitiv angenommen. Die Abgg. Klotz und Clausewitz werden als Mitglieder der Staatsschulden" Kommission wieoergewählt und mehrere RechnungSvotlagen ohne Debatte erledigt. Die Vorlage über die Verlängerung der Frist für die gesetzliche Regelung der Vorschriften über den höheren Verwaltungsdienst bis Neujahr 1877 wird in erster und zweiter Lesung ohne Debatte angenommen.
DaS Gesetz, betreffend da« Staatsschuldbuch, wird an eine Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen. Nächste Sitzung morgen; Tagesordnung: Kölner Bahnhof, kleinere Vorlagen.
An Schreibe« Kaiser Wilhelm» a« de« Kaiser da« Abesfiviea.
Die nachfolgende ergötzliche Schilderung entnehmen wir den Aushängebogen des demnächst erscheinenden Werke«: »Meine Mission nach Abessinien*. Auf Befehl Sr. Majestät des Deutschen Kaisers Im Winter 1880/81 unternommen von Gerhard Rohlf«. Mit 20 Separat- bildern unv 1 Karte. Leipzig. F. A. Brockhau». 1883. »Am folgenden Tage sollte — schreibt Rohlf« — die eigentliche feierliche Audienz, die Ueherretchung de- kaiserlichen Schreibens vor sich gehen. Früh zoaen wir daher unsere
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