xvm. Jahrgaug.
JRaröurg, Freitag, 9. Februar 1883.
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«rfAeint tSalich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnstrirle« 6oimtag«Hatt durch die Addition (Kochfche fluch druckerei) bezogen 8*/t Statt, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Start 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) -'JnsertronSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf,.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Pfg. berechnet.
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Nun, ich glaube, an irgend einem Punkt muß die Re- sorm doch einmal in Angriff genommen werden. Wollte die Postverwaltung energisch vorgehen, ich glaube, die Eisenbahnverwaltung würde gerne nachfolgen, und wollte di- Eisenbahnverwaltung vorgehen, dann würde sich allerdings der Sonntagsdienst der Post von selber sehr leicht und einfach beschränken. ES wäre gewiß kein Unglück, wenn man am Sonntag nur die Eilzüge fahren ließe, aber dann mit allen drei Klaffen, damit im Notfall auch die Geringeren fahren können. W-nn man aber alle Personen- und Güierzüge etwa von 9 Uhr morgen- bis 3 Uhr nachmittags einstellen und ruhen lasten würde, ich
Stuoeut wirst, aber so streng, wie Du gegen mich warst, wirst Du wohl nie wieder fetal"
Der Prinz beantwortete diese Bitte mst einem Küste und war und blieb mit Diana ein glückliches Paar«
glaube, das wäre nicht zu viel verlangt, denn die Eisenbahnbeamten wollen auch ihre Ruhe.
Meine Herren, wir stnd beim Postetat und nicht beim Eisenbahnetat, allein insofern der Eisenbahndienst mit unserer Frage auf das allernächste zusammenhängt, muß ich auch den Eisellbahndienst hier mit berühren, und es ist die Frage ja auch ganz die nämliche, ob daS Reich von den Postbeamten Dienst verlangt, oder ob eS die Einzelstaaten stnd; denn nachdem wir die Bahnen verstaatlicht haben, ist der Arbeitsherr, der die Arbeit verlangt, auch bei den Eisenbahnen der Staat.
Ich glaube, daß auch die Verstaatlichung der Eisenbahnen nicht die gewünschten Früchte bringen wird, dir man erhofft, wenn es nicht gelingt, einen Stand zahlloser Beamten dauernd zufrieden zu stellen, human zu behandeln und ihm die nötige Sonntagsruhe und Sonntagsfreiheit, Freiheit vom Dienst, zu gewähren.
Was die Privatgesellschaften sich erlauben dürfen, ich glaube, das wird der Staat sich nicht erlauben können, denn das Odium, was bisher die Privatgesellschaften einzeln zu tragen hatten, das wird sich nun ungeteilt gegen den Staat wenden. Ich glaube, daß mit der Verstaatlichung der Eisenbahnen allerdings die Rechte des Staats viel größer geworden sind, ich glaube aber auch, daß damit die Pflichten des Staats größer geworden stnd und daß der Staat es vielleicht zu seinem Nachteil erfahren wird, daß dem so ist, wenn er nicht zeitig darauf Bedacht nimmt, die Klagen und Beschwerden und namentlich die berechtigten Klagen und Beschwerden der Eisenbahnbeamten selbst zu befriedigen.
Meine Herren, ich muß leider noch mehr sagen. Seit dem Jahre 1878 suchen wir die Sozialdemokratie mit allen Mitteln zu bekämpfen, negativ, indem wir die Verbreitung ihrer Lehre zu hindern suchen, positiv, indem wir den berechtigten Klagen und Beschwerden des Volkes Abhilfe zu verschaffen suchen. Nichts aber hat meinen Beobachtungen nach daS Wachstum der Sozialdemokratie mehr gefördert und begünstigt als die wachsende SonntagSarbeit. Gehen Sie einmal hin in die Magazine und 85rett, in die Fabriken und Gasthöfe, und fragen Sie nach, ob nicht alle, die von ihrer Hände Arbeit leben muffen, sich nach Befreiung von diesem Dienst wie nach einer Erlösung sehnen. Ja, ich glaube, wenn wir die Zustände, wie sie jetzt stnd, fixieren wollten, dann würden wir allerdings wesentlich mit dazu beitragen, daß die Sozialdemokratie noch weiter um sich greift. Wollen wir aber Einhalt thun, bann bleibt uns nichts übrig, als unserem Volke einen Tag wieder sreizugeben, wo eS sich sammelt und auf sich stlbst besinnen kann.
Meine Herren, ich weiß wohl, daß es damit allein nicht gethan ist, aber wenn wir an die Unfallversicherung, an die Kranken- und Altersversicherung, an den Normalarbeitstag und an andere Dinge gehen, dann sollten wir eS zuerst doch einmal mit unserem so einfachen Mittel versuchen, daS jedenfalls den Vorzug der Wohlfeilheit vor allen anderen voraus hat.
Diese Schilderung machte mich stutzig und ich dachte: Sollte diese vielleicht die Richtige für mein Herz fein?
Ich erkundigte mich nach dem Namen biefer seltsamen Dame und erfuhr, daß c8 die Gräfin Diana von Hau- mor.t fei.
Sofort brach ich nun nach der Gegend auf, wo Du wohntest und hatte Gelegenheit Dich zu bewundern, ja ich sah und liebte Dich in einer Sekunde. Mein Herz jubelte, aber trotzdem wollte ich Dich einer Prüfung unterwerfen und mich Dir als fahrender Sänger nahen.
Doch war ich auch oft wieder mit mir über die Ausführung dieses Planes in Zweifel, ja ich fürchtete sogar, als fahrender Sänger gar nicht dazu zu kommen, mit Dir zu sprechen und Liebe zu mir einflößen zu können. In dieser Situation näherte sich mir der Baron Trevi« und wollte mich, getäuscht durch meine äußere Erscheinung, zum Werkzeuge seiner Rache an Dir wachen. Nach einigem Zandern überschaute ich die Situation und erkannte, daß ich kein Unrecht that, scheinbar als falscher Prinz zu gelten, denn in dieser Situation konnte ich Dich, liebe Diana, noch einer schweren Prüfung unterwerfe«.
Da» Übrige weißt Du eigentlich schon, zur näheren Erklärung will ich Dir aber noch folgendes mitteilen.
Am Abende vor unserer Hochzeit stieg in mir ein großer Zweifel an Deiner wahren Liebe zu mir auf, denn Du sprachst da sehr geringschätzig von einer Mißehe, die eine Dame der Aristokratie mit einem bürgerlichen Beamten ein«
ich nicht glücklich fein kann, fnndenl"
Diana schluchzte leise, als widerte bann:
„Ja, ich liebe Dich und
Der sslsche Prinz.
Erzählung von Th. von Aschenberg.
Die Souutagsfeier für Post und Eisenbahn.
Rede deS Hm. ReichStagS-Abgeordneten Prof. vr. A r n o l d. -.kalten in der Sitzung am 30. Januar 1883 bei Beratung des ** Etats der ReichSpost- und Telegraphen-Verwaltung.
(Rach dem stenographischen Bericht.) (Schluß)
»einen Geist zu bieten.
So durchzog ich das nördliche Italien, dann einen Teil von Frankreich und kam auch nach dem Elsaß, ohne bie Dame meines Herzen« gefunden zu haben.
Doch als ich einige Zeit im Elsaß anwesend war und »eine Schritte bereits über den Rhein hinüber nach Deutschland lenken wollte, da hörte ich einmal einige vornehme Herren, die ich scherzweise durch meinen Gesang ergötzt hatte, Eine Dame von seltsamer Schönheit und auch gar eigen- tatigem Stolze und Geistesgaben schildern, welche auch bi« jetzt öte Bewerbungen vieler vornehmen Herren abgewiesen habe.
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«.„•eigen nimmt entgegen : Spedition d.Blatte«, a ^ied-Annoncen-Bureaur 1 ° Ib Dietrich u. E». m ■
und Hannover; Th. W Kich in Frankfurt a.M.; ■ Lfenftein u. Vogler tn 1 iÄ'rt «. M-, Berlin. feP, Köln ic.; Rudolf
We m Berlin, Franl- furt a. M- rc.___________
„Print Carlo von Conti bin ich und bleibe ich und Du bist und blechst meine Gemahlin, die Prinzessin," erwiderte Carlo ernst, „und daS Rätsel werde ich Dir bald erklären, meine teuere Diana. Was ich Dir schon früher erzählt habe, die Entiäuschungen meine- Herzens, sind eine bittere Wahrheit gewesen und nachdem ich längere Zeit darüber unglücklich gewesen war, In den aristokratischen Kreisen meiner Heimat nicht diejenige Dame zu finden, die mein Herz begehrte, beschloß ich wahre Liebe im Volke, in der weiten Welt zu suchen, aber nicht ÄS' Prinz, der schon durch seinen tarnen und sein Vermögen blendet, sondern al- armer §tabent oder fahrender Sänger beschloß ich die Welt zu burchzieben und der Dame meinet Liebe nut mein Hetz und
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie d.Annoncen-vureaux een 0. 8. Daube n. tte. in Frankfurt a. M.; JLaerlche Buchhandlung daselbst; Hetmansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; SB. Thienes in toerftib: 6- Schlotte in Bremen.
Abent Oueniii uch «I iirfi - iese« !
ES ist vor einigen Tagen bei dem RelchSeisenbahnetat auf die beiden schweren Unglücksfälle Bezug genommen, dir sich beide im vergangenen Jahre bei Extrazügen ereignet haben, beide am Sonntag, — gleichsam als wenn e- mit dem gewöhnlichen AlltagSdienst am Sonntag nicht genug sei. ES ist darauf g antwortet worden, ja eS fei doch abergläubisch, zu meinen, die Unglücke hätten sich am Sonntage ereignet, well am Sonntage die Extrazüge eingelegt feien. Gewiß, das mag abergläubisch fein! Wir sind auch nicht so abergläubifch, aber so logisch stnd wir doch, zu schließen, daß, wenn man den Leuten die Erholung nimmt, wenn man ihnen die Sonntagsruhe nicht gewährt, die Sicherheit des Dienstes leidet, die Zahl der Unglücksfälle demgemäß sich vermehrt, und bann allerdings die Unglücksfille am Sonntag und an Werktagen eintreten können; denn wir wollen allerdings das Leben des Staatsangehörigen an Werktagen ebeufo wie am Sonntag schützen. Es scheint mit eine Grausamkeit, wenn man den Leuten die Erholung nicht gönnt und sie hinterher um de- geringsten Versehen- willen der fahrlässigen Tötung halber vor Gericht stellt, während die intellektuellen Urheber der fahrlässigen Tötung ganz wo anders sitzen. Ich beziehe mich da auf ein Erkenntnis de- Mannheimer Landgerichts, — ich habe natürlich die Prozeßakten nicht im Original einsehen können, aber was die Zeitungen berichtet haben, wird wohl richtig fein. ES ist bei einem Angeklagten ausdrücklich als MllderungSgrund Ueber« bürdnng im Dienst angeführt. Das ist res judicata, daran läßt sich nichts ändern.
Nun, meine Herren, ich muß leider noch mehr fügtet. (Unruhe links. Rufe nach Ruhe.) Es ist bitter und schmerzlich, an die Ereignisse des Jahres 1878 erinnern }U müssen. Haben wir denn vergessen, daß der 2. Juni 1878 auch auf einen Sonntag fiel? Meine Herren, das mag. ein Zufall fein, aber eS war doch wohl kein Zufall, daß man geglaubt, das, was an einem Werktage nicht gelangen fei, werde an einem Sonntage leichter gelingen.
Solche erschütternde Ereignlffe können den Völkern al- Merk- und WarnungSzeichen bienen, wie weit e« mit ihnen bereits gekommen ist. (Unruhe links.) ES fragt sich da nur, ob sie sich warnen lasten wollen.
Ja, meine Herren, wir haben zwei Wege vor unS. Der eine Ist die Rückkehr zur Sitte und Ordnung unserer Väter, und bann mag das Sprichwort fein Recht behalten: „Gott verläßt keinen Deutschen". Der andere ist, wenn wir im Widerspruch mit Gottes Gebot unseren eigenen Weg gehen, den des Verfalls und der Auflösung. Ich glaube dann wird uns nichts mehr helfen, keine Sozialreform und keine Sozialrevolution, keine direkte und keine indirekte Steuer, keine Gewerbeordnung und keine Gewerbefreiheit, kein Schutzzoll und kein Freihandel, bann geht eS abwärts, unerbtttttch abwärts.
Ja, jedes neue Postgebäude, was wir bauen, jede Eisenbahn, die wir anlegen, jede Verkehrssteigerung, die wir vornehmen, dar alles wird nur dazu beitragen, den Verfall zu beschleunigen und In Immer weitere Kreise zu tragen, wenn wir daneben die sittlichen und höheren Aufgaben deS Staate« außer acht lassen.
gegangen sei und deshalb ließ ich die elenden Verleumdungen deS Baton Trevis am anderen Tage über mich ergehen und stellte mich als kein Prinz, sondern nur al« ein bürgerlicher Student bar, weil ich Dich mit Einwilligung Deine- Onkel« noch einer schweren Prüfung aussetzen wollte."
„Wie, mein Onkel wußte schon lange, daß Du kein Betrüger warst?" bebte Diana hervor.
„Nein, er erfuhr erst die ganze Wahrheit, al- er mich im Gefängnisturme einem Verhöre unterwarf," entgegnete der Prinz, „bann wirkte ich von ihm die Erlaubni« au«, zu Dir zutückzukehten und noch drei Tage ben armen Studenten und falschen Prinzen spielen zu dürfen, um zu erfahren, ob Du auch mich al- einfachen Mann, ohne Titel und Würden lieben könntest. Du hast diese Prüfung glücklich bestanden, meine Diana, und wirst mir dieselbe verzeihen, benn ich suchte nach wahrer Liebe, ohne welche
Nun ist vorhin von bem Herrn Vorredner auf andere Stände exemplifiziert worden und-er hat da auch den Profefsorenstand genannt. Meine Herren, da ich selbst Professor bin, so kann ich dem Herrn Vorredner verstchern, daß ich in den letzten 30 Jahren niemals daS geringste ... an einem Sonntag gearbeitet habe und daß ich mich stets ablftJ ^£»1 habe, wenn der Ruhetag gekommen ist, an dem ich mich von den Mühen uud Arbeiten und ben Schlaflosig- ’ * täten der Woche habe erholen können. Und wenn es mir
gelungen ist, wenn mir Gott etwas zu leisten gegeben hat, bann, glaube ich, habe ich eS nut deshalb und mit deshalb gekonnt, weil ich den Sonntag heilig gehalten habe.
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Wir find eben daran, eine Berufsstatistik für das Reich austunehmen. Ich glaube, eS wäre vielleicht der Mühe n>eit, eine Invaliden- und MorlalitätSstatistlk damit zu sribinden, und wir würden bann sehen, daß kein Beruf so anstrengend, so aufrelbeno ist wie der Post- und Eisen« bahndicnst. Fälle, in denen Invalidität nach 10 oder
**** 20 Jahren eintritt, kommen ja wohl in jedem Beruf vor, aber, ich glaube, nirgends so häufig und zahlreich, als gerade beim Post- und Eisenbahndienst. Um so notwen- biger sollten wir auf eine Sonntagsruhe der Beamten und Angestellten halten, wenn wir nicht verschwenderisch mit bem Kostbarsten umgehen wollen waS der Staat hat, mit geben und Gesundheit seiner Beamten.
Nun höre ich sagen, das mag alle« recht gut und schön etajH sän, aber wie kann denn die Post überhaupt den SonntagS- «öti» bienft beschränken, so lange die Eisenbahnen nicht damit e vorangehen? Und das scheint mir allerdings der unlösliche
S-Buä Arkel. Die Reichspostverwaltung sagt: so lange die Eisenbahn ihren Dienst nicht einstellt, müffe« wir dem Dienst auch nachgehen; und ich glaube, sie hat insofern ganz Recht, als dann die Postbeamten selbst petitionieren würden, Sonntags arbeiten zu dürfen, damit die Arbeit deS Montags leichter bewältigt werde. Die Eisenbahnen aber sagen: was sollte aus der Reichspostverwaltung werden, wenn wir den Dienst Sonntags einstellen würden?
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