XVIII. Jahrgang
Marburg, Sonnabend, 17. Februar 1883.
bruar , fliO
0. Dt
iMAeint täglich außer an den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage nJllustrirte» SotMtagSblatt" durch die Expedition o ch'fche Buchdruckerei) bezogen «'/. «art, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.» -Jnferttonsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.
102
Reichstag
35-4)
841
3
135
1883.
l.
l.
i.
r.
i.
72-A 52—S 19-2!
11 ,k )
l
Aus „veowulf".
Sportroman von Carl Manno.
»bzelehnt.
Zum Neubau einer evangelischen Garntfonkirche in Neisse (erste Rate zur Projektbearbeitung) waren in zweiter Lesung 10000 Mk. bewilligt. Heute wurde auch diese Bewilligung mi 155 gegen 141 Stimmen aufrechterhalten.
Im Titel 5 des außerordentlichen Etats der einmaligen Ausgaben der Militärverwaltung sind, wie erinnerlich, die zur Errichtung einer Unteroffizier Vorschule in Neubreisach geforderten 286000 Mk. gestrichen. Abg. von Benda stellte heute und begründete eingehend den Antrag auf Bewilligung dieser Position, wobei er namentlich betonte, daß die gegenwärtige Vorlage der Regierung sich vollständig dem «nschließe, was die Mehrheit de« Reichstags im vorigen Jahre selbst gewünscht, da ihre Bedenken sich vorzugsweise gegen die damals zugleich beabsichtigte Knabenschule gerichtet
hätten. Abg. Hermeö (Parchim) bat, er bei dem Beschlüsse zweiter Lesung zu belasien: für solche Unteroffizier- Vorschule sei kein Bedürfnis vorhanden. Abg. vr. S i m o n i S spricht gegen die Position, besonders weil er das Prinzip nicht billigt, daß die Knaben schon im frühen Alter ihren Familien sollen entzogen werden, und weil Neubreisach dadurch geholfen werden könne, daß ihm die Garnison wieder- gegeben werde. Daß daS militärische Interesse solche Vorschule nicht verlange, gehe aus der bekannten Rede des Herrn Statthalters selbst hervor, denn andernfalls hätte er nicht nötig gehabt, deswegen so oft nach Berlin zu schreiben. Der Reichstag möge mit großer Mehrheit an dem wohlmotivierten Beschlüsse zweiter Lesung festhalten. — Abg. Frhr. v. Minnigerode bestreitet dem Vorredner, daß die wirtschaftliche Lage von Elsaß - Lothringen sich, abgesehen vielleicht von der Auswanderung einer Reihe wohlhabender Personen nach Frankreich, seit der Annexion verschlechtert habe. DaS Gegenteil ist der Fall. Auch in politischer Beziehung könnten die Reichslande sicherlich mit ihrer Lage den französischen Verhältnissen gegenüber zufrieden sein. Befremden muffe cs besonders, daß bet dem Cancan ter Religionsverfolgung in Frankreich ein katholischer Geistlicher demselben solche Sympathie beweise. Das Bedürfnis für diese Vorschule sei zweifellos. In letzterer Beziehung ergänzt der Kommisiar Major Haberling die Ausführungen des Vorredners. Abg. Richter bekämpft den Antrag v. Benda. Drr Reichstag trete durch Ablehnung der Position mit seiner Stellungnahme im vorigen Jahre keineswegs in Widerspruch. Lokale Rücksichten könnten nicht bestimmend wirken, da auch die elsaß-lothringischen Abgeordneten selbst sich dagegen erklärten. Er bestreitet das sachliche Bedürfnis und will namentlich solche Unteroffizier-Vorschulen nicht, weil sie zur Vermehrung des militärischen Kastengeistes beitragen. Hazu komme, daß man den Militäretat nicht fortwährend mit neuen dauernden Lasten erhöhen sollte. — Hier sei die Position, an der man prüfen könne, wie ernst man eS mit der Sparsamkeit nehme! — Abg. Rickert bestreitet dem Vorredner daS Recht, solches Dogma bei einer beliebigen Position auszusprechen. Wenn auch keine anderen Gründe für die Position sprächen, würde er für die Position schon auS. politischen Gründen sprechen, weil er im vorigen Jahre sich für die jetzt modifizierte Vorlage ausgesprochen habe. Er sei im Prinzipe nicht gegen solche Unteroffiziervorschulen; um so mehr aber für dieselben im Westen, speziell in Elsaß-Lothringen. In unserem Militär- Etat wären allerdings Erhöhungen eingetreten, aber sie blieben weit hinter denjenigen der Nachbarstaaten zurück. (Bravo rechts, Zischen links.)
Abg. Frhr. v Pfetten (Zentrum) ist au« finanziellen Gründen gegen die Bewilligung, welche in dem Abg. v. Bennigsen einen betreten Vertreter findet. AuS
ein Felcweg führt. Da tauchen in der Ferne die beiden Reiter wieder auf, Sundewit noch immer führend, aber auch Bärenfuß wird jetzt scharf geritten. Man sieht sie über Hecken und Gräben fliegen. Fuchsow reitet wie toll einen Hügel hinunter und kommt gegen Hardenmut auf, aber sein Pferv thut unten am Hügel einen kleinen Rumpler und darüber zieht Sundewit wieder von ihm fort. Aber jetzt — Zwischen den Fahnen sollen sie hinüber? Nein! —Ja! — DaS ist ja abscheulich! — Daö muß sein! — DaS ist schändlich! Das ist ja kein Wett, daß ist ein Tocet-rennkn! — Viele st'ch empört; am meisten der Kolibri, als er die Schlucht steht. Er ist glutrot und hat Lust, vor Zorn und Entrüstuni zu weinen; selbst die Tante spricht unwillig ereifert; der Schwan ist sehr blaß. Da dröhnt der Gruud unter der Karriere der Nahenden. Schon sind sie heran, wie rasend die Roste, jeoer Nerv der Reicer gespannt, finster die Stirnen, fest die Lippen auf einander gepreßt, di Blicke brennend vor sich gerichtet — ein Murmeln läuft durch die Reihen — jetzt — Hopp! Sundewit stiegt hinüber! Jetzt — hoI hol hopp 1 unv die Peitsche saust — hinüberI Herr mein Gott! Bärenfuß sprang etwas zu kurz. DaS brave Pferd kommt zu Fall, seine Hinterbeine sind hinter dem Grabenrand geblieben. Der Reiter liegt am Halse neben dem Pferd, aber dies zieht die Hinterbeine nach, Fuchsow schiebt sich rückwärts wieder in den Sattel — der wackere Bärenfuß erhebt sich — ein Steigbügelriemen ist zerrissen — tdut nichts — bravo 1 bravo! — Reit' zu! Rest' zu! Vielleicht versagt Sundewit im letzten Augenblick noch — Aber viele Gesichter werden blaß. Weit vorauf galoppiert Sundewit. Donnerwetter! ES kann nicht sein!
Wieder eilen die Zuschauer, diesmal dem Ziel entgegen. « Noch der eine Bogen, die letzte Hecke — nun der Auslauf.
ZweckmäßigkeitS Rücksichten bewillige er die verhältnismäßig unbedeutende Summe für eine Institution, deren Analogie sich schon in anderen deutschen -Ländern bewährt habe. Der Antrag wird in namentlicher Abstimmung mit 169 gegen 141 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten die Nationalliberalen, die Konservativen und dir Reichspartei ohne Ausnahme, außerdem einige Zentrumsmitglieder und die meisten Sezesstonistcn. Die Linke ru't bei Verkündigung deS Abstimmungs-Resultates Bravo.
Der Versuch des Abg. v. Köller, den Posten für das Kasternement in Kastel wiederherzustellen, fch-itert; nur die Konservativen stimmen dafür. Der Antrag de< Abg. Richter, der Regierung eine andere, den lokalen Bedürfnissen der Stadt Kastel entsprechende Art der Kasernierung vorzuschlagen, wird mit 148 gegen 139 Stimmen abgelehnt, auch der Bau einer Kaserne in Hofgeismar bleibt trotz den Anträgen deö Abg. v. Köller abgelehnt.
Der Rest des Militär-Etats, deS Marine-EtatS und des Etats der Justizverwaltung wird nach den Beschlüssen der zweiten Lefung erledigt. Zum Etat des ReichSschatz- AmteS beantragt Abg. Reichensperger eine Resolution auf Einberufung einer engeren Konkurrenz wegen deS inneren Bauplanes für den Straßburger Katserpalast. Die Resolution wird nach kurzer Debatte angenommen. Der Etat der Eisenbahnverwaltung wird ohne Debatte genehmigt. Fortsetzung morgen um 11 Uhr.
f Die Ehre der preußischen Beamte».
Die Fortschrittspartei, welche sich im Abgeordnetenhause ziemlich ruhig verhält, weil sie sich dort schwach fühlt, glaubt im Reichstage auf ihre größere Zahl wie auf ihre Allianz mit der republikanischen süddeutschen BokkSpartei pochen zu dürfen. Bet jeder Gelegenheit geht sie hier, gestützt auf einige bereits erzielte partielle Erfolge, aggressiv vor, ihre Pfeile gegen alle Zweige der Staatsverwaltung losschießend.
Wie sie das Heer und insonderheit daS Offizierkorps mit der beißenden Lauge ihrer Kritik überschüttet hat, so hat auch ein Redner der Fortschrittspartei bei der Beratung des Beamten - PenstonSgefetzeS keinen Anstand genommen, sich über den ehrenwerten preußischen Beamtenstand dahin zu äußern, daß dieser bisher in der ganzen Welt geachtete Stand gelitten habe in seiner Moralität, in seinem Rufe und Ansehen.
Die Begriffe von Moralität, Ruf und Ansehen sind ja sehr verschieden in der Welt. In Preußen hält eS der Beamte für eine Ehrensache, seinem König zu dienen und dem Vorgesetzten jene Achtung und Rücksicht zu bezeigen, ohne welche eine Disziplin und eine geordnete Verwaltung
Kein Gedanke mehr, daß Fuchsow noch siegt. Harcenmut kantert weit vorauf durchs Ziel. Bravo und Hurrah er- lönt, nicht aus vielen Kehlen — zu viele haben verloren — aber die Rufenden schreien um so kräftiger. Unter diesen zeichnet sich der Kolibii au«, der mit Hand und Fuß und Taschentuch und Stimme für den Freund eintritt. Peter Klump schreit ihr nach mörderlich Hurrah und Peter kann am stärksten schreien In der ganzen Gegend; er heißt der Stier von Uri.. . Da kommt auch Fuchsow ein. Bärenfuß ist ausgepumpt; ihm schlagen die Flanken — Lautes Bravo tönt dem Jagdjunker entgegen, aber auch viele Blicke weiden sich düster von ihm ab und manches Murren erbebt sich. — Wartet es doch ab, bis zum SchiedSrichter- spruch. Vielleicht hat Hardenmut eine Fahne umaer tten, ein Hindernis auSgelasten. Noch ist alles möglich und nicktS verloren . . .
Und nun erhebt sich ein Schwirren und Gesumst, ein Spr-chen, Diskurieren, Bchaupten, Negieren, Streiten, Ereifern, Schimpfen um ein (titulieren unter den Männern, als wenn ein Narrenhausen bei einander wäre. Da plötzlich Stille — Schiedsrichterspruch! Herr von Hardenmut ist Sieger!
Einen Augenblick Schweigen, dann bricht der Spcktak l wieder los. Fuchsow hätte die« lhun scllen, Fuchsow hält' das thun sollen! Fuchsow häu' Sundewit gleich an den Kopf gehen, Fuchsow hält' eher treiben und nicht so lang im Jagdgalopp gehen lasten sollen, bis jener sich einlief... Den Damen konnte angst und bange werden über, die Männer. Die Blastm oder ganz Roten mit den wütenden Blicken und den erbitterten Zügen waren die Verlierer.
(gortfetung folgt)
Jetzt sind sie am Start. Jetzt wenden sie um. — Ab I Gut ab! Da gehen sie hin! Sundewit führt. Fuchsow überläßt Hardenmut die Führung. Paßt auf! Jetzt kommen sie an den Weg mit den Gräben. Da! da! hinüber! hin- über! Der verteufelte Sundewit! Aber er wird schon gleich s'inen gewohnten Trick auSspielen 1 Laßt nur erst die Hecke kommen. WaS laufen sie! — O nicht! sie gehen noch Jagdgalcpp. Sie haben auch dreiviertel Meile vor sich... Sapperlot! Jetzt lasten sie auf dem Dreesch aber auS- bürsten. Jetzt gebt Acht! liebet die Hecke! Heidi! Noch dicht abgeblitzt. — Er hat seinen guten Tag! Er läuft ein! Nein! Er wird gleich abschnappen. J-tzt kommt der Sturz'cker mit dem hohen Koppelreck I Donner und Doria! Hinüber! Welch ein Satz! Wie ein Hirsch! Der ^ohenbuchener reitet wie der Teufel! Warum geht ihm fuchsow nicht an den Kopf? Himmeldonner — der Satan wird doch heut nicht — Unmöglich! Er geht unter keinem leitet; auf) John Small hat gesagt, mit dem kommt keiner zurecht. — Na, ihr sollt sehen, ihr sollt sehen — nur Geduld! Das ist noch nichts. — Ich wette nochmal« sthn Li'uieoor gegen ihn, zehn gegen einen!.... Das soll ein Wort sein! — Aber jetzt! Hopp! in den tiefen Weg hinunter; die bilden Reiter berühren fast daS Kreuz ihrer ^ivste — Happ! wiener hinaus! Und jetzt sina sie hinter oem Waldstreifen verschwunden.
Die Aufre mng wird ungeheuer. Sundewit hat noch keinen einzigen Fehler gemacht. — Die We ten gegen ihn Mtummen. Zu Roß und Wagen und Fuß stürmen die Zuschauer dem Haupthindernis zu, einer fünfzehn bis Danzig Fuß breiten, steil abfallenden Schlucht, durch die
• In >t , •*
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte-, sowie d.Annoneen-Bureaux von G L. Daube u So in Frankfurt a. M ; Jägersche Buchhandlung baielbfl; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Invalider dank in
Berlin; SB. Thienes in Elberfeld: E- Schlotte in
Bremen.
L'g Mn ^-Rudolf W m Berlin, Frank- ** furt a. M- :c.
i. - ). —
In'/, »• -
21-Ä erfolgte.
‘ Zum Neubau eines WohnkasernernentS für eine Abteilung reitender Artillerie in Sagan war in zweiter Lesung die zweite Rate (erste Baurate) von 150000 Mk. gestrichen. Heute stellten die Abgg v. Köller und v. Kardorff den Antrag aus Bewilligung. Bei namentlicher Abstimmung wurde dieser Antrag jedoch mit 195 gegen 101 Stimmen
..iaen nimmt entgegen: <bition d. Blatte-, f Rnnoncen-Bureaux ^Dietrich u. So- in
ff*, »ad Hannover; Th. »jMch in Frankfurt a M; tfenfUin ^«ogler tn r.rtfairt a. M , Berlin,
Berlin, den 15. Februar.
«n der heutigen (54.) Plenarsitzung de« ReichstagS abrte bei Fortsetzung der dritten Beratung deS Etats zu- M von den einmaligen Ausgaben der Reichs-Post und rRaraphenverwaltung der Titel für da« neue Postgebäude Hamburg — wofür die Vorlage 464000 Mark als rite Rate fordert, während in zweiter Lefung zur Bestrei- LL der erforderlichen Miethe, sowie für Projektbearbet- Wg rc. nur 94000 Mk. bewilligt wurden — zu einer inaeren Debatte, an welcher sich die Abgg. Freiherr von Minnigerode, Hermes (Parchim), v. Bennigsen mid der Staatssekretär Dr. Stephan beteiligten. Da« Resultat war, daß der Beschluß der zweiten Lesung beseitigt und der Antrag der Abgg. v. Kardorff und Freiherr von Minnigerode angenommen wurde, wonach zur Herstellung nnes neuen Dienstgebäudes in Hamburg als erste Rate 246000 Mk. bewilligt werden. Gleichzeitig wurde indes dm Anträge des Abg. von Bennigsen entsprechend in dm Erläuterungen deS Etat« die Gesamtbausumme (von ‘2500000 Mk.) auf 2083000 Mk. herabgesetzt. — Im pr.Sti Origen bleiben beim Extraordinartum de« Postetats die ~ 1 Beschlüsse zweiter Lesung unverändert.
_ Bei den einmaligen Ausgaben der Verwaltung des — Reichsheeres führte zunächst die in zweiter Lesung bewilligte — Position von 10000 Mk. zur Projcktbearbeitung deS Nen-
~ daueö einer evangelischen Garnisonkirche in Spandau auf
Antrag des Abg. Herme« (Parchim) zu einer formellen Abstimmung, wobei die Ablehnung mit 134 gegen 129 Stimmen