XVIIL Jahrgang
JUarßurg, Dienstag, fcO. Februar 1883
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Berlin, den 17. Februar.
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»Hypothekenordnung vollständig; doch liege el mitRück- M auf die Schwierigkeit der Aufgabe nicht in der Absicht Staatsregierung, eine Neuregulierung des Rheinischen Wothekeuwesens schon in kurzer Frist vorzunehmen. DaS Mc dem deutschen Zivilgesetzbuch Vorbehalten bleiben.
Abg. Schreiber hält die Staat-regierung für berechtigt, ohne vorherige Genehmigung des Landtags einzelne Bahnstrecken im Verwaltungswege außer Betrieb zu setzen.
RegierungSkommiflar Geh. Rat Rappmund bemerkt gegenüber den Ausführungen de« Abg. Büchtemann, daß bei der Aufstellung dieses Etat« ganz ebenso verfahren sei, wie e« in früheren Jahren unter Zustimmung des Landtag« der Fall gewesen. Regierungskommissar Ministerialdirektor Br ese ld wiederholt die in der Kommission abgegebene Erklärung bezüglich der Einstellung einzelner Eisenbahnstrecken. Die Regierung übernehme die volle Verantwortung für solche Einstellung; sie habe übrigens dem Landtage gelegentlich der Verstaatlichungsvorlagen genau die Strecken, ja die Züge angegeben, welche ste einzustellen beabsichtigte. — Abg. Büchtemann ist mit der Erklärung der Regierung unter gewisien Voraussetzungen einverstanden.
Abg. Schulz (Lupitz) führt aus, die Lage der Landwirtschaft sei eine sehr mißliche, und richtet die Bitte an den Minister, daß er die Frachtsätze für Kalisalze ermäßigen möge.— Abg. Frhr. v. Etckstedt-Peteröwaldt bittet im Interesse von landwirtschaftlichen, von den Bahnstationen entfernter wohnenden Besitzern die Abladcfristen (für Kohlen) wenigsten« in bestimmten Jahreszeiten etwas zu verlängern. — Abg. von Ludwig verallgemeinert den Wunsch des Abg. Schulz dahin, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten den Transport von Düngemitteln unterstützen möge. Auf seine Bemerkungen über die Berliner Kanalisation und den durch dieselbe herbeigeführten Verlust wertvoller Dungstoffe erwidert der Abg. Büchtemann, daß sobald nur ein Verfahren gefunden sein werde, die Ausscheidung der besseren Teile zu ermöglichen, man sicher bereit sein werde, dasselbe zur Anwendung zu bringen.
Auf Anfrage des Abg. Hammacher erklärt der Regierungskommissar Geh. Rat Fleck, daß, wenn auch ein allgemeines Einverständnis bisher leider noch nicht erzielt sei, doch in Aussicht zu nehmen sei, daß die seit dem 1. Januar in« Leben gerufene Güterstatistik in nicht zu ferner Zeit auf das Deutsche Reich werde ausgedehnt werden können.
Abg. v. Beaulieu-Marconnay bittet den Herrn Minister im Interesse der JmShäfen, die früheren Annahmetarife für Getreide und Mehl wieder herzustellen. Abg. Büchtemann hält diese Bitte für gerechtfertigt. Regierungskommissar Geh. Rat Fleck erklärt, daß gründliche Ermittelungen über diese Frage im Gange, aber noch nicht zum Abschlüsse gelangt seien. Abg. Büchtemann meint, die Thatsache, daß die Interessen der Landwirtschaft bei unserer Wirtschaftspolitik allzusehr berücksichtigt werden, werbe auch durch vorliegenden Fall bestätigt. Der Regierungskommissar Geh. Rat Fleck konstatiert dem gegen«
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über jedoch, daß seinerzeit auch Vertreter von HandelS- Jnteressen für Aufnahme jener Ausnahmetarife sich erklärt hätten.
Bei den Einnahmen aus den Privat-Etsenbahnen, bei welchen der Staat beteiligt ist- kommt Abg. v. Heyde- brand auf die in letzter Zeit mehrfach erwähnten Klagen über die hohen Tarife der Oberschlestschen Eisenbahn, namentlich aber der Rechten Ober-Uferbahn zurück, und er bezeichnet zugleich alle die Eventualitäten, welche dazu geeignet erscheinen, dieser Kalamität ein Ende zu machen. Schlesien habe keine Staatsbahnen und solle nun noch durch hohe Tarife geschädigt werden.
Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach bemerkt, daß die Verwaltung bei diesen Bahnen nicht freie Hand habe; besonders bei kürzeren Strecken sei die Regierung außer stände, mit Zwang etwas zu erreichen. Jedes zulässige Mittel aber werde die Regierung anwenden, um die berechtigten Wünsche der Bewohner jener, Gegend zu erfüllen. «Der Bau einer Sekundärbahn selbst zu dem Zwecke der Kohlenbeförderung würde, solange noch irgend ein anderer Weg ter Abhülfe möglich, eine Verschwendung von Staatsvermögen sein; die Bahn würde 60 Millionen Mark kosten. Die Regierung lasse inzwischen die Sache nicht aus dem Auge und hoffe, mit ruhigen, fortgesetzten Verhandlungen zum Ziele zu gelangen.
Abg. Dr. Meyer (Breslau) ist von der Erklärung des Herrn Ministers vollständig befriedigt, bekämpft aber die vom Abgeordneten von Heydebrand über das Eisenbahnwesen geäußerten Grundanschauungen.
Abg. v. LySkowski wünscht den Kohlentarif auch für kleinere Transporte herabgesetzt und betont, daß die Bodenproduktion des Ostens nur durch die Förderung der landwirtschaftlichen Industrie gehoben werden könne. Abg. Berger bestreitet bezüglichen Bemerkungen des Abgeordneten Heydebrand gegenüber die staatliche Bevorzugung des Westens vor dem Osten auf dem Gebiete des Verkehrswesens. Die Tarifbeschwerden hätte derselbe an daS Reichs - Eisenbahnamt richten sollen. Gründliche Abhülfe könne nur daS ReichS-Eisenbahngesch schaffen. Abg. D i r i ch- let hebt hervor, daß man die Vorteile, welche man der Landwirtschaft durch billigere Kohlentarife gewähre, derselben und namentlich der kleineren, welche nicht wie die großen Gutsbesitzer zugleich Waldbesttzer sei, durch Erhöhung der Nutzholzpreise wieder zu entziehen suche.
Die Einnahmen des Eisenbahnetats werden hierauf unverändert genehmigt. Bet den Ausgaben äußern die Abgg. Hammacher undBerger den Wunsch nach einer umfangreichen Aufbesserung deS Gehalts der Betriebssekretäre. Der RegierungS-Kommissar entgegnet, daß die Wünsche bereitwillig geprüft würden, zur Zeit aber liege
Zn der hmtigen (28.) Plenarsitzung de« Abgeord- "uuMtlenhauses begründete zunächst Abg. v.Kesseler die LebtInterpellation, ob eS in der Absicht der Staat«regierung c?r £,t bald und schon vor Publikation de« in der Bearbei- zu 2 w begriffenen ZivilrechtsbuchS eine neue Hypotheken- 9 ™,l6flung für den Geltungsbezirk des Rheinischen Zivilrecht« Mulegen. — Der Justizminister vr. Friedberg an* 'kannte die vom Interpellanten geschilderten Mängel der
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux Don ® L. Daube u Co in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung baielbfl; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendankin
Berlin; W. Thiene in Elberfeld: 6- Schlotte in
Bremen.
r zu vna gicrung beabsichtigt, eine kurze Eisenbahnstrecke (12 km) außer Betrieb zu setzen; der Redner hält daS nicht für ttntn reinen Verwaltungsakt, sondern die Zustimmung de«
ifTn nrfi Landtags in irgend einer Form für geboten.
n A rfei ^g. Dr. Hammacher hält bei der Natur deS Eism- iahnklals eine etwas niedrigere Einstellung der Einnahmen llit richtiger, als eine hochgegriffene. — Die Außerbetrtebs« Willig von Bahnstrecken sei allerdings an sich eine Frage ton großer staatsrechtlicher Bedeutung, da e« sich dabei um He materielle Disposition über Staatsvermögen seitens der n nebst s Staatsregierung handeln könne. Im vorliegenden Falle (Stnde Herne-Bochum) liege aber lediglich ein VerwaltungS-
■fier Hel ch vor.
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intih« Gnbahnverwaltung.
lllUll Der Referent Abg. v. Tiedemann (Bomst) betonte bi seinem einleitenden Vortrage namentlich, daß die Ein- iee-BiS nahmen (509166 804 Mk.) nicht als zu niedrig veranschlagt leB Bun Zusehen seien, und daß, wenn wirklich ein höherer Ertrag “ - - * midt werden sollte, auch etwaige Ausfälle bet anderen Etats ja berücksichtigen wären. Eine vorsichtige Etatsausstellung i indes nur anzuerkennen.
Abg. Büchtemann hält dagegen die Einnahmen für MV™ p gering eingeschätzt; daS sehe man heute an den Erträgen ■ r".! j in ersten 9 Monate de« laufenden Jahre« mit Sicherheit; .Li i in Etat hätte darnach immerhin 10—15 Millionen Mark m Wer veranschlagt werden können. Gegen den Willen der rthen. Ntrung Anträge in dieser Richtung zu stellen, könne iM nicht seine Absicht sein, lieber die Ergebnisse der --- Skkmdärbahnen wünscht er nähere Aufschlüsse. Die Re-
lausci inzwischen werde er aber carauf bedacht sein, den dringendsten Passt z Wlständen durch eine intermebiahe Novelle abzuhelfen nd Ueic Md die Wege zur künftigen Reform vorzubereiten. — Von dtter Besprechung der Interpellation wird infolge dieser be- jritbtgenben Erklärung Abstand gekommen.
■ Das Haus ging dann an die Beratung de« Etat« der
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Sportrvrnan von Carl Manno.
„Peter! Peter I Herr JeseS l" rief Mutter Klump, jeden Augenblick in ihrem Wagen auffahrend, in trat sie mit i»ei wohlgenährten Backfifch-TöLtern und ihrem, leider tochrfack durch Kloppse zu b. stiafmren zwölfjährigen Sohn bube saß I „Klump! um Gotteswillen! Ja Vater! sag'doch
Mn und gelb vor den Augen. Und da« kannst Du von feinem Erstaeborenen mit ansehen? Er will ja wohl noch . DaS sag ich Dir, wenn
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welche bube saß! „Klump! um Gotteswillen! Ja Vater! sag' doch kenpslegi itm Jungen, daß er daS infamige Hopsen über den Gra- ichcn As ®en läßt. Du mein Gott noch mal. Mir wird'» ganz
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s empf ®bfr den großen Graben setzen. .....
to auf ten Dreesch hinauf reitet, schreie ich mir den
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,J, wo, Mutter!" sagte Vater HmS Klump auf seiner °>cken Stute, als Reitgerte feinen von ihm unzertrennlichen ^ückstock in der Hand, „da« thut er ja nicht. Dazu ist ja viel zu klug."
_ »Das kennst Du nicht, Vater; Du hast vergessen, wie selbst warst."
So laß Peter doch auch mal 'rüber springen über & großen Graben: unsere Pferde sind doch auch" — 7"bwapp j hatte Lude wieder eine mütterliche Ohrfeige, er brüllte, seine Mutter ihn schalt und sein Vater M ^ßlich begütigte; aber die Mutter rüst: „Wenn ein Mannsbild ein Frauenzimmer im Kopf hat, kann matt vor pM bei ibm einstehen — HerrJeseS! Peter! Nein, die« »Btl ich nicht mehr mit ansehen l Er bringt sich vor brat N°uenz>mmer aus Begeisterung ja wohl noch um. Da« I ein kokette« Mädchen ohne Gleichen 1 Will sie meinen au« Plästr opfern?"
y ,J. wo!" wiederholte Vater Klump. „Gib mir mal -*•' äßcinbubtel herüber. Na, Liesch' ich glaub’ gar, Du
fängst auch an," die« galt seiner Stute. „Und hab Dich doch nicht so, Mutter, wenn er auch mal 'runter fällt, daS ist noch lang kein Unglück. Auch der beste Reiter fällt mal von der Mähre. Junge Leut' müssen vor einander ihr Sputzen machen. Da« haben wir auch gethan. Aber nun geht'« los."
Die letzten Worte hatten durch ihre Erinnerung Mutter Klump« Herz besänftigt und ste sah mit Wohlgefallen auf Peter und Isolde. „Wir sind auch nicht pauvre," sagte sie. „Wenn sie ihn möchte, e« wäre ein schöne« Paar. Und Geld hat ste, wohl nur zu viel, und ist darum bei ihrem Adel hochnäsig. Aber sieh', wie sie Peter anlacht. Der gute Peter l"
Die Schleppe begann. Da kamen der Piqueur und die Hunde über den Hügel.
Natürlich wurden jetzt auch mehrfach die Verse auS Shakespeares Sommernachtstraum citiert:
Vernimm, mein Lieb, bet Hunde Jagdmusik. Entkoppelt sie im Thale westwärts! fort!
Kommt holde Fürstin auf die BergeShöh' Und hört den Wirrwarr, den harmonischen Der Rüben mit bem Widerhall int Bund
Daß kaum einer die Verse richtig citierte, ist deutsche Art oder Unart, nach der die bekanntesten Stellen, z. B. „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern" und dergleichen, regelmäßig falsch angeführt werden.
Hat die Schleppe nicht da« Aufregende, unerwartete der wirklichen Jagd, so kommt ihre Fiktion derselben doch möglichst nahe.
Wunderhübsch war'«, al« die Meute sich in Bewegung setzte und unter Hellem Geläute, gefolgt von brat langen Reiterschwarm dahinstürmte. „Sie sind auf der Fährte. Jun» ist voran. — Nein, e« ist Searcher. — Nein, es
ist doch Inno. Die Hündin ist immer voran." Jetzt klettert und springt und kriecht das durch die Koppelwallhecke, jetzt über die Steinmauer, fort, fort! nun in den Sturzacker hinein.
„Vorwärts! Fahr' zu, Johann, Jochen, Christopher, Fritz!" schallt es aus dem Wagen, „lieber den Dreesch mehr links! Und hernach auf der Straße bi« an die zwei Pappeln! Himmelsapperment! — Herr! Fahren Sie uns nicht ins Rad, Herr! — Weichen doch Sie aus! Sie fahren mir ja mein^Pferd zu Schanden 1 — Du Schlingel! Kannst Du nicht aufpaffen?" re. rc. . . . So saufen die Wagen in gefährlichster Weise dahin, Equipagen, Jagdwagen, Kaleschen, Bauernwagen, um an den durch eine Fahne bezeichneten Haupthindernissrn sich wieder auszustellra. ES sind auch ein paar hundert Fußgänger habet, welche athernlo« mitlaufen und die Reiter chikanteren, welche der Jagv auf bem kürzeren Weg folgten. Ein paar werden habet überritten, doch ohne Unglück; her eine habet ab- faUenbe Reiter leibet dadurch noch am meiste».
Aber unter den Rotröcken lichtet e« sich. Beim Sprung in eine Sumpfwiese hinein stürzt der eine. Der zweite reißt, um ihm nicht aus den Kopf zu springen, sein P'erd herum und fällt darüber nach. Und daS dritte Pferd macht klugerweise vor dem Knäuel Kehrt und der Reiter fliegt allein über den Hals zu seinen zwei Genossen. Aber die Wiese ist so sumpfig, daß niemandem vom Sturz Schaden geschieht. Nur Nummero zwei wird von seinem Pfero ein wenig getreten. Freilich bie schönen Röcke, hie weißen Beinkleider l die guten Hüte! — Weite, l Wa« wähltet ihr bie schmälste Stelle des Grabens und seht nicht, daß die Ränder von den Kühen ganz durchtreten sind unb weder Ab- noch Ansprung gewähren?
(Fortse-nn, folgt)