XVIII. Jahrgang
Marburg, Freitag, 2. März 1883.
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(Fortsetzung folgt.)
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des Papstes. Der Minister müsse de» gegenüber Stellung nehmen und da» Interesse de» Staate« mit Nachdruck vertreten. Die konservative Partei möge der Sisyphusarbeit entsagen, die Interessen der katholischen Kirche mit denen des Staates zu versöhnen. (Beifall link«; Zischen im Zentrum.)
Abg. Stroßer erkennt an, daß der Kampf um die Schule allerdings die Hauptsache im Kulturkämpfe sei. Das wissen auch rie Liberalen sehr gut, welche unter dem System Falk sich die Schule in die Hände gespielt haben. Wir müssen sie wieder zurückerobern. (Sehr gut! im Zentrum.) Nach der Geschichte und nach der Gesetzgebung gehöre die Schule unbestritten der Kirche, und so müsie es auch ferner bleiben. Die Zahl der Simultanschukn sei unter Falk bis auf 442 gestiegen, hier müsse Wandel geschaffen werden. Wo keine zwingende Notwendigkeit vorliegt, müßen die Simultanschulen wieder in konfessionelle umgewandelt werden. Gerade die Simultanschulen hätten die konfessionellen Gegensätze verschärft. Der finanzielle Gesichtspunkt könne in der Schulfrage nicht allein maßgebend sein; das religiöse Moment sei daS wichtigste für den gesamten Unterricht. Redner verweist auf dir au» dem Simultanschulwesen hervorgegangenen Uebelstände für den Unterricht und erklärt zum Schluß, daß man flch konservativerseits dieser Einrichtung energisch widersetzen und versuchen werde, die Schule in ihrer Konfesstonalität wieder herzustellen.
Abg. Perger (Zentrum) glaubt nicht, daß irgend jemand besondere Veranlaffung habe, die Maßnahmen de« Ministers aus dem Gebiete der Unterricht-Verwaltung zu bereuen. Er beschäftigt sich sodann von feinem pädagogischen Standpunkte mit der technischen Einrichtung und der Leistungsfähigkeit der Elementarschulen und mit deren Mangelhaftigkeit. ES scheine, als ob die Oberklasien nur noch selten von den Schülern erreicht werden, waS man zu beseitigen suchen müße.
Abg. Seyffarth (Liegnitz) will die Mittel für unser Elementarschutwesen gern bewilligen, denn fast 95 Prozent aller Kinder erhielten dort ihren Unterricht. Nicht Rousseau- sche, sondern Pestalozzische Grundsätze würden in unseren Schuten verfolgt. Ein Rückgang sei in unserem Schulwesen nirgends wahrzunchmen, die Rekcutenprüfungen ergeben das Gegenteil. Es sei ungerecht, der Simultanschule zum Vorwurfe zu machen, daß ste die Religion untergrabe, oder ihr geradezu Verderben anzudichten. Der Religionsunterricht solle nicht aus der Schule verdrängt werden, aber die Simultanschule solle dazu beitragen, die tiefe Kluft, welche unser Vaterland durchschneidet, zu überbrücken. Leider sei da« Gift deS Zwiesp Utes diesem srtedlichen Streben nicht sehr förderlich; aber in Nissan habe daS Simultanschulwesen bereits segensreiche Früchte getragen. Er habe Swul- männer gesprochen, welche die Entwicklung deS Simultan-
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„Löken, heißt e«. Verwechsele daS doch nicht, sagte der Kolibri. „J>, wir freuen unS. DaS ist wie erquickender Erogeruch der Nahrung gebenden Erde nach Salon-Parfüm, ö Ticfenlehm, wie vermissen wir Dich unter diesem Fran« zöstsagcpabbel. Merk' auf, Tante Gudula. Heute be- kommst Du Männer zu sehen. Jcksen und die Reiter abgerechnet, welche sich gerade trainieren, gelten zwei Zentner «l« Durchschnittsgewicht. O wie glücklich bin ich, die illtn Freunde wieder zu begrüßen. Denn die Tiefenlehmer Renn-Karawane ist angekommen. Deine Favoriten haben ■« satt, Tarne Gudula."
Ja ste kamen, Texin und Rexin und Loxin und der Torgelower und der Porgelower und der Langenmützer °r>d Hohenschnützer und Han« Klump von Großen Pumpelow und wie sie hießen. Da warm auch Jcksen«. Große, große ^«zrüßung. „ _
Der Kolibri weidete sich an Gudula« Erstaunen. Sie folte selber einst über dir „Oger«' die Augen aufg riffen.
»Nun und wer noch? Auch einer?" sagte Gudula krznettierend, als Reginald mit einem neuen Fremden hrrrintrat. , m ,
»Auch einer, Oberst a. D.; Hirnbesitzer mit Beethoven reden, Menschenreiter, großer Reiter und so weiter, Isolde schlängelte davon.
Reginald stellte der Prinzessin seinm Freund vor. ®utula kam gleich darauf zu Schwanhild.
»Schwanhild! Wer ist da«?"
»Herr vcn Hardenmut."
,Welcher Herr von Hardenwut? Gibt r« mehrere?
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»Eh, ehl" näselte etwas verwirrt der sehr unwiffende und "taktlose junge Prinz. „Ich habe Ihren Herrn Cousin gefragt, ob er schon wiffc, daß seine schöne Geliebte, die Marquise Mirablanc sich endlich seinetwegen getröstet habe und mit eitum dicken Tenor nach Madrid gereist sei?"
Der Kolibri wurde blaß, aber lachte und sagte: „Ihre alten Kamillen, Prinz. Und da« soll Ihre neuste Pikanterie sein? Nun, Reginald, so kann Dir ja ein Stein vom Herzen gefallen sein, da die schöne Ariadne einen Bacchu« gefunden. Kommen Sie einmal mit mir, Herr von Hardenmut, ich zeige Ihnen,etwas was Schwanhild mit dem Bleistist zeichnend gesündigt hat."
„Nein, nein," eiferte der Schwan und diese Konversation hatte ein Ende.
„WaS hat denn dieser vierschrötige Herr eigentlich zu mir gesagt, Ding« da, Ihr Freund?" fragte Schnobbrich Reginald.
„Er griff mir vor und fragte erstaunt, wie man Sie ohne Aufsicht herumgehen lasse, daß Sie dergleichen vor meiner Schwester schwätzen könnten."
„Hähähähä! Welche Dummheit I Ich schere mich dm Kukuk um meinen Gouverneur. Diesmal habe ich aber doch Ihr Fräulein Schwester ordentlich geärgert."
„Mit der Gefahr all Ihren Witz zu verlieren."
„Hä?"
„Mit Ihrem Hirn, Prinz."
„Da« geht nicht so leicht. Ich komme nicht leicht in Verlegenheit; ich bin sehr schlagfertig." Reginald drehte
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Nein. Unser GutSnachbar."
„Dein Reitlehrer? Ich denke, ein Oberst en retraite, ein grauhaariger, schnauzbärtiger, alter Landsknecht?"
„Wie so? Er war Oberst, trägt einen Schnurrbart und hat in fremden Landen gedient. Da» haben wir Dir ausführlich geschrieben."
»Dies ist aber noch ein junger Mann," sagte Gudula förmlich entrüstet.
„Er ist vierunddreißig Jahr. In Südamerika scheinen die Obersten nicht so alt sein zu müßen, wie bei uns. Er bekam, glaub' ich, schon mit vierundzwanzig Jahren
Titel."
„Und er ist e«, der eine Mulattin in Amerika — —
»Nein, nein, daS war ein Irrtum. Er ist unverheiratet, wir sich schließlich herauSgestellt hat."
„So? Wa« Du sagst."
„Ja, wir waren auch sehr überrascht. E« ist Reginald» Freund Beowulf." _ , , ... .
->mmer interessanter," und Gudula nahm, sehr agitiert, Hardenmut auf« Korn. Sir selbst liebte fortwährend neue Bekanntschaften zu machen, war aber sehr eifersüchtig auf ihre Freunde und sah rin Gleiches bei diesen nicht gern. Sir sucht« den Kolibri auf, aber diese entschlüpfte ihr mit den Worten: „Verzeihe einen Augenblick. Aber da macht Prinz Schnobbrich sicher eine Dummheit und ich muß vorbauen, daß er nicht übel anrennt.
Gudula schaute; Isolde stand schon zwischen dem Prinzen, Reginald, dem Schwan und Hardenmut unv warf sich auf« geradewohl ins Gefecht.
Sie kennen unseren durchlauchtigsten Prinzen noch nicht" Herr von Hardenmut. Nil admirari ist dann schwer. Was haben Durchlaucht so eben zum besten gegeben?"
den Landpostboten, entgegengenommen.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie ».Annoneen-Bureanx »on<8. r. Daube u. 6e in Frankfurt «.31.; Jägersche Buchhandlung daselbit; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank iü
Berlin; SB. Thiene« in
Elberfeld; 6. Schlotte in
Bremen.
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anerkannt worden; das könne der Kirche nicht durch ein- i
fache Verfügung genommen werden. Die Stellung des i
katholischen Klerus zu ihren geistlichen Oberen sei unver- I
ändert dieselbe geblieben; der Kleru« habe sich trotz aller <
Verlockungen und Bedrückungen bewährt. Wenn die Re- ।
gierung auch teilweise eingelenkt und einen Teil der Geist- ,
lichen zur Erteilung deS Religionsunterrichtes zugelaßen habe, so sei doch im großen und ganzen an dem bisherigen Zustande nur wenig geändert, in tmmchen Bezirken sei sogar alles beim alten geblieben. Zudem sei niemand sicher, daß nicht daS Falksche System einfach wiedcrkehrt. Der Staat sollte die Kirche stützen, und alles thun, sie zu erhalten. Sehr mißlich stehe es auch mit den katholischen Unterrichtsbüchern. WaS für den Religionsunterricht zweckmäßig sei, könne doch nur der Geistliche bezw. die Kirche, nicht aber der Staat beurteilen. Man könne doch die Religion nicht zu einer toten Wißenschaft machen. Die Religion erhält ihr Leben durch die Kirche, nicht durch den Staat. Der letztere möge vor allen Dingen für eine zweckmäßige Schuleinrichtung und dafür forgen, daß die Religion lebendig erhalten bleibe. , „ n
Abg. Seyffardt (Crefeld) erblickt in dem Anstürme gegen die Stmultanschulen und besonder» der Crefelder nur eine Vergewaltigung unserer bisherigen Unterrichtsmaximen. Eine kleine Wendung zum Besseren sei allerdings in der letzten Zeit wahrzunehmen gewesen. Die Stellung des Kultusminister« in der Schulfrage fei gegen stüher eine etwas veränderte geworden. Der Minister habe ausdrücklich erklärt, daß feine Sympathien tn dem kirchen- politischen Kampfe nur reichen bis an die Grenze der Gesetze. In dieser Beziehung befinde sich der Minister im Einverständnis mit der überwiegenden Majorität dieses Hause». Aber e« scheine, als ob die Verwaltungsorgane nicht immer in der Lage seien, der Direktive des Ministers zu folgen. Im vergangenen Jahre sei mit einem Schlage allein 103 Geistlichen im Regierungsbezirk Düßeldorf die Schulaufsicht übertragen, von denen nicht einer die auf dem Schulgebiete erlassenen Gesetze anerkennt oder anerkennen kann. Zu Wächtern der Gesetze Männer zu bestellen, die diese Gesetze nicht anerkennen, sei doch etwas stark. (Sehr wahr! links.) Die Rehabilitierung der Geistlichen als Lokalschulinspektoren habe im Westen große« Aufsehen erregt (Widerspruch im Zentrum), daS noch verstärkt sei durch die Rede de« Abg. Windthorst in Düffeldors, der den Kampf um die Schule al« weitere« Ziel bezeichnet habe. E« sei dies rin ominöse« Zusammentreffen gewesen. Die Sonne der VolkS- gunst hatte einmal den Fuchs auS seinem Bau hervorgelockt (Heiterkeit); heute rufe man dem Minister bereit« zu, kein Mann von Ehre könne sich den genannten Gesetzen unterwerfen. Wenn der Minister sich dieses vergegenwärtige, dann werde er anerkennen müßen, daß eS flch heute darum handelt, alle Autoritäten preiszugeben gegen die Autorität
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Buchdrucker") b„ ^ebition >u ertbeilenbe AuKunst und Annahme von Adressen «erden 85 Pf«, berechnet.
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Berlin, den 28. Februar.
-»rt der heutigen (37.) Plenarsitzung de- Abgeord- »ktenhaufeS wurden die Beratungen de« KultuSetatS bei kavitel 121 (Elementarunterrichtswesen) fortgesetzt.
Bei Titel 1 (Besoldungen) kommt Abg. Dr. v. Stab- Itwäti auf seine alten Beschwerden über da» Schulwesen viück. Von einer Aenderung de« Systems sei in den Aichen Provinzen nicht« zu merken. Die Simultanschulen ilirben trotz der großen Mißstände bestehen. Da« Falksche mein sei in der Schule noch keineswegs gebrochen. Katho- Me Geistliche würden noch immer von der Lokal - Schul- illsvektion ausgeschloßen. Der Staat nehme noch immer " iür sich allein da« Recht in Anspruch, die Erziehung de« Welker allein in der Hand zu behalten und die Kirche IT- ton auszuschließen. DaS Falksche Unterricht«system müße Mweiselhaft zur Revolution führen (Rufe links: Ohol), denn dieses System beruhe auf den Ideen Roußeaur, über »eiche die Geschichte gerichtet hat. Bei un« sei e» heute schlimmer, wie in Sparta, wo man die Kinder nur den Atem konfiszierte; hier konfisziere man fie sogar der Kirche, leim man verbiete sogar den Privatunterricht in der Religion. AuS allen Teilen de« Lande« würden denn auch bereit« Klagen laut über die zunehmende Verwahrlosung, id« die steigende Rohheit der Jugend. Redner wünscht bie Gründe kennen zu lernen, die r« veranlaßt, daß die latholischen Geistlichen polnischer Nationalität von der Schule systematisch ausgeschloßen werden. Dergleichen Geistliche dürften schon seit Jahren nicht mehr die Schule betreten. Ebenso erhebt Redner Klage darüber, daß in dem Regie- mngSkollegium in Posen kein einziger Katholik vorhanden ist, und daß die evangelischen Lehrer in der Provinz Posen im doppelten Verhältnis zur Schülerzahl stehen.
Abg. Stetnbusch (Zentrum) führt ebenfalls Klage .. .darüber, daß der Staat die Kirche von der Erteilung de« r Bl« Religionsunterricht« in der Schule ausschließe, obgleich es doch die Kirche gewesen, welche seit Jahrhunderten die geistige Kultur gefördert hat. Die Kirche müße die Er- t-ilung des Religionsunterricht« al« ihr unveräußerliche« , Recht in Anspruch nehmen. Diese« Recht, welche« seit Jahrhunderten bestanden, fei auch im Landrecht ausdrücklich