xvm. JahrMl.
Marburg, Doimcrstag, 8. Februar 1883.
I
■ „M,n nimmt entgegen: «« ebttion b.Slatte«, ,iedS°n°"«n-Bure-ur
-^-Dietrich u. E,. iS
102
Für in der Expedition ,u ertheilende Auskunft-,„b Annahme von Adreffen
6t i
35-«
83;
Zn -/,
135
11
Der falsche Prinz.
Erzählung von Th. von Aschenberg.
fragte Diana mit beklommenem
4
K
erkläre mir alles, teurer Carlol
(€ chlnß folgt
L
i
11 i
14
In', Brief. ।
75
32-51
16-A
n 31
OrfAeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Ouort^ m,t bet wöchentlichen Beilage „Jllnstrirtev E-MtNigSblatt^ durch dte Expedttion (N o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 8*/, Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 8 Pf» (erd- Bestellgebühr.^ — JnsertronSgebühr ,Lr ore gespaltene Zeile 10 vfl-
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft,^ Annahme von Adreffen werden 25 Pfg- berechnet.
- 4
- 4
«S.
Die Souutagsfeier für Post «ud Eisenbahn.
Rede des Hm Reichstags-Abgeordneten Prof. vr. Arnold, «»ballen in der Sitzung am 30. Januar 1883 bei Beratung des Etats der Reichspost» und Telegraphen-Verwaltung.
(Nach dem stenographischen Bericht.)
Ist es ganz unbebftfl^ wenn der Staat fort und fort seine Beamten n$gt, die Pflichten gegen daS HauS und die Kindererzieb^g zu vernachlässigen? Ist eS ganz unbedenklich, 5enn wir den Beamten die Möglichkeit ihrer leiblichen Hrholung beschränken, — ich will nicht sagen: nehmen s mit anderen Worten: Ist der Verkehr daS letzte und Hchste Interesse im Staate, dem alle» andere zum ®^er gebracht werden muß?
,»•' Unb ich glaube, wenn wir bie Frage so stellen, wirb die Antwort auch nicht zweifelhaft sein; wenigstens werden wir dann ganz genau wisicn, nach welcher Richtung die Antwort liegt. Nun, meine Herren, ich glaube, ein Konflikt zwischen den Jnteresien der Kirche und zwischen den Interessen des Verkehr« besteht bei uns nicht, so wenig als In Englanb oder in Norbamerika, Länder, die uns in der Entwickelung deS Verkehrs unendlich überholt haben und die doch nicht gewillt sind, ihre Sonntagsruhe den gesteigerten VerkehrSbebürfnisien zum Opfer zu bringen. 1
Es wirb nun gewöhnlich gesagt, bie Reichspostverwaltung halte darauf, baß den Beamten wenigstens jeder zweite ober britte Sonntag frei bleibe. Wir wellen einmal annehmen, baß eS wirklich so ist; — wir werden uns den freien Sonntag gleich ein wenig näher ansehen, wie er sich in der Praxis wirklich gestaltet; — aber es sei so, so scheint eS mir da doch auch nicht so ganz unbedenklich, wenn der Postbeamte in seinem Gcwisien sich gebunden fühlt, den Sonntag heilig zu halten, daß der Staat herkommt unb sagt: „Ihr Leute, so ernst ist daS nicht gemeint, eS genügt, wenn ihr nur jeden zweiten ober dritten Sonntag heilig haltet.* Gewiß, das formale Recht hat der Staat unzweifelhaft, ob er aber auch das höhere materielle, das sittliche Recht hat, scheint mir weit weniger zweifellos zu sein.
Nun, meine Herren, lasten Sie uns den zweiten oder dritten freien Sonntag etwas näher ansehen, wie er sich in der Praxis wirklich gestaltet. Es mag ja sein, baß gegen früher einige Erleichterung eingetteten ist, — unb wir sind dankbar dafür, wenn unsere früheren Einwendungen wenigstens einige gute Folgen gehabt haben, viel bester aber kann es doch nicht geworden fein; denn eS sind mir Fälle zu Ohren gekommen, wo es den Postbeamten doch Monate lang nicht möglich gemacht war, in die Kirche zu kommen. Ja, woher kommt daS? Einfach daher, baß In bet Regel bem freien Sonntag Nachtdienst vorangeht und wenn dieser Nachtdienst geleistet ist, so ist der Postbeamte natürlich am Morgen außer Stande, die Kirche zu besuchen. Am folgenden Sonntag aber ist wieder, wie gewöhnlich Werktagsdienst und, wenn der Postschalter während der Ktrchenstunden geschlosten ist, geht der innere Dienst ruhig weiter. Ja, da muffen wir uns doch ver- wundern, wenn ein religiöses Leben der Postbeamten überhaupt noch vorhanden ist, wenn eS nicht in einer Weise geschädigt wird, die für den Staat selbst außerordentlich bedenklich ist. , .
Die Sache ist in der That schlimmer, so schlimm, daß schon jetzt daS Volk v elsach AergerniS und Anstoß an bem übertriebenen Sonntagsdienst nimmt, wenn eS eben die Postbeamten mit dem Posikarren die Straßen auf- und abfahren steht, und dir Gepäckstücke unter der Kirche abladen.
Aber, meine Herren, Gott Lob unb Dank ist bet religiöse Sinn im Volke noch viel tiefer unb viel allgemeiner verbreitet, als man in großen Städten vielleicht glaubt. (Sehr richtig.) Unb so lange der Staat nicht zwei Dinge aus der Welt schaffen kann, den Tob unb daS Gewissen, so lange sollte sich meines Erachtens bet Staat wohl hüten, die Religion mit thten absoluten Geboten itgenbwte zu tangieren. Es ist ein großer Unterschied zwischen bem, was der Einzelne und dem was bet Staat thut. Det Einzelne mag sich mit Gott und seinem Gewissen abfinden, danach hat niemand etwas zu fragen; bet Staat kann bas nicht, denn jede Religion lehrt, daß matt bet Obrigkeit um Gottes willen Gehorsam schulbet. Wohin soll eS also führen, wenn der Staat, dem man um Gottes willen Gehorsam schuldet, indirekt Gottes Gebote übertritt. Meine Herren, im Gewissen unb Gemüt beS Volkes wird in bie- ser Weise alle obrigkeitliche Autorität begrünbet sein müssen; wäre daS nicht mehr der Fall, dann würben uns bie Gesetze nichts mehr helfen, und ich glaube, es würde dann ein Zustand kommen, wo es auch heißen könnte: plurim&e leges, pessima respublica. Die Gesetze allein thun eS nicht, wenn das Gewissen nicht hinter den Gesetzen steht.
Wir haben in den letzten Jahren, meine Herren, eine Menge Freiheiten erhalten, Freiheiten, von denen eS zweifelhaft ist, ob sie dem Volke wirklich Segen gebracht habens wenigstens haben meine Erfahrungen mich darin bestärkt, daß das Volk, wenn von diesen Freiheiten die Rede «ar, immer ziemlich bedenklich den Kopf schüttelte. (Widerspruch.) Eine Freiheit haben wir leider nicht erhalten, und Ich glaube, daß diese Freiheit unserem Volke unzweifelhaft Segen gebracht hätte, daS ist bie Sonntagsfreiheit oder hier zunächst die Freiheit von der dienstlichen Sonntagsarbeit. Alles kann natürlich nicht auf einmal erreicht werden, aber Schritt für Schritt, nach und nach muß eine Besserung herbeigeführt werden.
Meine Herren, fast noch wichtiger, als die subjektive religiöse Seite bet Frage ist die Rücksicht auf daS HauS und die Erziehung der Kinder. Wollen wir denn den Be- amten keinen einzigen Tag gönnen, wo fie bett Pflichten gegen bas HauS und gegen bie Erziehung ihrer Kinder nachkommen können?
ES hat mir ein sehr einsichtsvoller Beamter, ein Eisenbahnbeamter gesagt, daß der Sonntag für die Kinder- Erziehung am wenigsten entbehrt werden könne. Denn da haben die Kinder keine Schule, die Mutter ist oft nachsichtig oder schwach, also laufen die Kinder ohne Aufsicht umher, und wenn sie heranwachsen, besuchen sie Orte, wo sie gar mancher Versuchung ausgesetzt sind. Meine Herrens sollen wir uns da wundern, wenn die Sozialdemokratie fort und fort gerade aus den Reihen der heranwachsend- Jugend sich neu rekrutiert? Zu verwundern wäre eS nf wenn eS anders wäre.
Noch mehr, meine Herren, ist eS dem Staat wirk? gleichgiltlg, einen verdrossenen und unzufriedenen Beamt' stand groß zu ziehen, wo er so leicht einen treuergebn' und anhänglichen haben könnte? Die Quellen, auS de«' sich die Sozialdemokratie fort und 'ort neu ergänzt, lief durchaus nickt bloS auf dem Gebiete der Industrie. V
lar 1883. i
tief. G-lG. A2
Meine Herren, ich möchte mit wenigen Worten die KrÜNdc angebeu, die für die Konservativen maßgebend gewesen sind, sich dem Anträge Lingens — betreffend die Sonntagsruhe der Post- tc. Beamten — anzuschließen. Wir sehen in dem Antrag ein Mlniumum von dem, waS erstrebt werden muß, denn wir glauben allerdings, daß^dtz Sonntagsfrage, daS ist hier zunächst weiter nichts btc tom Staat geforderte und für den Staat zu leffte-^ Sonn- iagsarbeit, wesentlich mit der sozialen Frage insamrnenhängt und daß In diesem Sinne auch ein Asammenhang der Frage mit der kaiserlichen Botschaft.^,^7. Rov. 1881 besteht. /
Meine Herren, ich möchte ^fallS, wie eS die Vorredner gethan haben, sehr ^gegen verwahren, als ob eS uns hier irgendwie um eine \ßo[emi( gegm bje Reichspost» Verwaltung zu thun sei, unb ba, wo die Reichspost» Verwaltung vielleicht des @uttn $u viel gethan hat, auch da find wir gern bereif ^e8 $u entschuldigen, ja, wir glauben, daß der Zustand, t^|e er geworden ist, ganz in der Stille, unmerklich, unterHand so geworden Ist, daß eS aber jchl allerdings h^ ßelt jst, sich $u besinnen, wohin wir gekommen sind ^nb m0^n steuern, wenn es so weiter 21—25 geht. (Sehr f*t! re$t3- Widerspruch links.)
Meine £>emn, lc$) ^e(be die religiöse unb die soziale Seite der Fr.^ Ich glaube, die religiöse Seite gehört nicht hier ^he HauS, denn ich finde keinen einzigen Paragraph^ bet RcichSv-rfassung, der irgendwie Stellung nehme zur Religionsgemeinschaft. (Sehr richtig! links.) ®eftotrlebr aber berührt uns hier die soziale Seite der Frage und m ^sem Standpunkt aus wird es auch nicht zu umgeh.^ |eln, EigstenS bie subjektiv religiöse Seite vom <5tanbvuntt beg Gewissens der Beamten au8 mit zu berühren.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u. 6e- in Frankfurt a.M;Jäaeftche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thienes in ElberfAd; <• Schlotte in Bremen.
• « Dreirnv “• ’»»■••» jSÄBKfiS-
find wir?"
ß ,"Am Hause meines Vaters, meine Liebe," entgegnete mit fröhlicher Stimme.
... »r sprang aus bem Wagen unb war dann feiner L etaiben jungen Frau beim Aussteigen behulflich. Sie ti 'djritten einen großen, aber ganz bunklen Hof bis zu Keinen Thüre, die Carlo mit ben Worten öffnete :
.Komm, meine liebe Frau, man erwartet uns nicht; weiß nicht, welchen Schatz von Glück ich heimbringe.
, müssen unseren Weg allein suchen."
. Diana folgte schweigend Carlo und erstieg mit ihm eine ^"fte Treppe. Oben angekommen, schritten fie noch durch langen Corridor, Carlo öffnete eine Thür und Diana u ganz geblendet von dem daraus leuchtenden Lichtstrahl der Pracht deS Zimmers stehen. Er aber zog sie hinein nannte dies ihre neue Wohnung.
. Wer beschreibt ihr Erstaunen? Diana befand sich in ”l'7T Saale,' dessen Wände mit Sammt überzogen und “L’holb eingelegt waren; ihre Füße standen auf einem Teppiche; die ausgesuchtesten Blumen prangten in kostbaren Vasen und verbreiteten bie feinsten Wohls-, 1 - - - cx.w.„ hnn vornehmem
Ehrbietungen entfernt, so wurde Diana durch eine »r bekannte Stimme in neues Staunen gerissen.
„Erlaube, baß ich nicht bet Letzte bin, bet Dir f~ Glückwünsche in ber neuen Heimat bringt," rief ®i‘** Onkel, ber alte Graf Haumont, der ans einet Seiten?' auf seine Nichte zueilte und ihr zärtlich bie Stirne t
„Wie, mein Onkel, Du hier?" tief Diana unb f‘8*' sich in bie Arme des alten Mannes.
„Ja, mein Kind, ich bin zwei Stunden vor (Ju»'»*" gekommen, um bie schöne Prinzessin Conti würd empfangen." Aente*
„Tausend Dank, lieber Onkel!" erwiderte Diana.ch — ich bin wirklich ganz irre an mir, ganz irre an deüpraz. Wer kann mir das Rätsel lösen in welchem ich 19 dem Abende unserer Hochzeit befand? Und ist mein in._* jetzt ter wirkliche Prinz Conti?"
„DaS ist er," entgegnete Graf Haumont lächelnd, ,84 Dein edler Gemahl wird Dir selbst daS Rätsel lösen. I will Euch zu diesem Zwecke allein lassen, morgen sehen r„, unS wieder." —
Der alte Graf verabschiedete sich zärtlich von jungen Paare. T
„Wo bin ich denn?" frag Diana, sobald fie ärmeren. „War es ein Traum, ben ich du chlebte? B
G>ln k.; Rudolf
- 1(
- 11
Migeti
Aussehen näherten sich den Angekomme.ien unb einer sagte | Mt einer tiefen Verbeugung:
Wir begrüßen Ente Hoheiten mit großer Freude. Haben Sie eine glückliche Reise gehabt?"
„Eine ausgezeichnete, mein Heber Baron. Meine Herren " wandte Carlo sich dann an alle Anwesenden, „ich ließ Sie bitten, sich diesen Abend hier einzufinden, um Ihnen die Frau Prinzessin, meine Gemahlin, vorzustellen."
Mein Gott! Ist da« alle« ein Traum?" murmelte Diana und schmiegte sich fest an ihren Gemahl.
Dieser merkte wohl, waS in ihrem Innern vorging unb führte sie nach einem Divan, der in einer Nische an ber Seite des Saale« stand unb flüsterte ihr zu:
Du erfährst noch alle«, Diana, ober daS versichere ich Dir "noch jetzt, alles, was Du hier siehst unb hörst, ist bie lauterste Wahrheit unb Du wirst bald einen schlagenden Beweis dafür haben." ,
Dann stellte Carlo ber Reihe nach ferner jungen Gemahlin bie anwefenben Herren vor und bat sie für heute abend ihn uno feine Gemahlin bei der in einem anderen anstoßenden Saale arrangierten Festlichkeit entschuldigen zu wollen, ba beide von der langen Reise noch zu sehr ange« griffen feien unb bie Frau Prinzessin noch einen nahen Anverwandten empfangen wollte.
Kaum hatten sich die Herren unter ben verbindlichsten
., Ab-'.'-ie SonntagSfeier unb bie Sonntagsheiligung an durchaus nicht hierher, meines Erachtens ist hohe HauS gar nicht kompetent.
, 7® -7t nun bisher immer gesagt worben, — unb eS freut miV ; bcT $etr Staatssekretär heute zum ersten- mal nicht in bcr Weise geantwortet hat, aber e« ist bisher s «geschehen, — eS ist gesagt worden, eS bestehe ein Konflikt .Archen den Interessen der Kirche und den Jnter- essen cc^ qrjetfe^rgz und diesen Konflikt suche die ReickS- postverw itu„g auszugleichen, indem sie gleichsam die Dia- | Male £cbe- M^ne Herren, ich glaube, die Sache liegt %a8 anders. Die Kirche ist durchaus nicht dafür 6eran?5ottlid), waS der Staat seinen Beamten vorschreibt, ich afaube, die nachteiligen Folgen diese« Sonntags- wirb ganz allein der Staat zu tragen haben.
.. glaube, die Frage wird vielmehr so zu formulieren i?'°..iSteht Im Zweifel daS sittliche ober steht daS wirt- t Jdie Interesse deS Staate« höher? Jst e« ganz un- 6etcIÄ, wenn der Staat in steigendem Maße Taufende 6cn Beamten in Widerspruch mit ihrem Gewissen bringt?