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JfiarBurg, Sonnabend, 10. Februar 1883.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube n. 6e. in Frankfurt a. M; JSaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin: W. Thiene- in Slberfeld: 6. Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirte« SomttagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdiuckerei) bezogen 8/t Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Reichstag.

Berlin, den 8. Februar.

In der heutigen (48.) Plenarsitzung des Reichstags pachte der Präsident v. Levetzow Mitteilungen von wei­ten Eingängen für die Ueberschwemmten.

Bei Fortsetzung der Beratung deS Etats der Zölle und PerbrauchSsteuern wies zunächst der Regierungskommisiar Geh. Rat Schraut den gestrigen Ausführungen dcS Abg. Barth gegenüber nach, daß unsere Großindustrie sich in einer wesentlich günstigeren Lage befindet, als vor einigen Jahren.

Abg. Windthorst hob gleichfalls hervor, daß die Thal- fachen für den Zolltarif von 1879 entschieden hätten, die Herren Theoretiker, welche hier für ihre Lehren einzutreten fortfahren, sollten lieber für dieselben in unseren Nachbar­staaten Propaganda machen, die uns zur Schutzpolitik ge­drängt hätten.

Abg. Schmidt (Elberfeld) erinnerte an seinen in voriger Session angenommenen Antrag, betreffend die Ermäßigung der Westzölle, und bat um Beschleunigung der Sache.

Regierungskommisiar Geh. Rat Bocctus erwiderte, daß die Einzelstaaten um Gutachten ersucht seien, daß letztere aber noch nicht sämtlich eingegangen seien.

Die Einnahmen aus Zöllen, 191381200 Mk., wurden darauf genehmigt. Die Ausgaben wurden debatteloS ge­nehmigt. (Die Ausgaben für die kaiserlichen Hauptzoll- ämter zu Lübeck und Bremen werden mit Ablauf des Etats- jahres 1882/83 aufgelöst; es erscheinen daher nur noch die Ausgaben für das kaiserliche Hauptzollamt zu Hamburg, daS vorläufig noch bestehen bleibt.)

Als Einnahmen an Tabakssteuer sind 13650590 Mk. eingestellt (2 621350 Mk. mehr als im laufenden Jahre)

Abg. Sander empfahl die von ihm und anderen Ab­geordneten beantragte, der Budgetkommission noch nicht vor- gelegene Resolution, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen: ,bie in den §§ 30 und 31 des Gesetzes, betreffend die Be­steuerung des Tabaks, vom 16. Juli 1879 festgesetzten Ausfuhrvergütungssätze nunmehr in vollem Umfange zur Einführung zu bringen." Der Redner legt dar, wie die Ausführung seines Antrages, während er dem Interesse deS Exports und namentlich auch der arbeitenden Bevölkerung entspreche, in jedem Falle der Steuerkasse keinen Schaden bringen könne.

RegierungSkommisiartuS Geh. RegierungSrat BocctuS erklärt dagegen, daß seit dem 1. Dez. 1882 die Steuer- vergütungSsätze für Rohtabak und entrippte Blätter, sowie für Fabrikate aus inländischen Tabaksblättern auf das dem Steuersätze für daS Jahr 1880 entsprechende Maß erhöht worden seien. Eine Ueberschreitung dieses Maßes erscheine unzulässig, weil dadurch für große Mengen von inländischem Rohtabak aus der 1880er Ernte und von Fabrikaten auS

Aus der gute« eiten Zeit.

Es war Fastnacht am 5. März 1726, als eine ver­gnügte Gesellschaft junger Männer von einem wohlbesetzten Mttagstisch bei der Wirtin Gebhardin zu Marburg, der alma philippina, aufbrach, um sich auf den Heimweg zu begeben.

Sie bestand au« den Studenten von Trömbach, Schmitt aus Bremenn, Zobel aus Vecha, von Buchenau aus Buchenau und Heine aus Marburg und um den Gmuß bes fröhlichen Tages noch weiter auszunutzen, lud von Trümbach feine schon angeheiterten Comilitonen ein, bei 'hm in seiner Wohnung den Kaffee zu trinken.

Diese war in dem Pöppschen Hau« in der Barfüßer- uraße. Sein Hauswirt Popp vereinigte mit einer Bäckerei

Wein- und Bierschenkö und eS konnte nicht ausbleiben, ®ie später die Studenten v. Löwenstein und Brand hinzu- 'amen, daß die Herren vom Kaffee zum Wein übergingen 8nb bis zum Abendessen zusammenblieben.

Sie hatten eS sich möglichst bequem gemacht, ihre Waffen abgelegt und tie kostbaren Röcke ausgezogen, faßen also in Hkünärmeln und trotzdem Schnee und Eis auf der Straße 'ag, bei offenen Fenstern.

Es war ihnen warm geworden, dir 8Pursche" (wie sie sich nannten) hatten bis 8 Uhr abends 12 Maß Wein aus mgn. Stangen getrunken, (hohe lange Gläser, etwa zwei Schoppen haltend, welche wohl noch hier und da bei Kartenspielen auf dem WirtStischj vorkommen, sonst aber 'angst außer Gebrauch sind).

Um den nun obengebrauchtm Ausdruckkostbare Klei- zu rechtfertigen, seien zunächst hier einige der Anzüge, "tlche die Studenten damals trugen, näher beschrieben.

Student Schmitt war mit einem grünen Rock und

solchem Rohtabak die Gelegenheit zur Erlangung einer Aus­fuhrprämie unter erheblicher Schädigung der Steuerkasse gewährt fein würde. Eine Erhöhung der Vergütung für Fabrikate aber aus ausländischem Rohtabak sei noch nicht zugestanden, weil die Annahme begründet, daß noch erheb­liche Vorräte von Zigarren, welche ausländischen, zu dem früheren niedrigen Zollsätze verzollten Tabak enthalten, vor­handen seien. Eine fernere Erhöhung der Vergütungssätze könnte erst eintreten, wenn eS ohne wesentliche Benachteiligung der Steuerkasie thunlich sei.

Abg. vr. Buhl hält dem gegenüber an der Berechtigung der In der Resolution ausgesprochenen Forderung fest. Die baldige Gewährung der Exportprämie stehe auch mit dem Geiste im vollen Einklang, aus dem das Tabakssteuergesetz herrorgegangen. Von Verletzung des fiskalischen Interesses könne bei der Natur dieser Exportprämie gar keine Rede sein. Auch Abg. Köpfer (gleichfalls Unterzeichner des Antrages) tritt für denselben ein.

Abg. Reiniger schließt sich den Ausführungen des Abg. Sander an und betont, daß der Export, namentlich nach Holland, bedeutend zurückgegangen fei. Abg. Frhr. v. Minnigerode erklärt, daß die Konservativen mit den Antragstellern den Wunsch teilen, daß bald normale Ver­hältnisse eintreten, daß aber die Erklärung der Regierung als vollständig ausreichend anzusehen sei. Man möge auch nicht vergessen, daß seiner Zeit die Nachversteuerung des Tabaks im Interesse des Exports unterblieben fei. An der Debatte beteiligten sich noch die Abgg. Goldschmidt, Reiniger und Köpfer (welche beiden letzteren dem Abg. v. Minnigerode widersprechen). Die Abstimmung über die Resolution wird erst in der 3. Lesung des Etats erfolgen. Die Etatsposition wird bewilligt.

Auf eine Diskussion über die Rübenzuckersteuer wird auf den Antrag des Abg. von Bennigfen wegen der bevor­stehenden Einbringung einer neuen Vorlage verzichtet. Die Salzsteuer wird nach kurzer Debatte genehmigt.

Abg. Uhden wünscht Erhöhung der Exportbonifikation für Branntwein, worauf der Etat der Branntweinsteuer genehmigt wird. Beim Etat des Reichsschatzamtes begrün­det Abg. Reichensp erger seinen Antrag, vor Errichtung de« Kaiserpalastes in Straßburg eine engere Kommission zu berufen. BundeSkommisiar Herrmann verteidigt das auf dem Tische de« Hauses niedergelegte Bauprojekt. Es sei durchaus nicht angezeigt, eine neue Kommission im Sinne des Antragstellers einzusetzen.

Abg. Römer hält das Bauprojekt gleichfalls für keines­wegs einwandsfrei. Abg. Rickert spricht gegen den An­trag, da eine Kommission oder eine Konkurrenz auch nicht Unanfechtbares zu liefern garantiere. Ueber die Resolution des Abg. Reichensperger wird in dritter Lesung abgestimmt werden. Der Etat des Schatzamtes wird durchweg ge-

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nehmigt, ebenso der TitelReichsschuld". Morgen um 1 Uhr setzt daS Haus die Etatsberatung fort.

An den Vorschlag des Präsidenten, auch Teile de« 1884/85er Etats auf die Tagesordnung zu bringen, schließt sich eine längere Debatte bezüglich der Geschäftsordnung, in welcher die Abgg. v. Minnigerode und Windt- h o r st dem Vorschläge des Präsidenten beitreten, die Abgg. Rickert, Hänel und Lasker denselben bekämpfen. Abg. Windthorst meint, der Etat müsse allerdings formell auf die Tagesordnung gesetzt werden, er werde denselben aber titelweise als verfassungswidrig ablehnen. Abg. v. Bennigsen glaubt ebenfalls, eine formelle Be­ratung sei nicht zu umgehen. Das Haus nimmt den Vorschlag des Präsidenten an.

Die neuesten Resultate der Mehrheitsherrschaft iu Frankreich

werden von niemand ungünstiger beurteilt, von niemand lebhafter beklagt, als von den einsichtigen Organen eben dieser Mehrheit. Dem Beschluß, durch welchen die Nach­kommen der ehemals regierend gewesenen französischen Dyna« stieen für unfähig erklärt worden sind, in ihrem Vaterland« Zivil- und Militärämler zu bekleiden, widmet das republi­kanischeJournal des Debüts" (bekanntlich eines der an­gesehensten Blätter Frankreichs) einen Artikel, der sich daS Schillersche Wort über das Los der Länder,wo Mehrheit herrscht", zum Motto genommen zu haben scheint. In Ausdrücken, deren Schärfe kaum Überboten werden kann, weisen die Debats darauf hin, daß die Mehrheit, welche e« in den wichtigsten Fragen häufig an der nötigen Ueber- einstimmung habe fehlen lasten, dieseSmal von einer Leiden­schaftlichkeit erfüllt gewesen sei, welche alle Rücksichten der Billigkeit und Gerechtigkeit außer Augen gesetzt, alle Ein­würfe der Gegner und ihrer eignen deformeren Mitglieder bei Seite geschoben habe, um einen mehr als bedenklichen Beschluß mit stürmischer Eile durchzusetzen. Besonderer Nachdruck wird dabei auf den Umstand gelegt, daß dieser Beschluß eben jetzt einen abermaligen Regierungswechsel und zwar einen solchen notwendig gemacht habe, der nur den Vorboten fernerer Veränderungen bedeute. Herr Feny hat die Uebernahme des Vorsitzes im Ministerrat bekannt­lich abgelehnt, die Verwaltungen des Auswärtigen, deS Krieges und der Marine werden nut interimistisch besorgt und niemand vermag anzugeben, was werden soll, wenn der Senat dem Beschlüsse der Deputiertenkammer die Zu­stimmung versagt. Während der gefaßte Beschluß eine Be­sorgnis um den Bestand der Republik zum Ausdruck ge­bracht hat, zu der jede eigentliche Veranlassung fehlte, von der aber jetzt zu fürchten steht, daß sie sich über da« ge­samte Land ausbreiten werde, hat derselbe eine entschiedene Stellungnahme Frankreichs in der egyptischen Angelegenheit

einem leberfatbenem Kamisol (Weste) bekleidet, die Knöpfe und Knopflöcher waren golden umsponnen, er hatte eine Petrücke und einen Hut mit silberner Borde, die mit Spitzen besetzt wat, auf, Hirschfänger, enge Hosen und hohe Stiefel.

Student von Löwenstein trug ebenfalls ganz grüne Kleidung, aber hohe Strümpfe und Schnallenschuhe. Drei­eckigen Hut, Galanteriedegen mit vergoldetem Gefäß.

In dieser Weis- war auch die Kleidung der übrigen Stuvenlen; sie trugen teils hellgraue ober grüne Röcke mit messingenen oder silbernen Knöpfen, Perrücken und waren sämtlich mit Degen versehen.

Al» nun der so fröhlich verlaufene Tag sich zu Ende neigte, wurde die zechende Gesellschaft gegen 8 Uhr abends durch ein wüstes Schreien und Lärmen veranlaßt, an die Fenster zu springen. Sie erblickten auf der Straße eine AnzahlKompagnie" Studenten mitSpielleutcn" an der Spitze, welche vom Markt her das Poppsche Haus passieren wollte. Vor demselben angekommen, machten sie Halt, bi rief ihnen von Trömbach zu:JungenS, wenn ihr nicht fortgeht, beim bekommt ihr Slockschläge." Diese Drohung wollte sich bie ausgelassene Gesellschaft auf ber Straße nicht gefallen lassen. Student Degen aus Marburg ruft hinauf:Kein rechtschaffener Pursch hält uns für JungenS, wie sind ebenso gute Purfche, wie ihr da oben."

Trümbach fordert nun seine Comilitonen auf, bie unten» stehenben Studenten zu vtttEen; damit einverstanden, nehmen sie sich nicht die Zeit, ihre eigenen Waffen zu er­greifen und ihre eigenen Röcke anzuziehen, sondern saßen, wa« ihnen zunächst liegt und stürzen sich auf die vor dem Haus noch lärmenden Studenten.

Erschreck- durch ben plötzlichen Angriff, versuchen die­selben zwar fortzulaufen, werden aber unter Schimpf­

wörtern der derbsten und brutalsten Art verfolgt und vor bem Westhellerschen Haus eingebolt, wo es zu einem Ge­fecht kommt. Lange dauert es, bis ber Kampf entschieben ist. Die Studenten Degen, Müller und Münscher wollen nicht weichen und erst nachdem mehrere ihrer Comilitonen kampfunfähig geworden sind, ziehen sie sich zurück, werben noch ben Plan hinunter bis in die Untergasse verfolgt, wo sie sich in den daranstoßenden Gärten zer reuten.

In der damaligen Zeit waren dergleichen Straßenkämpfe nicht« seltenes. Die loSgebundene Jugendkraft tobte gern ihre Fehden, die Rechte des Mittelalters und de« dreißig­jährigen Krieges auf diese Art aus und schlichtete gegen- fettige Beleidigungen kurzer Hand mit der Wisse, da, wo sie sich fanden und war es mitten auf der Straße.

Die Bürger verkrochen sich, um später nicht al« Zeugen vor Gericht geladen zu werden, wenn überhaupt eine An­zeige resp. Bestrafung ftatlfanb, in die Häuser oder sie nahmen Partei an der Prügelei und unterstützten dieselbe bereitwilligst. So kam es denn auch bei diesem Straßen- kämpfe vor, daß v. Trömbach, welchem bei dem Gefecht btr Degen au« dem Griff geschlagen worden war, alsbald vom Sattler Kreuzer, der dem Kampfe zugesehen, einen anderen Degen ans dem Fenster zugereicht erhielt.

Nachdem nun die eine Partei gänzlich zerstreut war und keinen Wiederstand mehr zu leisten wagte, kehrten die Studenten, welche bei v. Trömbach gezecht hatten, durch bie Untergaffe bei dem HauS des Herrn von Einstedeln (jetzt LöbellfcheS) tie schmale Gasse hinaufgehend, in die Poppsche Behausung zurück, nachdem sie vorher die Stücke der zer­brochenen Klingen auf dem Kampfplatz zusammengesucht hatten. Nach und nach fand sich also die frühere Gesell­schaft wieder in der Wohnung Trömbachs zusammen.

(Fortsetzung folgt.-